| GOLD | 4.348,91 $/oz | 3.749,65 €/oz | 120,55 €/g | 120.554 €/kg |
| SILBER | 64,48 $/oz | 55,61 €/oz | 1,79 €/g | 1.787,90 €/kg |
Das weiße Edelmetall hat sich eindrucksvoll aus seinem jahrelangen Schattendasein zurückgemeldet. Nach dem spektakulären Sprung des Platinpreises 2025 – in US-Dollar verteuerte sich das Edelmetall um 141 Prozent – folgte 2026 zunächst wie bei Gold und Silber eine kräftige Konsolidierung. Im August drehte der Wind erneut nach oben: Die Platin-Notierungen gewannen auf US-Dollarbasis rund 10,5 Prozent und notierten zum Monatsende (31. August) bei etwa 1.787 US-Dollar je Feinunze (31,1g).

Fundamental bleibt die Lage spannend. Noch im Mai prognostizierte der World Platinum Investment Council (WPIC) für 2026 das vierte Angebotsdefizit in Folge von rund 297.000 Unzen. Zwar könnten starke ETF-Abflüsse und sinkende Börsenbestände die Bilanz kurzfristig sogar in einen kleinen Überschuss drehen. Dieser ist laut WPIC jedoch zu gering, um die zuvor stark geschrumpften oberirdischen Bestände substanziell wieder aufzufüllen. Für 2027 bis 2030 werden erneut durchschnittliche Defizite von rund 339.000 Unzen pro Jahr erwartet.
„Unter den aktuellen Fundamentaldaten bleibt die Investmentthese für Platin überzeugend.“ – Trevor Raymond, CEO des World Platinum Investment Council, 16. Juli 2026
Hinzu kommen neue strukturelle Nachfragetreiber: Chinas Milliardeninvestitionen in KI-Infrastruktur, Halbleiter und Wasserstofftechnologien eröffnen zusätzliche Einsatzfelder für Platin. Damit entwickelt sich das Metall zunehmend vom klassischen Auto- und Schmuckrohstoff zum strategischen Hightech-Edelmetall.
Palladium galt lange als Verlierer der Elektromobilität. Mehr als 80 Prozent der Nachfrage entfielen bislang auf Abgaskatalysatoren – entsprechend düster erschienen die Perspektiven mit dem Vormarsch batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV).
Doch die Realität entwickelt sich differenzierter: Hybride gewinnen Marktanteile, während die vollständige Verdrängung des Verbrennungsmotors langsamer voranschreitet als vielfach erwartet. Nornickel, mit rund 40 Prozent Anteil an der Weltproduktion größter Palladiumproduzent, erwartet deshalb 2026 zunächst einen weitgehend ausgeglichenen Markt.
Noch spannender ist jedoch, was abseits des Automobils geschieht: In China wird Palladium bereits als Ersatz für Platin in der Glas- und Fiberglasproduktion getestet. Nach erfolgreichen Langzeittests könnte allein dieser Bereich mittelfristig bis zu 800.000 Unzen zusätzliche Nachfrage pro Jahr erzeugen. Weltweit sieht Nornickel für die Glasindustrie sogar Potenzial von bis zu zwei Millionen Unzen.
„Wir mussten ein groß angelegtes Marktentwicklungsprogramm starten, um Palladium in neuen industriellen Anwendungen zu etablieren.“ – Dmitry Izotov, Leiter des Palladium Center von Nornickel

Hinzu kommen Forschungsprojekte für Lithium-Schwefel-Batterien, bei denen Palladium als Katalysator die Lebensdauer verbessern könnte. Nornickel beziffert das theoretische zusätzliche Nachfragepotenzial allein hier auf mindestens 1,5 Millionen Unzen jährlich.
Damit wird Palladium zwar nicht automatisch zum neuen Platin. Aber die Gleichung „Elektroauto gleich Palladium-Niedergang“ ist inzwischen deutlich zu simpel.
Bei Rhodium genügt oft schon eine kleine Verschiebung von Angebot oder Nachfrage, um große Preisbewegungen auszulösen. Das extrem seltene Platingruppenmetall kostet aktuell rund 9.000 US-Dollar je Feinunze – damit etwa doppelt so viel wie Gold und fünfmal so viel wie Platin. Der Rhodiumpreis bewegt sich damit sogar am oberen Rand der von Heraeus für 2026 erwarteten Spanne von 6.000 bis 9.000 US-Dollar.
Der Grund für diese Preissensibilität liegt vor allem auf der Angebotsseite. Rund 80 Prozent der weltweiten Minenförderung stammen aus Südafrika. Produktionsausfälle durch Energieprobleme, Minenschließungen oder Investitionszurückhaltung können deshalb kaum kurzfristig durch andere Förderländer kompensiert werden.

Gleichzeitig bleibt Rhodium stark vom Automobilsektor abhängig. Heraeus beziehungsweise SFA (Oxford) erwarten für 2026 eine globale Rhodiumnachfrage von rund 1,04 Millionen Unzen. Davon sollen etwa 890.000 Unzen auf Fahrzeugkatalysatoren entfallen. Die Autonachfrage dürfte allerdings um rund 4 Prozent sinken, während das Primärangebot um etwa 2 Prozent auf 685.000 Unzen zurückgeht. Steigendes Recycling könnte die Versorgung zusätzlich entspannen.
Damit zeigt sich die besondere Situation: Rhodium ist knapp – aber nicht zwangsläufig knapp genug für dauerhaft steigende Preise. Heraeus hält 2026 sogar einen Übergang von einem kleinen Defizit in einen Überschuss für möglich. Doch gerade bei einem derart engen Markt können unerwartet starke Hybridverkäufe, zusätzliche Produktionsausfälle oder Verzögerungen beim Recycling die GesamtBilanz schnell wieder verändern.
Platin, Palladium und Rhodium haben sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Doch hinter der gemeinsamen Bezeichnung als Weißmetalle verbergen sich drei sehr unterschiedliche Investmentgeschichten:
Für Anleger bedeutet die Weißmetall-Wende daher keinen Freifahrtschein für steigende Preise. Sie zeigt vielmehr, dass die jahrelange Vernachlässigung der Platingruppenmetalle zu Ende gehen könnte.
Gold bleibt der monetäre Anker, Silber der industrielle Hebel – doch Platin, Palladium und Rhodium sind wieder zurück auf dem Rohstoff-Radar der Investoren.
Und dieses mal lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Haben die nicht immer geglänzt, außer in ihrer Kursentwicklung? Die Überschrift zauberte mir (als Goldfreund) ein Lächeln ins Gesicht. Danke!