| GOLD | 4.698,39 $/oz | 4.013,00 €/oz | 129,02 €/g | 129.021 €/kg |
| SILBER | 87,17 $/oz | 74,45 €/oz | 2,39 €/g | 2.393,62 €/kg |
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat sich in den Köpfen der Marktteilnehmer von einer drohenden Eskalation zu einer Seeblockade abgemildert. Chinas Rolle als größter Ölabnehmer des Irans bringt zwar Komplexität mit sich, ein sofortiges Eingreifen erscheint jedoch aufgrund der umfangreichen staatlichen Ölreserven im Reich der Mitte unwahrscheinlich.
Die Märkte erholen sich damit zuversichtlich, wobei sich Anleger auf attraktive Bewertungen und ein robustes, KI-getriebenes Gewinnwachstum konzentrieren. Dennoch wird durch die anhaltende Verlagerung von Truppen und Ausrüstung in die Kriegsregion ein erneutes Aufflammen der Kämpfe wahrscheinlich, was die Märkte aktuell komplett ignorieren.
Im Ergebnis steigen sowohl der Krisenindikator Gold als auch die Aktienmärkte an.

Zu beachten ist jedoch, dass Gold als sicherer Hafen bei einer erneuten Eskalation der Nahost-Krise ebenfalls durch Gewinnmitnahmen und Liquiditätsbeschaffung mitverkauft werden kann, so wie es in der letzten Korrektur der Fall war.
Die Bandbreite der Schlagzeilen war bisher extrem volatil: Von der Drohung mit der „unmittelbaren Vernichtung“ über einen zweiwöchigen Waffenstillstand bis hin zur Schließung der Straße von Hormus durch die US-Streitkräfte in dieser Woche. Dies liegt daran, dass Präsident Trump unberechenbar zu sein scheint.
Die Rhetorik der Trump-Regierung zu analysieren ist eigentlich simpel: Sie folgt den Vorgaben Israels, ebenso wie der initiale Angriff auf die Führung des iranischen Terrorregimes.
Aber die Regierung von Benjamin Netanjahu muss Rücksicht nehmen auf seinen engsten Verbündeten, von dem es finanziell und militärisch stark abhängig ist.
Die Republikaner stehen unter Druck, Ergebnisse zu erzielen, und es gibt Anzeichen dafür, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus bei den sogenannten „Midterm Elections“ im Anfang November zurückerobern könnten.
Die Umfragewerte von Trump befinden sich für diesen Zeitpunkt in der Legislaturperiode auf einem historischen Tiefststand(Quelle: Gallup).
Daher versucht der amtierende Präsident, gleichzeitig Zeit im Nahost-Konflikt zu gewinnen, nicht als Verlierer dazustehen und seinen Partner Israel nicht im Stich zu lassen. Er versucht gewissermaßen die Quadratur des Kreises.
Iran erklärte, es werde alle Häfen im und am Persischen Golf angreifen, falls seine eigenen Schifffahrtszentren bedroht würden. Dies verschärft die Pattsituation um die Meerenge, die Teheran während eines Großteils des Konflikts kontrolliert.
Die ab Montag gültige US-Blockade für alle Schiffe, die auf der US-Sanktionsliste stehen oder Durchfahrtsgebühren an den Iran zahlen, birgt enormes Eskalationspotenzial. Dies gilt vor allem für Transporte nach China.
Neutrale Schiffe, die nicht an der Durchfahrt durch die Straße von Hormus gehindert werden, sofern sie Ziele außerhalb Irans ansteuern oder von dort kommen, haben jedoch das Problem, dass die Straße mutmaßlich vermint ist. Was weitestgehend unbekannt ist: Auch diese neutralen Schiffe können jederzeit in internationalen Gewässern von der US-Marine auf Schmuggelware durchsucht werden. Dass dies völkerrechtswidrig ist, muss nicht extra erwähnt werden.Die USA erklärten zudem, dass humanitäre Lieferungen einschließlich Lebensmittel, medizinischer Hilfsgüter und anderer für das Überleben der Zivilbevölkerung essenzieller Güter vorbehaltlich einer Inspektion zugelassen würden.
Die US-Blockade werde die gesamte Küstenlinie Irans umfassen, einschließlich der Gebiete östlich der Straße von Hormus, hieß es in der Mitteilung (ca. 1.500 km).
