Stand: 30.12.2015 von Mr. Gini 2 Kommentare

So, zum Abschluss des Jahres 2015 geht es nun noch einmal um die Frage, wie es mit den Vermögen, insbesondere der Mittelschicht in Detuschland, bestellt ist. Und da gab es erst jüngst Neues von der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Wie auch immer, schon vor drei Jahren widmete sich die Konrad-Adenauer-Stiftung ja in einer zusammenfassenden Metastudie der Frage nach der Stabilität der Mittelschicht in Deutschland. Die Studie kam damals zum Ergebnis, dass von einer Schrumpfung oder gar Erosion der Mittelschicht nicht die Rede sein könne. Betont sei aber, dass es damals um die Einkommen der Mittelschicht ging. Nun, in der aktuellen Studie von Christina Arndt stehen die Vermögen der Mittelschicht im Fokus.

Vermögende Mittelschicht

Also, im Ergebnis der Studie kommt heraus, dass die Mittelschicht in Deutschland über einen Großteil des Privatvermögens verfügt. Und, positiv ist auch, dass die Mittelschicht - im Gegensatz zur einkommensstärksten Schicht - weder durch die Finanzkrise noch durch die anhaltende Niedrigzinsphase massiv an Vermögen verloren habe. Also, laut Herrn Arndt würden die Menschen mit mittleren Einkommen über etwa 68 Prozent des gesamten individuellen Nettovermögens in Deutschland verfügen. 2007 habe dieser Anteil noch 65 Prozent betragen. Der Vermögensanteil der oberen Einkommensschicht sei dagegen im gleichen Zeitraum um drei Prozentpunkte auf nur noch 29 Prozent geschrumpft. Von einer krisenbedingten Umverteilung von der Mitte nach oben könne somit nach Maßgabe der Mikrodaten zumindest bislang keine Rede sein, so das Fazit von Herrn Arndt.

Über die Höhe der Vermögen

Interessant auch, wie hoch die Vermögen der deutschen Mittelschicht sind. Im Durchschnitt betrage der Studie zufolge das Nettovermögen der Mittelschicht pro Kopf knapp 73.000 Euro. Dabei entfallen auf Immobilien mit gut 70 Prozent der Löwenanteil. Gut zehn Prozent ihres Vermögens investiere die Mittelschicht in Geldanlagen und Wertpapiere, knapp fünf Prozent sind Betriebsvermögen. Zur Mittelschicht zählen der Studie zufolge alle Privatpersonen, deren Nettoeinkommen zwischen 60 und 200 Prozent des mittleren Einkommens liegen. 78 Prozent der Bevölkerung gehören folglich zur Mitte. Dieser Anteil sei seit 2007 stabil, während er zuvor, zwischen 1999 und 2006, stetig von 83 Prozent auf 77 Prozent gesunken sei.

Selbstgenutzte Immobilie der Mittelschicht im Fokus

Höchst interessant ist demnach auch, dass die Mittelschicht fast drei Viertel ihres individuellen Bruttovermögens in Immobilien investiert habe. Davon entfalle der Großteil auf die selbstgenutzte Immobilie. Die Portfoliostruktur der Mittelschicht habe sich in der Krise nur unwesentlich verändert. In der mittleren Einkommensschicht liege die Eigentümerquote mit 56,6 % leicht höher als in der Gesamtbevölkerung. Der Anstieg der bundesweiten Eigentümerquote zwischen 2007 und 2012 sei insbesondere auf die Steigerung der Eigentümerquote innerhalb der mittleren Einkommensschicht von etwa 54 % auf etwa 57 % zurückzuführen.
Das Vermögensportfolio der oberen Einkommensschicht unterscheide sich im Vergleich zur mittleren Einkommensschicht deutlich. Auf Immobilien entfallen ja auch in der oberen Einkommensschicht im Schnitt der größten Teil des Bruttovermögens. Im Unterschied zur Mittelschichtsei allerdings die Bedeutung des Vermögensanteils des selbstgenutzten Wohneigentums mit 35,6 % in der obersten Einkommensschicht deutlich geringer als in der Mittelschicht.

Schuldenportfolio im Visier

Sehr aufschlußreich auch der Blick auf das Schuldenportfolio der Mittelschicht. Mit 66,7 % entfalle der größte Anteil der individuellen Schulden in der mittleren Einkommensschicht auf die Restschuld des Hypothekenkredits für die selbstgenutzte Wohnimmobilie. 16,8 % der individuellen

Schulden in der mittleren Einkommensschicht entfallen auf Konsumentenkredite, wobei 17,3 % der Menschen in der mittleren Einkommensschicht einen Konsumentenkredit aufgenommen haben. In der oberen Einkommensschicht haben Hypothekenkredite für weitere Immobilien mit 46,2 % eine fast dreimal so große Bedeutung wie in der mittleren Einkommensschicht mit lediglich 16,5 %. Das Schuldenportfolio der mittleren Einkommensschicht sei der Studie zufolge in den zehn Jahren zwischen 2002 und 2012 prinzipiell unverändert geblieben.

