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Stand: 21.06.2022 von Jörg Bernhard
Im Juni sind diverse wichtige Notenbanken vor allem durch das Erhöhen von Leitzinsen in Erscheinung getreten. Laut einer vom World Gold Council veröffentlichten Zentralbanken-Umfrage wird aber auch den Goldreserven eine wichtige Rolle zugestanden.
WGC-Jahresbericht zu den Goldreserven der Notenbanken

Notenbanken kaufen oder halten Gold

In diesem Monat sind in den USA, Kanada, Australien, Großbritannien, Indien, Brasilien und in der Schweiz die Leitzinsen erhöht worden, während die Europäische Zentralbank ihren ersten Schritt nach oben aller Voraussicht nach im Juli wagen wird.

Einmal im Jahr führt der World Gold Council (WGC) unter den „Währungshütern“ eine Umfrage zum Thema Goldreserven durch. Diesmal wurden insgesamt 18 Themenkomplexe abgefragt und auf fast 30 Seiten näher erläutert.

Einige Kapitel dürften die Privatanleger besonders stark interessieren.

So wurde zum Beispiel ermittelt, wie wichtig zwölf verschiedene Faktoren für das Halten von Gold waren. Als „sehr wichtig“ haben 59 Prozent der Befragten angegeben, dass sie das Edelmetall in erster Linie als historische Position betrachten. Argumente wie Krisenschutz (39 Prozent), langfristiger Werterhalt bzw. Inflationsschutz (41 Prozent), kein Ausfallrisiko (43 Prozent) und wirksame Portfolio-Diversifikation (35 Prozent) wurde stets von mehr als einem Drittel der Notenbanken als „sehr wichtig“ eingestuft.

Besonders interessant: Als mit Abstand unwichtigster Faktor wurde das Reduzieren der Dollarabhängigkeit (Entdollarisierung) genannt. Keine einzige Notenbank wollte diesen Faktor als „sehr wichtig“ einstufen, während 80 Prozent ihn als „nicht relevant“ eingestuft haben.

Ein deutlicher Meinungsumschwung war bei der Frage nach der allgemeinen Entwicklung der Goldreserven aller Notenbanken in den kommenden zwölf Monaten zu beobachten. Während im Vorjahr lediglich 52 Prozent einen Anstieg erwartet hatten, rechnen nun 61 Prozent per Saldo mit Nettokäufen. Bei den Erwartungen mit Blick auf die eigene Institution rechnen 25 Prozent mit einer Aufstockung der Goldreserven (2021: 21 Prozent), während 70 Prozent (2021: 68 Prozent) an ihrem „Goldschatz“ keine Veränderungen planen.

Verkäufe plant derzeit übrigens keine einzige Zentralbank.

Warum Notenbanken ihre Goldbestände aufstocken

Lediglich 14 Notenbanken haben dem WGC bestätigt, in den nächsten zwölf Monaten Gold kaufen zu wollen. Deren Beweggründe waren unterschiedlichster Natur, wobei elfmal das höhere Risiko einer globalen Finanzkrise als Kaufgrund am häufigsten genannt wurde.

Mit jeweils acht Nennungen tauchten zwei Argumente am zweithäufigsten auf. Zum einen war dies die Erwartung struktureller Änderungen innerhalb des internationalen Währungssystems und zum anderen fürchtet man das gestiegene ökonomische Risiko in den Ländern wichtiger Reservewährungen.

Sieben kaufwillige Notenbanken betrachten auch die steigende Inflation, das Aufwärtspotenzial des Goldpreises sowie die Notwendigkeit, Gold als Absicherungsinstrument zu nutzen als Kaufargument.

Insgesamt sechsmal wurden die folgenden Beweggründe genannt:

  • wirtschaftliche Unsicherheit aufgrund der Pandemie
  • politische Risiken in wichtigen Industrienationen
sowie das Ausbalancieren der verschiedenen Reservewährungen.
Bedeutung der internationalen Währungsreserven
US-Dollar 51%
Euro 18%
Gold 15%
andere Währungen 14%
chinesischer Renminbi 2%
Quelle: World Gold Council

Die komplette Analyse können registrierte Nutzer unter www.gold.org abrufen.

Ausblick für die laufende Woche

Wichtige Aktienmärkte droht der Wechsel vom Bullen- in den Bärenmarkt nachdem sie ihr bisheriges Verlaufshoch um ungefähr 20 Prozent unterschritten haben. Von einer Kapitalflucht in den „sicheren Hafen Gold“ kann derzeit allerdings noch nicht gesprochen werden, schließlich notiert das gelbe Edelmetall aktuell rund 10 Prozent unter seinem mit März markierten Jahreshoch.

Die abrupte Wende in der US-Geldpolitik macht nicht nur der US-Konjunktur, sondern auch dem Rest der Welt schwer zu schaffen. Neue Erkenntnisse könnte der anstehende Rechenschaftsbericht von US-Notenbankchef Jerome Powell vor dem Bankenausschuss des US-Senats liefern.

Das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group zeigt derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 98 Prozent an, dass wir Ende Juli eine weitere Zinserhöhung um 75 Basispunkte sehen werden.

Zur Erinnerung: Vor einem Monat lag dieser Wert bei null Prozent. Man darf gespannt sein, wie lange der aktuelle Zinserhöhungszyklus diesmal durchgehalten wird. Beim letzten Mal dauerte er von Dezember 2015 bis Juli 2019.

Übrigens: Innerhalb dieses Zeitraums hat sich der Goldpreis um rund zehn Prozent verteuert – wenn dies kein Omen ist!

Autor: Jörg Bernhard
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