Stand: 12.02.2020 von Hannes Zipfel
Der Goldpreis hat sich von der Korrelation zum US-Dollar gelöst und in Euro ein neues Allzeithoch erreicht. Doch was sind die Gründe für diese Stärke?
Warum der Goldpreis der Dollarstärke trotzt

Neuer Rekord beim Goldpreis in Euro

Mit 1.444 Euro pro Unze (31,1 Gramm) notiert der Goldpreis in der Gemeinschaftswährung zum Wochenauftakt so hoch wie nie zuvor. Den bisherigen Höchststand erreichte der Preis des gelben Edelmetalls in der Nacht zum 8. Januar während der Vergeltungsangriffe des Iran gegen US-Militäreinrichtungen im Irak. 

Zuvor hatten von Deutschland aus gesteuerte US-Drohnen unter anderem einen hochrangigen Offizier der iranischen Revolutionsgarden gezielt getötet.

Die aktuelle Stärke des Goldpreises hat verschiedene Ursachen, die anders als die temporäre militärische Eskalation zwischen dem Iran und den USA von andauernder Natur sind. Natürlich spielen die latent vorhandenen geopolitischen Risiken immer eine Rolle bei der Attraktivität des Goldes als „Sicherer Hafen“.

Das gleiche gilt für die noch nicht seriös abschätzbaren ökonomischen und sozialen Risiken für China, die aus der Verbreitung des neuartigen Coronavirus 2019-nCoV resultieren. Für die mittel- und langfristige Entwicklung des Goldpreises sind jedoch andere Faktoren viel entscheidender für die Nachfrage und auch das Angebot.

Sichtbar werden diese Faktoren in einem robusten Aufwärtstrend des Goldpreises, der die Notierungen in nahezu allen Währungen weltweit auf neue Höchststände trägt, so auch in Euro.

Neuer Rekord beim Goldpreis in Eur

Goldpreisrekord und Dollarstärke

Mit 1.576 US-Dollar pro Unze nähert sich auch der Goldpreis in der Weltleitwährung wieder seinen zyklischen Höchstständen von Anfang Januar an. Im Gegensatz zu den Notierungen in Euro trennen den Goldpreis in Dollar jedoch noch fast 18 Prozent vom Höchststand aus dem September des Jahres 2011 bei 1.921 US-Dollar pro Unze.

Dennoch ist auch im Dollar-Chart gut zu erkennen, wie der Goldpreis nach dem starken Anstieg im Sommer letzten Jahres die daraufhin folgende Konsolidierungsphase zum Jahresultimo beendet hat und nun weiter nach oben strebt.

Der nächste horizontale Widerstand wartet nun knapp unterhalb der 1.600-er Marke bei ca. 1.594 US-Dollar. Darüber hinaus muss der Goldpreis noch das Hoch aus der Nacht des frühen 8. Januar bei ca. 1.610 US-Dollar überwinden, bevor der Weg Richtung 1.650 US-Dollar pro Unze charttechnisch frei ist. 

Goldpreis in Us-Dollar Chart

Die Rahmenbedingungen für die Überwindung der dicht über dem aktuellen Preisniveau liegenden Widerstände sind sehr konstruktiv und dass, obwohl der US-Dollar aktuell gegenüber den wichtigsten Handelspartnerwährungen sehr stark ist (siehe Chart unten: US-Dollar Index). 

Die Dauerrivalität zwischen der Weltleitwährung US-Dollar und der alternativen Weltreservewährung Gold führt normalerweise zu einer negativen Korrelation: Steigt der US-Dollar an, sinkt der Goldpreis und vice versa.

Momentan kann sich der Goldpreis jedoch von der US-Dollar Stärke abkoppeln und führt im positiven Sinne ein Eigenleben. Dafür gib es gute Gründe.

