Stand: 10.12.2019 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Erstmals seit Mai verzeichneten im vergangenen Monat physisch hinterlegte Gold-ETFs wieder Abflüsse. So meldete der World Gold Council einen Rückgang der gehaltenen Goldmenge um 30,1 Tonnen im Gegenwert von 1,3 Milliarden Dollar.

Massive Verkäufe in Nordamerika und Europa

Die gute Stimmung an den Aktienmärkten, dürfte ein wichtiger Grund für das weltweit zu beobachtende nachlassende Interesse an Gold-ETFs (siehe Tabelle) gewesen sein. In Nordamerika fiel das Minus gegenüber dem Vormonat mit 17,3 Tonnen besonders hoch aus, gefolgt von Europa (minus 13,6 Tonnen). 

Signifikante Zuflüsse gab es hingegen beim Amundi Physical Gold-ETC (plus 3,8 Tonnen), dem ETFS Physical Swiss Gold (plus 3,1 Tonnen) sowie XETRA-Gold (plus 2,7 Tonnen), was dessen Goldvermögen im November auf den Rekordwert von 201,9 Tonnen gehievt hat.

Insgesamt wird via ETF bzw. ETC das meiste Gold derzeit in den Regionen Nordamerika (1.441,2 Tonnen) und Europa (1.305,7 Tonnen) gehalten.

Globaler ETF-Markt im November 2019

(in Mrd. USD) (Tonnen) (Änderung Vormonat)*
Nordamerika 67,7 1441,2 t -17,3 t
Europa 61,3 1305,7 t -13,6 t
Asien 3,8 81,3 t -2,1 t
Rest der Welt 1,8 38,6 t 2,9 t
Insgesamt 134,6 2866,8 t -30,1 t
* Veränderung gegenüber Vormonat in Tonnen. Quelle: World Gold Council

Asien (81,3 Tonnen) und der Rest der Welt (38,6 Tonnen) kommen insgesamt auf einen weltweiten Marktanteil von weniger als fünf Prozent. Das heißt natürlich nicht, dass deren Goldaffinität zu vernachlässigen ist, ganz im Gegenteil. Sie bevorzugen allerdings eher physisches Gold in Form von Goldbarren und Goldmünzen sowie Goldschmuck.

In diesen beiden Marktsegmenten standen im dritten Quartal 2019 bspw. allein China und Indien für über 43 Prozent (bei Barren & Münzen) bzw. 56 Prozent (bei Schmuck) der globalen Nachfrage.

2019 für physisch hinterlegte Papiergold gutes Jahr

Das November-Minus spiegelt allerdings auf keinen Fall die Stimmung innerhalb dieses Marktsegments für das Gesamtjahr wider. In den ersten elf Monaten gab es nämlich außerordentlich hohe Goldzuflüsse zu beobachten.

Per Saldo lag diese Menge bei 384,9 Tonnen, wobei der Löwenanteil der Nachfrage in Europa und in den USA registriert worden war. Nordamerikanische Investoren scheinen, an den Kapitalmärkten mittlerweile deutlich defensiver zu agieren.

Seit dem Jahreswechsel haben sie ihre Goldbestände um 205,9 Tonnen aufgestockt, während in Europa Goldzuflüsse im Volumen von 171,4 Tonnen zu Buche schlugen.

Vernachlässigbar war das Interesse in Asien (1,8 Tonnen) sowie im Rest der Welt (5,8 Tonnen), was einem weltweiten Anteil von weniger als zwei Prozent entsprach.

Besonders interessant: In Geld bemessen, beliefen sich die Zuflüsse der ersten elf Monate auf fast 18,7 Milliarden Dollar, was sich in der globalen Finanzwelt problemlos als „Tropfen auf den heißen Stein“ bezeichnen lässt.

Auch der Marktwert der weltweiten Gold-ETFs kann mit 134,5 Milliarden Dollar als „relativ bescheiden“ betrachtet werden, schließlich übertrifft allein die Marktkapitalisierung des DAX-Schwergewichts SAP mit über 160 Milliarden Dollar diesen Wert relativ problemlos.

Sobald Gold von der breiten Masse – aus welchen Gründen auch immer – gekauft wird, dürfte eines relativ sicher sein: ein deutlich steigender Goldpreis.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Woche sorgte der US-Arbeitsmarkt für ein hohes Maß an Spannung. In den kommenden Tagen steht eine Flut wichtiger Inflationsdaten zur Bekanntgabe an. So erfahren die Investoren wie sich im November die Teuerungsraten in China (Dienstag), in den USA (Mittwoch) und Deutschland (Donnerstag) entwickelt haben.

Eine besonders starke Geldentwertung konnte man zuletzt mit 3,8 Prozent vor allem in China ausmachen, während in den USA (1,8 Prozent p.a.) und Deutschland (1,1 Prozent p.a.) deutlich niedrigere Werte gemeldet wurden.

Insbesondere für deutsche Anleger bedeutet dies aufgrund der negativen Rendite der meisten Bundesanleihen, dass die damit vorprogrammierten Vermögensverluste mittlerweile ziemlich schmerzen.

Dass sich daran aller Voraussicht nach wenig ändern dürfte, liegt zum einen an der Tatsache, dass höhere Leitzinsen in Europa extrem unwahrscheinlich sind und zum anderen liegt die aktuelle Inflationsrate deutlich unter dem Wunschwert der EZB-Verantwortlichen von knapp unter zwei Prozent.

Am Donnerstag dürften die Akteure an den Finanzmärkten gebannt die erste EZB-Sitzung unter der Regie der neuen Chefin Christine Lagarde verfolgen. Bei ihrer ersten Anhörung im Wirtschafts- und Währungsausschuss (ECON) des EU-Parlaments in Brüssel meinte sie, dass sie sich noch in einer Lernphase befinde – auch in Bezug auf die Zentralbank-Sprache. 

Mein Tipp: Deshalb sollte man nicht jedes ihrer Wörter gleich auf die Goldwaage legen.
Weltweite Gold-ETFs verzeichnen Abflüsse im November
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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von Commander Crash | 10.12.2019, 12:18 Antworten

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"