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Stand: 08.03.2021 von Hannes Zipfel
In dieser Woche steht die zweite Notenbanksitzung der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr auf der Agenda. Mit Spannung warten die Marktteilnehmer auf mögliche geldpolitische Schritte oder zumindest klare verbale Hinweise darauf. Bereits im Vorfeld des Treffens des EZB-Rates am kommenden Donnerstag hatten sich hochrangige Vertreter der EZB klar für Interventionen am Anleihemarkt zur Drückung der zuletzt gestiegenen Kapitalmarktzinsen ausgesprochen.
Wochenausblick: Schreitet die EZB zur Tat?

EZB unter Zugzwang

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird am 11. März über ihr weiteres geldpolitisches Vorgehen beraten. Anhand des ökonomischen Datenkranzes für die Eurozone lässt sich schon jetzt prognostizieren, dass die EZB im extremen Lockerungsmodus verbleiben muss, da die konjunkturelle Erholung im Euroraum langsamer verläuft als in anderen Regionen der Welt und die EZB Rücksicht auf hoch verschuldete Staaten wie Griechenland, Portugal, Italien und Frankreich nehmen muss.

Darüber hinaus droht dem südeuropäischen Bankensystem ohne Daueralimentierung durch die Notenpresse wegen fauler Kredite in dreistelliger Milliardenhöhe der Kollaps. Daher müssen die Geldpolitiker in der Sonnemannstraße am Frankfurter Mainufer ihre Anleihekäufe sehr wahrscheinlich nochmals ausweiten, um den steigenden Kapitalmarktzinsen entgegenzuwirken und die lockeren Finanzierungsbedingungen in der Eurozone aufrecht zu erhalten.

Staatsverschuldung in Prozent des BIP 2020

Jüngst hatten bereits die Bank of Japan (BOJ) und die Reserve Bank of Australia (RBA) Schritte unternommen, um die Kapitalmarktzinsen speziell am längeren Laufzeitende der Staatsanleihen nach unten zu manipulieren.

Nach wiederholten klaren verbalen Signalen u. a. von der EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dem EZB-Chefvolkswirt Philip Lane sowie der deutschen EZB-Direktorin Isabel Schnabel in Richtung Handlungsbedarf bei weiter steigenden Zinsen erwarten die Marktteilnehmer zumindest eine Ankündigung konkreter Maßnahmen. Isabel Schnabel ist zuständig für die sogenannten Offenmarktoperationen der EZB und damit für die operative Umsetzung der Wertpapierkaufprogramme.

Im Rahmen des bereits Anfang Dezember 2020 aufgestockten Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) kauft die EZB bis Ultimo März 2022 im Volumen von 1,85 Billionen Euro Anleihen von Staaten, Banken und Unternehmen auf. Dabei werden entgegen früherer Bekundungen nun auch Anleihen Griechenlands und Schuldpapiere von Unternehmen und Banken mit schlechter Bonität erworben.

Schnabel und Lane wiesen unabhängig voneinander darauf hin, dass sowohl das Volumen als auch die Laufzeit des Anleihekaufprogramms jederzeit und in notwendiger Höhe ausgeweitet werden könne.

Für die Preise der monetären Edelmetalle Gold und Silber ist die Entwicklung der Geldmenge sowie die Verschlechterung der Notenbankbilanzen durch den massenhaften Aufkauf perspektivisch uneinbringlicher Forderungen ein wesentliches Kaufargument. In dem Maße, wie sich die Geldmenge überproportional zum Wirtschaftswachstum ausweitet und sich gleichzeitig die Aktiva auf den Bilanzen der Notenbanken als Herausgeber der Fiat-Währungen verschlechtern, in dem Maße gewinnen knappe und intrinsisch werthaltige Alternativwährungen an Attraktivität.

Weitere wichtige Termine in dieser Woche

Bereits in der Nacht zum Samstag, den 6. März, hatte die zweite Kammer des US-Kongresses (Senat) das neue 1,9 Billionen US-Dollar schwere Wirtschaftshilfspaket mit 50 zu 49 Stimmen verabschiedet.

