Stand: 20.01.2015 von Mr. Gini 5 Kommentare

In den Hauptstrommedien steht ja seit den Vorfällen in Frankreich und der überraschenden Aufgabe des Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank das Thema Wahlen in Griechenland und ein mögliches Ausscheiden des Krisenlandes aus der Währungsunion nicht mehr ganz oben auf der Agenda. Dennoch wird das Thema spätestens am Wahltag, sprich am 25.1.2015, wieder ins Visier der Medien kommen.

Syriza Sieg zu erwarten

Jüngsten Umfragen zufolge ist es nun so, dass das von Alexis Tsipras geführte Linksbündnis Syriza durchaus die berechtige Hoffnung hegt, die alleinige Macht im griechischen Parlament übernehmen zu können. Aktuell werden Syriza 35 Prozent zugetraut. Das würde nach heutiger Lage zu einer Einparteien-Regierung reichen. Aber selbst dann, wenn es nicht reichen sollte, steht mit der neuen Partei To Potami ein möglicher Koalitionspartner für Tsipras bereit. Kurzum, die Chancen stehen gut, dass Tsipras die Macht in Athen übernehmen wird.

Krisendiplomatie im Hintergrund

Und wie zu erwarten geht es hinter den Kulissen schon jetzt, kurz vor der Wahl, hoch her. Zwar hat Syriza in den Euro-Hauptstädten bisher nur wenige Ansprechpartner. Vor Jahren traf sich Herr Tsipras mit Bundesfinanzminister Schäuble. Bei einem Besuch der EZB in Frankfurt lernte er laut Süddeutscher Zeitung den ehemaligen EZB-Direktor Jörg Asmussen kennen. Und in diesen historischen Tagen vor der Griechenland-Wahl ist es so, dass informelle Kontakte im Hintergrund zwischen Tsipras und dem jetzigen Staatssekretär in der Merkel-Regierung, Jörg Asmussen, laufen. Herr Asmussen werde sogar in Brüssel als der Kontaktmann zu Tsipras bezeichnet.

Anders formuliert, im Hintergrund bereitet man sich schon jetzt auf alle möglichen Eventualitäten vor. Und wahrscheinlich ist hier wahrlich nichts mehr auszuschliessen. Sicher ist, dass für höchste Spannung gesorgt ist.

Hohe Verluste in Sicht

Spannend wird auch die Frage werden, wie die Verantwortlichen in Berlin der deutschen Bevölkerung dann die allfälligen Verluste für die Steuerzahler erklären werden, wenn es zu einer Zahlungsunfähigkeit der Griechen und einem möglichen Aussscheiden aus der Währungsunion kommen sollte. Auch hier war Prof. Sinn (siehe Pressemitteilung des ifo Instituts ) äußerst fleissig und hat bereits Anfang Januar diesen Jahres die möglichen Verluste für den deutschen Steuermichel beziffert.

Falls Griechenland also zahlungsunfähig werden und aus dem Eurosystem ausscheiden würde, müsste die Bundesrepublik Deutschland mit einem Verlust von sage und schreibe 76 Milliarden Euro rechnen. Anders formuliert, 76000 mal eine Million Euro. Was hätte man nicht alles mit der riesigen Summe machen können? Selbst wenn die Griechen im Euro bleiben, aber zahlungsfähig werden würden, wird es für die Deutschen sehr teuer. Hier ist laut Prof. Sinn mit einem Verlust von bis zu 77 Milliarden Euro zu rechnen.

Blick auf die Details

Prof. Sinn zufolge seien in diesen Summen die bereits ausgezahlten Beträge aus den beiden Rettungspaketen berücksichtigt. Enthalten sind insofern auch die Target-Verbindlichkeiten der griechischen Zentralbank (per Ende Oktober 2014), die Verbindlichkeiten der Griechen aus der überproportionalen Ausgabe von Banknoten und die Forderungen der griechischen Notenbank gegenüber griechischen Banken. Nicht enthalten seien allerdings allfällige Abschreibungsverluste deutscher Privatgläubiger, sprich deutscher Banken und Versicherungen. Bei der ersten Summe, also bei den 76 Milliarden Euro und dem Fall der Zahlungsunfähigkeit und des Austritts der Griechen werde das Rechtsverhältnis der EZB zum griechischen Banksystem zwar aufgelöst. Doch die Target-Forderungen der EZB gegenüber Griechenland sowie die Forderungen gegen Griechenland aufgrund der überproportionaler Ausgabe von Euro-Banknoten würden bestehen bleiben. Deutschland würde in dem Fall dann seinen entsprechenden Anteil an diesen Forderungen der EZB verlieren.

Mögliche Verluste beim Verbleib im Euro

Prof. Sinn hat auch exakt berechnet, was es den deutschen Steuerzahlern kosten würde, wenn die Griechen im Euro bleiben würden, aber dennoch zahlungsunfähig werden würden. Und hier kommen wir ja auf besagte 77 Milliarden Euro. Die Rechnung sei nun etwas anders, weil dann das EZB-System als Ganzes noch Forderungen gegenüber den griechischen Banken sowie auch noch ELA-Forderungen gegen den griechischen Staat haben würde. Diese würden sich Herrn Sinn zufolge mit den Target-Forderungen überlappen. Gehe man nun davon aus, dass bei einem Staatsbankrott auch die Banken bankrott seien und die Sicherheiten, die sie ihrer Notenbank eingereicht hätten, würden die Verluste noch drastisch höher liegen.

