Gold: 1.751,02 € 0,00 %
Silber: 19,94 € +0,02 %
Stand: 01.02.2022 von Hannes Zipfel
Während den Edelmetallmärkten die Beschlüsse der jüngsten US-Notenbanksitzung noch schwer im Magen liegen, steht in dieser Woche mit der EZB-Sitzung bereits das nächste geldpolitische Großereignis an. Zum Wochenauftakt wurden bereits neue Daten zur Inflation in Deutschland veröffentlicht. Sie lassen die Statistiker der EZB in keinem guten Licht erscheinen.
Warum sich die EZB verkalkuliert hat

Folgende Termine sollten Anleger in der KW 5 berücksichtigen:

  • Montag: Verbraucherpreisindex Deutschland (Jahr | HVPI), akt: 5,1 % | Dez.:5,1 %)
  • Dienstag: Frühlingsfest in China (30. Januar bis 4. Februar), Deutsche Einzelhandelsumsätze
  • Mittwoch: Offene Stellen in den USA (JOLTS -Report KW4), e: 10,3 Mio. | zul.: 10,562 Mio.
  • Donnerstag: Geldpoltisches Meeting der EZB (PK um 14:30 MEZ mit Christine Lagarde)
  • Freitag: CFTC-Daten Gold, Silber, Palladium, Platin (21:30 UHR MEZ)
(Details und weitere wichtige Termine finden Sie in der Tabelle unten)

Der erhoffte Basiseffekt bei der Inflation bleibt aus

Seit Monaten wird vor allem von deutschen Statistikern ein spürbarer Inflationsrückgang zu Beginn dieses Jahres angekündigt.

Zur Begründung hieß es: das Auslaufen der Umsatzsteuerreduzierung von regulär 19 auf 16 Prozent bzw. von 7 auf 5 Prozent für den ermäßigten Steuersatz vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 würde sich bedingt durch den höheren Basiseffekt ab Januar 2022 spürbar in einem Rückgang der deutschen Teuerungsrate auf nur noch knapp über 3 Prozent auswirken.

Ein Blick auf die heute veröffentlichten Zahlen zeigt hingegen, dass der sogenannte Mehrwertsteuereffekt vollständig verpufft ist: Auf Monatsbasis betrug die Preisinflation für die Konsumenten 0,4 Prozent, auf Jahresebene 4,9 Prozent.

Die Inflationsrate verringerte sich nicht.

In der nach europäischer Rechenmethode ermittelten harmonisierten Verbraucherpreisrate für Deutschland (HVPI) stiegen die Preise auf Monatsebene sogar um 0,9 Prozent an und verharrten auf Jahresbasis bei 5,1 Prozent Teuerungsrate.

Nun gerät die Europäische Zentralbank (EZB), die am kommenden Donnerstag erneut über ihre Geldpolitik entscheidet, in Erklärungsnot.

Vonseiten der Geldpolitik hatte man drei wesentliche Inflationstreiber unterschätzt, die sich nicht einfach aussitzen lassen.

  • Die Teuerung ist nachhaltiger und gewinnt ständig an Breite
  • Viele Unternehmen beginnen erst jetzt, ihre höheren Kosten weiterzureichen
  • In den Tarifverhandlungen steigt der Druck, die Reallöhne im positiven Bereich zum Halten
  • Die gestörten globalen Lieferketten sind nach wie vor Realität, v. a. bei Halbleitern
  • Auch in Deutschland droht sich durch die mehrfache Anhebung des Mindestlohns um insgesamt 26,3 Prozent, beginnend mit dem 1. Januar 2022 eine Lohn-Preis-Spirale auch bei den darüber liegenden Gehaltsgruppen in Gang zu setzen (Lohnabstandswahrung bei besserer Qualifikation).

Doch selbst wenn bei den Geldpolitikern der EZB die Erkenntnis reift, dass sich die Inflation auch verselbstständigen könnte und nur durch eine tiefe Rezession oder einen Crash bei den Vermögenspreisen einzubremsen wäre, dann stünde sie immer noch vor dem Problem der systemgefährdenden Nebenwirkungen eines solchen Manövers (siehe unkontrolliertes Platzen der europäischen Hauspreisblase mit anschließender Krise des Euro-Währungssystems).

Auf jeden Fall wächst der Druck auf die EZB, es nicht mehr nur beim Zuschauen und Abwarten in Sachen Verbraucherpreisinflation zu belassen. Bei Haushalten mit niedrigen bis mittleres Einkommen geht der Kaufkraftschwund bereits zulasten der Lebensqualität.

Gold und Silber zunächst verschreckt

Es mag den nach wie vor simpel gestrickten Algorithmen geschuldet sein, die Daten-Headlindes affektartig in Kurse umsetzen. Die Zusammenhänge zwischen ökonomischen Entwicklungen und der Börse sind komplex, hochdynamisch und von schwer kalkulierbarerer Massenpsychologie geprägt.

Eines der Hauptmantras der Algorithmen und vieler Anleger lautet

„Never fight the Fed“.

Das gilt aber nur dann, wenn die Notenbank Probleme mit unlimitiert neu gedrucktem Geld zuschütten kann (Fed-Put). Aber jetzt ist die Lage aus Sicht der Notenbanken weniger simpel:

Seit dem Jahr 1954 haben die USA 10 unterschiedlich ausgeprägte Rezessionen erlebt. Keine einzige dieser Rezessionen wurde laut Fed-Minutes (Sitzungsprotokoll) prognostiziert. Allerdings hat die US-Notenbank acht der zehn Rezessionen durch ihre eigene Geldpolitik selbst ausgelöst, wie im Falle der Weltfinanzkrise oder sie hat maßgeblich mit zum aufzupumpen von Vermögenspreisblasen beigetragen, die ihrerseits dann wieder zu tiefe Rezessionen führten.

