Gold: 1.751,02 € -0,33 %
Silber: 19,94 € -1,85 %
Stand: 24.12.2021 von Hannes Zipfel
Theoretisch ist das Umfeld für den Goldpreis perfekt: Inflationsraten auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten, Realzinsen so negativ wie seit der Ölkrise nicht mehr und wirtschaftliche Unsicherheit durch die Dauerpandemie. Warum konnte der Goldpreis in diesem Jahr nicht davon profitieren?
Was hält den Goldpreis zurück?

Goldpreis zwischen den Fronten

Das Thema Inflation war ab diesem Sommer so präsent wie seit den 1970er-Jahren nicht mehr. Es wäre anzunehmen gewesen, dass Gold aufgrund seiner Absicherungseigenschaften gegen die Geldentwertung steigen würde.

Aber es gab eine Reihe von Gegenimpulsen, darunter der US-Aktienmarkt, die dynamische wirtschaftliche Erholung in den USA, die Stärke des US-Dollars sowie steigende Renditen am Kapitalmarkt.

Die Trendumkehr bei den Realrenditen war einer der Hauptgründe, warum der Goldpreis seinen Aufwärtstrend aus dem Jahr 2020 nicht fortsetzen konnte.

Goldpreis in US-Dollar vs. US-Realzinsen

Zumal die Marktteilnehmer, speziell in den USA, ab Mitte des Jahres wegen der schnell ansteigenden Inflationsraten mit einer Zinswende rechneten, was dem zinslosen Gold abträglich war. Gleichzeitig bot der Aktienmarkt unter Renditeaspekten eine bessere Alternative. Das zog unweigerlich Kapital an:

Bislang ist im Jahr 2021 mehr Geld in die Aktienmärkte geflossen als in den letzten 20 Jahren zusammen. Es war einer der besten Läufe, die v. a. amerikanische Aktienindizes jemals hatten. Gold war neben Anleihen der Leidtragende dieser Sonderentwicklung.

MSCI in US-Dollar vs. Gold in  US-Dollar 12-Monate

Im Gegensatz zum Goldpreis verlor der Weltindex MSCI seit dem Corona-Tief auch nicht an Momentum, was zu dem Narrativ führte, Aktien seien besser zur Inflationsabsicherung geeignet als Gold.

Als Sachwerte erfüllen Unternehmensanteile zwar diese Funktion, allerdings nicht pauschal:

Unternehmen, die über eine starke Preissetzungsmacht oder über knappe Ressourcen und Materialien verfügen, profitieren von erhöhter Teuerung.

Andere Unternehmen, deren Marge zwischen explodierenden Einkaufspreisen und hinterherhinkenden Verkaufspreisen zerrieben wird, hingegen nicht.

Insofern ist die Entwicklung einiger Indizes durch die hohe Gewichtung einzelnen Aktien, wie Apple oder Microsoft, nicht für die Gesamtheit aller Aktien repräsentativ. Da ein Großteil der frischen Anlagegelder in Indexprodukte floss, konnten Anleger in diesem Jahr mit Aktienindizes dennoch eine deutliche Mehrrendite gegenüber Gold erzielen.

MSCI World in US-Dollar vs. Gold in  US-Dollar 7 Jahre

Die Stärke des US-Dollars als natürlicher Konkurrent des Goldes als Währung belastete den Goldpreis ebenfalls.

Der US-Dollar-Index, ein Devisenkorb, bestehend aus den wichtigsten Handelspartnerwährungen der USA vs. US-Dollar, ist in diesem Jahr um knapp 7 Prozent gestiegen.

Diese Stärke resultierte zum einen aus der Erwartung höherer US-Dollar-Zinsen und einer nach wie vor erstaunlich robusten US-Wirtschaft. Letzteres dürfte sich mangels staatlicher Stimulus-Schecks, die das Einkommen der Amerikaner deutlich erhöht hatten, demnächst wieder ändern.

Einkommen der Amerikaner vs. Einzelhandelsumsäze

Der Goldpreis in Euro konnte von der US-Dollarstärke profitieren und notiert dank des positiven Währungseffekts seit Jahresbeginn aktuell sogar leicht im Plus.

Immerhin ein kleines Trostpflaster für deutsche Goldanleger.

Goldpreis in Euro  vs. Goldpreis in US-$

Falsche Erwartungen an die Inflationsentwicklung?

Zusätzlich zu den genannten Gegenwinden wurde die hohe Teuerungsdynamik bis vor ein paar Wochen nur als vorübergehend angesehen, was Gold belastete.

Selbst jetzt liegt die Breakeven-Inflationsrate für fünf Jahre immer noch im Bereich von 2,7 Prozent p. a. Außerdem herrscht aktuell die Meinung vor, dass die US-Notenbank Fed eine aggressive Drosselung ihrer Geldmengenausweitung bis hin zum Abbau der Bilanzsumme betreiben wird.

In Anbetracht der sich bereits spürbar abschwächenden Wachstumsdynamik und der im kommenden Jahr wegbrechenden staatlichen Stimuli, ist diese Erwartung jedoch wenig realistisch. Zumal sich die US-Gesamtverschuldung über die Marke von 85 Billionen US-Dollar entwickelte, was bereits jetzt eine jährliche Zinslast von 3,5 Billionen US-Dollar zur Folge hat.

