Stand: 03.08.2015 von Mr. Gini 0 Kommentare

Derzeit ist es ja relativ ruhig in Sachen Griechenland. Wobei hier klar die Betonung auf "relativ" liegt. Hinter den massenmedialen Kulissen brodelt es heftig weiter. Bis auf weiteres. Nach wie vor stehen Schlagworte wie Syriza-Spaltung oder mögliche Neuwahlen im Raum. Und über allem schwebt ja die Forderung des IWF nach einer Restrukturierung des griechischen Staatsschuldenbergs.

Was sagen Familienunternehmer in Deutschland?

In den deutschen Medien werden in Sachen Griechenland gelegentlich noch einige Stimmen aus den Parteien bzw. von einflußreichen Ökonomen wie Prof. Hans-Werner Sinn veröffentlicht. Sehr, sehr selten kommen indes Stimmen aus dem Mittelstand, dem deutschen Steuerlastesel zu Wort. Denn gerade die mittelständischen Familienunternehmer sind es am Ende des Tages, die die Hauptlast der sog. Rettung als Steuerzahler werden schultern und letztlich berappen müssen. Dem ist so. Hoch interessant ist deshalb, was zum Beispiel eine Persönlichkeit wie Lutz Goebel, der Präsident des Verbands DIE FAMILIENUNTERNEHMER (www.familienunternehmer.eu) oder Mario Ohoven, der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (www.bvmw.de ,BVMW) sagen.

Mut zur Wahrheit nötig

Lutz Goebel und Mario Ohoven sind sich in der Beurteilung der Brüsseler-Einigung für Verhandlungen für ein drittes Hilfspaket einig. Herr Goebel meint insofern, dass keiner der Verhandlungspartner den Schwarzen Peter ziehen und der Wahrheit ins Auge blicken wolle. Griechenland sei schlicht insolvent. Für jede Kreditrückzahlung brauche es inzwischen ein neues Hilfspaket. Das sei ein Fass ohne Boden. Jeder Cent, der weiter nach Griechenland fließen würde, sei Insolvenzverschleppung.

Mehr Probleme durch mehr Kredite

Immer mehr Kredite nach Griechenland zu pumpen, verursache nur immer mehr Probleme statt Lösungen. Es bleibe laut Goebel ein Gedankenfehler aller vermeintlichen Euro-Retter. Solange ein Junky weiter neue Drogen zugesteckt bekomme, bleibe jede angebliche Entziehungskur eine Farce. Griechenland müsse seine Unabhängigkeit wieder zurückerlangen, auf eigenen Beinen stehen und das funktioniere nur durch einen Austritt aus der Euro-Zone. Ein Grexit auf Zeit - so wie ihn Wolfgang Schäuble vorschlagen würde- sei daher ein ernstzunehmender Vorschlag.

Geregelter Grexit als Lösung

Herr Ohoven pflichtet bei und betont, dass die Griechenland-Krise nur durch einen geregelten Grexit zu lösen sei. Mit dem dritten Hilfspaket hätten sich die Euroländer lediglich Zeit gekauft. Angesichts eines zu erwartenden Finanzbedarfs Athens von ca. 150 Milliarden Euro bis 2018 laufen ESM-Programm und Privatisierungsfonds von vornherein ins Leere, so Herr Ohoven. Im übrigen hätte er schon vor sechs Jahren für einen Grexit plädiert. Ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro wäre zum damaligen Zeitpunkt ökonomisch machbar und sinnvoll gewesen. Herr Ohoven fordert folglich die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, den Weg für einen Grexit Griechenlands freizumachen, um Schaden von Deutschland abzuwenden. Nur so könne Griechenland langfristig auf den Pfad zu Stabilität und Wachstum zurückfinden.

Kritik an der Finanzierung des dritten Pakets

DIE FAMILIENUNTERNEHMER kritisieren das dritte Hilfspaket für Griechenland insgesamt, vor allem aber die Art und Weise der Finanzierung. So solle der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM dazu verwendet werden. Die Mittel, die im ESM stecken, seien vertraglich begrenzt, um eine mögliche Gefahr für den Euro-Raum als Ganzes abzuwenden, nicht für ein einzelnes Land, so Herr Goebel. Mit dem dritten Hilfspaket kündige sich somit ein weiterer Rechtsbruch an. Mit einer europäischen Rechtsgemeinschaft habe das laut Goebel bald nichts mehr zu tun, wenn andauernd Regeln gebrochen würden.

Verlust an Glaubwürdigkeit als Folge

Die Europäische Union verliere Goebel zufolge dadurch ihre Glaubwürdigkeit - auch gegenüber den eigenen Mitgliedstaaten wie Großbritannien. Wenn der Bundestag mithelfe, Recht zu verbiegen, dann erhöhe er deutlich das Risiko für den Brexit. Die Briten wollen über die europäischen Verträge verhandeln, so Herr Goebel. Wenn die vermeintlichen Euro-Retter jedoch Verträge uminterpretieren oder sogar missachten, statt sie mühsam zu verändern, dann könne sich niemand auf nichts mehr verlassen. Wörtlich warnte er:

"Es wäre der Worst Case für deutsche Interessen, Großbritannien grob fahrlässig aus der EU zu vertreiben, nur um Griechenland wenige weitere Jahre im Euro zu halten."

Und so fällt das Fazit von Goebel sehr ernüchternd aus. Die europäischen Regierungschefs wollen mit weiterem Geld für Griechenland die Idee von Europa stärken. Doch am Ende bewirken sie das genaue Gegenteil davon. Das Vertrauen in die europäische Idee werde weiter sinken je häufiger beide Augen zugedrückt werden und man vom Regelwerk abweichen würde, so Herr Goebel. Das dritte Hilfspaket für Griechenland drohe somit zur Niederlage für Europa zu werden.

Nötig und äußerst wichtig wäre jetzt, dass sich die deutsche Bundesregierung endlich ehrlich mache. Griechenland werde seine Schulden nie und nimmer komplett zurückzahlen können. Und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sollte daher die Kredite als echte Ausgabenposten in seinem Haushaltsplan notieren.

Zweifelsohne, ehrlich und richtig wäre es. Fraglich bleibt aber, ob die Verantwortlichen schon jetzt, vor der Bundestagswahl 2017 den Mut haben werden, den Steuerzahlern die Wahrheit zu sagen...

Wird das dritte Hilfspaket für die Griechen zur Niederlage für Europa?
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen

Copyright © 2009-2017 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany