Stand: 05.04.2019 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Wegen der Eingriffe der Notenbanken entfernt sich der Aktienmarkt immer weiter von den Fundamentaldaten. In dem Umfeld hat das Interesse vieler Investoren an Gold deutlich nachgelassen.  

Am weltweiten Aktienmarkt ist die Euphorie zurückgekehrt. Der MSCI All Country World Index ist gegenüber dem Tief vom Dezember um knapp 20 Prozent nach oben geschossen und notiert ebenso wie der S&P500 in der Nähe des Rekordhochs. In dem Umfeld ist der Goldpreis in die Nähe des Ein-Monats-Tiefs gesunken.

Laut vielen Experten soll die Hausse am Aktienmarkt angeblich die rosigen Perspektiven für die Unternehmen widerspiegeln – nichts liegt allerdings ferner der Realität.

Zwar war zuletzt der Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie ebenso überraschend gestiegen wie jener für die US-Industrie. Damit ist bei Investoren die Hoffnung aufgekeimt, dass sich die chinesische Wirtschaft in den nächsten Monaten beleben könnte, was die Weltwirtschaft ankurbeln würde. Zudem hoffen Investoren, dass die US-Wirtschaft doch nicht in eine Rezession abrutschen wird.

Gleichzeitig feiert der Aktienmarkt jeden Tag die angeblichen Fortschritte im Handelskrieg zwischen den USA und China. Das Komische ist allerdings, dass trotz fünfmonatiger Verhandlungen nicht absehbar ist, wie ein möglicher Deal tatsächlich aussehen könnte.

Laut den neuesten Berichten soll China bis zum Jahr 2025 Zeit bekommen, um mehr US-Rohstoffe, wie Sojabohnen, sowie Öl, zu kaufen, während dann US-Unternehmen einen Anteil von 100 Prozent an chinesischen Firmen übernehmen können.

Die Berichte zeigen, dass es US-Präsident Donald Trump hauptsächlich darum geht, China möglichst viel Sojabohnen, Öl und Flüssiggas zu verkaufen. Deshalb dürfte Trump schlussendlich einen wachsweichen Deal eingehen, nur um den S&P500 auf neue Rekordhochs zu treiben, denn daran misst Trump den Erfolg seiner Politik. Das ist für ihn der wichtigste Maßstab.

Investoren ignorieren Serie schwacher Daten

Bei all der Euphorie feiern Investoren die wenigen guten Konjunkturdaten aus China und den USA, und  ignorieren die schwachen hingegen völlig. So hatte die US-Privatwirtschaft laut ADP im März lediglich 129.000 Jobs geschaffen. Das war der niedrigste Wert seit September 2017 und lag deutlich unter den Schätzungen der allzeit optimistischen Volkswirte.

Im gleichen Monat war der Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor von 59,7 Punkte auf 56,1 Punkte eingebrochen und lag damit weit unter den Erwartungen. Na und? Darüber haben die Investoren einfach hinweggesehen und weiter kräftig Aktien aus DAX und S&P500 gekauft. Dabei ist der Index ein enorm wichtiger Frühindikator für die Gesamtwirtschaft, steuert der Dienstleistungssektor doch rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung bei.

Die jüngsten Daten aus den USA waren so schwach, dass der Citigroup Economic Surprise Index für die USA auf das niedrigste Niveau seit Juli 2017 gesunken ist. Der Indikator bildet ab, ob die jeweiligen US-Daten besser oder schlechter sind als erwartet.

Fed treibt den S&P500 nach oben

Bei schwachen Daten setzen die Investoren aber seit drei Monaten einfach wieder auf die Fed. Sie soll entweder eine Rezession verhindern. Falls sie dennoch eintreten sollte, werde die Fed soviel Geld drucken, dass die Geldschwemme die Aktien wieder nach oben treiben werde. Damit ist der sogenannte „Fed-Put“ wie schon in den vergangenen Jahrzehnten aktiv.

Vor dem Hintergrund entfernt sich der Aktienmarkt allerdings immer mehr von den Fundamentaldaten. Dabei ist das Wort „Markt“ längst falsch, denn der US-Aktienmarkt ist längst kein Markt mehr, sondern nur noch ein Spiegelbild der Planwirtschaft der US-Notenbank. Sie bestimmt mit ihrer Geldpolitik, wo der S&P500 und damit der weltweite Aktienmarkt steht.

Dass die Fed ab Mai die Geldpolitik lockern will, indem die Verkäufe von Staatsanleihen auf 15 Mrd. Dollar pro Monat halbiert werden, spricht Bände. Offenbar ist Fed-Chef Jay Powell vor Trumps Druck eingeknickt.

Wenn der S&P500 wegen der Fed aber jeden noch so kleinen Kursrückgang schnell wettmacht und anschließend auf neue Rekordhochs klettert, wieso braucht man da überhaupt Gold – das dürften sich viele Anleger fragen.

Vielleicht, weil der Dollar bei einer weiteren deutlichen Abkühlung der US-Wirtschaft in den nächsten Monaten deutlich nach unten drehen könnte, was den Goldpreis beflügeln könnte. Möglicherweise kommt zudem eine US-Rezession viel schneller als derzeit viele Anleger erwarten. Dann wird sich zeigen, wie sich die Notierung des Edelmetalls entwickelt.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Weltweite Aktienmarkt-Rally belastet den Goldpreis
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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