Tatsache ist, dass es niemand genau weiß, was als nächstes passieren wird. Bisher war die Ereignisdichte sehr eng und es ist unwahrscheinlich, dass die Waffenruhe und die beiderseitige Blockade der Straße von Hormus harmonisch ablaufen werden.
Verfügen die USA überhaupt über genügend Ressourcen, um die Blockade vollständig durchzuführen?
Die meisten Alliierten, auch aus der NATO, haben bereits abgewunken.
Es ist damit unklar, ob es sich um eine vollständige oder eine teilweise Blockade am Boden handeln wird. Fakt ist, dass bereits einzelne Schiffe mit abgeschaltetem Transponder die US-Blockade durchbrochen haben.
Das hat selbstverständlich Konsequenzen für den Erfolg und die Entschlossenheit der USA, die Ölgeschäfte des iranischen Regimes zu unterbrechen. Zweifellos werden mehr maritime Kräfte in die Region umgeleitet, vermutlich alle einsatzbereiten Ressourcen. Das macht die Weltmacht USA an anderen globalen Hotspots verwundbar. Zum Beispiel im Südchinesischen Meer.
Viele Militäranalysten sind der Meinung, dass eine Blockade, durch die nichts hinein- oder hinausgelangen kann, primär dazu dient, den Iran auszuhungern und Druck auf China auszuüben.
Doch Chinas strategische Rohölreserve ist im Frühjahr 2026 auf ein Rekordniveau angewachsen und bietet dem Land einen erheblichen Puffer gegen globale Lieferstörungen. Nach aktuellen Daten und Analysen vom April 2026 belaufen sich die Lagerbestände an Land auf etwa 1,2 Milliarden Barrel.
Diese Menge reicht rechnerisch aus, um den Bedarf von etwa 109 Tagen – also knapp dreieinhalb Monaten – an importiertem Öl allein durch Seeverbindungen zu decken.
Andere Schätzungen, die das gesamte Ölspeichersystem inklusive kommerzieller Bestände und optimierter Rationierung einbeziehen, gehen sogar von einer Reichweite von bis zu 140 Tagen aus. Damit hat China seine Energiesicherheit deutlich über das von der Internationalen Energieagentur (IEA) empfohlene Mindestmaß von 90 Tagen hinaus gesteigert, um gegen Krisen wie Blockaden oder Konflikte im Nahen Osten gewappnet zu sein.
Diese Maßnahme zielt also ganz offensichtlich auf den Iran ab. Doch wie sieht es hier aus?
Die Fähigkeit des Iran, eine totale Blockade der Straße von Hormus im Jahr 2026 zu überstehen, ist ein komplexes Zusammenspiel aus strategischer Infrastruktur, wirtschaftlichen Reserven und einer hohen Resilienz gegenüber Sanktionen. Während die Schließung der Meerenge den Iran selbst hart trifft, hat das Land in den letzten Jahren gezielt Ausweichmechanismen geschaffen. Zum Beispiel Alternative Exportrouten, wie die Jask-Pipeline.
Der wichtigste strategische Trumpf des Iran ist die Goreh-Jask-Pipeline. Diese ermöglicht es, Rohöl vom persischen Golf über 1.000 Kilometer bis zum Hafen von Jask am Golf von Oman zu pumpen – und damit die Straße von Hormus komplett zu umgehen.
Die Pipeline ist darauf ausgelegt, bis zu 1 Million Barrel pro Tag zu transportieren. Im Falle einer Blockade könnte der Iran so theoretisch einen signifikanten Teil seiner Exporte (die zuletzt bei ca. 1,5 Mio. Barrel/Tag lagen) aufrechterhalten, sofern die Verladestationen in Jask nicht ebenfalls zerstört oder blockiert werden.
Dazu kommen (sofern intakt) Schienen und Landwege: Der Export via Schiene und LKW nach Afghanistan, Pakistan, den Irak und die Türkei ist zwar für das Gesamtvolumen des Öls weniger relevant, sichert aber den Handel mit Treibstoffen, Gas und Konsumgütern, was die Grundversorgung stützt.
Zudem verfügt der Iran über finanzielle Rücklagen und Devisen, nicht zuletzt aus Mautgebühren und den seit Anfang März explodierten Gas- und Ölpreisen (Exporteinnahmen).
