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Stand: 28.02.2022 von Hannes Zipfel
Der Angriff Russlands auf die Ukraine via Blitzkrieg gerät ins Stocken. Sowohl an der militärischen als auch an der Sanktionsfront wird es für die Angreifer deutlich härter, als es sich der russische Oberbefehlshaber Wladimir Putin und seine Berater vermutlich vorgestellt hatten.
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Damit steigt aber auch die Gefahr eines totalen Kriegs inkl. hybrider Kriegsführung und im Falle eines Scheiterns des Angriffs sogar der politische Kollaps an der Spitze der russischen Atommacht mit unabsehbaren Konsequenzen.

Darüber hinaus sind folgende Daten-Termine in der 9. Kalenderwoche beachtenswert:

  • Montag: Start der Friedensgespräche zwischen russischen und ukrainischen Delegationen in Gomel (Belarus) ohne die jeweiligen Staatspräsidenten
  • Dienstag: Rede des US-Präsidenten Biden zum Ukraine-Krieg, Einzelhandelsumsätze Deutschland
  • Mittwoch: Pressekonferenz der OPEC, Arbeitslosenzahlen Deutschland, Verbraucherpreise Eurozone Februar (e: 5,3 % nach 5,1 %), Rohöllagerbestände
  • Donnerstag: EZB-Sitzungsprotokoll, Stellungnahme des Fed-Chefs Jerome Powell vor dem US-Kongress
  • Freitag: US-Arbeitsmarktbericht, Konjunkturbericht „Beige-Book“ der US-Notenbank Fed
(Details und weitere wichtige Termine finden Sie in der Tabelle ganz unten)

Ziele Russlands nach wie vor unklar

Nach rein militärischer Logik wäre eine Ausdehnung der besetzten ostukrainischen Gebiete Luhansk (Donbass-Region) und Donezk bis hin zur Hafenstadt Mariupol noch nachvollziehbar gewesen.

Hier wohnen hautsächlich Russen und es existiert eine starke industrielle Infrastruktur und hohe Rohstoffvorkommen.

Die Region hätte zusammen mit Russland wirtschaftlich autark funktionieren können - immer scharf bewacht von russischen Soldaten an der Grenze zur Ukraine.

Darüber hinaus hätte die russische Armee von der Hafenstadt Mariupol aus einen ca. 80 Kilometer breiten Landkorridor entlang der Küste des Asowschen Meeres bis hin zur im Jahr 2014 annektierten Halbinsel Krim sichern können. Damit wäre die Krim für Russland auf vier Wegen erreichbar gewesen: Zu Land, zu Wasser, in der Luft und über die Krim-Brücke, gebaut über die Straße von Kertsch zur russischen Halbinsel Taman.

Der Versuch, strategisch wichtige Teile der Ukraine mit Großstädten wie Charkiw, Odessa und Kiew einzunehmen und Polizeiaktionen auf dem gesamten Staatsterritorium der Ukraine zu starten, um „Terroristen“ habhaft zu werden, ist auch für eine rein zahlenmäßig und technologisch überlegene Militärmacht mit hohen Risiken verbunden.

Diese Lektion hätte Waldimir Putin in vielen Konflikten der letzten Jahrzehnte lernen können: Fremde Staaten zu überfallen und kurzfristig militärisch einzunehmen ist für einen technologisch und zahlenmäßige überlegenen Angreifer durchaus realisierbar.

Die dauerhafte Kontrolle über einen Staat mit im Fall der Ukraine einer Ausdehnung von über 600.000 km² und einer Bevölkerung von über 40 Mio. Menschen, die in großen Teilen zum Partisanenkampf bereit sind und vom Westen dabei unterstützt werden, ähnelt Russischem Roulette.

Daran ändert auch die stillschweigende Billigung Pekings oder die limitierte militärische Unterstützung Weißrusslands (Belarus) in diesem Konflikt nichts. Der erbitterte Widerstand der Ukrainer, ausgestattet mit westlichen Panzerabwehrwaffen dürfte kaum zu stoppen sein.

Sollte Wladimir Putin darüber hinaus tatsächlich die Expansion der Russischen Föderation zum Zwecke der geografischen Wiederherstellung der untergegangenen Sowjetunion im Sinn haben, dann wird der Weg zurück zu tragfähigen diplomatischen Lösung äußerst schwierig.

Selbst ein Erzwingen des Austritts Estlands, Lettlands oder Litauens aus der NATO ist unrealistisch und wäre das Ende des Militärbündnisses. Ganz zu schweigen von der Wiedereingliederung Polens, Ungarns, Tschechiens, der Slowakei, Georgiens, etc. in den alten Warschauer Pakt.

Aussicht auf Erfolg hätten solche Ziele in keinem denkbaren Szenario.

Eine noch ungeklärte Frage ist auch, ob Putin einen Plan B hat, falls die Einnahme wichtiger Teile der Ukraine inkl. Regimewechsel in Kiew scheitert oder droht dann eine ungeordnete Eskalation? Diese könnte in verschiedenen Stufen aus der Ausdehnung konventioneller militärischer Aktivitäten auf einen hybriden Krieg, geführt von Hackern und Sabotageeinheiten, bis hin zum Einsatz von Nuklearwaffen bestehen.

