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Stand: 20.09.2021 von Hannes Zipfel
Für die Finanzmärkte im Allgemeinen und die Edelmetallmärkte im Besonderen stehen in dieser Woche neben wichtigen Inflations- und Konjunkturdaten auch drei richtungsweisende politische Entscheidungen auf der Agenda:
Woche richtungsweisender Entscheidungen
  1. Die Rettung oder Nicht-Rettung des chinesischen Immobiliengiganten Evergrande Group

  2. Die Anhebung oder Nicht-Anhebung des US-Schuldenlimits

  3. Die Festsetzung oder Nicht-Festsetzung eines Taper-Starttermins durch die US-Notenbank

Geballte Ladung

Hatten die Finanzmärkte im Westen, allen voran in den USA, die sich schon länger abzeichnenden Herausforderungen auf den Ebenen der Politik und der Konjunktur bislang gelassen ignoriert, so nimmt die Nervosität nun spürbar zu. Diese Entwicklung birgt das Potenzial, die Vorzeichen an den Edelmetallmärkten für mehr als nur ein paar Tage zu ändern.

Zu der bekannten Kombination aus hartnäckiger Inflation und Wachstumsabkühlung gesellen sich nun lange verschleppte Probleme auf der politischen Ebene.

Der Schlafwagen der Fiskalpolitiker fährt auf dem falschen Gleis und droht nun zu entgleisen.

Opfert Peking zum Mondfest die Evergrande Group?

Das Mondfest (Mittherbstfest) beschert Festlandchina zu Beginn dieser Woche zwei Feiertage, aber keine Ruhe an den Finanzmärkten. Die Lage in Sachen drohender Pleite des Immobiliengiganten Evergrande Group spitzt sich zu, wie die erneuten Kurseinbrüche der Aktien des Unternehmens sowie des gesamten Marktes in Hongkong an diesem Montag verdeutlichen.

Die Regierung in Peking gerät massiv in Zugzwang, einen drohenden Kollaps des mit 304 Mrd. US-Dollar verschuldeten Immobilienentwicklers in den kommenden Tagen zu verhindern. Bereits an diesem Montag sind Zinszahlungen in zweistelliger Millionenhöhe fällig, die das Unternehmen wohl nicht mehr leisten kann. Wird Evergrande insolvent, droht die Krise noch stärker auf die anderen Immobilienentwickler des Landes sowie auf das Banken- und Schattenbankensystem überzugreifen.

In der weiteren Konsequenz wäre ein Platzen der chinesischen Immobilienblase mit wirtschaftlichen Folgen auch für den Westen wahrscheinlich. Gemäß einer aktuellen Studie der Investmentbank Goldman Sachs könnte das bereits stark abgekühlte Wirtschaftswachstum der Volksrepublik in den kommenden Quartalen in eine Kontraktion des Bruttoinlandsproduktes zwischen 1 bis 5 Prozent auf Jahresbasis umkippen.

Davon wäre auch Deutschland hart getroffen.

China ist nach den USA unser zweitgrößter Handelspartner und für zwei Drittel des Exportwachstums verantwortlich. Auf Ebene der Europäischen Union hat China die USA als bedeutendsten Handelspartner bereits abgelöst.

Für die USA ist China ebenfalls der größte Partner im Außenhandel.

Im Jahr 2020 betrug der Anteil Chinas am kaufkraftbereinigten globalen Bruttoinlandsprodukt rund 18,3 Prozent. Über 60 Prozent des globalen Wachstums wurde vom Reich der Mitte beigesteuert. Bleibt Peking auf seiner harten Linie, den Immobilienmarkt mit seinen Exzessen einzubremsen und dazu notfalls auch Evergrande zu opfern, dann dürften die Prognosen von Goldman Sachs in Sachen China-Rezession noch zu optimistisch sein.

Der Immobilienmarkt als wichtigster Kapitalmarkt des Landes steuerte zuletzt 28 Prozent zum BIP im Reich der Mitte bei und war in den vergangenen zwei Jahren der am stärksten wachsende Wirtschaftszweig.

