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Stand: 11.05.2026 von Jörg Bernhard
Die Rolle von Gold im globalen Finanzsystem verändert sich offenbar grundlegend. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie der beiden Deutsche Bank-Analysten Mallika Sachdeva und Michael Hsueh.
Warum Gold für Notenbanken wieder unverzichtbar wird

Vom Goldstandard zur Dollar-Dominanz

Die Untersuchung beschäftigte sich mit der Frage, warum Zentralbanken weltweit ihre Goldreserven seit Jahren massiv ausbauen – und weshalb dieser Trend noch lange nicht beendet sein könnte. Für Privatanleger ist das hochinteressant, denn die Notenbanken gelten am Goldmarkt als einer der wichtigsten langfristigen Käufer.

Um die aktuelle Entwicklung zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück. Bis Anfang der 1970er-Jahre war Gold offiziell Bestandteil des globalen Währungssystems. Erst als US-Präsident Richard Nixon 1971 die Goldbindung des Dollars aufhob, endete das Bretton-Woods-System. Der Goldpreis stieg daraufhin in den folgenden Jahren massiv an und erreichte Anfang 1980 erstmals historische Höchststände.

Danach begann allerdings eine jahrzehntelange Schwächephase. Vor allem in den 1990er-Jahren verloren Goldreserven für viele westliche Notenbanken zunehmend an Bedeutung. Hintergrund war die damalige geopolitische Lage: Der Kalte Krieg war beendet, die USA galten als unangefochtene Supermacht, die Inflation war niedrig und US-Staatsanleihen entwickelten sich zum dominierenden Reservevermögen der Welt.

Viele Zentralbanken reduzierten damals ihre Goldbestände und bauten stattdessen Dollarreserven auf. Laut der Deutsche Bank-Studie fiel der Anteil von Gold an den weltweiten Zentralbankreserven dadurch von rund 40 Prozent Ende der 1980er-Jahre auf nur noch etwa 10 Prozent vor der Finanzkrise 2008.

Die Finanzkrise 2008/2009 veränderte alles

Genau hier sehen Sachdeva und Hsueh den entscheidenden Wendepunkt.

Seit der globalen Finanzkrise habe sich das Vertrauen in das bestehende Währungssystem schrittweise verändert.

Gleichzeitig nehmen geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und die Unsicherheit über die langfristige Stabilität westlicher Staatsfinanzen zu.

Vor allem Schwellenländer reagieren darauf offenbar mit einer strategischen Neuausrichtung ihrer Reserven. Laut Deutsche Bank haben Zentralbanken aus Emerging Markets in den vergangenen 17 Jahren rund 225 Millionen Feinunzen Gold gekauft. Damit wurde mehr Gold akkumuliert, als westliche Zentralbanken in den 1990er-Jahren verkauft hatten.

Besonders interessant: Trotz dieser massiven Käufe halten viele Schwellenländer im internationalen Vergleich weiterhin relativ geringe Goldreserven. Deshalb sehen die Analysten weiteres Aufwärtspotenzial für die Goldnachfrage. Inzwischen ist der Anteil von Gold an den globalen Zentralbankreserven laut der Studie wieder auf nahezu 30 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sank der Anteil des US-Dollars von rund 60 Prozent Anfang der 2000er-Jahre auf etwa 40 Prozent.

Warum Zentralbanken weiter Gold kaufen dürften

Die Deutsche Bank geht davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen könnte. Historisch betrachtet lag der Goldanteil an den weltweiten Reserven über viele Jahrzehnte zwischen 40 und 70 Prozent. Die heutige Situation wirkt aus Sicht der Analysten deshalb eher wie eine Rückkehr zum langfristigen Durchschnitt (siehe Grafik).

Goldkäufe von Notenbanken und anderen Zentralbanken von 2010 bis 2025

Als wichtigste Gründe für die steigende Goldnachfrage nennen die Experten die zunehmende geopolitische Unsicherheit, die schrittweise Entdollarisierung sowie den Wunsch vieler Staaten nach größerer Unabhängigkeit vom westlich dominierten Finanzsystem. Gold besitzt dabei mehrere Vorteile: Das Edelmetall trägt kein Kontrahentenrisiko, kann nicht beliebig vermehrt werden und wird weltweit akzeptiert.

Selbst der jüngste Rückgang des Goldpreises während des Nahost-Kriegs ändert aus Sicht vieler Marktbeobachter nichts am langfristigen Bild. Zwar belasteten steigende Ölpreise, Inflationsängste und höhere Zinserwartungen kurzfristig die Edelmetalle. Gleichzeitig blieb die Nachfrage der Zentralbanken jedoch robust. Laut Daten des World Gold Council lagen die Nettokäufe der Notenbanken im ersten Quartal 2026 sogar über dem Vorjahresniveau.

Fazit: Gold scheint für Zentralbanken weltweit wieder strategisch an Bedeutung zu gewinnen. Sollte sich die geopolitische Fragmentierung der Weltwirtschaft fortsetzen, dürfte der Trend zu höheren Goldreserven vieler Staaten noch über Jahre anhalten.

Ausblick für die laufende Woche

Es gibt eine Börsenregel, die folgendes besagt:

Spekuliere nie gegen die Notenbanken!

Dies sollte derzeit vor allem mit Blick auf deren Goldkäufe beachtet werden.

So hat zum Beispiel im März Chinas Notenbank den 18. Monat in Folge ihre Goldreserven aufgestockt – mit plus 8,1 Tonnen wurde übrigens der stärkste Anstieg seit Dezember 2024 verzeichnet.

Wer über genügend Liquidität verfügt, sollte daher an der Krisenwährung festhalten und wem die Goldquote innerhalb des eigenen Portfolios zu viel Gewicht einnimmt, kann ja über deren Reduktion nachdenken.

Allerdings sollten sich Anleger stets darüber bewusst sein, dass ein hohe Cash-Quote der Inflation schutzlos ausgeliefert ist. Apropos Inflation – aktuelle Daten zur US-Inflation im April stehen am Dienstagnachmittag zur Bekanntgabe an.

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Laut Analystenschätzungen soll sich im „Trump-Land“ die jährliche Teuerung von 3,3 auf 3,4 Prozent beschleunigt haben.

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Stand: 11.05.2026
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von Onkel Dagobert | 18.05.2026, 06:04 Uhr Antworten

Es herrscht wieder Goldgräberstimmung,wer traut noch dem Dollar oder Euro?

von M. | 12.05.2026, 09:02 Uhr Antworten

Der Artikel bestätigt mich in meinem Handeln, den größten Teil meines Vermögens in Gold investiert zu haben.

1 Antwort an M. anzeigen

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