| GOLD | 4.748,73 $/oz | 4.051,65 €/oz | 130,26 €/g | 130.264 €/kg |
| SILBER | 75,99 $/oz | 64,99 €/oz | 2,09 €/g | 2.089,48 €/kg |
Wenn Rohöl deutlich teurer wird, steigen in der Regel auch die Verbraucherpreise. Historisch galt Gold genau in solchen Phasen als bewährter Inflationsschutz. Doch aktuell scheint diese klassische Wechselwirkung nicht zu funktionieren: Trotz wachsender Inflationsrisiken hat der Goldpreis zuletzt nachgegeben.
Wichtig zu wissen: Höhere Energiepreise verteuern Transportkosten, Produktionsprozesse und schließlich viele Alltagsgüter. Dadurch kann sich die Teuerung entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausbreiten. Besonders kritisch wird es, wenn sich der Ölpreisanstieg über längere Zeit hält. In diesem Fall könnten die Inflationsraten wieder deutlich anziehen, nachdem sie sich in den vergangenen Quartalen eher reduziert hatten (siehe Balkengrafiken).
Allerdings sendet der Terminmarkt für Rohöl derzeit ein anderes Signal. Die Struktur der Futureskurve befindet sich in einer ausgeprägten Backwardation. Das bedeutet, dass kurzfristige Lieferkontrakte deutlich teurer sind als Kontrakte mit längerer Laufzeit. Eine solche Konstellation entsteht häufig dann, wenn Marktteilnehmer kurzfristige Versorgungsengpässe befürchten, langfristig jedoch wieder niedrigere Preise erwarten.
Sollten sich diese Erwartungen jedoch als falsch erweisen und die Energiepreise dauerhaft hoch bleiben, könnte sich der Inflationsdruck erheblich verstärken.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Schwäche des Goldpreises umso überraschender. Auch andere traditionelle Korrelationen scheinen derzeit nicht mehr zuverlässig zu funktionieren. In vielen Marktphasen reagiert Gold auf fallende Aktienindizes positiv, da Investoren bei steigender Unsicherheit aus riskanteren Anlagen in sichere Häfen wechseln. Derzeit fällt Gold jedoch teilweise im Gleichschritt mit Aktien. Ein möglicher Grund: Wenn Aktienmärkte unter Druck geraten und Verluste entstehen, werden bei Gold oft Gewinne realisiert, um Marginanforderungen zu erfüllen oder Verlustlöcher zu stopfen.
Auch die geopolitische Lage würde normalerweise für steigende Goldpreise sprechen. Trotz des eskalierenden Konflikts im Nahen Osten reagiert Gold aktuell nicht mit steigenden Notierungen. Der wichtigste Grund für diese Entwicklung liegt in der Geldpolitik und den Anleihemärkten.
Der Dollar hat zuletzt deutlich an Stärke gewonnen. Ein starker Dollar belastet den Goldpreis, weil das Edelmetall international in der US-Währung gehandelt wird. Für Investoren außerhalb der USA wird Gold dadurch teurer, was die Nachfrage dämpfen kann. Gleichzeitig sind die Renditen von Staatsanleihen gestiegen. Steigende Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten des Goldbesitzes, da Gold selbst keine laufenden Zinsen abwirft.
Hinzu kommt, dass die Erwartungen an schnelle Zinssenkungen der Notenbanken zuletzt zurückgegangen sind. Wenn Investoren damit rechnen, dass die Inflation und die Zinsen länger hoch bleiben, wird Gold kurzfristig weniger attraktiv. Diese Kombination aus starkem Dollar, steigenden Renditen und geringeren Zinssenkungshoffnungen hat den Goldpreis zuletzt gebremst.
Fazit: Langfristig könnte sich dieses Bild jedoch wieder ändern. Staatsanleihen galten über Jahrzehnte zwar als sicherer Hafen in Krisenzeiten, doch bei steigender Inflation, hohen Schuldenständen und Haushaltsdefiziten verlieren sie zunehmend an Attraktivität. Auch der Dollar könnte auf lange Sicht wieder unter Druck geraten, wenn globale Kapitalströme sich stärker diversifizieren. In einem solchen Umfeld dürfte dann Gold erneut in den Fokus vieler Investoren rücken. Die aktuelle Schwächephase könnte sich daher eher als temporäre Marktanomalie erweisen. Für langfristig orientierte Anleger bleibt das Edelmetall deshalb weiterhin eine der wichtigsten Absicherungen gegen geldpolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten.
Inflation in den USA

Inflation in der Eurozone
Quelle: tradingview.com
Nachdem in den USA am vergangenen Freitag ein unerwarteter Stellenschwund um 92.000 und mit 4,4 Prozent eine höhere als prognostizierte Arbeitslosenrate gemeldet worden war, dämpfte dies die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen. Mittlerweile zeigt das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group eine Wahrscheinlichkeit von 61 Prozent an, dass am 17. Juni keine Zinssenkung erfolgen wird.
Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.
Für erhöhte Aufmerksamkeit dürften nun die für den Mittwoch angekündigten US-Inflationszahlen sorgen. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll die Teuerungsrate im Februar bei 2,4 Prozent verharren und die Kerninflation mit 2,5 Prozent p.a. gegenüber dem Vormonat ebenfalls stagnieren.
Es ist zu befürchten, dass es danach mit dem Kaufkraftverlust der Währungen – diesseits wie jenseits des Atlantiks – wieder bergauf gehen dürfte. Vor diesem Hintergrund gibt das gelbe Edelmetall weiterhin eine gute Figur ab, schließlich hat es sich über Generationen hinweg als wirksamer Krisen- und Inflationsschutz bestens bewährt.