Gold: 3.760,95 € 0,21 %
Silber: 58,76 € -0,59 %
Stand: 01.06.2026 von Jörg Bernhard
Wenn es um langfristige Vermögensverwaltung geht, gelten Family Offices als eine der interessantesten Investorengruppen weltweit. Entsprechend aufmerksam verfolgen Marktbeobachter den aktuellen UBS Global Family Office Report 2026, der einen Einblick in die Strategien von mehr als 300 Family Offices aus über 30 Ländern gewährt.
Wie Family-Offices indirekt für Goldbesitz werben

Family-Offices verwalten die Vermögen sehr wohlhabender Familien und denken oft in Jahrzehnten statt in Quartalen. Die Studie zeigt deutlich: Viele professionelle Vermögensverwalter sehen das globale Anlageumfeld vor einem grundlegenden Wandel.


UBS Family Office Report: Was wird untersucht?

Der UBS Global Family Office Report zählt zu den umfangreichsten Erhebungen seiner Art. Befragt wurden Single Family Offices, die im Durchschnitt Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar verwalten. Ziel der Studie ist es, die Einschätzungen dieser Investoren zu wirtschaftlichen Risiken, Kapitalmärkten und Anlagestrategien zu erfassen.

Eine der auffälligsten Erkenntnisse lautet, dass rund 60 Prozent der befragten Family Offices innerhalb der kommenden zwölf Monate eine strategische Anpassung ihrer Vermögensallokation planen (siehe Tabelle).

Ein derart hoher Wert wurde in der Geschichte der Studie bislang nicht erreicht. Dies deutet darauf hin, dass viele große Vermögensverwalter die aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Veränderungen als langfristig bedeutsam einstufen.

Veränderungen der strategischen Vermögensallokation?2020202120222023202420252026
Ja, wir planen Veränderungen31 %25 %34 %37 %27 %35 %60 %
Nein, wir planen keine Veränderungen69 %75 %66 %63 %73 %65 %40 %
Quelle: UBS Global Wealth Management

Entdollarisierung gewinnt an Bedeutung

Ein zentrales Thema des Berichts ist die zunehmende Diskussion über eine mögliche Entdollarisierung der Weltwirtschaft.

Gemeint ist damit die schrittweise Verringerung der Abhängigkeit vom Dollar als dominierende Reserve- und Handelswährung.

Viele Family Offices beobachten mit Sorge die steigende Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten, hohe Haushaltsdefizite sowie geopolitische Spannungen. Hinzu kommt die zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft.

Diese Entwicklungen führen dazu, dass zahlreiche Investoren ihre bisherigen Dollarinvestments hinterfragen. Zwar bleibt der Dollar weiterhin die wichtigste Reservewährung der Welt. Dennoch zeigen die Ergebnisse der Studie, dass viele professionelle Anleger langfristig mit einer stärkeren Diversifizierung des internationalen Währungssystems rechnen.


Wohin fließt das Kapital?

Die erwarteten Veränderungen spiegeln sich auch in den geplanten Umschichtungen wider. Besonders gefragt sind laut UBS Infrastrukturinvestitionen, Schwellenländer-Aktien sowie alternative Anlageklassen. Viele Family Offices suchen gezielt nach Vermögenswerten, die weniger stark von den Entwicklungen an den klassischen Aktien- und Anleihemärkten abhängig sind.

Gleichzeitig verliert der Immobiliensektor bei vielen Befragten etwas an Attraktivität. Höhere Finanzierungskosten und veränderte Marktbedingungen führen dazu, dass einige Investoren ihre Immobilienquoten reduzieren oder zumindest nicht weiter ausbauen wollen.

Generell steht bei den geplanten Umschichtungen das Ziel im Vordergrund, die Portfolios widerstandsfähiger gegenüber geopolitischen Risiken, Inflation und möglichen Währungsschwankungen zu machen.


Zweifel am Dollar nehmen zu

Besonders bemerkenswert ist eine weitere Zahl aus dem Bericht: Zwei Drittel der Family Offices rechnen mit einem Vertrauensverlust des US-Dollars, was die Debatte über die langfristige Dominanz der Weltleitwährung weiter befeuert.

Diese Einschätzung bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Dollar vor einem schnellen Bedeutungsverlust steht.

Sie zeigt jedoch, dass viele professionelle Investoren eine breitere Streuung ihrer Vermögenswerte für sinnvoll halten. Je stärker solche Überlegungen verbreitet sind, desto größer wird das Interesse an alternativen Reservewerten und Sachanlagen.

Für Anleger ergibt sich daraus eine interessante Schlussfolgerung. Wenn einige der weltweit größten privaten Vermögensverwalter ihre Portfolios stärker diversifizieren und die Abhängigkeit vom Dollar reduzieren möchten, könnten reale Vermögenswerte profitieren. Dazu zählen insbesondere Gold, aber auch Infrastrukturinvestitionen und andere Sachwerte.

Fazit: Die Ergebnisse des UBS Global Family Office Report 2026 sprechen daher dafür, dass Gold und andere reale Vermögenswerte auch künftig eine wichtige Rolle bei der Diversifikation großer Vermögen spielen dürften – auch, wenn der seit Generationen bewährte Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz innerhalb des Report nicht direkt erwähnt wird.


Ergebnisse von Family-Offices in Europa (ohne Schweiz)

  • 67 Prozent planen strategische Änderungen ihrer Vermögensallokation
  • Nordamerika stellt mit einem Anteil von 45 Prozent weiterhin die größte regionale Anlageposition dar
  • Künstliche Intelligenz“ wird mit 57 Prozent als wichtigstes Anlagethema eingestuft
  • Infrastruktur“ und „Energie/Rohstoffe“ werden mit jeweils 33 Prozent als zweitwichtigste Anlagethemen eingestuft

Quelle: UBS Global Family Office Report 2026

Ausblick für die laufende Woche

Am 11. Juni steht die nächste Zinsentscheidung der EZB auf der Agenda. Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte wird in Fachkreisen aktuell als sehr wahrscheinlich eingestuft. In den kommenden Handelstagen dürften sich die Marktakteure aber auch für die anstehende Datenflut zum US-Arbeitsmarkt stark interessieren.

Neben dem ADP-Monatsbericht (Mittwoch) und dem Challengerbericht über Stellenstreichungen sowie die wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe (beide Donnerstag) dürften die Marktakteure vor allem den Mai-Bericht des US-Arbeitsministeriums genau „inspizieren“.

Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage soll die Arbeitslosenrate bei 4,3 Prozent verharren und die Zahl neu geschaffener Stellen von 115.000 auf 85.000 sinken.

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Während die EZB den Auftrag hat „Preisstabilität“ zu erreichen, soll die Fed Preisstabilität gewährleisten und maximale Beschäftigung fördern (Doppelmandat).

Man darf daher gespannt sein, ob bzw. wann der neue Fed-Chef Kevin Warsh Trumps Wunsch nach Zinssenkungen erfüllen wird. Derzeit gelten in den USA Zinserhöhungen als deutlich wahrscheinlicher.

Profilbild von Jörg Bernhard
Stand: 01.06.2026
geschrieben von:
Freier Wirtschaftsjournalist mit Schwerpunkt Börseninvestments
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.

Copyright © 2009-2026 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inkl. MwSt. (mit Ausnahme von Anlagegold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Stand: 05:20:12 Uhr