US-Dollar Index Chart

Schwarze Schwäne als Massenphänomen

An Risiken für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft mangelt es aktuell nämlich nicht: Von der nach wie vor existierenden US-Repo-Krise über die wieder eskalierenden Schulden- und Währungskrisen in Argentinien und der Türkei bis hin zur Coronavirus-Epidemie tauchen diverse schwarze Schwäne auf den Bildschirmen der Investoren und Spekulanten auf.

Dies ist auch eine Erklärung dafür, warum der Dollar und der Goldpreis parallel ansteigen. Beide Währungen gelten in Phasen erhöhter Unsicherheit und steigender Risikoaversion als sichere Häfen, wobei Gold aufgrund seiner historisch bewiesenen Werthaltigkeit die Währung der letzten Instanz in Sachen Sicherheit ist. 

Da jedoch die individuellen Präferenzen und Bedürfnisse der Marktteilnehmer differieren, bevorzugen nach wie vor viele Anleger in solchen Phasen die Weltleitwährung US-Dollar als sicheren Hafen.

Bedeutungsgewinn des Goldes als ultimative Reservewährung

Auf Ebene der Notenbanken zeigt sich jedoch eine Entwicklung, die das Gewicht der beiden Reservewährungen sukzessive zugunsten des Goldes verschiebt. Gehörten die Notenbanken noch bis zur Weltfinanzkrise im Jahr 2009 zu den Netto-Verkäufern von Gold, so sind sie seit dem Jahr 2010 konstant Netto-Käufer – mit zunehmender Bedeutung: im vergangenen Jahr kauften die Notenbanken mit voraussichtlich netto 684 Tonnen mehr als ein Fünftel der weltweiten Produktion in Höhe von 3.300 Tonnen auf.

Dies entspricht einer Steigerung von nochmals 28 Tonnen Gold oder 4,3 Prozent gegenüber dem Jahr 2018 und damit einem neuen Rekordvolumen. 

Die Kaufmotive der Notenbanken reichen dabei von der Absicherung der eigenen Bilanzen über die Diversifizierung der gehaltenen Vermögenswerte bis hin zur Verdrängung des US-Dollars als Reservewährung durch das politisch unabhängige und weltweit akzeptierte Gold.

Neue Rekordbestände bei den ETF-Beständen

Auch die privaten Investoren folgen zunehmend dem Beispiel der Zentralbanken, die den von ihnen selbst emittierten Währungen mehr und mehr zu misstrauen scheinen. So stiegen die Bestände der weltweiten mit physischem Gold gedeckten Exchange Traded Funds (ETFs) im Januar 2020 auf ein neues Rekordvolumen an.

Vor allem in Europa und Nordamerika gab es starke Mittelzuflüsse, wohingegen es in Asien wegen der hohen Preise und der ersten Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie zu leichten Abflüssen aus den Gold ETFs kam. 

In Summe flossen allein im Auftaktmonat dieses Jahres netto 61,7 Tonnen des gelben Edelmetalls in die physisch gedeckten Fonds. Damit horten die ETFs weltweit mittlerweile das Rekordvolumen von 2.947 Tonnen.

Somit entwickelt sich die Nachfrage durch Notenbanken und ETFs zum Preistreiber Nummer eins für den Goldpreis. Die preisbedingten Rückgänge bei der Schmucknachfrage konnten so deutlich überkompensiert werden. 

Anders als bei den ETFs, wo steigende Preise neue Investoren anlocken, schrecken hohe Preise Schmuckkäufer eher ab.

Abnehmende Goldproduktion

Auf der Angebotsseite zeichnet sich mehr und mehr eine Stagnation der Produktionsmenge ab: Gemäß dem vorläufigen Jahresbericht 2019 des U.S. Geological Survey verharrte die Produktion auf dem Vorjahresniveau bei 3.300 Tonnen. 

Der global größte Goldproduzent China weitete seine Produktion um 19 Tonnen auf 420 Tonnen aus. Da China aber kaum Gold exportiert, sondern das geförderte Metall Jahr für Jahr in den Tresoren der Zentralbank Chinas und den chinesischen Privatinvestoren verschwindet, spielt diese Angebotsveränderung für den Weltmarktpreis kaum eine Rolle.

