Stand: 02.08.2021 von Hannes Zipfel
Eine leichte Kurserholung in der letzten Woche brachte die Preise für Gold und Silber in Schlagdistanz zu wichtigen charttechnischen Widerständen. Für die neue Woche stehen viel beachtete Konjunkturdaten auf der Agenda, die den Edelmetallkursen entscheidende Impulse für ein Überwinden dieser Hürden liefern könnten.
Wichtige Hürden für Gold und Silber

Gold & Silber: Weiter hoch oder noch mal runter?

Die zuletzt trägen Kursverläufe bei Gold und Silber gewannen auch durch die viel beachtete Sitzung der US-Notenbank in der vergangenen Woche nicht sonderlich an Schwung. Zwar änderten sich die Vorzeichen der lethargischen Preisbewegungen in den positiven Bereich, aber wichtige charttechnische Widerstände konnten nicht überwunden werden.

Der Dynamikverlust ist einerseits dem urlaubsbedingt dünnen Handelsvolumen sowie der unklaren Situation in Sachen Konjunktur und Pandemie geschuldet.

Für beides wird diese Woche ein Stück mehr Klarheit bringen.

Neben den täglich veröffentlichten Zahlen zu Covid-19, die zuletzt wieder deutlich mehr Neuinfektionen anzeigten, stehen wichtige Frühindikatoren für den weiteren Konjunkturverlauf in Form diverser Einkaufsmanager-Indizes (EMI) auf der Agenda.

Sollte sich der jüngste Trend fortsetzen und schwächere EMI-Daten veröffentlicht werden, dann bestünde die Chance, dass die Notierungen für Gold und Silber ihre jeweiligen Widerstände auf der Oberseite in Angriff nehmen.

Beim Goldpreis sind dies zunächst die gleitenden 50- bzw. 200-Tage-Durchschnittslinien bei 1.820 bzw. 1.827 US-Dollar pro Unze. Gelingt das Überwinden dieser Linien nicht, warten auf der Unterseite zwei Unterstützungen (grüne gestrichelte Linien) nahe der psychologisch relevanten 1.800-er Marke sowie etwas darunter bei ca. 1.750 US$/Unze.

Hier kreuzt eine horizontale Unterstützungslinie den seit Mai 2019 etablierten Aufwärtstrend.

Goldpreischart in US-Dollar KW31

Der Goldpreis in Euro notiert weiterhin in Schlagdistanz zur diagonalen Widerstandslinie (rot gestrichelt) bei 1.530 EUR/Unze. Langsam sollte der Ausbruch gelingen. Andernfalls droht nochmals ein Rücksetzer unter die 1.500-er Marke auf die kurzfristige Aufwärtstrendlinie bei ca. 1.490 EUR/Unze.

Goldpreischart in Euro KW31

Der Silberpreis in US-Dollar läuft aktuell in die Spitze eines Dreiecks hinein. 

Wünschenswert wäre ein Ausbruch über den oberen Schenkel bei aktuell 25,50 US$/Unze. Andernfalls droht auch hier kurzfristig nochmals ein Rückfall. Dies könnte Kurse unter der 25 US-Dollar Marke und die Ausbildung neuer zyklischer Tiefststände knapp über der 24 US-Dollar Marke bedeuten.

Silberreischart in US-Dollar KW31

Die Woche der Einkaufsmanagerindizes & Arbeitsmarktdaten 

Mit den Einkaufsmanager-Indizes aus Asien, Europa und den USA werden in dieser Woche Konjunkturfrühindikatoren aus den für die Weltwirtschaft wichtigsten Regionen gemeldet.

Bereits heute Morgen veröffentlichte der Datenanbieter Markit den auch im Westen viel beachtete HCBC Einkaufsmanager-Index für das verarbeitende Gewerbe in China.

Mit nur 50,3 Punkten wurde ein 15-Monatstief vermeldet.

Der Einkaufsmanager-Index misst die Lage im chinesischen Industriesektor. An den Finanzmärkten gilt diese Befragung von Einkäufern und Firmenchefs als einer der einflussreichsten Wirtschaftsindikatoren, weil er die ökonomische Entwicklung im Reich der Mitte zu einem frühen Zeitpunkt aus mehreren Winkeln beleuchtet.

