Stand: 14.02.2015 von Mr. Gini 0 Kommentare

Nach der Griechen-Wahl geht wenig überraschend hinter den Kulissen das Geschachere um den gigantischen griechischen Schuldenberg munter weiter. Allem Anschein nach hat sich die neue Regierung des Krisenlands verschätzt. Die Verantwortlichen in Frankfurt und Berlin sind wenig erpicht, den Griechen ohne die Fortsetzung von Strukturreformen weiter frisches Geld zukommen zu lassen. Aber noch ist in dem Zusammenhang ja weiter alles möglich. Der Dauer-Poker geht weiter. Bis auf weiteres.

Untragbar hoher Schuldenberg in Griechenland

In diesen turbulenten Tagen geht nahezu unter, dass die Verschuldung in Griechenland im Jahr 2014 weiter angewachsen ist. Und zwar auf 321,7 Milliarden Euro. Für knapp 70 Milliarden stehen dabei private und griechische Investoren als Gläubiger ein. 251,8 Milliarden Euro beträgt das Volumen der internationalen Hilfskredite. Rund 65 Milliarden Euro, also in etwa ein Fünftel der griechischen Gesamt-Staatsverschuldung, werden von den biederen deutschen Steuerzahlern verbürgt. Unglaublich, aber leider wahr. Und sollte es weitere Hilfskredite geben, wird diese Summe sich sicherlich weiter vergrößern. Unweigerlich.

Deutscher Schuldenberg "relativ" klein

Sicherlich, 321,7 Milliarden Euro sind in Relation zur Wirtschaftsleistung der Griechen eine untragbar hohe Schuldenlast. Zur Erinnerung, im Jahr 2014 lag die Wirtschaftsleistung der Griechen bei nur 184 Milliarden Euro. Zum Vergleich, die Bundesrepublik weist aktuell eine offizielle Gesamtstaatsverschuldung von knapp 2050 Milliarden Euro aus. Die Wirtschaftsleistung Deutschlands lag 2014 bei gut 2,9 Billionen Euro.

Kurzum, wenn die deutsche Staatsverschuldung ähnlich hoch wie die griechische Staatsverschuldung in Relation zur Wirtschaftsleistung liegen würde, dann würde der deutsche Schuldenberg nicht mit gut zwei Billionen Euro ausgewiesen werden. Dann würden wir hier im Bereich von gut fünf Billionen Euro landen. Daran erkennt man relativ schnell, dass es in Sachen griechischer Staatsverschuldung zu einer "Lösung" kommen muss. Relativ rasch schon.

Weltweites Schuldenproblem

Aber letztlich ist dann doch alles "relativ". Die griechischen Staatsschulden sind für die griechische Volkswirtschaft zwar unerträglich hoch. Aber im globalen Schulden-Ozean wirken sie dann doch irgendwie "winzig" klein. Das McKinsey Global Institut (MGI) ist ja seit dem Jahr 1990 der betriebs- und volkswirtschaftliche Research-Arm von McKinsey und hat erst jüngst eine äußerst lesenswerte Studie zur Entwicklung der globalen Verschuldung veröffentlicht. Fakt ist demnach, dass die globalen Schulden heute bei der unglaublichen Summe von 199 Billionen US-Dollar liegen. 199.000 mal eine Milliarde US-Dollar! Der griechische Staatsschuldenberg liegt in Relation zu diesem globalen Schuldenmoloch bei nur 0,16 Prozent. Peanuts also.

Schuldenwachstum

Die Forscher von McKinsey stellten in dem Kontext fest, dass die Welt fast drei Jahre gratis arbeiten müsste, um - bildlich gesprochen - den Schuldenberg abzutragen. Und wer gedacht hätte, dass sich die Verschuldung seit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2007 wieder etwas nach unten bewegt bzw. weniger stark wächst, der täuscht sich. Die weltweite Verschuldung erreicht neue noch nie da gewesene Rekordstände. Seit dem Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 liegen die Schulden nun sage und schreibe 57 Billionen US-Dollar höher. In Relation zur globalen Wirtschaftsleistung ist die Verschuldung damit um 17 Prozentpunkte nach oben geschnellt.

Risiken wachsen

Zweifelsohne, die rasante Zunahme der Verschuldung ist wahrlich nicht zu unterschätzen. Die Autoren von MGI sehen insofern gar neue große Risiken für die globale Finanzstabilität. Der angestrebte, ja erwünschte Schuldenabbau sei in den vergangenen Jahren nicht angegangen, ja verfehlt worden. Das ist das bittere Fazit der Studie. Interessant in dem Kontext ist sicherlich auch der Blick auf einige Details dieser Entwicklung.

Nicht nur Staatsschulden berücksichtigt

Also, in der Studie nahmen die MGI-Experten die Verschuldung in den 22 größten entwickelten und in 25 aufstrebenden Volkswirtschaften unter die Lupe. Im Gegensatz zu vielen anderen Studien wurden auch die Schulden von Unternehmen und Privathaushalten neben den Staatsschulden mit ins Visier genommen. Und hier kann konstatiert werden, dass Deutschland relativ gut abschneidet. Die deutsche Gesamtverschuldung liegt diesen Berechnungen zufolge bei 188 Prozent des BIP. Sie stieg also seit 2007 relativ moderat von einem Niveau von 180 Prozent aus an. Zum Vergleich, so hoch ist fast die griechische Staatsverschuldung! Damit erreichte Deutschland Platz 24 der 47 untersuchten Staaten. Immerhin, der moderate Anstieg des Gesamtschuldenstands bedeutet für Deutschland den neuntbesten Platz bei der Entwicklung der Schulden.Gegenüber dem Schulden-Weltmeister Japan steht Deutschland glänzend da.

