Stand: 14.10.2014 von Mr. Gini 10 Kommentare

Im Global Wealth Report der Allianz SE wird eindeutig bestätigt, dass Deutschland zu den elitären Gesellschaften gehört. Anders und vereinfacht formuliert, das vorhandene Vermögen konzentriert sich auf einen relativ kleinen Bevölkerungsanteil. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sich heuer mit dem Thema Vermögensverteilung in deutschen Landen umfassend beschäftigt und kommt zum selben Fazit.

DIW-Bericht: Hohes Maß an Vermögensungleichheit

Im Wochenbericht Nr. 9 des Jahres 2014 kommen die beiden Autoren der Studie Markus M. Grabka und Christian Westermeier zur Schlussfolgerung, dass die Vermögen in Deutschland extrem ungleich verteilt sind. Immer noch wird Deutschland als stabiler Hafen innerhalb der kriselnden Euro-Zone erachtet. Doch die Vermögen seien in keinem anderem Land der Euro-Zone so ungleich verteilt wie in Deutschland.

Die beiden Verteilungsforscher bezogen insofern die neuesten bis zum Jahr 2012 reichenden Vermögensdaten der repräsentativen Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) zur Ermittlung der Lage ein. Erwähnt werden muss in dem Kontext, dass im Unterschied zum Global Wealth Report der Allianz das Immobilien- und Gebrauchsvermögen (darunter fallen auch teure Münzsammlungen oder Gold) mit in die Bewertung einfloss.

6,3 Billionen Nettovermögen der Deutschen

Also, Ende 2012 belief sich das Nettovermögen der deutschen Privathaushalte auf sage und schreibe 6,3 Billionen Euro. Das sind rund 83.000 Euro pro Kopf. Sehr spannend ist nun, wie und auf wen sich diese gewaltige Summe verteilt. So verfügt der Studie zufolge das reichste Prozent der Bevölkerung, also gut 800.000 Menschen, pro Kopf über ein persönliches Vermögen von MINDESTENS 0,8 Millionen Euro. Gut 16 Millionen Menschen stehen indes vollkommen vermögenslos da. Und immerhin sieben Prozent, also gut 5,6 Millionen Menschen, weisen ein negatives Vermögen auf. Das heißt, deren Schulden sind höher als der vorhandene Besitz. Bitter, aber wahr.

Tiefer Ost-West-Graben

Interessant in dem Kontext ist auch, dass der DIW-Bericht wie auch die Allianz-Studie zum Ergebnis kommen, dass im Hinblick auf die Vermögensverteilung ein tiefer Ost-West-Graben in Deutschland besteht. Ostdeutsche besitzen nicht einmal halb so viel wie Westdeutsche. In Ostdeutschland gehören Personen mit einem Vermögen von 110.000 Euro schon zu den reichsten zehn Prozent der Bevölkerung. In Westdeutschland muss man schon über ein Nettovermögen in Höhe von 240.000 Euro verfügen, um zu den reichsten zehn Prozent der Bevölkerung zu gehören.

Gini-Koeffizient Detschland bei 0,78

Eines der Standardmasse zur Messung der Vermögensungleichheit ist der sog. Gini-Koeffizient. Der Gini-Koeffizient nimmt einen Wert zwischen 0 bei einer gleichmässigen Verteilung und 1, wenn nur eine Person das komplette Vermögen besitzt (das heißt bei maximaler Ungleichverteilung) an. Für Deutschland liegt dieser bei der gewaltig hohen Ziffer von 0,78. Das ist im europäischen Vergleich absolut nicht zu übertreffen. Deutschland liegt insofern klar vor Frankreich (0,68) Italien (0,61) oder der Slowakei (0,51). Noch höher als in den deutschen Landen liegt er allerdings in den USA. Hier sind wir 2010 bei einem Wert von 0,87 angekommen. Dieser Wert dürfte sich in den vergangenen Jahren sicherlich nicht wesentlich verringert haben. Im Gegenteil, selbst die Allianz räumt ja im Global Wealth Report ein, dass sich die Vermögensungleichheit in den USA in den vergangenen Jahren noch verschärft hat.