US-Finanzministerin Yellen warnt vor neuer Finanzkrise

Nicht zum ersten Mal, aber wohl aus gutem Grund mahnte die ehemalige US-Notenbankpräsidentin und jetzige Finanzministerin im Kabinett von Joe Biden, Janet Yellen, in der Wochenendausgabe der Washington Post erneut vor dem technischen Staatsbankrott der USA, wenn der Kongress das Schulden-Limit nicht zügig anhebt.

Daraus könne sich eine neue Finanzkrise entwickeln, da ihr Ministerium dann keine neuen Schulden aufnehmen dürfte, um u. a. Zinsen zu bedienen und fällige Schulden zu tilgen. Die Situation könnte sich in dieser Woche weiter zuspitzen, wenn es dem Kongress nicht gelingt, wichtige Haushaltsgesetze zu verabschieden. Die verhärteten Fronten zwischen konservativen und linksliberalen Senatoren sprechen aktuell gegen eine Einigung.

Die Zeichen stehen eher auf Eskalation.

Ab Oktober droht dann Millionen von Staatsangestellten der unbezahlte Zwangsurlaub. Aber auch knapp acht Millionen Transferleistungsempfänger würden vergeblich auf wöchentlich ausbezahlte Zuwendungen des Staats warten. Der Flugverkehr wäre ebenfalls stark beeinträchtigt, ebenso wie Mautstellen, Schulen und Community Colleges.

Ein Teil der US-Wirtschaft würde zum Erliegen kommen.

Tapern oder nicht Tapern?

Als wären die Nerven der Marktteilnehmer nicht ohnehin schon angespannt genug, tagt in dieser Woche auch noch die US-Notenbank Fed. Dabei steht die längst überfällige und seit Monaten vom Markt erwartete Entscheidung an, wann denn die Reduzierung der Anleihekäufe beginnt.

Gemessen an der jährlichen Konsumentenpreisinflation, die seit vier Monaten hartnäckig eine Fünf vor dem Komma ausweist, müssten die "Währungshüter" zügig auf das geldpolitische Bremspedal treten.

Das Zauberwort heißt dabei "Tapern", womit die sukzessive Reduzierung der monatlichen Gelddruckorgie von aktuell 120 Mrd. US-Dollar gemeint ist.

In Anbetracht der globalen Unsicherheiten ist es aber sehr wahrscheinlich, dass die Fed unter ihrem gelddruckfreudigen Präsidenten Jerome Powell auch an diesem Mittwoch um 20:00 Uhr MESZ den von den Märkten erhofften Hinweis zum Beginn des Taperns nicht liefert.

Verweisen wird man offiziell auf die nach wie vor nicht erreichte Vollbeschäftigung. In Wahrheit wissen die Notenbanker in Washington ganz genau um die Sprengkraft der Ankündigung eines konkreten Termins zum Start der Verlangsamung der Liquiditätszufuhr für die Märkte zum jetzigen Zeitpunkt.

Mehr als Verbalakrobatik kann man daher erneut nicht erwarten.

Für die Preisentwicklungen von Gold und Silber wäre diese neuerliche Zurückhaltung in Sachen Tapering positiv.

Explodierende Erzeugerpreise und Ifo-Geschäftsklima

Bereits das ganze Jahr über steigen die Erzeugerpreise in Deutschland an – von Monat zu Monat und gegenüber den Vorjahresmonaten. Für den August meldete das Statistische Bundesamt am Montagmorgen nun mit 12,0 Prozent den höchsten Anstieg der Preise auf Jahresbasis seit dem Jahr 1974.

Damals viel die Preissteigerung in der Spitze nur um 0,4 Prozentpunkte höher aus. Hauptverantwortlich für den Anstieg war laut den Statistikern in Wiesbaden die Teuerung bei der Energie und den Vorleistungsgütern.

