Stand: 12.12.2017 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Am Nikolaus-Tag bescherte der World Gold Council (WGC) der Öffentlichkeit interessante Daten zur globalen Entwicklung von Gold-ETFs: Der Bedarf am traditionellen Krisenschutz in dieser Form von Papiergold ist in Europa am größten.

Europa verunsicherter als Nordamerika

Auf Basis aktueller Daten (siehe Tabelle) wies der aus 23 internationalen Goldminengesellschaften bestehende Verband für November Nettozuflüsse in Höhe 9,1 Tonnen (393,4 Millionen Dollar) aus. Dadurch hat sich die in ETFs gehaltene Goldmenge von 2.348,2 auf 2.357,3 Tonnen (+0,4 Prozent) erhöht.

Entwicklung der Gold-ETFs nach Regionen von Januar bis November 2017

Marktwert Goldmenge Zu-u. Abflüsse Zu-u. Abflüsse
(Mrd. USD) t (Tonnen) t (Tonnen) (Mrd. USD)
Nordamerika 52,4 $ 1.243,80 t 62,30 t 2.858,10 $
Europa 41 $ 994,50 t 143,20 t 5.738,30 $
Asien 3,3 $ 75,70 t -13,70 t -455,40 $
Andere 1,8 $ 43,30 t -0,10 t 8,70 $
Insgesamt 98,5 $ 2.357,30 t 191,8 t 8.149,70 $

Stand: 30. November 2017; Quelle: World Gold Council


Erheblich aussagekräftiger fällt jedoch ein Vergleich mit den Zahlen zum Jahreswechsel 2016/2017 aus. Hier belaufen sich die Nettozuflüsse in Form von Gold auf 191,8 Tonnen (8,15 Milliarden Dollar).

Zur Erinnerung: 2016 fiel das Nachfrageinteresse mit insgesamt 545 Tonnen deutlich höher aus. Dabei fällt vor allem auf, dass sich die beiden wichtigsten Nachfrageregionen Nordamerika und Europa völlig gegensätzlich entwickelt haben.

Jenseits des Atlantiks reduzierten sich die Zuflüsse um 72,4 Prozent von 225 Tonnen (2016) auf 62 Tonnen (Jan. bis Nov. 2017), während in Europa mit 48,9 Prozent ein deutlich geringeres Minus von 280 auf 143 Tonnen zu Buche schlug.

Grundsätzlich stellt sich vor allem eine Frage: Sind die Nordamerikaner - allen voran die USA - bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Perspektiven ausgesprochen zuversichtlich oder einfach nur sorglos? Die Finanzkrisen der vergangenen Jahrzehnte lassen den Schluss zu, dass eher Letzteres der Fall sein dürfte.

Xetra-Gold fungiert als globaler Goldmagnet

Seit dem Jahreswechsel floss weltweit das meiste Gold in den deutschen Marktführer „Xetra-Gold“. In den ersten elf Monaten 2017 erhöhte sich dessen gehaltene Goldmenge um 53,3 auf 170,9 Tonnen (+45,3 Prozent).

Deutlich schwerer wurden auch der aus den USA stammende ETF „iShares Gold Trust“, dessen gehaltene Goldmenge sich im selben Zeitraum um 45,2 auf 241,3 Tonnen (+23,0 Prozent) erhöht hat. Auch der britische „Source Physical Gold P-ETC“ verbuchte massive Zuflüsse, was zu Zuwächsen in Höhe von 30,7 auf 116,1 Tonnen (+35,9 Prozent) geführt hat.

Insgesamt sechs Gold-ETFs verbuchten hingegen von Januar bis November 2017 per Saldo Abflüsse, die mengenmäßig aber eher gering ausfielen. Die drei ETF-Exemplare mit den kräftigsten Einbußen stammten allesamt aus China - dort scheinen die Anleger von Papiergold derzeit weniger überzeugt zu sein.

Die größten Goldabflüsse musste im Berichtszeitraum der „Huaan Yifu Gold ETF“ hinnehmen, dessen Goldbestände sich um 6,1 auf 18,0 Tonnen (-25,3 Prozent) reduziert haben. Beim „E-Fund Gold Tradable Open-End Securities Investment Fund“ waren ebenfalls starke Einbußen um 3,6 auf 3,9 Tonnen (-48,0 Prozent) zu beobachten.

Regelrecht pulverisiert hat sich der „Guotai Gold ETF“, der einen Gewichtsverlust von 2,4 auf 0,9 Tonnen (-72,7 Prozent) erlitten hat. Dies sollte aber nicht zu dem Schluss führen, dass die Chinesen Gold nicht mehr mögen.

So zeigen aktuelle Daten der Shanghai Gold Exchange, dass in den ersten elf Monaten 2017 bereits über 48.100 Tonnen Gold gehandelt wurden. Im Gesamtjahr 2016 nahm der Handel gegenüber dem Vorjahr sogar um fast 43 Prozent auf 48.700 Tonnen zu.

Fazit: China dürfte weiterhin eine verlässliche Stütze des Goldmarktes bleiben.

Ausblick für die laufende Woche

Es ist die Woche der weltweit wichtigsten Notenbanken: Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Fed über die Höhe der US-Leitzinsen, am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank ihre künftige Geldpolitik kommunizieren.

In den USA gilt ein Zinsschritt nach oben als ausgemachte Sache. Mittlerweile ist laut FedWatch-Tool des US-Terminbörsenbetreibers CME Group in den vergangenen vier Wochen die Wahrscheinlichkeit für einen großen Zinsschritt um 50 Basispunkte von 3,3 auf 9,8 Prozent gestiegen, während das Eintreffen eines kleinen Zinsschritts auf 90,2 Prozent taxiert wird.

Das heißt: Auf Basis dieses Hilfsmittels kann ein Beibehalten des derzeitigen Zinsniveaus komplett ausgeschlossen werden. In Europa rechnet hingegen niemand mit höheren Leitzinsen. Diese völlig gegensätzliche Entwicklung dürfte ein wichtiger Grund für die aktuelle Goldpreisschwäche sein. Zudem stehlen Dollars und Bitcoins dem Krisenschutz Gold derzeit die Show, auf lange Sicht bleibt das gelbe Edelmetall aber weiterhin ein Must-have.

WGC: World Gold Council über Entwicklung von Gold-ETFs
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von Beate Klatten | 13.12.2017, 17:29 Antworten

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