Stand: 23.07.2019 von Jörg Bernhard 6 Kommentare

Die Deutsche Bundesbank veröffentlichte in der vergangenen Woche ihre aktuellste Statistik über das Geldvermögen privater Haushalte. Ende März kletterte dieses auf einen neuen Rekordwert.

So reich sind die Deutschen

Deutsche Privathaushalte wurden von Ende Dezember bis Ende März um 153,5 Milliarden Euro reicher (siehe Tabelle), da sich ihr Vermögen von 6,016 auf 6,169 Billionen Euro erhöht hat.

Besonders starke Zuwächse waren in den Kategorien Aktien bzw. Investmentfonds registriert wurden, deren Bestände im Berichtszeitraum um 49,3 Milliarden bzw. 41,2 Milliarden Euro gestiegen sind.

Dies dürfte vor allem auf die starke Kursrally an den internationalen Aktienmärkten zurückzuführen sein.

Vor diesem Hintergrund sollte man aber auf keinen Fall die Steigerungen bei Bargeld und Einlagen (plus 38,7 Milliarden Euro) und Versicherungen (plus 19,6 Milliarden Euro) außer Acht lassen. In ihrer Pressemeldung interpretierte die Deutsche Bundesbank dies als 

„Präferenz für liquide oder als risikoarm empfundene Anlagen“.

Hinsichtlich der Verschuldung deutscher Privathaushalte war eines besonders auffällig: Trotz extrem niedriger Zinsen hat sich deren Schuldenstand lediglich um 17 Milliarden auf 1.809,1 Milliarden Euro erhöht.

Dies führte dazu, dass beim Nettogeldvermögen eine Steigerung von 4.223,9 Milliarden auf 4.360,4 Milliarden Euro, was einem markanten Plus von über 136 Milliarden Euro entsprach. Insgesamt sind deutsche Privathaushalte somit – in der Summe – auf jeden Fall finanzkräftiger geworden.

Ob es sich dabei um einen nachhaltigen Trend handelt, dürfte angesichts der aufkommenden Rezessionsrisiken und der weltweit zu beobachtenden Schuldenspirale mehr als fraglich sein. Finanzielle Vorsorge macht daher durchaus Sinn. Aber macht es Sinn, sämtliche liquiden Mittel in die „Mainstream-Anlageklassen“ zu investieren?

Anleihen, Immobilien und Aktien gelten in der Finanzwelt zwar weiterhin als „Must-Have“, haben aufgrund ihrer zehnjährigen Haussephase mittlerweile aber erhebliches Rückschlagpotenzial aufgebaut.

Bundesbank Geldvermögen Privathaushalte Q1-2019

Bestände in Mrd. Euro Q4 2018 Q1 2019 Differenz
Bargeld und Einlagen 2.455,50 2.494,20 38,70
Schuldverschreibungen 115,70 119,40 3,70
Aktien und sonstige Anteilsrechte 583,20 632,50 49,30
Anteile an Investmentfonds 555,70 596,90 41,20
Versicherungs-, Alterssicherungs und Standardgarantie-Systeme 2.274,40 2.294,00 19,60
Sonstige Forderungen 31,50 32,50 1,00
insgesamt 6.016,00 6.169,50 153,50
Verbindlichkeiten insgesamt 1.792,10 1.809,10 17,00
Nettogeldvermögen insgesamt 4.223,90 4.360,40 136,50
Quelle: Deutsche Bundesbank; Stand: 31. März 2019

Was uns die Statistik sagt

Über die genaue Verteilung der Vermögen sagt die Bundesbank-Statistik natürlich absolut nichts aus. Wer viel besitzt, sollte sich daher stets über eines im Klaren sein. Grundsätzlich gibt es keine Garantie, dass dem Euro auf Sicht von Jahrzehnten eine angemessene Kaufkraft erhalten bleibt.

Türken und Venezolaner dürften diese These angesichts hoher Inflationsraten sicherlich bestätigen. Das Interesse an Gold mag in diesem Jahr gestiegen sein, in der Breite der Bevölkerung ist es aber noch kaum vertreten.

Wenn man bedenkt, dass sich weltweit das in Gold-ETFs gebunkerte Goldvermögen laut World Gold Council (WGC) derzeit auf etwas mehr als 115 Milliarden Dollar beläuft, kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass deutsche Privathaushalte der oben erwähnten Vermögensstruktur im gelben Edelmetall eher unterinvestiert sein dürften.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen dürften diverse wichtige Events auch an den Goldmärkten für erhöhte Spannung sorgen. Dann wird sich zeigen, ob die Marke von 1.400 Dollar weiterhin verteidigt wird.

Am morgigen Mittwoch stehen zum Beispiel zahlreiche Einkaufsmanagerindizes auf der Agenda. Diese Indikatoren gelten als wichtige Frühindikatoren für die Konjunktur.