Neben Nordkorea und China verfügt Russland über eine der schlagkräftigsten Cyber-Armeen der Welt. Deren Ziele könnten kritische Infrastrukturen westlicher Länder und deren Verbündeter sein – auch Banken und Finanzmärkte.

Die Hoffnung liegt nun stark auf der Verhandlungsebene. Friedensgespräche in Belarus könnten für Russland eine Möglichkeit sein, sich gesichtswahrend aus dem Konflikt zurückzuziehen. Andernfalls droht im Falle einer militärischen Niederlage Russlands der Sturz Präsident Putins und somit ein gefährliches Machtvakuum im flächenmäßig größten Land der Welt mit dem zweitgrößten Atomwaffenarsenal, das als Drohkulisse bereits in verstärkte Alarmbereitschaft versetzt wurde.

Im Ernstfall würde wohl Chinas Staatsführung intervenieren.

Der militärisch und vor allem ökonomisch wichtigste Verbündete Russlands hat keinerlei Interesse an einer unkontrollierten globalen Eskalation der Lage.

Dennoch wird auch in dieser Woche der Krieg in der Ukraine noch die Schlagzeilen sowie die Preisbildung an den Finanzmärkten und natürlich auch bei den Edelmetallen stark bestimmen. Die Unsicherheit, was als Nächstes geschieht, bleibt ungewöhnlich hoch.

Gold als sicherer Hafen ist eine sinnvolle Option, sich gegen rational unkalkulierbare Risiken finanziell abzusichern.

Ergänzend und zur Orientierung sind in der folgende Tabelle Daten-Termine für die KW 9 aufgeführt:

Wochentag Zeit (MEZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 16:50 Uhr EU-19: EZB-Präsidentin Lagarde äußert sich zur ökonomischen Lage und den Risiken des Krieges in der Ukraine - 0,0 %
Dienstag 2:30 Uhr CN: Einkaufsmanager-Index Verarbeitendes Gewerbe (Feb.) 49,9 50,1
Dienstag 8:00 Uhr DE: Einzelhandelsumsatz Deutschland (Jan. | Jahr) - 0,0 %
Dienstag 16:00 Uhr USA: ISM Einkaufsmanager-Index Verarbeitendes Gewerbe 58,0 57,6
Dienstag - USA: Rede US-Präsident Biden zum Ukraine-Krieg - -
Mittwoch 9:55 Uhr DE: Veränderung der Arbeitslosigkeit (Feb. | ohne Kurzarbeiter) -23k -48
Mittwoch 9:55 Uhr DE: Arbeitslosenquote (Feb.) 5,1 5,1
Mittwoch 11:00 Uhr USA: Pressekonferenz der OPEC - -
Mittwoch 14:15 Uhr USA: ADP Private Stellenschaffungen (Feb.) 350k -301k
Mittwoch 16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel - 4,515
Donnerstag 9:55 Uhr DE: Einkaufsmanager-Gesamtindex (Feb.) 56,2 56,2
Donnerstag 13:30 Uhr EU-19: EZB-Sitzungsprotokoll vom 3. Februar 2022 - -
Donnerstag 14:30 Uhr USA. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Vorwoche) 226k 232k
Donnerstag 16:00 Uhr USA: Stellungnahme des Fed-Chefs Jerome Powell vor dem US-Kongress - -
Freitag 14:30 Uhr USA: Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft (Feb.) 450k 467k
Freitag 14:30 Uhr USA: Durchschnittliche Stundenlöhne (Feb. | Jahr) 5,7 % 5,8 %
Freitag offen USA: Gesamte Fahrzeugverkäufe in Mio. - 15,4
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Meteora | 01.03.2022, 01:25 Antworten

Es wird ja schon mit dem Einspannen von Dinosauriern (ISS) gegen Staaten gepokert.
Das lässt auf StarWars schließen, es gab ja kürzlich Abschüsse im All.
Wer beim Pokern verliert geht nicht selten "All" in.

von Bruno | 01.03.2022, 18:30 Antworten

Schuster bleib bei deinen Leisten:
Ich vertrete die Ansicht, dass man auf einer Plattform wie Gold.de gern auf Finanzpolitische Themen hinweisen kann, sich allerdings bei derart heiklen Themen besser auf geprüfte Fakten und nicht auf Spekulation und Propaganda berufen- oder besser ganz die Finger davon lassen sollte.
Um weiterhin seriös zu erscheinen sollte man also besser bei Themen bleiben, von denen man wirklich etwas versteht und bei denen Fakten nicht mit Meinungen verwechselt werden können.

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von ptolemeusch | 03.03.2022, 11:24 Antworten

Die Situation würde sich sofort ändern, wenn die Chinesen "das Bedürfnis verspürten, das Land nach Norden auszudehnen".

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