Gold: 1.546,54 € -0,66 %
Silber: 20,75 € -1,95 %
Stand: 07.06.2021 von Hannes Zipfel
Mittlerweile hat sich das Phänomen steigender Preise in breiten Teilen unserer Gesellschaft herumgesprochen. Die zuletzt für den Mai vermeldeten offiziellen Teuerungsdaten in Höhe von zwei Prozent pro Jahr für Deutschland (VPI) markierten den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, hält für das laufende Jahr sogar eine doppelt so hohe Inflationsrate für möglich.
Warten auf neue Inflationsdaten

Finanzielle Repression schreitet voran

Unter finanzieller Repression versteht man ein durch Regierungen oder Zentralbanken bzw. Notenbanken eingeführtes Zinsregime, das durch Zinszahlungen unterhalb der allgemeinen Teuerungsrate zu kalter Enteignung bei dem Vermögen der Bürger führt.

Verstärkt wird dieser Effekt durch die nur selten gegebene Möglichkeit der Teuerung durch überproportional steigende Einkünfte jenseits der Inflationsrate aus Löhnen, Gehältern oder sonstigen Einnahmen zu entgehen.

Aktuell wirkt zusätzlich zu marktbasierten Preisanstiegen auch noch die administrative, also staatliche Teuerung. An erster Stelle sei hier die Wiedereinführung des normalen Mehrwertsteuersatzes ab dem 1. Januar 2021 sowie die initiale Erhebung der CO2-Steuer zum Jahresbeginn 2021 zu nennen.

Besonders Letztere wird aufgrund ihres im Zeitverlauf progressiven Charakters die Teuerung für fossile Energieträger aller Art sowie für den Transport von Waren und Personen nachhaltig erhöhen.

Aufgrund negativer Einlagenzinsen für Überschussliquidität der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank in Höhe von -0,5 Prozent p. a. geben immer mehr Institute diese Kosten in Form von „Verwahrentgeldern“, Kontoführungsgebühren oder direkt als Negativzinsen an ihre Kunden weiter.

Dieses Vorgehen der Banken und Sparkassen ist bereits zu einem Massenphänomen geworden, bei dem die Freigrenzen für Sparer sukzessive absinken.

Neben dem Instrument der qualitativen Geldpolitik durch die Festsetzung real negativer Leitzinsen (Nominalzins minus offizielle Inflationsrate) haben die Geldpolitiker noch eine zweite Möglichkeit, die Kaufkraft des Geldes herabzusetzen.

Dazu nutzen die Zentral- bzw. Notenbanken ihr Geldschöpfungsprivileg (sog. quantitative Geldpolitik). Mit jeder Geldeinheit (z. B. Euro), deren Menge über den Wert aller in einer Volkswirtschaft angebotenen Waren, Gütern und Dienstleistungen hinausgeht und via digitaler Notenpresse erschaffen wird, sinkt automatisch die Kaufkraft pro Geldeinheit.

Im Jahr 2020 schrumpfte das Wachstum des gesamten Bruttoinlandsprodukts Deutschlands pandemiebedingt um 5 Prozent. Gleichzeitig stieg die Geldmenge (Aggregat M2) im gleichen Zeitraum um etwa 10 Prozent an.

Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum in den zehn Jahren vor der Pandemie (2010 bis 2019) betrug im Schnitt 1,8 Prozent pro Jahr (Quelle: Destatis). Im gleichen Zeitraum wuchs die Geldmenge aber im Schnitt um 6,0 Prozent pro Jahr (Quelle: Europäische Zentralbank).

Gleichzeitig sank das Zinsniveau von einem Prozent auf null Prozent ab und die Einlagenzinsen für Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) durchbrachen mit minus 0,5 Prozent sogar die Nulllinie nach unten.

Am Kapitalmarkt sieht die Zinsrealität ebenfalls negativ aus: Für deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren erhält der Gläubiger (Anleihehalter) eine nominelle Jahresrendite von minus 0,2 Prozent pro Jahr vor der jährlichen Inflationsrate.

Um der Inflationsfalle zu entkommen und dennoch real positive Wertsteigerungen erzielen zu können, bleibt Anlegern nichts anderes übrig, als sich mit dem liquiden Vermögen ins Risiko zu begeben und in Produktivkapital, Unternehmensschuldverschreibungen, Immobilien, Liegenschaften, Forst oder monetäre Edelmetalle wie z. B. Gold und Silber etc. zu investieren.

Die wichtigsten Termine in dieser Woche

Am Donnerstag, den 10. Juni um 14:30 MESZ veröffentlicht das U.S. Bureau of Labor Statistics die vom Markt mit großem Interesse erwarteten Daten zu den Konsumentenpreisveränderungen in den USA.

Diese haben großen Einfluss auf die weitere Zins-, Devisen, Aktienmarkt-, Rohstoff- und Edelmetallentwicklung.

