Stand: 23.02.2021 von Jörg Bernhard
Aktuelle Datenerhebungen über die Kapitalflüsse im Goldmarkt und im Bitcoin-Markt legen den Schluss nahe, dass auf Investoren der digitale Krisenschutz Bitcoin derzeit eine stärkere Anziehungskraft ausübt als die traditionelle Krisenwährung Gold.
Wechselt „Smart Money“ von Gold in Bitcoins?

Viel Kapital wird in Bitcoins umgetauscht

Dass sich die mit großem Abstand wichtigste Kryptowährung Bitcoin einer wachsenden Beliebtheit erfreut, dürfte außer Frage stehen. Während der Goldpreis seit Ende Dezember sechs Prozent an Wert verloren hat, verteuerte sich der Bitcoin im selben Zeitraum um über 90 Prozent.

Laut dem Internetportal Bitcoin Treasuries, welches die Bitcoin-Bestände börsennotierter Unternehmen und ETF-ähnlicher Bitcoin-Fonds erfasst, hat sich deren Interesse an Bitcoins deutlich erhöht. 

Börsennotierte Unternehmen, die einen mehr oder weniger großen Teil ihrer Liquidität in Bitcoins umgeschichtet haben, verzeichneten zum Beispiel einen Zuwachs von 100.000 auf 153.200 Bitcoins (siehe Tabelle).

Entwicklung der Bitcoin-Bestände seit Ende 2020 


31.12.2020 19.02.2021 Differenz
Börsennotierte Gesellschaften 100.003 153.161 53,2 %
Privatgesellschaften 317.383 317.383 0,0 %
ETF-ähnliche Gesellschaften 734.232 846.843 15,3 %
insgesamt 1.151.618 1.317.387 14,4 %
Quelle: www.bitcointreasuries.org, Stand: 19.02.2021

Auf Basis aktueller Marktdaten entspricht dies einer Kapitalisierung von immerhin 8,3 Milliarden Dollar. Über den größten Bitcoin-Besitz verfügen derzeit die folgenden drei Unternehmen:

  • MicroStrategy (71.100 Bitcoins),

  • Tesla (48.000 Bitcoins)

  • Galaxy Digital Holdings (16.400 Bitcoins)

Damit gehen mehr als 88 Prozent auf ihr Konto.

Starke Zuflüsse gab es seit dem Jahresultimo laut Bitcoin Treasuries auch bei ETF-ähnlichen Konstrukten zu beobachten. Deren Bitcoin-Bestände haben sich nämlich innerhalb von weniger als zwei Monaten von 734.200 auf 846.800 Bitcoins (+15,3 Prozent) erhöht.

Mit einem Marktanteil von fast 77 Prozent gilt hier der Grayscale Bitcoin Trust als wichtigster Player. Er verzeichnete im Berichtszeitraum ein Bestandsplus von 76.500 Bitcoins.

Beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares gab es hingegen massive Abflüsse zu vermelden. Dessen gehaltene Goldmenge hat sich seit Ende Dezember von 1.170,74 auf 1.127,64 Tonnen (minus 3,7 Prozent) ermäßigt.

Bitcoin oder Gold – eine Glaubensfrage?

Weil beide Geldalternativen nicht unbegrenzt vermehrbar sind, werden sie von ihren Anhängern gerne als Inflationsschutz eingeordnet. Ihre Seltenheit kann als unumstritten betrachtet und durch die Kennzahl Stock-to-Flow bemessen werden. Dabei werden die weltweiten Gesamtbestände ins Verhältnis zu den jährlichen Bestandszuwächsen gesetzt.

Weil die Zahl neuer Bitcoins – bedingt durch den Programmcode und das alle vier Jahre erfolgende Halving – in den nächsten Jahren sinken und im Jahr 2040 sogar bei null liegen wird, dürfte die Seltenheit der Kryptowährung künftig deutlich höher ausfallen als bei Gold. Stark belastet wird der Schutz vor Geldentwertung beim Bitcoin aber durch dessen enorme Volatilität.

So fällt die historische 250-Tage-Volatilität mit aktuell 71 Prozent um den Faktor 3,8 höher als beim gelben Edelmetall (18,5 Prozent) aus. 