Zu beobachten war dieses Phänomen u. a. während der New-Economy Blase, der Hauspreisblase und zuletzt während der Covid19-Stimulus-Blase.

Fed Geldpolitik und Rezessionen

Vielleicht sollte man das Mantra „Never Fight the Fed“ in Phasen der geldpolitischen Neuorientierung wie wir sie jetzt gerade wieder erleben umbenennen in
„Never trust the Fed“.

Gold und Silber reagierten zunächst schwächer auf die Fed-Entscheidung 

Bereits nach der Bekanntgabe zum weiteren geldpolitischen Vorgehen der Fed kamen neben den Aktien und Anleihemärkte auch die Preise für Gold und Silber unter Druck.

Lediglich der US-Dollar konnte durch die Aussicht einer höheren Dollar-Verzinsung vorübergehend zulegen. Seit der Zinssitzung der Fed sind die Märkte verunsichert und versuchen die neue Realität „Einzupreisen".

In der Realität hat die Fed trotz 7 Prozent Jahresinflation noch nicht eine einzige Zinserhöhung vorgenommen und kauft darüber hinaus für 30 Mrd. US-Dollar nach wie Staats- und Hypothekananleihen.

Heute notiert der Goldpreis in US-Dollar gut 50 US-Dollar unter seinem Hoch vom 26. Januar. In der Gemeinschaftswährung betrug der Rückgang überschaubare 34 Euro bzw. bescheidende 1,6 Prozent auf 1.603,41 pro Feinunze.

Der Silberpreis verbilligte sich hingegen deutlicher von 24 US-Dollar pro Unze am 26. Januar auf aktuell 22,50 US$/Unze beziehungsweise 20,15 Euro pro Unze.

Eines scheinen die Statistiker und Marktteilnehmer diesseits und jenseits des Atlantiks noch zu übersehen: die Ausgangslage vor der Zinswende heute ist eine völlig andere als noch im Jahr 2016: Die Gesamtverschuldung ist mit 86 Billionen US-Dollar (privat und öffentlich) 3,7-mal höher als das gesamte US-Bruttoinlandsprodukt und 36,5 Prozent höher als die Schuldenlast zu Beginn des Jahres 2016.

Damit ist die Zinssensitivität der Schuldner signifikant angestiegen und damit der Zinsanhebungsspielraum der Fed deutlich geringer.

Ganz abgesehen davon, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Corona-Stimulus-Schecks auch in die Wertpapier- und Immobilienmärkte geflossen ist und die Preisblasen dort zusätzlich aufgepumpt hat. Auch diese Liquidität versiegt nun mit dem Auslaufen der Wertpapier-Kaufprogramme (Mortgage Backed Securities + Staatsanleihen).Damit wird es schwieriger, die Vermögenspreise auf diesen erhöhten Niveaus zuhalten – bei all dem Gegenwind.

Weitere ergänzende Termine können Sie der folgenden Übersichtstabelle für die KW 5 entnehmen:

Wochentag Zeit (MEZ) Datenart Prognose Vorherig
Sonntag 2:35 Uhr CNY: HSBC-Einkaufsmanager China Verarbeitendes Gewerbe Jan. akt.: 49,1 50,9
Montag 14:00 Uhr DE: Verbraucherpreisindex Deutschland (HVPI | Jahr) akt.: 5,1 % 5,1 %
Montag 14:00 Uhr DE: Verbraucherpreisindex Deutschland (HVPI | Monat) akt.: 0,9 % 0,9 %
Dienstag 8:00 Uhr DE: Einzelhandelsumsatz Dezember 1,1 % -2,9 %
Dienstag 14:55 Uhr USA. Redbook-Einzelhandels-Index (Jahr) - 15,6 %
Dienstag 16:00 Uhr USA: Verbrauchervertrauen Januar (CB) 111,8 115,8
Dienstag 16:00 Uhr USA: ISM Einkaufsmanagerindex Verarb. Gewerbe Januar 55,0 55,0
Dienstag 16:00 Uhr USA: JOLTS offene Stellen 10,3 Mio. 10,6 Mio
Mittwoch 11:00 Uhr CH: Pressekonferenz der OPEC zur Fördermenge - -
Mittwoch 14:15 Uhr USA: ADP Schaffung neuer Stellen im Privatsektor 207k 807k
Mittwoch 16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel 1,833 2,377
Donnerstag 8:00 Uhr TRY: Verbraucherpreisindex (Jan | Jahr) 46,68 % 36,08 %
Donnerstag 9:55 Uhr DE: Einkaufsmanagerindex gesamt (Jan.) 54,3 54,3
Donnerstag 13:45 Uhr EU: Zinsentscheidung der der EZB 0,0 % 0,0 %
Donnerstag 14:30 Uhr EU: Pressekonferenz EZB mit Christine Lagarde - -
Donnerstag 16.00 Uhr USA: ISM Einkaufsmanagerindex (Jan) 59,5 62,3
Freitag 21:30 Uhr CFTC-CoT-Daten der Comex zu Gold, Silber Platin und Palladium 0,5 % 0,4 %
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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