Gini-Koeffizient
Gini-Koeffizient Deutschland im Vergleich mit USA, Frankreich, Italien und Slowakei

Kaum Veränderung in den vergangenen zehn Jahren

Auffallend ist ferner, dass die DIW-Forscher wie auch der Allianz Global Wealth Report einräumen, dass sich die Vermögensungleichheit in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert habe. Traurige Tatsache ist aber, dass in dem Zeitraum zwischen 2002 und 2012 die Zahl der Menschen, die mehr Vermögen als Schulden haben, gestiegen sei. Hinzu kommt ferner, dass im besagten Zeitraum Arbeitslose in Deutschland einen starken Vermögensaderlass zu verkraften hatten. Arbeitslose verfügten 2002 noch über ein durchschnittliches Vermögen in Höhe von rund 30000 Euro. Zehn Jahre später seien es nur noch etwa 18000 Euro gewesen. Ein Vermögensschwund in Höhe von 40 Prozent also.

In diesem Kontext dürfte dem DIW zufolge auch die Hartz-Gesetzgebung eine Rolle gespielt haben. So muss vor dem Bezug von Arbeitslosengeld II Vermögen bis auf ein relativ geringes Schonvermögen zunächst verbraucht werden. Zweifelsohne, hinter der schönen Fassade der Hartz-Reformen verbirgt sich oft im wahrsten Sinne für den Einzelnen keine "Erfolgsstory" mit "Happy End".

Hohes Ma? an Vermögensungleichheit in Deutschland
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [10]
  • von James | 30.04.2017, 12:13 Antworten

    Der Gini Koeffizient in DE betrug 2016 etwa 0,429.

  • von B_aus_NO | 17.10.2014, 08:52 Antworten

    @Mann der NOCH Mittelschicht

    Du bist noch recht jung und hast Ideale. Das muss auch so sein und ist keineswegs ein Makel ;-) und es ist auf jeden Fall lobenswert, dass du dir Gedanken machst,
    Vielleicht aber mal ein Denkanstoss: viele dieser extrem reichen Menschen haben den Reichtum eben NICHT SELBST erwirtschaftet, sie sind dort hineingeboren (Erbengeneration)! Das ist dann z.B. auch ein Grund, warum es im Osten relativ wenig von diesen Vermögenden gibt. Es konnte nichts vererbt werden (jedenfalls nicht in Größenordnungen).
    Ich ziehe den Hut vor jedem. der es durch eigene Anstrengungen zu einem Vermögen gebracht hat, ganz besonders hier bei uns im Osten!

  • von B_aus_NO | 17.10.2014, 08:46 Antworten

    Hallo, sicher eine sehr interessante Darstellung. Für mich ist die wesentliche Aussage: Deutschland entwickelt sich in eine ungesunde Richtung und damit wird mein "Bauchgefühl" wieder mal theoretisch bestätigt.

  • von Max B. | 16.10.2014, 13:20 Antworten

    Der Neoliberalismus ist in Deutschland auf dem Wege zu maximaler Ungleichverteilung der Einkommen und der Vermögen. Welch himmelschreiende Ungerechtigkeit !

  • von FraLa | 16.10.2014, 12:34 Antworten

    Wobei ich denke, dass sich Deutschland hier nicht unbedingt hundertprozentig mit anderen Ländern vergleichen lässt. Schließlich kam bei uns 1990 ein komplettes Land hinzu, in dem der Durchschnittsbewohner wohl nicht all zu begütert war. Dass es kaum möglich ist, dies in einer doch relativ kurzen Zeit alles aufzuholen, sollte hier auch beachtet werden.

  • von Wer lesen kann... | 16.10.2014, 12:33 Antworten

    @Realo 3rdd: Reichlich viel hineininterpretiert in den letzten Satz. Die Anführungszeichen hast du im Eifer des Gefechts auch vollkommen übersehen. Unterstellungen dieser Art bringen einen nicht weiter. Für den Einzelnen kann es gefühlt durchaus hart sein, sein mühsam Erspartes dahinschmelzen zu sehen, auch wenn es objektiv betrachtet die bessere Alternative ist, als die Gesellschaft mit Kosten zu belasten.

    "Ganz neu war mir der Gedanke das Arbeitslosigkeit eine "Erfolgsstory" sein sollte."
    Ganz neu wahrscheinlich, weil er dir ganz neu gekommen ist und so formuliert nirgends im Artikel steht... Wie gesagt, reichlich viel reininterpretiert und an den Grundaussagen des Artikels vorbei.

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