Der Index enthält Informationen zur Geschäfts-, Beschäftigungs-, Auftrags-, Lagerbestands- und Preisentwicklung im produzierenden Gewerbe. Damit ist der Index auch ein Frühindikator für die Inflation.

Aufgrund der hohen Warenpreise, die zum ersten Mal seit über einem Jahr zu einem Nachfragerückgang geführt haben, ist das Wachstum der chinesischen Industrietätigkeit im Juli drastisch zurückgegangen und die Gewinnmargen haben sich deutlich eingeengt.

Volkswirte hatten lediglich mit einem leichten Rückgang des Index auf 51 Punkte gerechnet, nach 51,3 im Vormonat. Damit liegt das Stimmungsbarometer nur noch knapp oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten (Diffusionsindex).

Die Wirtschaft Chinas trug nach dem Abklingen der ersten Pandemiewelle erheblich zur Stabilisierung der Weltwirtschaft bei. Umso besorgniserregender ist ein Blick in die Details des Einkaufsmanager-Index:

Die Input-Preise stiegen weiterhin schneller als die Output-Preise, was die Gewinnspannen unter Druck setzte. Die befragten Unternehmen des Privatsektors gaben zudem an, dass die Preisdynamik, insbesondere bei Industriemetallen, anhaltend hoch sei.

Gleichzeitig bleibt die Preissetzungsmacht der Unternehmen eingeschränkt. Die hohen Warenpreise führten erstmals seit über einem Jahr zu einem Nachfragerückgang.

Ein langsameres Wachstum war bei den Exportaufträgen chinesischer Industrieunternehmen zu beobachten. Hier forderten sowohl der weltweite Ausbruch der vierten Corona-Welle als auch das Auslaufen diverser Hilfsprogramme für Privathaushalte und Unternehmen bereits ihren Tribut.

Die Daten aus China könnten ein Hinweis darauf sein, dass mit etwas Zeitverzögerung die Gewinnentwicklungen und generell die Konjunkturdynamik auch im Westen in den kommenden Quartalen an Schwung verlieren.

Der Markt hofft nun auf neue Kredit-Stimuli vonseiten der chinesischen Geldpolitik, um der Konjunkturerholung wieder Leben einzuhauchen.

Wichtige Termine in dieser Woche

Highlights von der Konjunkturdatenfront sind in dieser Woche die Einkaufsmanagerindizes in China (Mittwoch / Dienstleistungen), in Deutschland (Mittwoch / Dienstleistungen) und den USA (Montag u. Mittwoch) sowie die „kleinen“ und „großen“ US-Arbeitsmarktdaten am Mittwoch und Freitag.

In der folgenden Übersicht finden Sie wichtige Termine, die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt relevant sind:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 15:45 Uhr USA: Markit Einkaufsmanager-Index verarbeitendes Gewerbe 63,1 62,1
16:00 Uhr USA: ISM Einkaufsmanager-Index verarbeitendes Gewerbe 60,9 60,6
Dienstag 11:00 Uhr EU: Erzeugerpreise (Juli / Jahr)   10,3 % 9,6 %
Mittwoch 2:30 Uhr China: Einkaufsmanager-Index Dienstleistungen (Juli) - 50,3
9:55 Uhr DE: Einkaufsmanager-Index Dienstleistungen (Juli) 62,2 62,2
14:15 Uhr  USA: ADP-Arbeitsmarktbericht Privatsektor (Juli) 700k 692k
16:00 Uhr USA: ISM Einkaufsmanager-Index Dienstleistungen (Juli) 60,4 60,1
16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände (KW 30) in Mio. Barrel - -4,089
Donnerstag 10:00 Uhr EU: Monatsbericht der EZB zur Wirtschaftslage - -
11:30 Uhr DE: Autozulassungen (Juli / Jahr) - +25 %
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (KW 30) 300k 400k
Freitag 8:00 Uhr DE: Industrieproduktion Deutschland (Monat) + 0,5 % -0,3 %
14:30 Uhr USA: Neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft (Juli) 900k 850k
Datenquelle: Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"