Dann erfahren die Investoren, welche Stimmung unter den Einkaufsmanagern in Ländern wie Japan, Frankreich, Deutschland, den USA sowie in der Eurozone dominiert. Werte unter 50 Zählern gelten als Anzeichen für eine wirtschaftliche Schwächephase.

Auch am Donnerstag dürfte wohl kaum Langeweile aufkommen. Neben dem Ifo-Geschäftsklimaindex und dem Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter dürften sich die Investoren vor allem für die Sitzung der Europäischen Zentralbank stark interessieren.

Je „taubenhafter“ die Töne Mario Draghis ausfallen, desto besser für Gold.

Für ein hohes Maß an Aufmerksamkeit dürfte aber auch die anstehende Bekanntgabe des US-Wirtschaftswachstums für das zweite Quartal (Freitag) sorgen.

Laut Analystenprognosen droht hier eine Verlangsamung von 3,1 auf 1,8 Prozent p.a. Sollten die Rezessionsängste zunehmen, dürfte ein Goldinvestment weiterhin opportun erscheinen und die Opportunitätskosten (Zinsverzicht) alles andere als beängstigend sein.

Vermögen der Privathaushalte auf Rekordniveau
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [6]
  • von Thorsten | 29.07.2019, 14:27 Antworten

    Hätte sich der Autor die Mühe gemacht und es auch noch prozentual ausgerechnet, dann wäre klar dass es außer ein wenig Inflationsausgleich nur Aktien inkl ETFs waren, die Gewinn brachten. Es ist also wichtig, darin zu investieren.

    Gold und Edelmetalle sollten in jeden Portfolio ca 10% sein. Eine Enteignung wäre politischer Selbstmord, auch müsste es dann zu Marktpreisen entschädigt werden. Eher wird Bargeld und Rentenguthaben wertlos.

    • von Dümmerchen | 29.07.2019, 19:46 Antworten

      "..Marktpreisen entschädigt werden. Eher wird Bargeld ... wertlos." Also mit was wird dann wohl "entschädigt"? Sie geben bereits selbst die Antwort. Des Weiteren: Haben Sie denn selbst bereits eine Enteignung mitgemacht? Vermutlich nicht, denn sonst wüssten Sie, was dann plötzlich als "Marktüblich" gilt. Ein gleichwertiger Neuerwerb z.B. im Bereich von Grund und Boden ist mit diesen "Marktpreisen" innerhalb eines Radius von 40km in der Regel nicht möglich. Das wird bei EM nicht anders sein.

  • von Werner | 24.07.2019, 17:18 Antworten

    Hat sich mal jemand die mühe gemacht, die Inflationsrate von dem Zuwachs an Euros abzuziehen? Oder die Kursentwicklung gegenüber dem $ zu rechnen? Oder womöglich gar dieses Vermögen mit dem anderer EU Länder zu vergleichen? Dank Völkerwanderung hat die Zahl der Einwohner zugenommen. Die Frage nach der Verteilung dieses Zuwachses möchte ich ja gar nicht erst stellen. Der größere Teil des Zuwachses kam durch die Entwicklung der Aktienkurse im guten 1. Quartal zustande nach einem schlechten vorigen Quartal???
    Wir denken an Sir Winston Churchill: LIes damned lies and statistics.

    • von Dümmerchen | 29.07.2019, 19:49 Antworten

      Meinen Sie das? youtu (.)be/Dam3Jf8h8Kg?t=1389

  • von FürDieKatz | 24.07.2019, 11:52 Antworten

    Dass es in Deutschland sehr wohlhabende Menschen gibt wusste ich schon vorher - dass es auch bettelarme gibt auch.
    Also was sagt will mir dieser Bericht nun sagen?
    Dass die Armen noch ärmer und die Reichen noch reicher geworden sind?
    Ich seh das mal ganz pragmatisch aus meiner "Mittelschichtlersicht":
    Meine Rücklagen, können mich momentan noch 3-4 Monate über Wasser halten, falls das Einkommen wegfällt. Die Rücklagen werden jährlich weniger und haben vor einigen Jahren noch für gut 6 Monate gereicht. Meine Rente wird mit rund 1100 € knapp über dem Existenzminimum liegen....
    Also super Aussichten für die Zukunft und die Zeit nach 40 Jahren Maloche!

    Aber schön dass ich jetzt wieder erinnert wurde, dass es Menschen gibt denen es besser geht - Klasse!

  • von dummkopf | 23.07.2019, 17:07 Antworten

    Angeblich sollen 5,8 Prozent (oder 5,5% je nach Betrachtungsweise) des Geldvermögens der deutschen Haushalte in physischem Gold vorhanden sein (8.900 Tonnen nach Steinbeis-Institut). Das könnte später Begehrlichkeiten wecken (Goldverbot). Ist die Frage, ob man das als "unterinvestiert" für ein totgeschwiegenes Thema bewerten kann.

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