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Stand: 04.10.2021 von Hannes Zipfel
Auch in dieser Woche werden neue Prognosen zum Wirtschaftswachstum veröffentlicht. Die Erwartungen für das dritte Quartal wurden bereits drastisch zurückgefahren, sowohl für die USA als auch für Deutschland und China. Das Risiko einer konjunkturellen Stagnation einhergehend mit erhöhter Inflation ist aktuell so hoch wie seit den Siebzigerjahren nicht mehr.
Wachstumskollaps und Fed-Skandal

Folgende Themen sind in dieser Woche für die Edelmetallmärkte ebenfalls von Bedeutung:

  1. Personalturbulenzen innerhalb der US-Notenbank Fed

  2. Einkaufsmanager-Indizes für Deutschland, die Eurozone, Japan und die USA

  3. Kollabierende Fahrzeugverkäufe in den USA

  4. Schwelende Krise um den Immobiliengiganten Evergrande

  5. "Große" US-Arbeitsmarktdaten

Insiderhandel und Front Running bei der Fed?

Ein Skandal erschüttert momentan die US-Notenbank Fed, die bereits zwei der insgesamt zwölf Regionalvertreter zum Rücktritt zwang: den Präsidenten der Federal Reserve Bank of Dallas, Robert Kaplan sowie den Chef der Federal Reserve Bank of Boston, Eric Rosengren.

Beide stehen im Verdacht, mit privaten Wertpapiertransaktionen in erheblichem Umfang Vorteile aus Entscheidungen der Notenbank gezogen zu haben, von denen sie in einigen Fällen im Vorfeld Kenntnis besessen oder die sie sogar mit verantwortet haben sollen.

Der Skandal droht sich nun auszuweiten, da auch der Vizepräsident der US-Notenbank, Richard Clarida, in die Schusslinie gerät. Er hatte kurz vor den massiven Rettungsmaßnahmen durch die Fed im März 2020 siebenstellige US-Dollar-Summen von Anleihen in Aktien umgeschichtet und damit perfektes Timing bewiesen.

Warum ein derartiger Interessenkonflikt nicht wie bei jeder Bank im Vorfeld durch entsprechende Compliance Regeln ausgeschlossen wurde, bleibt ein Rätsel der Fed und rückt die bedeutendste Zentralbank der Welt in ein schlechtes Licht als Selbstbedienungsladen.

Den noch amtierenden Präsidenten der Notenbank, Jerome Powell, könnte der Skandal die Verlängerung seiner Amtszeit kosten. Sein Vertrag läuft Anfang 2022 aus.

Wachstumserwartungen für die USA haben sich gedrittelt

Während der letzten Schwächeperioden der Weltwirtschaft gab es asynchrone Konjunkturverläufe, die das Wachstum insgesamt stabilisierten. Nicht alle großen Volkswirtschaften litten gleichzeitig unter Schwächeanfällen. Meistens sorgte China für Rückenwind, so auch während der Hochphase der Corona-Krise.

Nun jedoch schwächt sich die Konjunktur in allen großen Wirtschaftsnationen parallel ab.

Die nach wie vor stark gestörten Lieferketten wirken negativ auf den Welthandel und die Produktion. Das gilt auch für den Energieengpass. Belastend hinzu kommt die Umstrukturierung der chinesischen Wirtschaft gemäß dem neuen Credo der Kommunistischen Partei "Gemeinsame Prosperität".

Ganze Branchen werden dadurch im Reich der Mitte in die Bredouille gebracht, darunter neben der Immobilienwirtschaft auch das riesige Schattenbankensystem, die Gaming-Branche und sogar Unternehmen aus dem Bildungssektor.

In der Folge ist das Verbrauchervertrauen bereits stark eingebrochen.

Die anhaltende Krise um den Immobilienentwickler Evergrande dämpft zusätzlich die Stimmung, droht sie doch die Immobilienblase zum Platzen zu bringen und damit die für das chinesische Wachstum sehr wichtige Immobilienbranche kräftig durchzuschütteln.

Das private Vermögen der Chinesen besteht zu ca. 78 Prozent aus Immobilien und Liegenschaften.

Konjunktur-Experten der Investmentbank Goldman Sachs haben daher in der letzten Woche ihre Prognose für das Wachstum Chinas im dritten Quartal von 5,1 Prozent auf 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal reduziert. Für das gerade begonnene Abschlussquartal 2021 erwarten die Analysten nur noch ein BIP-Wachstum in Höhe von 3,2 Prozent anstatt 4,1 Prozent.

Sollte sich die Krise am Immobilienmarkt über Evergrande hinaus ausweiten, ist sogar eine Stagnation möglich. Die letzte Rezession in China geht auf das Jahr 1976 zurück.

In der größten Ökonomie der Welt, den USA, laufen gerade jetzt etliche Konjunkturstimuli aus, die währen der Corona-Krise ins Leben gerufen wurden. Gleichzeitig sinniert die US-Notenbank über restriktivere Geldpolitik und die Fiskalpolitiker im Kongress können sich nicht auf eine Anhebung des Schuldenlimits oder die Verabschiedung der dringend benötigten Infrastrukturprogramme einigen.

Die Fed of Atlanta hat nun gemäß ihrem Prognosemodell "GDPNow" die Wachstumsprognosen für das gerade zu Ende gegangene dritte Quartal auf 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesenkt. Noch vor zwei Monaten erwarteten die Notenbanker ein Wachstum in Höhe von 6,3 Prozent.