Die größten Produktionsrückgänge gab es in den USA mit minus 26 Tonnen und Südafrika mit minus 27 Tonnen. 

Südafrika zählte früher zu den Top-Produzenten und war einst sogar größtes Förderland der Welt. Heute rangiert das Land am Kap nur noch auf Platz 12 hinter Usbekistan. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die im Vorjahr noch geschätzten möglichen Goldvorkommen in der Erde Südafrikas in Höhe von 6.000 Tonnen nun auf nur noch 3.200 Tonnen fast halbiert wurden.

Weltweit sanken die wirtschaftlich förderbaren Gold-Ressourcen gegenüber dem Vorjahr um 4.000 Tonnen auf noch 50.000 Tonnen, trotz massiver Preisanstiege. Die geologische Reichweite der Goldproduktion beträgt damit bei konstanter Fördermenge und unveränderten Preise aktuell nur noch 15 Jahre und zwei Monate.

Fazit und Ausblick

Die Rahmenbedingungen für einen weiter steigenden Goldpreis sind sehr konstruktiv. Die bekannten Preistreiber sind dabei die globale Überschuldung und die darauf reagierende ultralaxe Geldpolitik sowie das Auftauchen diverser Schwarzer Schwäne in Gestalt der Coronavirus-Epidemie sowie den weiter eskalierenden Währungs- und Schuldenkrisen in Argentinien und der Türkei.

Dass sich die Marktteilnehmer bei der Ansteuerung sogenannter sicherer Häfen auf der Währungsebene nun nicht mehr nur auf den US-Dollar, sondern zunehmend auch auf das Gold verlassen, zeigt die Lernkurve der Marktteilnehmer. 

Mit dazu beigetragen haben dürfte auch die Vorbildfunktion der Notenbanken, die in einem Maße wie nie zuvor Gold aufkaufen.

Für Privatanleger aus Europa bedeutet die parallele Stärke von Dollar und Gold ein nie zuvor gesehenes Rekordpreisniveau.

Die gleichzeitig stagnierende Produktion und die rückläufigen Gold-Ressourcen runden das Gesamtbild für einen positiven Goldpreisausblick auch für dieses Jahr ab.

Hannes Zipfel
Finanzjournalist

Autor: Hannes Zipfel
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von drlutt | 14.02.2020, 11:20 Antworten

Herr Zipfel ist in meinen Augen ein ausgezeichneter Analyst für Währungsfragen.
Wann kommen mal wieder Beiträge auf youtube?

1 Antwort an drlutt anzeigen
von Homo_errectus | 14.02.2020, 01:00 Antworten

Gold wird, im Gegensatz zu allen modernen Währungen, immer einen gewissen Wert behalten. Ob die momentane Bewertung gerechtfertigt ist, darüber kann man streiten. Dennoch ist Gold eine bessere Anlage als der Euro, so viel steht mit Sicherheit fest. Der Euro ist ein gefährliches, toxisches Politiker-Experiment, das noch einen übles Ende nehmen wird; wer anderer Meinung ist, kann diese haben, wird aber eines Tages den Preis der Dummheit dafür zahlen...

von Commander Crash | 13.02.2020, 14:52 Antworten

Eben ein Statement von Frau Schnabel der EZB gelesen. Da steht praktisch zwischen den Zeilen: Der Sparer (Gläubiger) muss nunmal auf Zins verzichten, damit es "uns" so gut geht wie es "uns" geht. Und "heute" sind Guthaben kaum negativ bezinst. Aktuelle Geschäftsbedingungen der Banken konnte sie wohl nicht lesen. Ihr Essen zahlt sie wohl auch nicht selbst.

2 Antworten an Commander Crash anzeigen
von Martin Streckfuß | 13.02.2020, 14:26 Antworten

Sehr schöne Analyse Herr Zipfel, alle Achtung.
Alles Gute für Sie.

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