Gini-Koeffizient im Fokus

Herr Arndt nimmt in der Studie auch Bezug auf den Gini-Koeffizienten. Der Gini-Koeffizient der individuellen Nettovermögen sei demnach zwischen 2007 und 2012 leicht von etwa 0,79 auf 0,77 zurückgegangen und sei damit in etwa auf dem Niveau von 2002. Der leichte Rückgang der Vermögensungleichheit finde sich auch innerhalb der ausgewählten Einkommensschichten wieder. Auch in der mittleren Einkommensschicht sei die Vermögensungleichheit nach Maßgabe des Gini-Koeffizienten zwischen 2002 und 2007 leicht zurückgegangen.

Vermögensbildung - Lebensalter entscheidend

Ein beträchtlicher Teil der Vermögensungleichheit der Menschen in Deutschland gehe auf das Lebensalter der Menschen zurück. Bei gleichem Einkommensniveau verfügen ältere Menschen über höhere Vermögen als jüngere. Betrachte man die Menschen in der oberen Einkommensschicht, so werde deutlich, dass die jüngeren davon im Schnitt offensichtlich noch nicht in der Lage gewesen seien, größere Vermögen aufzubauen. Die älteren Menschen mit den höchsten Einkommen dagegen schon, so das Fazit der Studie. Das Ergebnis sei insofern konsistent mit der Vermutung, dass bei höheren Einkommen auch höhere Sparquoten und damit höhere Vermögenszuwachsraten möglich werden würden. Auch in der mittleren Einkommensschicht steige das individuelle Nettovermögen im Schnitt mit zunehmendem Lebensalter an.

Höhere Sparquote bei höheren Einkommen

Besonders deutlich sei die Zunahme des individuellen Nettovermögens allerdings in der oberen Einkommensschicht. Hier gelte es Herrn Arndt zufolge zu bedenken, dass die Sparquote bei höheren Einkommen höher als bei niedrigeren Einkommen sei. In der unteren Einkommensschicht würden unabhängig vom Alter der Menschen nur geringe individuelle Nettovermögen vorliegen. Offensichtlich werde auch im Lebensverlauf kaum angespart.
Deutliche Vermögensunterschiede bestehen ferner zwischen den Menschen in Ost- und Westdeutschland, wobei sich die Unterschiede in den letzten zehn Jahren leicht verringert hätten. Auch zwischen Männern und Frauen würden sich die individuellen Nettovermögen deutlich unterscheiden. Männer verfügten 2012 um etwa 42 % mehr Nettovermögen als Frauen. Diese Unterschiede hätten sich in den letzten zehn Jahren weitestgehend nicht verändert.

Bildungsstand relevant

Wie zu erwarten gewesen sei, bestehe der Studie zufolge ein deutlicher Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Vermögen. Es werde aber auch deutlich, dass ein höherer Bildungsstand nicht vor Vermögensverlusten schützen könne. Die Selbstständigen verfügen über die höchsten Vermögen, wobei gerade hier die Betriebsvermögen einen besonderen Anteil ausmachen. Deutlich geringer seien die Vermögen der Beamten und Angestellten. Es falle auf, dass die Berufsgruppen mit den höchsten Nettovermögen typischerweise auch die höchsten Vermögensverluste hinnehmen mussten. Und hier sei erwähnt, dass seit 2007 die Rentner und Pensionäre im Prinzip kaum Vermögensverluste hinnehmen mussten. Immerhin.

Geringerer Anteil der Vermögenseinkommen

Auffällig ist ferner, dass der relative Beitrag von Zinsen oder Dividenden, sprich von Vermögenseinkommen, zum Bruttoeinkommen der mittleren Einkommensschicht deutlich geringer als in der oberen Einkommensschicht sei. Konsistent mit den Ergebnissen zur Veränderung der Vermögensposition zeige sich, dass der Rückgang des Anteils der Vermögenseinkommen in der mittleren Einkommensschicht deutlich geringer ausfalle als in der oberen Einkommensschicht.
Der Anteil des individuellen Vermögenseinkommens am gesamten individuellen Bruttoeinkommen unterscheide sich wie vermutet deutlich im Vergleich zwischen den Einkommensschichten. Für den Zeitraum zwischen dem Jahr 2002 und dem Jahr 2008 habe der Anteil des individuellen Vermögenseinkommens am gesamten individuellen Bruttoeinkommen in der mittleren Einkommensschicht 7,2 %, in der oberen Einkommensschicht 14,7 % betragen. Der Anteil sei damit in etwa doppelt so hoch.
Höchst interessant ist auch, dass der Anteil des Vermögenseinkommens seit Beginn der Finanzkrise insbesondere in den höheren Einkommensschichten deutlich zurückgegangen sei. Und zwar von etwa 14,8 % in 2008 auf etwa 12,5 % in 2012. Positiv zu vermerken bleibe aber, dass der Anteil des Vermögenseinkommens in der mittleren Einkommensschicht seit Beginn der Krise weitgehend unverändert geblieben (7,4 % in 2008 und 7,1 % in 2012) sei.