Schuldenweltmeister Japan

Die japanische Gesamtsverschuldung stieg auf sagenhaft hohe 517 Prozent des BIP an. Das ist einsame Spitze! Aber auch die spanische Gesamtverschuldung ist mehr als doppelt so hoch wie deutsche. Die Iberer sind mittlerweile bei über 400 Prozent angelangt. Aber auch bei den Chinesen und US-Amerikanern liegen die Gesamtschuldenstände höher als in Deutschland. Die USA liegt bei 269 Prozent.

Sehr überraschend ist jedoch, dass die Chinesen mittlerweile bei einer Gesamtverschuldung von 282 Prozent des BIP angekommen sind. Und selbst die Österreicher gehen in Sachen Schuldenmacherei deutlich "sportlicher" zur Sache als die Deutschen. In Österreich liegt der Schuldenzuwachs gegenüber 2007 bei 29 Prozent; aktuell liegt der Gesamtschuldenstand der Österreicher bei 225 Prozent des BIP.

Risiken wachsen

Ja, seit dem Jahr 2007 stieg die Gesamtverschuldung weltweit um 57 Billionen US-Dollar an. Sehr unerfreutlich in dem Kontext ist, dass die Staaten sich keinesfalls zurückhalten. Im Gegenteil, es wird weiter "Vollgas" in Sachen Schldenmacherei gegeben. Die Staatsschulden stiegen um gewaltige 27 Billionen US-Dollar seit 2007 an.

Kein Wunder also, dass Susan Lund, MGI-Partnerin und Koautorin der Studie die wachsende Verschuldung der Weltwirtschaft als eine unerfreuliche Entwicklung bezeichnet. Diese Entwicklung verlangsame die Erholung und erhöhe das Risiko neuer Krisen. Gleichzeitig würde dadurch die Fähigkeit vermindert, diese Risiken wirksam zu bekämpfen. Und Frau Lund benannte vor allem drei Risiken, die mit den gigantischen Schuldenbergen einhergehen würden.

Staatsverschuldung nicht mehr zu bewältigen

Traurige Tatsache sei nun mal, dass die Risiken, die von der enormen Staatsverschuldung in manchen Ländern ausgehen, nicht mehr bestreitbar sind. Und hier wären wir ja wieder bei den Griechen oder Japanern. Die MGI-Autoren sind hier der Ansicht, dass die enormen Verschuldungsstände auf "normalem Wege" nicht mehr zu bewältigen seien. Anders formuliert, es sind also neue Wege nötig, um der Staatsschuldenfalle zu enkommen.

Private Verschuldung nicht unterschätzen

Aber nicht nur die hohe Verschuldung der Staaten gibt Anlass zur Sorge. Auch die Privathaushalte seien in vielen Staaten auf der Welt massiv ver- und überschuldet. Hier nannten die MGI-Autoren vor allem die Niederlande, Dänemark, Schweden, Kanada, Südkorea, Malaysia und Thailand. In den Niederlanden, Dänemark und Norwegen sei die Verschuldung der Privathaushalte mittlerweile so exzessiv hoch, dass diese die 200 Prozent des Volkseinkommens überschritten habe. Positiv zu erwähnen ist, dass in Irland und in den USA die Privathaushalte sich bereits in der Entschuldungsphase befinden würden. Sorgenvoll richten sich insofern die Blicke auch gen China.

Neues Sorgenkind China?

Kaum zu glauben, aber wahr. Die Chinesen geben beim Schuldenmachen Vollgas. Die Gesamtverschuldung des Riesenreichs der Mitte ist in den letzten Jahre gewaltig in die Höhe geschnellt. Seit dem Jahr 2007 stieg die Gesamtverschuldung Chinas von 7,4 auf gigantische 28,2 Billionen US-Dollar an. Damit hat sich die Verschuldung in dem relativen kurzen Zeitraum fast vervierfacht und liegt deutlich heuer als in Deutschland in Relation zum BIP. Haupttreiber dieser Entwicklung war der Boom am chinesischen Immobilienmarkt und das immense Wachstum des Schattenbankwesens.

Umgang mit dem Schuldenberg

Und last but not least sei noch angemerkt, dass der Studie zufolge zumindest im Finanzsektor die Entschuldung im Finanzsektor in den letzten Jahren relativ gut fortgeschritten ist. In dem Kontext stellte Richard Dobbs, MGI-Direktor mit Sitz in London, fest, dass Schulden generell ein wichtiges Mittel seien, um Wirtschaftswachstum überhaupt erst möglich zu machen. Leider habe aber ein unkontrollierter Aufbau von Verschuldung seit Jahrhunderten immer wieder zu Finanzkrisen und unberechenbaren Marktauschlägen geführt. Daher sei es nunmehr geboten, neue Ansätze zu entwickeln, wie die Welt mit den Schulden besser umgehen könne. Als Beispiele nennt Dodds insofern bessere Absicherungsmechanismen bei Immobilienkrediten und Veränderungen bei der Umstrukturierung von privaten Schulden.

Naja, letztlich werden wir in den kommenden Wochen und Monaten ja Zeitzeuge, ob es auch in Sachen griechischem Staatschuldenberg neue Umgangsformen geben wird...

Weltweite Verschuldung: Schuldenberg steigt
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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