Wer nach wirksamem Inflationsschutz sucht, den dürften starke Kursschwankungen höchstwahrscheinlich eher abschrecken. Und auch das Risiko eines Totalverlusts, welches beim Bitcoin nicht ausgeschlossen werden kann, stellt einen wichtigen Nachteil gegenüber Gold dar.

Man darf daher sehr gespannt sein, wer in einigen Jahrzehnten von Anlegern als wichtigster Inflationsschutz wahrgenommen wird. Wer weiß, vielleicht stellt sich sogar eine friedliche Koexistenz ein.

Ausblick für die laufende Woche

Der altbewährte Vermögensschutz Gold leidet derzeit unter mehreren Belastungsfaktoren. Einen Anteil an diesem „Verlust an Ansehen“ hat sicherlich die Rekordfahrt diverser Kryptowährungen sowie die robuste Tendenz an den internationalen Aktienmärkten.

Deutlich gestiegene US-Renditen und die Erholungstendenz beim Dollar dürften aber ebenfalls für die jüngste Talfahrt des gelben Edelmetalls mitverantwortlich gewesen sein.

Goldbesitzer sollten sich davon aber nicht nervös machen lassen, sondern das Auf und Ab als ganz normales „Marktrauschen“ interpretieren. Insbesondere in Europa drücken Lockdowns, Corona-Mutanten und die nur schleppend verlaufende Immunisierung auf die Stimmung.

Hierzulande dürften sich Investoren unter anderem für die endgültigen Zahlen zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft (Mittwoch) und den GfK-Index zum Konsumentenvertrauen (Donnerstag) stark interessieren.

Der am gestrigen Montag veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex fiel angesichts eines Anstiegs von 90,3 auf 92,4 Zähler besser als erwartet aus.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von millibald | 01.03.2021, 19:51 Antworten

.... beim Gold hat Mann was in der Hand - fiktive Währungen sind schnell mal weg... oder sie hat ein anderer!

von Lorenz | 23.02.2021, 15:55 Antworten

Auch wenn sich der Artikel hauptsächlich auf den Bitcoin bezieht, möchte ich dennoch anmerken.Es gibt nur sehr wenige Arten von Edelmetallen (Gold, Silber, Platin... u.s.w.) und man kann auch keine Neuen erschaffen. Von Kryptowährungen gibt es mittlerweile schon mehrere Tausend. Kryptogeld ist nicht selten, das absolute Gegenteil ist der Fall.

1 Antwort an Lorenz anzeigen
von Paulus | 24.02.2021, 13:16 Antworten

Kryptowährungen sind für Spekulanten mit Todeswunsch. Edelmetalle sind ein ausgezeichneter und bewährter Wertspeicher.

von Piffelhuber | 24.02.2021, 11:41 Antworten

Die 3 Unternehmen haben also mit ihren paar tausend Bitcoins 88% Anteil an mehreren Millionen Coins? Oder wie ist das gemeint?

1 Antwort an Piffelhuber anzeigen
von Goldenes Kalb | 23.02.2021, 19:22 Antworten

Gold gibt es schon nahezu 5.000 Jahre und das ohne jegliches Gegenparteienrisiko wenn man es sein eigen nennen darf. Laufende Erträge in Form von Zinsen, etc. wirft es zwar keine ab dient jedoch in einem überschaubaren Rahmen für Stabilität im Depot und zur Vermögensabsicherung (Versicherungsfunktion). Für den Fall der Fälle wird es seine Zwecke erfüllen - hoffen wir nur, dass es das nicht eines Tages muss. Dafür werden die Kryptos nicht geschaffen sein - beim Zusammenbruch des Internets ist da eh kein Rankommen mehr an das digitale Geld. Da sind dann die Edelmetalle trefflicher geeignet. Im Grunde genommen ist es eine Glaubensfrage wenn man mehr Vertrauen schenkt - denke Gold ist eher für mittlere und ältere Menschen trefflich und die Kryptos für die jungen Millenials (die aber faktisch noch keine finanzielle und wirtschaftliche Krise direkt im Berufsleben erlebt haben dürfen - somit sind diese voller Euphorie in diesem Segment zu Gange / ähnliches kenn wir schon vom Neuen Markt aus den 90er-Jahren - Ausgang: den älteren Lesern bekannt)

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