Gold: 1.751,02 € -0,33 %
Silber: 19,94 € -1,85 %
Stand: 07.03.2022 von Hannes Zipfel
„Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert; und Wochen, in denen Jahrzehnte passieren.“ Diese Worte stammen mutmaßlich von dem russischen Revolutionär Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin). Bereits zum Wochenauftakt überschlagen sich die Ereignisse und es ist völlig ungewiss, wie die Welt in sieben Tagen aussieht.
Wochenausblick: Eine Jahrhundert-Woche steht bevor

Folgende wichtige Termine stehen für die Kalenderwoche 10 gleichwohl bereits fest:

  • Montag: Sentix-Konjunkturindex März für die Eurozone (akt.: -7 | Feb.: 16,6)
  • Dienstag: Industrieproduktion Deutschland, API-Rohöl-Lagerbestände
  • Mittwoch: WASDE-Bericht zur weltweiten Situation am Agrargütermarkt
  • Donnerstag: Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB), Verbraucherpreisinflation USA für Februar (e: 7,9 % | Jan.: 7,5 %), russisch-ukrainisches Treffen in der Türkei
  • Freitag: Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU (Themen u. a.: weitere Sanktionen gegen Russland und Ukraine-Hilfen)
  • (Details und ergänzende Termine finden Sie in der Tabelle ganz unten)

    Gold in Euro und Palladium so teuer wie nie zuvor

    Die geopolitischen Ereignisse überschlagen sich und die Edelmetallpreise reagieren mit deutlichen Anstiegen: Der Palladiumpreis verteuert sich zum Wochenauftakt zwischenzeitlich prozentual zweistellig auf einen Rekordpreis von in der Spitze 3.433 US-Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm).

    Der Goldpreis übersprang kurzzeitig am Spot-Markt die psychologisch relevante Marke von 2.000 US-Dollar pro Feinunze und markierte am Montagmittag in der Gemeinschaftswährung ein neues Gold Allzeithoch bei 1.851 Euro pro Feinunze.

    Bei den Edelmetallhändlern dünnt sich das Produktangebot wegen der abrupt gestiegenen Nachfrage nach physischem Metall bereits aus und die Aufgelder speziell auf Goldmünzen und Barren beginnen zu steigen.

    Generell schwanken die Preise für alle Edelmetalle aktuell sehr stark, was die Händler auch dazu bewegt, die Spreads zwischen An- und Verkaufskursen der Edelmetallprodukte deutlich auszuweiten.

    Entwicklung seit Jahresbeginn: Palladium, Platin, Silber, Gold

    Die extreme Preisbewegung bei Palladium erklärt sich durch die Dominanz Russlands bei der Palladiumproduktion und der Tatsache, dass das teure Metall per Luftfracht aus Russland heraus exportiert wird, was momentan schlicht unmöglich ist.

    Anteil der Palladium-Produktion nach Ländern

    Eine gefährliche Spirale hat sich in Gang gesetzt

    Auch andere Rohstoff- und Güterpreise verteuern sich aktuell sehr dynamisch, nachdem sie bereits im Zuge der Corona-Krise deutlich angestiegen waren. Das gilt neben den Metallen vor allem für die fossilen Energieträger und die Nahrungsmittel. Die Preise für Weizen haben sich seit Jahresbeginn um 50 Prozent verteuert – in den letzten zwei Jahren sogar um 120 Prozent. Die Kosten für Düngemittel haben sich in den letzten 12 Monaten verzweieinhalbfacht (Spot-Preise für Kalkammonsalpeter).

    Da die Ukraine als „Kornkammer der Welt“ gilt und viele Entwicklungsländer von Getreideimporten abhängig sind, drohen Hungerkatastrophen. In Deutschland muss ebenfalls mit einer drastischen Verteuerung der Lebensmittelpreise gerechnet werden. Weizenmehl kommt in sehr vielen verschiedenen Nahrungsmitteln vor.

    Durch ein drohendes US-Embargo gegen russisches Öl könnte nun die nächste Eskalationsstufe bei der Preisentwicklung der fossilen Energieträger stattfinden. Am Montagmorgen stieg der europäische Gaspreis (TTF) zwischenzeitlich um über 60 Prozent an und europäisches Rohöl der Marke Brent-Crude verteuerte sich in der Spitze auf 140 US-Dollar pro Fass (159 Liter). Das entsprach einem Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um genau 100 Prozent.

    Nun steckt die Europäische Zentralbank (EZB), die an diesem Donnerstag turnusmäßig tagt, in der Zwickmühle. Aus konjunkturellen Gründen sind ihr in Sachen Inflationsbekämpfung die Hände gebunden. Eine Rezession ist kaum noch abzuwenden. Eine Verteuerung der Kreditkosten durch Zinserhöhungen kommt daher aktuell nicht in Frage. Gleichzeitig liegt die Inflationsrate (VPI) in der Eurozone mit 5,8 Prozent deutlich über der Zielmarke der EZB von lediglich 2,0 Prozent.

