Stand: 16.10.2020 von Egmond Haidt
Nachdem die Börsen lange Zeit schlechte Nachrichten ignoriert hatten, sind DAX und S&P500 zuletzt eingeknickt. Umso mehr rückt Gold in den Fokus der Anleger.
Vor US-Wahl kehrt die Angst zurück

Die Nervosität der Investoren am Aktienmarkt nimmt plötzlich deutlich zu. Nachdem der DAX noch am Montag, 12. Oktober mit Kursen von knapp über 13.170 Punkte in Richtung des Rekordhochs von Mitte Februar gelaufen war, ist der Index zuletzt bis auf rund 12.600 Punkte eingebrochen.

Gleichzeitig hat auch der S&P500 deutlich nachgegeben. Weil Investoren in dem Umfeld Liquidität gebraucht haben, haben sie allerdings auch Gold-Futures verkauft. Daher ist der Goldpreis auf knapp unter 1.900 Dollar je Unze gesunken.

Der Kursrutsch am Aktienmarkt diesseits und jenseits des Atlantiks dürfte für viele Investoren sehr überraschend gekommen sein. Zwar waren viele von ihnen davon ausgegangen, dass es vor der US-Präsidentschaftswahl am 3. November kein Billionenschweres Konjunkturprogramm mehr geben werde, weil die oppositionellen Demokraten alles tun würden, um eine mögliche Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump zu verhindern.

Allerdings waren Investoren davon ausgegangen, dass Trumps Herausforderer Joe Biden nach einem möglichen Wahlsieg ein massives Stimulusprogramm im Kongress durchsetzen werde, wodurch die US-Wirtschaft kräftig angekurbelt würde. Daher war der S&P500 am 12. Oktober in die Nähe des Rekordhochs geklettert.

Kein US-Konjunkturprogramm vor der Wahl

Nach einer Aussage von Finanzminister Steven Mnuchin vom Donnerstag, 14. Oktober ist allerdings die Stimmung der Investoren gekippt. Ein Konjunkturprogramm

„vor der Wahl hinzubekommen ist schwierig“, sagte Mnuchin. 

Das hat für deutliche Ernüchterung bei Investoren gesorgt und damit zu deutlichem Verkaufsdruck bei S&P500 und DAX. Das ist verwunderlich, waren doch viele Investoren ohnehin davon ausgegangen, dass es vor der Wahl zu keiner Einigung zwischen Trumps Republikanern und den Demokraten kommen würde.

Zusätzlich auf die Stimmung gedrückt hat, dass der US-Gesundheitskonzern Johnson & Johnson ebenso wie der Pharmariese Eli Lilly ihre Tests an einem Wirkstoff gegen Corona aus Sicherheitsgründen auf Eis legen mussten.

Das zeigt, dass der Weg zur Entwicklung derartiger Präparate holprig ist und schnelle Erfolge nicht zu erwarten sind. Damit trüben sich die Perspektiven für die US- und die Weltwirtschaft ein, was die Aktienmärkte belastet.

Möglicherweise wird ein Wirkstoff im Frühjahr nächsten Jahres entgegen der Erwartung vieler Investoren nicht zur Verfügung stehen. 

Zahl der Corona-Neuinfizierten steigt auf Rekordhochs

Dabei klettert die Zahl der Neuinfizierten in vielen Ländern Europas auf Rekordhochs, oder in deren Nähe, wie in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, während die Zahl in den USA von einem hohen Niveau aus allmählich auf dem Weg nach oben ist.

Zwar wollen viele Politiker Lockdowns unter allen Umständen vermeiden, um die Wirtschaft nicht erneut abzuwürgen. Allerdings gibt es neue Beschränkungen des öffentlichen Lebens, was die Konjunktur deutlich dämpft.

Das Letzte was Unternehmen und Verbraucher aus Europa in dem Umfeld brauchen ist ein möglicher Abbruch der Brexit-Verhandlungen. Sollte der britische Premierminister Boris Johnson tatsächlich die Reißleine ziehen, stünden Tausende Jobs in Deutschland, gerade in der Autoindustrie, auf der Kippe.

Das würde die Aktienmärkte zusätzlich belasten. 

Demokraten und Republikaner sind in Überbietungswettbewerb beim Schuldenmachen

Sollte sich vor dem Hintergrund an Risiken und Belastungsfaktoren die Kurskorrektur an den Aktienmärkten in den nächsten Tagen und Wochen ausweiten, könnte das auch den Goldpreis noch etwas mit nach unten ziehen.

Denn wenn Investoren Liquidität brauchen, könnten sie notfalls auch einen Teil ihrer Gold-Futures verkaufen.

Abgesehen von dieser kurzen Sicht, ist die US-Wahl für die mittelfristige Entwicklung des Goldpreises von großer Bedeutung. Sollte Trump zur Überraschung vieler Experten die Wahl gewinnen – wovon ich weiterhin ausgehe -, dürfte er ein Billionenschweres Konjunkturprogramm im Kongress durchsetzen, das zwangsläufig mit der Notenpresse der Fed finanziert werden müsste.

Sollte hingegen Biden siegen, dürfte er ein noch größeres Paket auf den Weg bringen als Trump. 

In dem Umfeld sollte durch die nächste gigantische Dollar-Schwemme eine weitere massive Entwertung des Greenback zügig voranschreiten, während er gegenüber Währungen wie dem Euro im Rückwärtsgang sein dürfte.

Dann dürfte sich der Fokus vieler Anleger noch stärker auf Gold richten als ohnehin schon. 
Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Fritz Werner | 22.10.2020, 11:30 Antworten

Der mittelfristige Zusammenbruch des Aktien- und Finanzsystems ist unvermeidbar. Folglich wird dies Sachwerte wie Gold und Silber noch erheblich in die Höhe treiben. Ein Blick auf 2008 und 09 mag da nur ein ganz matter Vorgeschmack sein.

von Matthias | 16.10.2020, 19:22 Antworten

Aus meiner Sicht zu viele Konjunktive....sollte..., wenn...Es ist egal wer Präsident wird, der Wert des Dollars wird fallen, die Realzinsen sinken. China, Russland kein Thema, aber die EU, auf die sich die USA einschießt. Ich denke, dass der Euro steigen wird, obwohl er es nicht wert ist, aber zum Steigen der Metallpreise führt.

von Fritzthecat | 16.10.2020, 20:55 Antworten

Man darf sich fragen, von welcher Angst hier die Rede ist.
Die Aktienmärkte weltweit sind tiefenentspannt. Kleinere oder größere Rücksetzer werden sofort als Einstiegskurse genutzt.Von Euphorie in den Märkten sind wir weit entfernt.
Bewertungen spielen schon lange keine Rolle mehr. Den Rest gibt die Geldmengenausweitungen, die überhaupt keine andere Alternativen findet, als in Assets.
Fazit: Unter überschaubaren Schwankungen
Dow 50.000
Dax 20.000

Copyright © 2009-2020 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"