Stand: 14.01.2015 von Mr. Gini 1 Kommentare

Auch im Neuen Jahr 2015 stehen die alten Probleme und Risiken wieder ganz oben auf der Agenda. Sogar massenmedial. Wir hatten uns ja mit der Thematik - und zwar sehr grundsätzlich - noch in den letzten Wochen und Monaten des alten Jahres 2014 beschäftigt. Und im Artikel " Euro Austritt Griechenland - Prof. Sinn " haben wir uns ja intensiv mit dem Ausscheiden der Griechen aus der Eurozone beschäftigt.

Na ja, vielleicht haben die Verantwortlichen in den Ministerien der Bundesregierung in Berlin hier ja über die Feiertage einiges zum Thema Griechenland gelesen. Denn es ist schon beachtlich, dass nun plötzlich selbst in den Hauptstrommedien fast täglich das Thema Griechenland wieder ganz oben auf die Agenda kommt.

Griechischer Austritt im Fokus

Und urplötzlich scheint es einen Sinneswandel an der Spitze der Regierung zu Berlin zu geben. In den Hauptstrommedien ist zu lesen, dass die Bundesregierung angeblich konkrete Strategien für einen möglichen Austritt der Griechen aus der Währungsunion entwickelt. Die Bild-Zeitung berichtete, dass das Bundeskanzleramt in Berlin aktuell Szenarien für einen potentiellen Sieg der Partei Syriza unter Alexis Tsipras durchspielen lasse. Die Bild beruft sich insofern auf Kreise in der deutschen Bundesregierung.

Weitreichende Konsequenzen

Sollte es also zu einem Sieg des Linksbündnisses kommen, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass die griechische Regierung die ausstehende Rate von zehn Milliarden Euro an Hilfskrediten nicht erhalten würde. Weiter wird berichet, dass im Falle des möglichen Austritts der Griechen aus der Währungsunion, also beim Grexit, es zu einem regelrechten Ansturm der Kunden auf die ohnehin schon geschwächten griechischen Banken kommen könne.

Das wäre der Moment, in dem alle Kunden nur eines wollen: nämlich ihre EURO-Guthaben sichern. Mögliche Konsequenz dieses anstehenden Bankruns sei, dass ein Zusammenbruch der Institute in Griechenland nicht auszuschließen sei. Für den Fall sei es so, dass dann die EU-Bankenunion in der Pflicht wäre und mit Milliardenzahlungen einspringen müsste.

Deutsche Öffentlichkeit für griechischen Sparkurs

Interessanterweise ist es einer jüngsten Umfrage der ARD zufolge so, dass in Deutschland eine große Mehrheit dafür ist, dass die Griechen ihre harte Reformpolitik fortsetzen. 80 Prozent waren dafür, dass sich die deutsche Bundesregierung für die Beibehaltung des Sparkurses in Griechenland einsetzt. Erstaunlich ist ferner, dass sage und schreibe 61 Prozent der Deutschen der Umfrage zufolge für einen Austritt Griechenlands aus der kriselnden Eurozone votieren, falls die harten Auflagen der internationalen Gläubiger, sprich der Troika, nicht erfüllt werden werden würden. Nur 28 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen einen Schuldenerlass für die gebeutelten Griechen. Der Chef des Linksbündnisses, Alexis Tsipras, pocht ja auf ein Ende der schmerzhaften Austeritätspolitik und drängt auf einen Schuldenschnitt.

Hohes Maß an Unsicherheit

Wie auch immer, vor den Wahlen, die ja am Sonntag, den 25. Januar, stattfinden werden, ist also für Hochspannung gesorgt. Die Unsicherheit ist jedenfalls groß. Und Tag für Tag werden neue Meldungen über Umfrageergebnisse für noch mehr Verwirrung sorgen. Instabile, labile Verhältnisse also. Schon jetzt werden sich die Planer in den Hinterzimmern in Brüssel, Frankfurt und Berlin Gedanken über die Reaktionen und Maßnahmen nach dem Wahltag machen. Szenarien werden entworfen, sicherlich werden auch Verhandlungsspielräume hinsichtlich Hilfsgelder oder Bankenrettung schon jetzt ausgelotet. Eines ist sicher: nach dem Wahltag wird das große Geschacher kommen. Dessen Ausgang ist ungewiss.

Schuldenkonferenz nötig

Zwischen den Jahren war wohl auch Prof. Sinn sehr fleißig. Noch am Feiertag Heilige Drei Könige veröffentlichte der Top-Ökonom seine aktuellen Anmerkungen zum Thema Griechenland.

Also, Prof. Sinn bevorzugt nach wie vor, für die Griechen eine internationale Schuldenkonferenz einzuberufen. Griechenland müsse wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen und wettbewerbsfähig werden. Das erfordere aber Prof. Sinn zufolge eine Abwertung der Währung. Und jetzt bringt der deutsche Top-Ökonom auf den Punkt, dass dies einen zeitweisen Austritt aus der Eurozone bedeuten würde, was wiederum einen Schuldenschnitt bedingen würde.

Wörtlich sagt Hans-Werner Sinn in dem Kontext folgendes:

"All dies muss zusammen beschlossen und international koordiniert werden."

Miserable Lage der griechischen Realwirtschaft

Höchst interessant ist jedenfalls, was Herr Sinn als Begründung dieser Maßnahmen anführt. Im Gegensatz zu den Verantwortlichen in Europa, die ja teilweise immer noch davon ausgehen, dass die Griechen auf einem guten Weg, auf einem Weg der Erholung seien, ist Prof. Sinn da völlig anderer Ansicht. Die Lage in Griechenland ist nach wie vor dramatisch. Herr Sinn geht sogar so weit, von einer miserablen wirtschaftlichen Lage zu schreiben. Griechenland habe heute doppelt so viele Arbeitslose wie im Mai 2010. Die Industrieproduktion sei um 30 Prozent eingebrochen gegenüber dem Niveau vor der Krise.

Das Fazit von Prof. Sinn lautet:

"Das Land steckt in der Falle. Die interne Abwertung durch Sparprogramme ist gescheitert."

Weiter führt er aus, dass die Griechen nie und nimmer in der Lage sein würden, ihren Schuldenberg abzutragen. Im Gegenteil, schon jetzt drohe ein weiterer Staatskonkurs wie im Jahr 2012. Letztlich sei es besser, diese Spirale zu durchbrechen.

Sicherlich werden diese Maßnahmen nicht "umsonst" zu haben sein, insbesondere auch für Deutschland. Dazu aber später mehr.

Verlässt Griechenland die Eurozone?
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [1]
  • von Karl fischer | 14.01.2015, 17:50 Antworten

    Ich finde es traurig daß deutsche und europäische politiker die bücher von prof sinn nicht lesen bzw nicht verstehen wollen ! Auch von weik und friedrich ( der crash ist die lösung ) gibt es eine beschreibung der krise und deren konsequenz !

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