    Dabei sind in den aktuellen Teuerungsdaten aus dem Februar die Effekte des Russland-Ukraine-Krieges noch gar nicht berücksichtigt. Temporär zweistellige Inflationsraten sind in diesem Jahr sowohl in der Eurozone als auch in Deutschland möglich. Damit würden die Realzinsen auf ein nie zuvor gekanntes Negativniveau absinken. Nicht nur der Leitzins der EZB liegt aktuell bei null Prozent: Die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen liegt mit -0,012 Prozent p. a. sogar leicht unter der Nulllinie.

    In einem Umfeld negativer Realzinsen fällt der Anlagenachteil der Zinslosigkeit von Edelmetallen gegenüber Festgeld und Staatsanleihen als konkurrierenden „sicheren“ Anlagen weg. Demgegenüber steht der innere Wert von Gold & Co. im Kontrast zum beliebig vermehrbaren Fiat-Geld, das im Falle des Euro ebenfalls unverzinst ist und vorerst wohl auch bleiben wird.

    Denn die EZB will nach eigenem Bekunden die erste Zinsanhebung seit elf Jahren nun auf das vierte Quartal 2022 vertagen. Die Inflation könnte somit durch Zweitrundeneffekte (Lohn-Preis-Spirale) bei anhaltenden Sanktionen, Materialmangel und gestörten Lieferketten in den nächsten Monaten völlig außer Kontrolle geraten.

    Hoffnungen auf Verhandlungen

    Einzig und allein die Hoffnung auf eine baldige Verhandlungslösung im Russland-Ukraine-Konflikt könnte die Inflationsdynamik bremsen. Für Donnerstag dieser Woche sind Gespräche zwischen dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba in der Türkei in Antalya geplant. Bereits an diesem Montagnachmittag treffen sich erneut Delegationen der beiden Kriegsparteien in Belarus.

    Der Kreml Sprecher Dmitri Peskow stellt einen sofortigen Waffenstillstand in Aussicht, sobald folgende drei Bedingungen erfüllt sind:

    • 1. Die Ukraine muss ihre Verfassung ändern und darf keinem Block (NATO, EU) angehören
    • 2. Donetsk und Lugansk müssen "unabhängige" Staaten werden
    • 3. Die Krim muss russisch bleiben

    Diese Forderungen sind für die ukrainische Seite zwar nach wie vor unannehmbar, stellen aber bereits eine Abschwächung früherer Forderungskataloge aus dem Kreml dar.

    Zudem steigt mit jedem Kriegstag der Druck auf Präsident Wladimir Putin aus dem In- und Ausland und damit die Chance auf eine zunehmende Kompromissbereitschaft und Frieden.

    Ergänzend und zur Orientierung sind in der folgende Tabelle Daten-Termine für die KW 9 aufgeführt:

    Wochentag Zeit (MEZ) Datenart Prognose Vorherig
    Montag 16:50 Uhr EU-19: Sentix-Konjunkturindex Februar -7 16,6
    Montag 21:00 Uhr USA: Verbraucherkredite (Jan.) in Mrd. US$ 23,8 18,9
    Dienstag 8:00 Uhr DE: Industrieproduktion Januar (Monat) 0,5 % -0,3 %
    Dienstag 14:30 Uhr USA: Handelsbilanz Januar in Mrd. US$ -87,1 -80,7
    Dienstag 22:30 Uhr USA: API-Rohöllagerbestände in Mio. Barrel - -6,1
    Mittwoch 2:30 Uhr CN: Erzeugerpreisindex China Feb. (Jahr) 9,1 % 8,7 %
    Mittwoch 16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel (Cushing) - -2,597
    Mittwoch 18:00 Uhr USA: WASDE-Bericht über weltweites Angebot und Nachfrage in der Landwirtschaft - -
    Donnerstag 13:45 Uhr EU: Ergebnis der geldpolitischen Sitzung der EZB (Begleittext) - -
    Donnerstag 14:30 Uhr EU: EZB-Pressekonferenz - -
    Donnerstag 14:30 Uhr USA: Verbraucherpreisindex Feb. (Jahr) 7,9 % 7,5 %
    Donnerstag 14:30 Uhr USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Vorwoche) 216k 215k
    Freitag 12:00 Uhr EU: Treffen der Staats- und Regierungschefs - -
    Freitag 16:00 Uhr USA: Universität Michigan – nationaler Verbrauchervertrauens-Index März 61,3 62,8

    Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com

    Autor: Hannes Zipfel
    Ökonom
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