Letztere wurden im August wegen anhaltender Lieferschwierigkeiten um 17,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und um 1,4 Prozent im Vergleich zum Juli 2021 teurer. Solange die Input-Preise weiter steigen, dürften auch die Output-Preise nachziehen.

Dies wiederum bekommt der Großhandel in den kommenden Monaten zu spüren und pünktlich zum Weihnachtsfest schließlich auch der Einzelhandel und damit der Endverbraucher.

Zum Wochenausklang veröffentlicht das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München mit dem ifo- Geschäftsklimaindex den wichtigsten ökonomischen Frühindikator für Deutschland.

Erwartet wird für den September ein Stand von 98,9 nach 99,4. Das wäre der dritte Rückgang in Folge und somit per Definition eine Trendwende.

Mit den aktuellen Entwicklungen rückt der Inflations- und Krisenschutz wieder nach oben auf der Prioritätenliste der Anleger. Prädestiniert für diesen Zweck sind seit Jahrtausenden die Geldmetalle Gold und Silber. Die Preiskorrektur der beiden Edelmetalle in den letzten 14 Monate kann sich nun schnell dem Ende zuneigen.

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt in der Kalenderwoche 38 relevant sind:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 12:00 Uhr DE: Monatsbericht der Deutschen Bundesbank (BuBa) zur Konjunktur sowie zur Geldpolitik - -
16:30 Uhr TUR: Staatsschulden im August in Bio. TRY - 2.032,3
Dienstag 14:30 Uhr USA: Baugenehmigungen August in Mio. (annualisiert) 1,60 1,63
22:30 Uhr USA: API-Rohöllagerbestände in Mio. Barrel - -5,44
Mittwoch 5:00 Uhr JP: Zinsentscheidung der Bank of Japan -0,1 % -0,1 %
16:00 Uhr USA: Verkäufe bestehender Häuser in Mio. (annualisiert) 5,89 5,99
20:00 Uhr USA: Zinsentscheidung der Fed 0 - 0,25 % 0 - 0,25 %
20:30 Uhr USA: Pressekonferenz mit Fed-Präsident Jerome Powell (Taper-Starttermin?) - -
Donnerstag 9:30 Uhr DE: Einkaufsmanager-Index Gesamt (Sept.) 59,2 60,0
10:00 Uhr EU: Einkaufsmanager-Index Gesamt (Sept.) 58,5 59,0
EU: Monatsbericht der EZB - -
14:30 Uhr USA: Erstanträge zur Arbeitslosenhilfe 320K 332K
15:45 Uhr USA: Einkaufsmanager-Index Gesamt (Sept.) 58,3 55,4
16:00 Uhr USA: Konjunkturfrühindikatoren (Aug.) 0,7 0,9
Freitag 10:00 Uhr DE: ifo-Geschäftsklimaindex (Sept.) 98,9 99,4
16:00 Uhr USA: Rede des Fed-Präsidenten Jerome Powell zur Geldpolitik - -
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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von Maik Roenneburg | 23.09.2021, 19:10 Antworten

Der Herr Zipfel bringt die Fakten!!! Danke dafür

von Fritzthecat | 21.09.2021, 12:19 Antworten

Richtungsweisende Entscheidungen? Pffff.
Es bleibt, wie es ist. Der Immobilienmarkt wird gestützt und Evergrande ebenso. Der Geldmarktsozialismus wird einmal mehr zum Einsatz kommen. An den Kapitalmärkten wird das natürlich gefeiert.
Anhebung des Schuldenlimits? Auch wie immer: Etwas Theater vorgaukeln und die Sache wird durchgewunken. Auch hier gilt: Im Westen nichts Neues.
Und Tapering: Natürlich werden die Aufkaufprogramme in der oder ähnlicher Weise fortgesetzt, was sonst.
Was bedeutet das für Edelmetalle: Nichts, denn nach den Nachrichten mal etwas rauf oder runter, um dann sich wieder auf das Vortagsniveau einzupendeln, gäääähn......

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