Anders formuliert, billig wird es für die deutschen Steuerzahler nicht werden. So oder so. Das Abenteuer der Griechen-Rettung hätte dann für jeden Bürger Deutschlands, vom Säugling bis zum Greis, Verluste von fast 1000 Euro pro Kopf gebracht. Das wäre in der Tat extrem teuer erkaufte Zeit gewesen.

Blinder Passagier Griechenland

Und zum Schluss der heutigen Ausführungen seien vielleicht noch einige grundsätzliche Anmerkungen vom ehemaligen Bundesfinanzminister und Euro-Gründungsvater, Dr. Theo Waigel, zum Thema Griechenland erwähnt. Herr Dr. Waigel tätigte diese Aussagen im Juli des Jahres 2011, genauer gesagt am 21.7.2011 im Rahmen eines Vortrags an der Universität Passau. Griechenland sei mit einem blinden Passagier an Bord eines Schiffs bei der Überquerung des Ozeans zu vergleichen, sagte damals Waigel. Natürlich hätten die Griechen "getrickst und betrogen", so Waigel, doch was solle man nun mit ihnen tun?

Den blinden Passagier könne man nicht so einfach über Bord werfen. Das würde die christliche Seefahrt verbieten, so Waigel. Den Griechen einen kleinen Rettungsring zuwerfen, mit dem Zuruf,Schwimm? sei auch nicht praktikabel. Griechenland hätte nicht in die Währungsunion aufgenommen werden dürfen, so das Fazit von Herrn Waigel. Aber gleichzeitig könne niemand verbieten, jemandem in Not zu helfen.

Man müsse den Passagier nun mitnehmen und Griechenland helfen, ob schuldig oder nicht. Theo Waigel meinte auch, dass er keine Nachhilfe in Sachen No-Bail-Out-Klausel von vor dem Verfassungsgericht klagenden Professoren brauche. Er wisse, dass die Rettung Griechenlands und anderer rechtswidrig sei, jedoch handele es sich bei den Rettungen um Ausnahmen, die man so schnell wie möglich durch Konsolidierung wieder rückgängig machen würde. Überhaupt stehe "ein Jahrzehnt der Konsolidierung vor uns", so Waigel.

Ja, das Thema Konsolidierung der deutschen Staatsfinanzen wird spätestens nach den Griechenland-Verlusten wieder oben auf der Agenda stehen...

Was kostet Ausstieg Griechenlands aus dem Euro?
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Kommentare [5]
  • von kalle | 21.01.2015, 17:46 Antworten

    es ist eine bodenlose frechheit wenn ein land sich mit gfällschten bilanzen in den euro schmuckelt und wir müssen die ganze scheisse ausbaden armes deutschland

  • von Meerai | 22.01.2015, 00:51 Antworten

    Nur so mal am Rande. Ich vor 2 Jahren auf einer Übung in Griechenland war ist mir aufgefallen, dass auf den Dächern der Häuser Drähte und ähnliches herausragten. Als ich dann verwundert nachfragte sagte man mit: "Das ist mit Absicht so, die Bevölkerung lässt ihre Häuser unfertig, also nicht zu ende gebaut, aussehen damit sie keine Steuern dafür zahlen müssen. In Griechenland gibt es eine Gesetzeslücke bei der ein unfertiges Haus nicht besteuert wird und die Leute leben teilweise über Generationen in ihnen hinweg."

    Da frage ich mich wieso die sich wundern das sie Pleite sind... Und wieso verdamt noch mal die gesammte restliche EU dafür aufkommen muss obwohl die eigene Bevölkerung nicht mal an den Staat zahlen will?!

    Naja ich weiß nicht wie viel man in Griechenland so an Steuern für so ein Haus zahlen muss aber selbst wenns 200-300 Euro sind, entgehen dem Griechischen Fiskus über zehn wenn nicht hunderte von millionen Euro.

  • von Meerai | 22.01.2015, 00:53 Antworten

    Ich war vor 2 Jahren auf einer Übung in Griechenland da ist mir aufgefallen [...]*

    Mein Fehler...

  • von Bruno | 23.01.2015, 13:23 Antworten

    Dank der SNB und Herrn Draghi, die beide den Euro zunehmend als wertlos ansehen, habe ich mit Gold und Silber in den drei Wochen seit Jahresbeginn fast 15% Rendite erwirtschaftet.
    Meinetwegen kann der Euro gerne bis auf 20 Rappen oder 20 US-Cent runtergehen, je tiefer desto besser.

  • von Meerai | 24.01.2015, 15:58 Antworten

    Naja bin zwar auch mit 17% im Plus aber derzeit passt mir das überhaupt nicht da ich meine Positionen noch weiter ausbauen wollte.

Copyright © 2009-2017 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany