Stand: 23.08.2019 von Egmond Haidt 12 Kommentare

Der Irrwitz und der weltweite Zinssenkungswettlauf nimmt Fahrt auf, gerade in der Euro-Zone gibt es immer mehr Strafzinsen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz prüft daher ein Verbot von Strafzinsen für Kleinsparer. In dem Umfeld werden die Perspektiven für Gold  immer besser.  

Mit Kursen von rund 1.500 Dollar je Unze notiert der Goldpreis in der Nähe des Sechs-Jahres-Hochs. Zwar hat er zuletzt ein wenig nachgegeben, nachdem US-Präsident Donald Trump überraschend angekündigt hatte, er wolle die Lohn- und Einkommenssteuer, sowie die Kapitalertragssteuer senken.

Einige Investoren hoffen, dass das die US-Wirtschaft ankurbeln könnte, woraufhin der S&P500 bis auf rund drei Prozent an das Rekordhoch von Ende Juli herangeklettert ist, während die US-Zinsen ein bisschen gestiegen sind. 

Unter dem Strich wird es vielen Investoren allerdings zunehmend klar, dass es zumindest bis zur US-Präsidentschaftswahl am 3. November 2020 keine Einigung im Handelskrieg zwischen den USA und China geben dürfte, womit sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft immer weiter eintrüben.

In dem konjunkturell unsicheren Umfeld halten sich Unternehmen weltweit mit Investitionen zurück, weshalb eine weltweite Rezession von Tag zu Tag wahrscheinlicher wird. Sie liegt vor, wenn das Wirtschaftswachstum auf weniger als zwei Prozent zurückgeht. 

Powell muss aggressiven Zinssenkungszyklus in Aussicht stellen

Die Schwäche der Weltwirtschaft ist längst auf die US-Wirtschaft übergeschwappt, gerade auf die Industrie, weshalb die US-Wirtschaft zusehends in Richtung Rezession abrutscht. Daher fordert Trump fast täglich massive Zinssenkungen der Fed, zuletzt hat er eine schnelle Reduktion der Zinsen um herbe 100 Basispunkte (1,0 Prozentpunkte) gefordert. Zudem solle die US-Notenbank zum QE-Gelddrucken zurückkehren. Damit würde sich das ohnehin prächtige Umfeld für Gold weiter verbessern. 

Umso gespannter schauen Investoren auf das Treffen der weltweiten Notenbanker in Jackson Hole, US-Bundesstaat Wyoming, das vom 22. bis 24. August läuft. Im Fokus der Investoren steht vor allem die Rede von Fed-Chef Jay Powell, die am Freitag um 16 Uhr beginnt.

Investoren erwarten, dass Powell die Zinssenkung um 25 Basispunkte vom 31. Juli nicht mehr als „Anpassung in der Mitte des Zyklus“ bezeichnet, sondern klar den Start eines aggressiven Zinssenkungszyklus signalisiert.

Viele Investoren gehen davon aus, dass die Fed bis Ende 2019 die Zinsen um mindestens 50 Basispunkte reduzieren wird, bis zum Sommer 2020 soll sich der Abbau auf 100 Basispunkte summieren.

Sparer müssen sich auf immer mehr Strafzinsen einstellen

Damit würde der weltweite Zinssenkungszyklus immer mehr Fahrt aufnehmen, zumal die EZB bereits bei der Sitzung am 12. September vorlegen dürfte und den Einlagenzins für die Banken vom Rekordtief von derzeit minus 0,4 Prozent um mindestens 10 Basispunkte senken und den Start eines neuen QE-Gelddruckprogramms ankündigen dürfte.

Die Frage ist nur, wieviel Geld die EZB künftig wieder drucken wird, werden es 25, 35 oder gar 50 Mrd. Euro pro Monat sein?

Diese irrwitzige Geldpolitik bringt die deutschen Banken immer mehr in die Bredouille, müssen die Institute doch immer mehr Strafzinsen für die bei der EZB geparkten Einlagen zahlen. Daher mussten die deutschen Banken im vergangenen Jahr Strafzinsen von 2,4 Mrd. Euro an die Bundesbank berappen. 

Je tiefer die EZB die Zinsen in den Strafzinsbereich drückt, umso mehr kommen die Geldhäuser unter Druck, die Strafzinsen an ihre Kunden weiterzugeben, inzwischen nicht mehr nur an Großkunden, sondern auch an Kleinsparer, was bei ihnen zurecht für immer größeren Frust sorgt. 