Damit haben sich der Prognosewert innerhalb von nur zwei Monaten nahezu gedrittelt.

Am morgigen Dienstag wird von der Atlanta-Fed eine neue Wachstumsschätzung veröffentlicht.

In Europa ziehen vor allem Versorgungsengpässe bei Vorprodukten und Preisexplosionen bei den fossilen Energieträgern, bei Strom sowie für Treibstoffe die Konjunkturdynamik nach unten. Das Münchner Ifo-Institut hat seine Erwartungen an das Wachstum hierzulande auf 2,5 Prozent für das Gesamtjahr 2021 reduziert. Noch im Juni waren die Konjunkturforscher von einem Wachstum in Höhe von 3,3 Prozent ausgegangen.

Der am Montag dieser Woche veröffentlichte Sentix-Konjunkturindex für die Eurozone sank zum dritten Mal in Folge auf jetzt nur noch 16,9 Punkte. Im Juli lag der Wert noch bei 29,8 Punkten. Die Erholung nach der Pandemie scheint damit vorerst unterbrochen.

Das letzte Mal, als eine Kombination aus Angebotsengpässen und steigenden Preisen die Weltwirtschaft so stark in die Zange nahm, war während der beiden Ölkrisen in den Siebzigerjahren. Damals herrschte Stagflation. Die Edelmetallpreise konnten in dieser Zeit deutlich an Wert gewinnen.

Kollabierende Autoverkäufe, Einkaufsmanager-Indizes und Arbeitsmarktdaten

Heute Morgen veröffentlichte Zahlen von Autodata zu den Fahrzeugverkäufen in den USA zeigen die dramatischen Auswirkungen der Halbleiterengpässe auf die Autohersteller: In den gesamten USA wurden im September lediglich 9,66 Mio. Fahrzeuge verkauft. Im Vergleich zum Mai dieses Jahres entspricht das einem Rückgang um ca. 50 Prozent und gegenüber September 2020 um 41 Prozent. Nur im Mai letzten Jahres und im Mai 2009 (Weltfinanzkrise) wurden mit 8,6 Mio. bzw. 7,8 Mio. noch weniger Fahrzeuge seit dem Jahr 2000 verkauft. Bis dato ist ein Ende der Chipknappheit nicht absehbar.

Sowohl für Japan als auch für Deutschland, die Eurozone und die USA werden am Dienstag neue Hinweise auf den Stand der Konjunktur in Form von Einkaufsmanagerin-Indizes (EMIs) erwartet.

Die Daten für China folgen am Freitag.

Die EMIs gelten als ökonomische Frühindikatoren und stoßen derzeit auf besondere Aufmerksamkeit. Dabei stehen momentan zwei Unterkomponenten im Fokus: bezahlten Preise und Lieferzeiten. Beide geben auch Hinweise auf die zukünftige Inflationsentwicklung.

Am Mittwoch folgt der Einkaufsmanager-Index von IHS-Markit für das Bauwesen in Deutschland.

Das Datenhighlight der Woche folgt am Freitag um 14:30 Uhr MESZ mit den "großen" US-Arbeitsmarktdaten für den Monat September. Im Vormonat fiel der Arbeitsmarktbericht enttäuschend aus: Anstatt der erhofften 665.000 neuen Stellen wurden im August lediglich 243.000 Stellen geschaffen. Für den kommenden Arbeitsmarktbericht erwarten die Analysten im Konsens 480.000 neue Arbeitsplätze.

Die Märkte in Festlandchina bleiben wegen des Nationalfeiertags bis einschließlich Donnerstag geschlossen.

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt in der Kalenderwoche 40 relevant sind:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Dienstag 2:30 Uhr JP: Einkaufsmanager-Index Dienstleistungen (Sep.) - 42,9
9:55 Uhr DE: Einkaufsmanager-Gesamtindex (Sep.) 55,3 55,3
10:00 Uhr EZ: Einkaufsmanager-Gesamtindex (Sep.) 56,1 56,1
14:30 Uhr USA: Handelsbilanz (Aug.) in Mrd. US$ -70,5 -70,1
15:45 Uhr USA: Einkaufsmanager-Gesamtindex (Sep.) - 54,5
17:00 Uhr EZB: Präsidentin Lagarde äußert sich zur Geldpolitik - -
Mittwoch 8:00 Uhr DE: Auftragseingang der Industrie (Aug. / Monat) -2,1 % 3,4 %
9:30 Uhr DE: Einkaufsmanager-Index Bauwesen (Sep.) - 44,6
14:15 Uhr USA: ADP neue Stellen in der Privatwirtschaft (Sep.) 428k 374k
16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel (Wochenvergleich) - 4,578 Mio.
Donnerstag 13:30 Uhr EZB: Protokoll zur letzten Zinssitzung vom 9. September - -
Freitag 3:45 Uhr CHN: Caixin Einkaufsmanager-Index Dienstleistungen (Sep.) - 46,7
8:00 Uhr DE: Handelsbilanz (Aug.) in Mrd. Euro 15,8 17,9
14:30 Uhr USA: Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft (Sep. / Monat) 243k 480k
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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von 500er | 05.10.2021, 18:12 Antworten

Wann kommt er wieder? Oder wird der Digitalzwang schneller sein??

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"