Gold: 1.734,94 € +0,26 %
Silber: 19,89 € +0,45 %
Stand: 19.05.2022 von Hannes Zipfel
Der jüngste Crash löst erneut Diskussionen über die Stabilität der Krypto-Währungen aus. Vor allem der Kollaps des direkt an den US-Dollar gekoppelten Stable-Coin „Terra“ wirft Fragen auf. Das Wichtigste: Sind Anlagen in Kryptowährungen wirklich eine Alternative zu physischem Gold oder doch nur ein Schneeballsystem?
Was der Krypto-Crash für Gold bedeutet

Wie konnte ein Stable-Coin wertlos werden?

Stable-Coins sind Kryptowährungen, deren Wert direkt an eine andere Währung, einen Rohstoff, z. B. Gold, oder ein anderes Finanzinstrument gebunden sind. Eigentlich sollten Stable-Coins eine Alternative zur hohen Volatilität der beliebtesten Kryptowährungen, einschließlich der ältesten und bedeutendsten digitalen Währung Bitcoin (BTC) sein.

Damit wären sie besser geeignet für Handelstransaktionen. Die Bindung an eine etablierte und vertrauenswürdige Währung sollte die Stabilität garantieren. Doch nun ist ausgerechnet ein direkt an den US-Dollar gekoppelter Stable-Coin wertlos geworden.

TerraUSD (UST), ein Token des Terra-Netzwerks, einem Blockchain-basierten Projekt von Terra Labs in Südkorea, kostete noch Anfang April über 100 Euro. Vom 5. April bis zum 13. Mai kollabierte der Preis des Stable-Coins von in der Spitze 105,80 Euro und einer Marktkapitalisierung von 37,25 Milliarden Euro auf 0 Euro.

Token Terra in Euro

Infobox zu Stable-Coins:

  • Stable-Coins sind Kryptowährungen, die versuchen, ihren Marktwert an einen stabilen Referenzwert zu koppeln.
  • Stable-Coins sollen als Tauschmittel nützlicher als volatile Kryptowährungen sein.
  • Stable-Coins können an eine Währung wie den US-Dollar oder an den Preis eines Rohstoffs wie Gold gekoppelt sein.
  • Stable-Coins streben Preisstabilität an, indem sie Reservevermögen als Sicherheit halten oder durch algorithmische Formeln, die das Angebot kontrollieren.

Der Terra-Token war über einen Algorithmus an den US-Dollar gekoppelt. Eine Hinterlegung mittels US-Dollar auf einem Geldmarktkonto war nicht vorgesehen. Als nun die US-Notenbank Fed begann, die Zinsen anzuheben, kamen Zweifel auf, ob die Bindung des Token an den Dollar aufrecht erhalten werden kann.

Wären die US-Dollars auf einem Geldmarktkonto vorhanden gewesen (physische Deckung), hätten die Zinsen vereinnahmt werden können. Doch woher soll ein Algorithmus Zinsen generieren? Die Zweifel über die Deckung von Terra führten in einem ohnehin angespannten Umfeld für Kryptowährungen zu massiven Abverkäufen und der Einstellung des Handels auf wichtigen Krypto-Börsen wie Binance und Coinbase, nachdem es zu einem quasi Bank-Run auf Terra kam.

Enormer Schaden für die Krypto-Währungen und den Finanzmarkt insgesamt

Neben dem direkten Wertverlust durch den Kursverfall von Terra geht der finanzielle Schaden mittlerweile in die Billionen. Das liegt auch an dem Vertrauensverlust, den der Kollaps des Terra-Projektes verursachte.

So leiden auch die Aktien der Marktplätze wie Coinbase.

Nachdem das Unternehmen mitteilte, das im Falle einer Insolvenz die Kundeneinlagen in Kryptowährungen verloren gehen könnten, brach der Aktienkurs weiter ein.

War Coinbase noch vor einem halben Jahr 90 Milliarden US-Dollar an der Börse wert, so sind es aktuell nur noch 16,5 Milliarden US-Dollar – ein Wertverlust von über 80 Prozent. Insgesamt wurden im Zuge des Krypto-Crashs in den letzten 6 Monaten 2,1 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung ausgelöscht (Quelle: CoinMarketCap).

Der Untergang von Terra könnte sowohl kurz- als auch langfristige Auswirkungen auf Kryptowährungen wie Bitcoin und Alt-Coins wie Solana, Cardano oder Ether haben. Insbesondere, da die Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden den Schaden mit großer Sorge sehen und als Vorwand für neue Regulierungen bis hin zu Verboten nutzen könnten.

Die in den USA sehr einflussreiche demokratische Senatorin Elizabeth Warren äußerte sich bereits zu dem Thema in dem US-Magazin TIME:

„Die Menschen haben ihre Lebensersparnisse durch Krypto-Investitionen verloren, und es gibt nicht genügend Maßnahmen, um die Verbraucher vor diesen Risiken zu schützen“.

