Stand: 12.05.2020 von Hannes Zipfel
Während der Goldpreis in US-Dollar noch ein gutes Stück von seinen Höchstständen entfernt notiert, erreichte der Goldpreis in Euro zuletzt ein Rekord nach dem anderen. Was sind die Gründe dafür und warum ist der Goldpreis in Euro für deutsche Anleger überhaupt relevant?
Warum Gold in Euro schneller steigt als in US-Dollar

Die Währung macht den Unterschied

Bei der Betrachtung der eigenen Vermögenswerte spielt die Anlagewährung eine bedeutende Rolle. Die Währung, in der Aktien, Anleihen oder Rohstoffe notieren, hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Wertentwicklung der Geldanlage. 

So ist es auch beim Gold, das an den internationalen Edelmetallmärkten in US-Dollar gehandelt wird, sogar in London. 

Der in US-Dollar ermittelte Goldpreis (Spot-Preis) ist der weltweit gültige Referenzkurs. Dennoch notiert der Goldpreis in den meisten Währungen dieser Welt auf oder nahe Allzeithöchstständen – so auch in Euro. 

Dies hat mit dem Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar zu tun. Der Dollar hat versus Euro in den letzten zehn Jahren um knapp 10 Prozent aufgewertet. Dadurch haben alle in US-Dollar denominierten Anlagen automatisch einen zehnprozentigen Vorteil in der Wertentwicklung gegenüber dem Euro.

Das gilt nicht nur für Rohstoffe im Allgemeinen und Edelmetalle im Besonderen, sondern auch für Aktien oder Anleihen.

Betrachtet man den Zeitraum seit Mai 2006, also die letzten 14 Jahre, dann wird der Einfluss der Wechselkurse sehr deutlich: Während der Wert des gelben Edelmetalls in US-Dollar seitdem um knapp 160 Prozent angestiegen ist, waren es in Euro über 200 Prozent:

Wertentwicklung des Goldpreises zwischen Euro und US-Dollar

Den entscheidenden Unterschied in der Wertentwicklung des Goldpreises zwischen Euro und US-Dollar macht also der Wechselkurs. Die Schwäche des Euro gegenüber dem US-Dollar ist gleichzeitig die Stärke des Goldpreises in Euro.

Warum überhaupt Gold in Euro betrachten?

In den Medien wird der Goldpreis meist in US-Dollar ausgewiesen. Dies ist auch absolut legitim, da die großen Datenanbieter, die Edelmetallbörsen und die London Bullion Market Association (LBMA) die Goldkurse in US-Dollar ausweisen.

Anlageprofis bauen auf Basis der Dollarkurse dann auch ihr eigenes Research inkl. Preisprognosen und ihre Bewertungsmodelle auf und entwickeln charttechnische Analysen. Einige Wirtschafts- und Börsenmedien machen sich jedoch zusätzlich die Mühe, den Goldpreis in Euro umzurechnen und anzugeben, da nur dieser Preis für Privatanleger aus dem Euroraum relevant ist. 

Es macht generell Sinn, sein Vermögen immer in der eigenen Heimatwährung zu berechnen, also in der Währung, in der man hauptsächlich seine Einnahmen erzielt und den Großteil seiner Ausgaben bestreitet. 

Andernfalls würden die Relationen zwischen Vermögen, Einkommen und Ausgaben in einem falschen Verhältnis zueinander abgebildet werden. 

Für Goldeigentümer aus der Eurozone macht es daher Sinn, sein Gold in Euro zu bewerten, um dessen Kaufkraft zu bemessen. Das Gleiche passiert, wenn Anleger einen Auszug ihres Wertpapierdepots von der Sparkasse, der Bank oder dem Broker erhalten. Auch dort sind zum Beispiel amerikanische Aktien, die an der New York Stock Exchange oder der NASDAQ in US-Dollar notieren, in Euro umgerechnet ausgewiesen.

Das gilt auch für US-Aktien, die an deutschen Börsen gelistet sind. So wird beispielsweise der Kurs der Amazon-Aktie an der Börse in Frankfurt ebenfalls in Euro ausgewiesen.

