| GOLD | 4.748,73 $/oz | 4.051,65 €/oz | 130,26 €/g | 130.264 €/kg |
| SILBER | 75,99 $/oz | 64,99 €/oz | 2,09 €/g | 2.089,48 €/kg |
Über Jahre hinweg galten Notenbanken durch ihre Käufe als verlässliche Stütze des Goldmarktes. Besonders Russland und die Türkei stehen nun im Fokus, da sie zuletzt aktiv Gold verkauft haben – ein potenzieller Belastungsfaktor für den Markt?
Im Zentrum der aktuellen Diskussionen steht die Türkei. Die türkische Zentralbank hat im Zuge des Irankriegs erhebliche Mengen Gold abgestoßen. Allein innerhalb weniger Wochen summierten sich Verkäufe und Gold-Swaps auf rund 50 bis 60 Tonnen.
Hintergrund ist vor allem der Versuch, die eigene Währung zu stabilisieren. Steigende Energiepreise und eine erhöhte Nachfrage nach US-Dollar setzten die Lira massiv unter Druck. Um gegenzusteuern, griff die Notenbank nicht nur auf Devisenreserven zurück, sondern verkaufte auch gezielt Gold. Insgesamt wurden Milliardenbeträge mobilisiert, um die Märkte zu beruhigen und die Liquidität zu sichern.
Ein anderer Fall ist Russland. Zwar hat auch Moskau Gold aus seinen Reserven veräußert, doch die Beweggründe unterscheiden sich deutlich von denen der Türkei. Während Ankara primär auf kurzfristige Marktstabilisierung abzielt, nutzt Russland die hohen Goldpreise strategisch zur Haushaltsfinanzierung. Angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen, zahlreicher Sanktionen und hoher Staatsausgaben bietet der Verkauf von Gold Russland die Möglichkeit, zusätzliche Einnahmen zu generieren. Schlussfolgerung: Wer Gold gegen Geld tauscht, dürfte derzeit massive Probleme haben.
Die aktuellen Entwicklungen werfen vor allem eine Frage auf: Werden weitere Zentralbanken dem Beispiel der Türkei und Russlands folgen?
Dieses Risiko ist durchaus vorhanden, schließlich hat der Irankrieg die Rahmenbedingungen erheblich verändert. Viele Länder, insbesondere energieimportierende Volkswirtschaften, sehen sich mit stark steigenden Kosten für Öl und Gas konfrontiert. Dadurch bleibt weniger Kapital übrig, um Goldreserven weiter auszubauen. Im Gegenteil: In einigen Fällen könnte der Druck so groß werden, dass Goldbestände reduziert werden müssen, um Liquidität zu schaffen.
Auch die polnische Zentralbank wird in diesem Zusammenhang zunehmend beobachtet. Zwar hat Polen in den vergangenen Jahren massiv Gold aufgebaut, doch Marktbeobachter halten es für möglich, dass auch hier Verkäufe zumindest erwogen werden. Noch handelt es sich dabei um Spekulationen, doch sie zeigen, wie stark sich die Wahrnehmung am Markt bereits verändert hat.
Besonders im Blick stehen zudem Zentralbanken in Asien und dem Nahen Osten. Bislang traten diese Regionen vor allem als Käufer auf und trieben die globale Nachfrage nach Gold maßgeblich an. Doch die anhaltende Eskalation im Nahen Osten könnte auch hier zu einem Umdenken führen. Sollte der Irankrieg weiter andauern und zentrale Energie- und Transportwege eingeschränkt bleiben, könnten steigende Importkosten bzw. sinkende Einnahmen aus Ölexporten den finanziellen Spielraum vieler Länder erheblich einschränken. In einem solchen Szenario wäre es denkbar, dass auch diese Notenbanken Teile ihrer Goldreserven verkaufen könnten.

Fazit: Die bisherige Annahme, dass Zentralbanken als stabile Käufer auftreten, wird zunehmend infrage gestellt. Wer als Privatanleger über den Tausch von Gold in Geld nachdenkt, sollte allerdings genau wissen, was er mit dem Geld dann macht. Investieren in Aktien, Anleihen, Kryptoanlagen oder doch lieber Konsumieren. Wer keine strategisch überzeugende Idee hat, dem bietet sich vor allem eines an – das Halten der Krisenwährung.
In den kommenden Handelstagen stehen einige wichtige Konjunkturindikatoren zur Bekanntgabe an. Bei der März-Inflation für die Eurozone (Dienstag) wird laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten ein Inflationsschub von 1,9 auf 2,7 Prozent prognostiziert. Jenseits des Atlantiks dürfte hingegen die anstehende Datenflut vom US-Arbeitsmarkt für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen.
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Als absolutes Highlight dürfte sich in diesem Zusammenhang der für Freitag angekündigte Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums erweisen. Laut Analystenschätzungen soll die Arbeitslosenrate bei 4,4 Prozent verharren. Außerdem sollen im März 55.000 neue Stellen geschaffen worden sein, nachdem im Monat zuvor ein unerwarteter Rückgang um 92.000 Jobs zu beklagen war. Impulse könnten aber auch die anstehenden Statements diverser US-Notenbanker liefern. Diese könnten dann aufgrund der stark gestiegenen Nervosität der Marktakteure die Krisenwährung in die eine oder andere Richtung treiben.