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Stand: 24.05.2022 von Jörg Bernhard
Das Jahr 2022 verläuft an den Finanzmärkten bislang ausgesprochen turbulent. Selbst Staatsanleihen bester Bonität blieben davon nicht verschont. Deren enorme Verluste haben insbesondere in den USA die Renditen deutlich nach oben getrieben.
Verlustpotenzial bei Gold geringer als bei Langläufer-Anleihen?

Investmentrisiken in unsicheren Zeiten

Unter vielen Anlegern ist die Ansicht stark verbreitet, dass Triple-A-Staatsanleihen lediglich über ein begrenztes Verlustrisiko verfügen. Insbesondere bei festverzinslichen Papieren mit langer Laufzeit sind Investoren in diesem Jahr aber eines Besseren belehrt worden.

So haben die 30-jährigen Staatsanleihen aus den USA und Deutschland deutlich mehr verloren als der Goldpreis – vor allem, wenn man dabei dessen auf Eurobasis ermittelte Wertentwicklung berücksichtigt.

Während der Goldpreis in Dollar sein erzieltes 52-Wochenhoch in der Spitze um 14 Prozent unterschritten hat, belief sich das Minus in Euro auf lediglich 9,5 Prozent. Bei der 30-jährigen Bundesanleihe und ihrem Pendant aus den USA beliefen sich die Verluste in der Spitze hingegen auf 33 bzw. 22 Prozent.

Da sich sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks die Renditen im Langfristvergleich immer noch im Niedrigbereich bewegen, kann das Ende der Talfahrt noch nicht ausgerufen werden.

Zur Erinnerung: Anfang der 80er-Jahre boten US-Bonds Renditen im zweistelligen Bereich – und dies mehrere Jahre lang (siehe Chart). Während damals Anleiheinvestoren positive Realrenditen (inflationsbereinigte Nominalzinsen) erzielt hatten, „frisst“ die Inflation den Zins komplett auf und zehrt zudem an der Substanz.

Die von der US-Notenbank Fed eingeleitete Zinswende sollten die Besitzer von Gold trotz der gestiegenen Opportunitätskosten (Zinsverzicht) nicht überbewerten, schließlich gehen steigende Renditechancen auch stets mit einem höheren Verlustrisiko einher. In Europa dürften insbesondere die südlichen Mitgliedsländer bei weiter steigenden Zinsen erhebliche Finanzierungsprobleme bekommen.

Anleihen – eher nicht kaufenswert

Einen Aspekt sollten Investoren bei der aktuellen Bewertung von Anleihen auf keinen Fall außer Acht lassen. Laut der Portfoliotheorie besteht nämlich zwischen Rendite und Risiko ein sehr enger Zusammenhang. Steigende Renditechancen machen Anleihen zwar attraktiver, allerdings verstärken sie auch stets die damit verbundenen Verlustrisiken.

Renditen können gewissermaßen als Entschädigung für das eingegangene Risiko interpretiert werden. Als kaufenswert sollte man Staatsanleihen bester Bonität trotz gestiegener Zinsen aus folgenden Gründen nicht einstufen.

  • Da wir in den vergangenen Jahrzehnten deutlich höhere Zinsniveaus als heute gesehen haben, könnten die Zinsen weiter ansteigen, was insbesondere bei langlaufenden Anleihen zu erheblichen Kursverlusten führen würde.
  • Hohe Zinsen würden zudem die Schuldentragfähigkeit und die Refinanzierung hochverschuldeter Staaten gefährden – und davon gibt es bekanntlich ziemlich viele. Das damit verbundene Ausfall- bzw. Kontrahentenrisiko existiert bei Gold in Form von Barren und Münzen nicht.

US-Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in den vergangenen 50 Jahren

Ausblick für die laufende Woche

Erstmals seit 1923 verzeichnete der Dow-Jones-Index acht Verlustwochen in Folge und verlor damit seit Anfang Januar in der Spitze 16 Prozent. Ab einem Minus von 20 Prozent wird in der Regel von einem „Bärenmarkt“ gesprochen.

Da der Technologie-Index Nasdaq-Composite sein bisheriges Allzeithoch bereits um mehr als 30 Prozent unterschritten hat, herrscht unter den Börsianern eine starke Nervosität. Aktuell hat man den Eindruck, dass an den Finanzmärkten alles verkauft wird – Aktien, Anleihen, Edelmetalle sowie Kryptowährungen.

Angesichts der Tatsache, dass weder Cash noch Tagesgeld einen nachhaltigen Schutz vor massivem Kaufkraftverlust bieten, sollten sich Goldbesitzer nicht von der allgemein grassierenden Verkaufslaune anstecken lassen.

In den wichtigsten Wirtschaftsregionen kann man zwar weiterhin wirtschaftliches Wachstum ausmachen, zuletzt haben aber einige Konjunkturindikatoren klar enttäuscht.

Am Mittwoch steht mit dem Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter ein besonders wichtiger US-Konjunkturindikator zur Bekanntgabe an.

Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich gegenüber dem Vormonat ein Mini-Zuwachs von 0,6 Prozent eingestellt haben.

In unsicheren Zeiten – wie wir sie derzeit zweifellos erleben – sinkt die Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen. Statt in langlebige Wirtschaftsgüter bietet sich eher ein langfristiges Investment in Gold an.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von meerettich | 25.05.2022, 12:35 Antworten

Hallo Chris. Das mit dem steigenden Risiko bei höherem Zins liegt daran, daß bei (Staats-)Anleihen der Zins über die gesamte Laufzeit fest geschrieben ist.
Angenommen Sie haben eine 10 jährige Anleihe über 100€ mit 10 Zins-Coupons je 1 €, und die Zinsen steigen nur auf 2%, dann wird Ihnen jeder Käufer die Ertrags-Differenz auf eine neue, 2%ige Anleihe vom Kaufpreis abziehen.
Also, z.B. 1% Zins-Differenz mal 9 Jahre Rest-Laufzeit = 9 % Ertrags-Differenz. Sie bekommen für Ihre alte Anleihe also nur noch 91€ ausgezahlt. Das Beispiel ist grob vereinfacht, nur hatten wir in 1979/80 (bei geringeren Staats-Schulden) schon mal einen Zins-Anstieg um ca. 6%???
Deshalb habe ich an anderer Stelle auch schon mal gesagt, eine Schulden- oder INFLATIONS-bedingte Zins-Erhöhung sei nichts anderes als eine nachträgliche Kürzung gesparter Löhne. Man könnte zur Staats-Finanzierung aus der Notenpresse wohl auch UN-gesetzliche Steuer sagen, aber dann würde es ja jeder verstehen…. geht gar nicht.

von Chris | 24.05.2022, 22:47 Antworten

"Steigende Renditechancen machen Anleihen zwar attraktiver, allerdings verstärken sie auch stets die damit verbundenen Verlustrisiken"

Moment mal - Steigende Renditen verstärken die Verlustrisiken? Können Sie da mal die Kausalitätskette darlegen?
Oder haben wir da vielleicht doch Ursache und Wirkung verwechselt, da doch die steigenden Renditen i.d.R. Ausdruck bzw. Präimie des steigenden Risikos sind?

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