| GOLD | 4.348,91 $/oz | 3.749,65 €/oz | 120,55 €/g | 120.554 €/kg |
| SILBER | 64,48 $/oz | 55,61 €/oz | 1,79 €/g | 1.787,90 €/kg |
Vom Tief bei knapp 164 Yen je Dollar verteuerte sich der Yen in der Spitze um mehr als fünf Prozent. Auslöser war eine massive Intervention Japans, die wenig später durch eine seltene konzertierte Stützungsaktion mit den USA verstärkt wurde.
Für Goldanleger ist die Entwicklung gleich aus mehreren Gründen relevant, denn starke Währungsturbulenzen können weit über den japanischen Finanzmarkt hinausreichen.
Trotz schrittweiser Normalisierung der japanischen Geldpolitik blieb das Zinsgefälle gegenüber den USA groß: Die Bank of Japan hatte ihren Leitzins im Juni zwar auf ein 31-Jahres-Hoch von einem Prozent angehoben, doch gleichzeitig wurden in den USA wegen Inflationssorgen erneut höhere Zinsen diskutiert.
Mitte Juli hatte sich die Renditedifferenz zweijähriger US- und japanischer Staatsanleihen auf rund 285 Basispunkte ausgeweitet. Das machte Dollar-Anlagen attraktiver und belastete den Yen. Hinzu kamen hohe Energiepreise infolge des Iran-Konflikts – Japan importiert rund 90 Prozent seines Energiebedarfs und ist entsprechend anfällig.
Auch Zweifel, ob Japan angesichts hoher Staatsverschuldung und expansiver Fiskalpläne seine Geldpolitik schnell genug straffen kann, setzten die Währung unter Druck.
Ende Juli griff Tokio mit außergewöhnlicher Wucht ein: Am 30. Juli wurden Yen gekauft und Dollar verkauft, wobei Japan laut Notenbankdaten dafür Devisenreserven im Gegenwert von ungefähr 59 Milliarden Dollar einsetzte.
Am Folgetag kam es offenbar zu einer weiteren Intervention, Schätzungen zufolge summierte sich der Einsatz binnen 48 Stunden auf bis zu 85 Milliarden Dollar.
Bemerkenswert war die Unterstützung aus Washington: Die Federal Reserve Bank of New York kaufte im Auftrag des US-Finanzministeriums ebenfalls Yen, die erste konzertierte Aktion dieser Art seit Jahrzehnten. Das verlieh der Intervention deutlich mehr Gewicht und machte Wetten auf eine weitere Yen-Abwertung riskanter.
Für Gold ist die Entwicklung ein zweischneidiges Schwert. Kurzfristig kann eine kräftige Yen-Aufwertung zur Auflösung von Carry-Trades führen, bei denen Investoren mit günstig geliehenen Yen höher verzinste Anlagen finanzieren. Werden solche Positionen hastig aufgelöst, kann das die Schwankungen an Aktien-, Anleihe- und Rohstoffmärkten verstärken.
Zudem stellt sich die Frage, wie Japan seine Interventionen finanziert: Ein stärkerer Verkaufsdruck bei US-Staatsanleihen könnte deren Renditen steigen lassen – normalerweise belastend für das zinslose Gold. Entsprechende Liquiditätsfazilitäten der Fed können dieses Risiko aber abfedern.
Langfristig zeigt die Yen-Krise vor allem, warum Gold zur Absicherung von Währungsrisiken interessant bleibt. Vor zehn Jahren erhielt man für 100 Euro noch rund 2,59 Gramm Gold, heute nur noch etwa 0,83 Gramm und für 100 Dollar sank die Menge von 2,31 auf 0,72 Gramm.
Noch drastischer ist es beim Yen: Für 10.000 Yen gab es vor zehn Jahren rund 2,29 Gramm Gold, heute nur noch 0,46 Gramm, ein Kaufkraftverlust von rund 80 Prozent binnen einer Dekade.
| Währung | 10.08.16 | 10.08.26 | Entwicklung |
|---|---|---|---|
| 100 Dollar | 2,31 g | 0,719 g | -69 % |
| 100 Euro | 2,59 g | 0,833 g | -68 % |
| 10.000 Yen | 2,29 g | 0,457 g | -80 % |
| 100 Schweizer Franken | 2,38 g | 0,893 g | -62 % |
| 100 Britische Pfund | 3,01 g | 0,971 g | -68 % |
Fazit: Auch wenn Gold selbst über Monate oder Jahre korrigieren kann, verdeutlicht die Entwicklung von Euro, Dollar und Yen, weshalb physisches Gold als Beimischung in einem diversifizierten Portfolio sinnvoll ist: Es bleibt ein Vermögenswert, der unabhängig von der Geldpolitik einzelner Staaten existiert und Kaufkraftverluste bei Währungen ausgleicht.
Am Mittwoch erfahren die Marktakteure, wie sich in den USA im Juli die Konsumentenpreise entwickelt haben. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten wird mit einem leichten Rückgang der Teuerungsrate von 3,5 auf 3,4 Prozent gerechnet.
Einen Tag später steht dann noch die Bekanntgabe der US-Produzentenpreise auf der Agenda, wo ein Rückgang von 5,5 auf 5,0 Prozent p.a. prognostiziert wird. Weil das US-Arbeitsministerium einen unerwarteten Rückgang bei der Zahl neu geschaffener Stellen (minus 23.000) gemeldet hat, haben die Zinssorgen signifikant nachgelassen.
Eine Zinserhöhung Mitte September ist laut FedWatch-Tool der CME Group inzwischen weniger wahrscheinlich: Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 46,1 Prozent, während 53,9 Prozent für unveränderte Leitzinsen sprechen.
Grundsätzlich sollten sich Goldbesitzer von steigenden Zinsen nicht zu sehr verunsichern lassen, schließlich gelten nicht nur die USA, sondern auch Japan als hochverschuldet. Notenbanken werden daher auch eine dauerhaft gesicherte Schuldentragfähigkeit auf keinen Fall aus den Augen verlieren.