Sie kommt in dem Interview zu dem Schluss:

„Wir brauchen strengere Regeln und eine stärkere Durchsetzung, um diese äußerst volatile Branche zu kontrollieren.“

Krypto-Winter oder Krypto-Eiszeit?

Da zuletzt auch vermehrt institutionelle Anleger in den Markt für Krypto-Währungen investierten, ist der Schaden bei dem aktuellen Crash größer als bei vergangenen „Krypto-Wintern“. Es ist fraglich, ob das Vertrauen der professionellen Anleger wieder zurückkehrt oder ob diese Anlageklasse für immer als „verbrannt“ gilt und es zu einer „Krypro-Eiszeit“ kommt.

Fakt ist, dass die Block-Chain Technologie den Zahlungsverkehr revolutioniert hat. Fakt ist aber auch, dass man zwischen der Transaktions-Technologie und der Wertentwicklung der Token unterscheiden muss. Genauso wie das internationale Zahlungssystem SWIFT nichts mit der Kaufkraft des US-Dollars zu tun hat.

Allein die Explosion der Kryptowährungen (Alt-Coins) kam einer Sorten-Hyperinflation gleich.

Mittlerweile gibt es über 18.000 dieser digitalen Währungen. Wie bei einem Schneeballsystem musste immer mehr Kapital in immer mehr Kryptowährungen fließen, damit deren Kurse weiter steigen konnten.

Im Zuge der Straffung der Geldpolitik und der sich rapide verschlechternden Finanzierungsbedingungen weltweit wurde Liquidität knapp und das Kartenhaus der Kryptos brach zusammen.

Gleichwohl ist die Annahme realistisch, dass Kryptowährungen, die sich bereits lange etabliert haben, wie der Bitcoin oder hochinnovative Alt-Coins, wie Solana, Ether oder Cardano (ADA) eine Renaissance erleben könnten. Vorausgesetzt, Liquidität wird von den Zentralbanken wieder reichlich und billig zur Verfügung gestellt. Denn es hat sich gezeigt, dass die Kryptowährungen stärker mit Meme-Stocks und Tech-Aktien als mit Gold korrelieren und extrem zins- und liquiditätssensibel sind.

Digitales versus physisches Gold

Eine Frage scheint durch die jüngsten Kursentwicklungen geklärt zu sein, nämlich die, ob das „Digitale Gold“, also Kryptowährungen, eine echte Alternative zu physischem Gold darstellen und im gleichen Maße vor Inflation und Risiken im Finanzsystem schützen.

Zwar hat auch Gold im Zuge der Straffung der US-Geldpolitik Federn lassen müssen, aber die Dimensionen sind völlig andere. Zudem befindet sich das Edelmetall in Euro gerechnet nach wie vor seit Jahresbeginn im Plus – ganz im Gegensatz zu den Kryptowährungen.

Digitales versus physisches Gold in 2022

Auf etwas längere Sicht verschiebt sich das Verhältnis bei der Wertentwicklung klar zugunsten der meisten etablierten Kryptowährungen, weshalb deren relative Attraktivität für Anleger durch den aktuellen Crash noch nicht gänzlich verloren gegangen sein dürfte.

Digitales versus physisches Gold

Fazit

Was sich jedoch grundsätzlich geändert hat, ist die Vorstellung, man könne auf physisches Gold im Vermögensmix zugunsten der Kryptowährungen verzichten. Das Kursverhalten und die Korrelationen zu anderen Vermögenswerten und zur Inflation sowie der Geldpolitik unterscheiden sich bei Kryptowährungen stark von denen von Gold.

Der Track Record des Goldes von mehr als 5.000 Jahren als zuverlässiger Schutz vor Inflation und Krisen aller Art kann von den noch relativ jungen Kryptowährungen noch nicht vorgewiesen werden.

Dazu kommt das Risiko einer Fehlauswahl bei den über 18.000 Kryptowährungen. Bei physischem Gold in Form von gängigen Anlagemünzen oder Barren besteht dieses Risiko nicht – Gold ist Gold.

Die jüngsten Erfahrungen mit Kryptowährungen und die daraus resultierenden Erkenntnisse könnten in Zukunft wieder mehr private und institutionelle Anleger dazu veranlassen, physisches Gold gegenüber Krypto-Währungen als „Sichere-Hafen-Investition“ zu präferieren.

Gold könnte auch davon profitieren, dass ausgerechnet die Krypto-Währungen aufgrund der Dimension des finanziellen Schadens unkalkulierbare Risiken im Finanzsystem durch Margin-Calls, den Ausfall von Schuldnern, dem Bankrott von Brokern und Hedge-Fonds bis hin zu einem Dominoeffekt á la Lehman-Krise auslösen könnten.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.

Copyright © 2009-2022 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inkl. MwSt. (mit Ausnahme von Anlagegold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.