Gründe für die Euro-Schwäche

Für Anleger aus dem Euroraum war die Goldanlage aufgrund der Euroschwäche in den letzten Jahren und vor allem zuletzt in der Corona-Krise eine gute Wahl. Nicht viele Wertanlagen notieren aktuell nahe ihrer Spitzenpreise. Doch auch für die Zukunft macht es Sinn, Gold als stabilste und älteste Währung der Welt mit im Vermögensmix zu halten. 

  • Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen ist das vom US-Dollar dominierte Weltwährungssystem unter starkem Stress: Die weltweite Verschuldung steigt rasant an und befindet sich sowohl absolut als auch in Relation zur Wirtschaftsleistung (Welt-BIP) auf absoluten Höchstständen. Das stärkt den Goldpreis in US-Dollar.

  • Zweitens gerät die Gemeinschaftswährung Euro durch die zunehmende Divergenz der Wirtschaftsleistung der Mitgliedsstaaten der EWWU und durch die ökonomischen Folgen der Corona-Krise sowie der aktuell explodierenden Verschuldung der Mitgliedstaaten weiter unter Druck. Die Goldnachfrage aus Europa, speziell aus Westeuropa, ist traditionell sehr stark, Deutschland ragt mit zwei Drittel der Bevölkerung, die Gold besitzen heraus.

Die Beliebtheit der Vermögensanlage Gold speziell in Deutschland ist auch aus der Historie abzuleiten: Zweimal im letzten Jahrhundert wurde das Geld der Deutschen nahezu vollständig entwertet. Insgesamt gab es mit der Umstellung von DDR-Mark auf D-Mark sowie später von der D-Mark auf den Euro sogar vier Währungsumstellungen.

Besonders die Letzte fand unter großer Skepsis der Deutschen statt, was sich mittlerweile als richtig erwiesen hat. So verlor der Euro gemessen in Gold seit seiner Einführung als Buchgeld im Jahr 1999 über 80 Prozent seiner Kaufkraft. 

Besorgniserregende Perspektiven für den Euro

Blickt man voraus in die Zukunft der Währungsgemeinschaft, dann kommen laut der jüngsten Frühjahrsprognose der Europäischen Kommission vom 6. Mai noch herausfordernde Zeiten auf die Eurozone und die Gemeinschaftswährung zu. 

Allein der Titel der Studie lässt nichts Gutes erahnen: „Tiefe und ungleichmäßige Rezession, ungewisse Erholung, starker Anstieg der Verschuldung“.

Die EU-Kommission sagt:

„Die Coronavirus-Pandemie ist für die Volkswirtschaften der EU ein großer Schock und hat sehr schwerwiegende sozioökonomische Folgen. Sowohl die EU als auch die Mitgliedstaaten haben rasch und umfassend reagiert; nichtsdestotrotz wird die EU-Wirtschaft dieses Jahr eine Rezession historischen Ausmaßes erleben.“

In der Frühjahrsprognose 2020 wird davon ausgegangen, dass die Wirtschaft des Euro-Währungsgebiets im Jahr 2020 um 7,75 Prozent schrumpft und damit stärker als jemals zuvor.

Gleichzeitig wird aufgrund der teuren Gegenmaßnahmen der Staaten gegen die Virus-Pandemie und gegen die ökonomischen Kollateralschäden sowie Mindereinnahmen aus Steuern und Abgaben eine Explosion der in den Südländern ohnehin extrem hohen Verschuldung erwartet. Vor allem für Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Frankreich geht die Kommission von zweistelligen Haushaltsdefiziten und historisch hohen Schuldenständen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt aus.

In Griechenland soll die Staatsverschuldung von aktuell 176,6 Prozent des BIP auf 200 Prozent ansteigen. In Italien von aktuell 135 Prozent auf knapp 160 Prozent, in Portugal von 118 Prozent auf 135 Prozent, in Frankreich von 98 Prozent auf 118 Prozent und in Spanien von 95,5 Prozent auf 115 Prozent. 

Als unproblematisch gelten unter Ökonomen Schuldenstände bis ca. 80 Prozent des BIP – abhängig vom Zinsniveau und der quantitativen Geldpolitik der Zentralbank (Anleihekaufprogramme).