Trotz jahrelanger Sanktionen verfügt der Iran über beträchtliche, wenn auch oft eingefrorene Devisenreserven, die aber als Vorbedingung für die Verhandlungen mit den USA teilweise freigegeben wurden.
Schätzungen gehen davon aus, dass der Iran Zugriff auf liquide Mittel hat, die für 6 bis 12 Monate intensivster Krisenbewältigung ausreichen könnten.
Auch der Tauschhandel ist ein Durchhaltefaktor für den Iran: Durch etablierte "Oil-for-Goods"-Programme (vor allem mit China) kann der Iran die Notwendigkeit von Barreserven reduzieren. China bleibt auch unter Blockadebedingungen ein Hauptabnehmer, der oft "Dark Fleet"-Tanker nutzt, die Ortungssysteme abschalten und so Blockaden umgehen können.
Anders als im Westen spielt auch die Autarkie bzw. Selbstversorgung der Zivilbevölkerung eine Rolle. In Bezug auf lebensnotwendige Güter hat der Iran einen hohen Grad an Autarkie erreicht.
Lebensmittel und Pharma: Der Iran produziert etwa 90-95 % seiner Medikamente im Inland. Auch bei Grundnahrungsmitteln ist das Land weitgehend autark, muss jedoch bei Weizen und Futtermitteln (Mais) regelmäßig zukaufen.
Der große Schwachpunkt bleibt jedoch ganz klar die Importabhängigkeit: Ein Großteil der Getreideimporte läuft über den Hafen Bandar-e Emam Khomeini, der innerhalb des Persischen Golfs liegt. Eine Totalblockade würde hier eine schnelle Umstellung auf Häfen wie Jask oder Landrouten aus Russland (über das Kaspische Meer) erzwingen, was logistische Engpässe und massive Preissteigerungen zur Folge hätte.
Experten von Bloomberg gehen davon aus, dass der Iran eine totale Blockade militärisch und wirtschaftlich für mindestens 6 bis 9 Monate ohne einen völligen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung durchstehen könnte.
Die größte Gefahr für das Regime wäre dabei weniger der Mangel an Öl-Einnahmen, sondern der interne Druck durch eine galoppierende Inflation und Versorgungsengpässe bei der Zivilbevölkerung. Während die Jask-Pipeline einen wirtschaftlichen Kollaps verhindert, würde die soziale Stabilität durch die explodierenden Kosten für Importgüter vermutlich schon nach wenigen Monaten auf eine harte Probe gestellt.
Wir wissen, dass Präsident Trump im Mai einen Besuch China plant. Es scheint, als wolle die Trump-Regierung den Konflikt bis dahin – zumindest seine intensivste Phase – entschärfen, bevor der Präsident nach Peking reist.
Das Problem ist jedoch, dass bereits im April Rationierungen, Engpässe, massenhafte Flugausfälle und reißende Lieferketten die Weltwirtschaft in eine Krise stürzen werden. Trump hat also nicht bis Mai zeit, eine Pseudo-Blockade der Straße von Hormus durchzuhalten. Zumal das Treffen in China wegen des Nahost-Konfliktes schon mehrfach verschoben wurde.
Hinzu kommen unkalkulierbare Aktionen Israels im Libanon oder der Huthi-Rebellen (Ansar Allah) im Roten Meer, die zur Schließung des Suezkanals führen könnten.
Durch den Suezkanal fließen jährlich etwa 12 bis 15 Prozent des gesamten weltweiten Handelsvolumens sowie rund 20 Prozent des globalen Containerverkehrs.
Bei den Rohstoffen ist die Wasserstraße besonders kritisch für den Energiemarkt, da zirka 10 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls und etwa 8 Prozent des Flüssigerdgases (LNG) diese Route passieren. Insgesamt entspricht die Frachtmenge einer jährlichen Tonnage von über 1,2 bis 1,5 Milliarden Tonnen, was den Kanal zu einer der unverzichtbarsten Schlagadern der globalen Lieferketten macht.
Gold und Aktien steigen also deshalb gleichzeitig, weil die Meinungen der Marktteilnehmer stark divergieren: zwischen Entspannung und Eskalation. Wobei Letzteres wahrscheinlicher ist, wenn man sich die Handlungen Donald Trumps in seiner zweiten Amtszeit vergegenwärtigt.