Strafzinsen sind eine Perversion

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) lässt daher prüfen, ob Guthaben von Kleinsparern gesetzlich vor Strafzinsen geschützt werden können. Man prüfe, "ob es der Bundesregierung rechtlich überhaupt möglich ist, Kleinsparer vor solchen Negativzinsen zu schützen", sagte Scholz der Funke Mediengruppe.

"Diese Prüfung ist aber kompliziert und wird etwas dauern."

Ein derartiges Gesetz wäre allerdings nur das Herumdoktern an Symptomen. Ursache für die Wut der Sparer ist nicht, dass die Banken die Strafzinsen weitergeben wollen, sondern dass die EZB überhaupt die Strafzinsen eingeführt hat und sie zudem immer weiter in den Keller drückt. 

Um das Problem zu lösen, müsste man es an der Wurzel anpacken, also die EZB dazu bewegen, diese irrwitzige Politik der Strafzinsen aufzugeben und zu einer normalen Geldpolitik zurückzukehren.

Trotz gegenteiliger Beteuerungen vieler EZB-Mitglieder sind Strafzinsen etwas völlig Unnatürliches, eine völlige Perversion der Geldpolitik. 

Wer allerdings glaubt, dass die EZB unter ihrer designierten Chefin Christine Lagarde, die im November ihr Amt antreten wird, eine Normalisierung der Geldpolitik angehen könnte, irrt gewaltig. Lagarde ist eine Anhängerin von Strafzinsen und dürfte sie daher immer weiter in den Keller drücken und zudem ein massives QE-Gelddruckprogramm starten. 

In den USA drohen ebenfalls Strafzinsen

Weil viele andere Notenbanken, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB), eine ähnlich irrwitzige oder noch irrwitzigere Politik als die EZB betreiben, ist das weltweite Volumen von Anleihen mit Strafzinsen auf den Rekord von umgerechnet 16,7 Billionen Dollar gestiegen - das sind 30 Prozent des weltweiten Anleihevolumens.

Das gibt dem Goldpreis kräftigen Rückenwind, weil man mit physischem Gold Strafzinsen umgehen kann. 

In den nächsten Quartalen dürfte die Lage weiter eskalieren, zumal die Fed dem „Vorbild“ der EZB folgen dürfte und in der nächsten Rezession ebenfalls Strafzinsen einführen dürfte. Dann wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis entwickelt. 

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Verbot von Strafzinsen für Kleinanleger
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [12]
  • von Wers glaubt wird Seelig | 04.09.2019, 22:40 Antworten

    Vor nicht langer Zeit habe ich es schon vorraus gesagt und jetzt ;)
    focus_ de/finanzen/banken/onlinekonten-auch-betroffen-banken-schrauben-an-den-gebuehren-viele-girokonten-um-mehr-als-30-prozent-teurer_id_11100393.html#commentFormbegin

  • von bling bling | 25.08.2019, 23:31 Antworten

    sport-treibende zum tragen einer smartwatch und, für jeden gejoggten kilometer, zum kauf von co2-zertifikaten verpflichten. die watch könnte das kalorisch umrechnen. weight-watchers goes coo-watchers...unsinn qu-watchende politiker einer unvermögenssteuer unterwerfen.

  • von Wers glaubt wird Seelig | 25.08.2019, 20:48 Antworten

    Verar..... kann ich mich selbst ,Verbot von Strafzinsen für Kleinsparer ,dann erhöht die Bank eben ihre "Kontoführungsgebühren" .
    Ihr Geld bekommen sie so oder so,wie das Kind dann nun heißt ist egal.

  • von Michael Thiel | 23.08.2019, 19:54 Antworten

    Alles nur noch Krank ( die Welt )
    also alles von der Bank holen oder investieren in feste sachen!!!!

  • von der deutsche Michel | 23.08.2019, 18:06 Antworten

    Der EURO ist TOT,TOT,TOT,TOT;TOT;TOT !!!!! wer es bis jetzt nicht gerafft hat dem ist nicht mehr zu helfen .

  • von Goldhamster | 23.08.2019, 12:03 Antworten

    Die Schweizer weichen ihrem Strafzins der wesentlich höher ist, durch Bunkern der 1000'er "Ameisen"-Scheine unter der Matratze aus. Die (Geld)Welt ist in ihrer Perversität aus den Fugen geraten.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"