Kommt es in den nächsten Monaten zu einer überraschenden Fortsetzung und sogar Intensivierung der Inflationsentwicklung, gepaart mit konjunktureller Stagnation, könnte Gold die Aktienmärkte auch schnell wieder outperformen, wie dies in der Vergangenheit regelmäßig zu beobachten war (siehe Grafik oben „MSCI World vs. Gold in US-Dollar“).

Stimmung als Kontraindikation

Ein im positiven Sinne für Goldanleger konträres Signal ist der allgemeine Stimmungsindikator „Gold Optix“, der auf einen pessimistischen Ausblick für Gold und den Edelmetallsektor im Allgemeinen hinweist.

Gold Optix 12 Monate

Wenn sich der „Gold Optix“ über die rot gepunktete Linie bewegt, bedeutet dies ein im Vergleich zu anderen Messwerten statistisch extremen Wert. Wenn der Wert über 90 Prozent liegt, dann gibt es eine sehr bullische Meinung zu Gold.

Aktuell liegt der Wert bei 54 Prozent Optimismus.

Der Markt ist also wenig euphorisch, was grundsätzlich positiv ist, da es kein Überengagement im Markt mehr gibt.

Für die weitere Entwicklung des Goldpreises hängt vieles davon ab, ob sich die aktuell noch vorherrschenden Narrative zur Inflationsentwicklung und den Möglichkeiten der Inflationsbekämpfung durch die Zentralbanken wieder mehr in Richtung Realismus verschieben.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Rainer Patsch | 02.01.2022, 19:07 Antworten

Hallo also...

- Inflationsraten auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten
- Realzinsen so negativ wie seit der Ölkrise nicht mehr
- wirtschaftliche Unsicherheit durch die Dauerpandemie

Was hält den Goldpreis zurück? Hier ausgerechnet den Aktienmarkt, dazu noch den Amerikanischen als geeichtes Barometer zu verwenden, finde ich schon mehr als Mutig - eher schon fast Blauäugig.
Wann hat dieses virtuelle Punktesystem in seiner Geschichte am Ende jemals etwas anderes generiert als aufgeblähte Aktienwerte und damit verbundene Krisen? Ich glaube kaum, dass man in den USA jetzt von dynamischer wirtschaftliche Erholung sprechen kann und sollte es so sein, wovon ich weiterhin nicht ausgehe, sollte sich unsere "Finanz Elite" dann doch einmal "ernsthaft fragen", was bei den Amerikanern in der Wirtschaft in Sachen Corona soviel ja " besser läuft " als Hierzulande und warum seit 2 Jahren die deutsche Wirtschaft Konzeptlos und von Panik gequält - quasi stillgelegt immer mehr in den Abgrund rutscht? Alleine schon der Inflationsvergleich von 1970 hingt in vielen Punkten. Damals hatten wir eine starke dynamische und standortsichere, vor allem - noch produzierende - Wirrtschaft! Spätestens seit 2 Jahren sind wir nur noch ein vollendeter Schatten unserer selbst. Schon jetzt muss in diesem Land das sauer Ersparte der Menschen, sofern Sie denn überhaupt noch sparen geschweige denn Anlegen können, für teure C- Schutzartikel und andere Utensilien ausgegeben werden. In diesem Artikel stimmt für mich leider der Kontext nicht, denn ein nicht wesentlich, oder nur schwach steigender Goldpreis kann überdies auch durch entsprechende Gold Aufkäufe großer Konzerne oder Unternehmen entstehen. Dies kann man in der Vergangenheit bei einigen Goldpreis- Einbrüchen und dem "gleichzeitigen Aufkäufen" von großen Investoren nachweislich recherchieren. Das solche Aufkäufe auch z.B., durch staatliche Unternehmen - Anonym - erfolgen kann sollte jedem klar sein. Zum Anderen gibt es immer mehr eine nicht geringe Anzahl von Menschen - Tendenz zunehmend - in diesem Land und auch Europaweit, welche Ihre Werte schützend, immer öfter in physischem Gold anlegen...

PROST NEUJAHR UND ALLES GUTE

von Robert Happek | 24.12.2021, 16:04 Antworten

Der Goldpreis ist kein Marktpreis im Sinne eines Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage. Die Hauptfunktion des Goldpreises ist es den Wert der Papierwaehrungen zu stabilisieren. Daher wird the Goldpreis taeglich festgesetzt nach Vorgaben der Zentralbanken und der Regierungen. Kleine Schwankungen werden toleriert. Starke Ausbrueche werden nicht zugelassen. Das koennte noch einige Jahrzehnte andauern, aber ewig kann eine solche Marktmanipulation nicht funktionieren. Eines Tages wird der Goldpreis wieder frei sein.

1 Antwort an Robert Happek anzeigen
von Dubble-Vla2001 | 24.12.2021, 17:29 Antworten

Wenn ich nächstes Weihnachten wieder ohne Regeln persönlich im Shop einkaufen kann, schießt der Preis auch wieder in die Höhe (werde viel kaufen ;).

Copyright © 2009-2022 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inkl. MwSt. (mit Ausnahme von Anlagegold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.