Im Konsens rechnen die Analysten mit einem Anstieg im Mai 2021 in der Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel im Vergleich zum Vorjahresmonat in Höhen von 3,4 Prozent. Im Vormonat April lag dieser Wert noch bei 3,0 Prozent. Dies war bereits der höchste Wert seit 1996.

Auf Monatsbasis rechnen die Analysten mit einer Preisveränderungsrate gegenüber April 2021 von 0,4 Prozent. Überraschungen auf der Oberseite sind in Anbetracht verschiedener Frühindikatoren, wie zum Beispiel der Preiskomponenten der Einkaufsmanagerindizes, durchaus möglich.

Die nächsten Preisdaten (Großhandelspreise) aus Deutschland folgen am Freitag, den 11. Juni um 8:00 Uhr. Im Mai wurde hier auf Jahresbasis mit +7,2 Prozent der höchste Teuerungsschub seit über 10 Jahren gemessen.

Auch für die nächsten Monate erwartet der Großhandel wegen gestörter Lieferketten und Engpässen bei Vorprodukten und Rohstoffen steigende Preis, vor allem im Baugewerbe (Quelle: ifo-Institut).

Am Donnerstag findet die nächste Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) statt. Wesentliche Änderungen des geldpolitischen Kurses sind nicht zu erwarten. Dennoch werden die Marktteilnehmer jede Äußerung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der anschließenden Pressekonferenz ab 14:30 auf die sprichwörtliche Goldwaage legen.

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt in dieser Woche relevant werden könnten:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 08:00 Uhr DE: Auftragseingang der Industrie (Mai ggü April): -0,2 Prozent 1,0 % 3,9 %
Dienstag 11:00 Uhr DE: Industrieproduktion (Mai ggü. April) 0,5 % 2,5 %
Dienstag 11:00 Uhr DE: ZEW Konjunkturerwartungen (Juni) 86,0 84,4
Dienstag 12:00 Uhr USA: NIFB Geschäftsoptimismus kleine Unternehmen Mai - 99,8
Dienstag 14:30 Uhr USA: Handelsbilanz (Apr) -69,0 Mrd. -74,4 Mrd.
Dienstag 16:00 Uhr USA: Offene Stellen (JOLTS) (APR) 8,3 Mio. 8,123 Mio.
Dienstag 22:30 Uhr USA: API Rohöllagerbestand - -5,360 Mio.
Mittwoch 08:00 Uhr DE: Handelsbilanz (Apr) 16,3 Mrd. 14,3 Mrd.
Mittwoch 13:00 Uhr USA: Index für den Hypothekenmarkt - 665,9
Mittwoch 16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände - -5,08 Mio.
Mittwoch 19:00 Uhr US: Auktion 10-jähriger US-Staatsanleihen - 1,684 %
Donnerstag offen China: Kreditwachstum Mai YoY - 12,3 %
Donnerstag 13:45 Uhr Euro-Zone: Zinsentscheidung der EZB 0,00 % 0,00 %
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Verbraucherpreisindex (VPI) Kernrate auf Jahresbasis (Mai) 3,4 % 3,0 %
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Verbraucherpreisindex (VPI) Kernrate (April zu Mai) 0,4 % 0,9 %
Donnerstag 14:30 Uhr Euro-Zone: Pressekonferenz der EZB zum jüngsten Zinsentscheid - -
Donnerstag 20:00 Uhr USA: Haushaltssaldo Mai - 226,0 Mrd.
Freitag 08:00 Uhr DE: Großhandelspreisindex Mai (Jahr) - 7,2 %
Freitag 08:00 Uhr DE: Großhandelspreisindex Mai (Monat) - 1,1 %
Freitag 16:00 Uhr USA: Uni Michigan Inflationserwartungen 5 Jahre (Jun) - 4,6 %
Datenquelle: Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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von meerettich | 08.06.2021, 19:44 Antworten

Na endlich schreibt mal einer über das Geldschöpfungsprivileg im Rahmen der Währungs-Hoheit.

Ich sehe darin eine un-gesetzliche Steuer, weil das, durch Anleihe-Käufe erschaffene Geld ja ausgegeben wird wie gesetzlich legitimierte Steuer-Einnahmen. Anleihe-Rückzahlung nie . Ist das nicht durch die €U Verträge verboten ?
Doch es kommt noch schlimmer. Wer eine solche Anleihe nach Zins-Anstieg wieder verkauft, bekommt die Differenz des Zins-Anstiegs mal Restlaufzeit vom Verkaufspreis abgezogen.

von Viva aurum | 08.06.2021, 08:19 Antworten

Ist jeder der mehr als drei Monate Finanzbedarf bei den Banken bunkert schon ein Schaf? Wer die Alarmglocken vor 10 Jahren nicht gehört hat, dem ist nicht mehr zu helfen.

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