Die Europäische Zentralbank pusht den Goldpreis in Euro

Und so ist es auch ausschließlich der ultralaxen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verdanken, dass die Schuldentragfähigkeit auch nach der Corona-Krise für die hoch verschuldeten Eurozone-Mitgliedstaaten erhalten bleibt. Nur dank Negativzinsen bei der Banken- und teilweise auch bei der Staatsrefinanzierung sowie historisch hohen Anleihekaufprogrammen im Volumen von insgesamt über 1,1 Billionen Euro im Fiskaljahr 2020 können die Staaten mit dieser gewaltigen Schuldenlast umgehen.

Die Nebenwirkung dieser Geldpolitik der EZB, vor allem der Negativzinsen sowie die hohen Verschuldungsstände, ist eine Abschwächung des Außenwertes des Euro. Durch den Kauf von Gold kann man sich also vor der Abwertung der Gemeinschaftswährung schützen, weil der Goldpreis, der sich ohnehin in einem Aufwärtstrend befindet, durch die Euroschwäche zusätzlich aus Sicht eines europäischen Anlegers aufwertet.

Fazit und Ausblick

Ein nahe Rekordniveau notierender Goldpreis spiegelt zum einen die Schwäche des Außenwertes der Gemeinschaftswährung Euro wider und ist andererseits Ausdruck des zunehmenden Pessimismus bezüglich der Perspektiven der Eurozone. 

Die Kaufkraft und der Außenwert des Euro fallen zunehmend der aggressiven Geldpolitik der EZB zum Opfer, die aber unabdingbar ist, um die Eurozone ökonomisch am Leben zu erhalten. Die Nebenwirkungen dieser Politik der EZB sind eine fortgesetzte Schuldenexplosion sowie die „Zombifizierung“ von Staaten, Banken und Unternehmen, die unter normalen Zinsbedingungen (orientiert an der offiziellen Inflationsrate) nicht einmal mehr ihre Kapitalkosten verdienen könnten.

Damit gewinnt Gold als solide Währungsalternative zum Euro mit sich fortsetzenden Verschuldungsanstiegen an Bedeutung. 

Die gleichen Mechanismen finden natürlich verstärkt auch in den USA statt, wo die aktuelle Administration gerade dabei ist, historische Staatsdefizite zu produzieren und die Staatsverschuldung des Bundes auf das Niveau Italiens von vor der Corona-Krise anzuheben. Daher wertet auch der Goldpreis in US-Dollar im Trend weiter auf. 

Aber die Probleme in der Eurozone bezogen auf die Fragilität des Währungsraums lassen den Goldpreis in Euro aktuell noch schneller ansteigen als in US-Dollar.

Und nur der Wert des Goldes in Euro ist für europäische Anleger bezogen auf die Bewertung ihres Vermögens relevant.
Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Mike | 14.05.2020, 18:24 Antworten

Ich glaube aber nicht an den ganz grossen crash. Eine Reform wird aber wohl kommen. Wo ich mir unsicher bin, kann die bank eigentlich all ihr verliehenes Geld unter einmal zurück fordern? Und wenn ja ist ja bei Festzinssätzen eigentlich doch unmöglich ?

von Schnuckiputzi | 13.05.2020, 20:00 Antworten

Hallo an alle,

ich erlaube mir einmal eine Prognose. Spätestens 2022, wenn es überhaupt so lange dauert, werden wir in der EU eine Währungsreform erfahren um den Mist, der durch Gier u.s.w. endstanden ist zu überstehen. Corona ist ein gute Ausrede um die Wirtschaft an die Wand zu fahen. Ich behaupte min. 16% mehr Arbeitslose in Deutschland alleine! Und dies 2020. Um es einmal zu verdeutlichen, stellen Sie sich vor sie haben in Januar 2020, einen Kredit für ein Haus aufgenommen und Sie haben Ihren Job verloren. Das ist Übel. Bankenpleiten sind Vorpogrammiert. Denn diese Leute bekommen auch in nächter Zeit keinen neuen Job! darüber sollte man nachdenken.

Copyright © 2009-2020 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"