Starke Vermögenskonzentration

Nichtsdestotrotz räumt auch Herr Arndt ein, dass die Vermögen in Deutschland stark konzentriert sind. Nach Maßgabe der Mikrodaten würden etwa 56 % der Gesamtsumme aller positiven individuellen Nettovermögen auf die 10 % mit den höchsten Nettovermögen entfallen. Nach einer Zunahme zwischen 2002 und 2007 habe die Konzentration der Vermögen in Deutschland seit

2007 wieder leicht abgenommen. Die Vermögenskonzentration in 2012 entspreche nun wieder dem Niveau von 2002. Fakt ist aber, dass die obere Einkommensschicht nicht nur einen absolut höheren Kapitalstock angespart habe. Der Kapitalstock sei vielmehr auch in Relation zu den Einkommen

höher. Anders formuliert, die obere Einkommensschicht bräuchte bei vollständiger Investition ihres Einkommens länger, um ihren Kapitalstock zu replizieren als die mittlere oder untere Einkommensschicht.

Durchschnittliches Vermögen bei 83.472 Euro

Alles in allem verfügten die Menschen in Deutschland im Jahr 2012 über ein durchschnittliches individuelles Nettovermögen in Höhe von etwa 83.472 Euro. In 2002 seien das preisbereinigt noch 94.305 Euro gewesen, im Jahr 2007 noch 87.859 Euro. Das durchschnittliche individuelle Nettovermögen sei folglich zwischen 2002 und 2007 preisbereinigt um etwa 7 % und zwischen 2007 und 2012 nochmals um etwa 5 % zurückgegangen. Nominal hingegen seien die individuellen Nettovermögen gestiegen. Von im Mittel 80.254 Euro in 2002, auf 81.094 Euro in 2007, sowie auf 83.472 Euro in 2012. Damit stieg das nominale Durchschnittsvermögen von 2002 auf 2012 um etwa 4 %.

Aderlass bei der oberen Einkommensschicht

Die Mittelschicht verfügte im Jahr 2012 im Schnitt über ein individuelles Nettovermögen in Höhe von rund 72.721 Euro. Auch in der mittleren Einkommensschicht sei das Nettovermögen seit 2002 preisbereinigt zurückgegangen. Der Großteil des Rückgangs habe sich zwischen 2002 und 2007 vollzogen. Die obere Einkommensschicht verfügte in 2012 im Schnitt über ein mittleres individuelles Nettovermögen von 286.839 Euro. Seit 2002 sei der Wert des individuellen Nettovermögens in der oberen Einkommensschicht deutlich zurückgegangen. Preisbereinigt sei es in der oberen Einkommensschicht zu einem Vermögensaderlass von etwa 16 Prozent zwischen 2002 und 2012 gekommen. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung habe der preisbereinigte Vermögensrückgang allerdings nur 11 Prozent betragen.

Alles in allem waren es also schlechte Jahre für den Vermögensaufbau in Deutschland...

Vermögen der Mittelschicht in Deutschland
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [2]
  • von pink2602 | 23.01.2016, 15:45 Antworten

    Hat sich kaum was verändert? Ich denke doch. Aus meiner Sicht gibt es bald keine MIttelschicht mehr.
    Insgesamt ist nach den Zahlen der Düsseldorfer Datensammler fast jeder zehnte Erwachsene in Deutschland überschuldet. 6,7 Millionen Menschen sind demnach nicht in der Lage, ihre Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit zu begleichen. Bei durchschnittlichen Schulden von rund 32.600 ? pro Kopf summiert sich der Schuldenberg auf knapp 217,8 Milliarden Euro.

  • von safeHarbour | 20.01.2016, 20:17 Antworten

    Womit wieder mal bewiesen ist das man Vermögen niemals konzentrieren kann und soll, sonder der gute Vierermix zwischen Immo, Edelmetall, Wertpapieren und Verleben der Clou ist.

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