Die Finanzierung der Finanzhilfen für Bürger, Unternehmen, Kommunen sowie Gesundheits- und Bildungseinrichtungen erfolgt zu 100 Prozent aus Neuverschuldung. Aktuell liegt die Verschuldung der US-Regierung, der Bundesstaaten und der Kommunen bei zusammen 145,2 Prozent des US-BIP (Total Debt). Die Gesamtverschuldung erreicht mit 82,61 Billionen US-Dollar (privat und öffentlich) sogar 393 Prozent des US-BIP.

Damit ist auch in den USA jeder weitere Prozentpunkt Zinsanstieg an den Kapitalmärkten äußerst schmerzhaft. Schon jetzt beläuft sich die Zinslast aller US-Verbindlichkeiten auf 3,85 Billionen US-Dollar pro Jahr. Das entspricht 18,3 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung (Datenquellen: US Census, CBO, BEA, OMB).

Da diese Zinsen nicht mehr erwirtschaftbar sind, muss die Neuverschuldung permanent ausgeweitet werden. Das Bezahlen von Zinsen aus neuen Krediten ist gleichwohl ein klares Anzeichen von Überschuldung und mündet erfahrungsgemäß in einem exponentiellen Schuldenanstieg.

Montag, 08.03.

Heute früh wurden bereits Daten zur deutschen Industrieproduktion von Destatis gemeldet. Entgegen den Erwartungen stieg die Produktion im Januar ggü. dem Vormonat nicht um 0,2 Prozent an, sondern sank um 2,5 Prozent.

Positiv fiel der von Sentix veröffentlichte Konjunkturindex für den Monat März mit +5 Punkten aus. Im Vormonat notierte der Stimmungsindex noch mit 0,2 Punkten im Minus.

Der Sentix Konjunkturindex gilt als bedeutender Vorlaufindikator für die konjunkturelle Entwicklung in der Euro-Zone. Bei der monatlichen Umfrage werden mehr als 4.000 private und institutionelle Anleger zu ihrer Einschätzung der konjunkturellen Lage und ihren Konjunkturerwartungen auf Sicht der nächsten sechs Monate befragt.

Dienstag, 09.03.

Um 8:00 Uhr veröffentlicht das Statistische Bundesamt in Wiesbaden die wichtigen Außenhandelsdaten für Deutschland. In der Handelsbilanz wird für den Januar 2021 ein Überschuss in Höhe von 16,4 Milliarden Euro erwartet, nach 16,1 Mrd. EUR im Vormonat.

Gegenüber dem Tiefststand vom April 2020 würde der Anstieg von damals 3,4 Mrd. EUR auf die jetzt prognostizierten 16,4 Mrd. EUR eine knappe Verfünffachung bedeuten und die dynamische Erholung des deutschen Außenhandels bestätigen.

Um 11:00 Uhr gibt die Statistikbehörde Eurostat die endgültigen Zahlen zum BIP-Wachstum der Eurozone für das vierte Quartal 2020 bekannt. Analysten rechnen mit einem Rückgang in Höhe von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal (erste Schätzung: -5,1 Prozent).

Für 22:30 Uhr MEZ stehen die aktuellen Daten zu den zuletzt deutlich gestiegenen API-Öllagerbeständen für die USA zur Veröffentlichung an.

Mittwoch, 10.03.

Um 13:00 Uhr MEZ wird der Index für den US-Hypothekenmarkt von der Mortgage Bankers Association (MBA) Aufschluss über die Auswirkungen der gestiegenen Zinsen auf das Hypothekengeschäft geben.

Gegen 14:30 Uhr MEZ veröffentlicht das U.S. Bureau of Labor Statistics den Anstieg der US-Verbraucherpreise im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat. Nach 1,4 Prozent Teuerungsrate wird mit einem Anstieg auf 1,7 Prozent gerechnet.

Um 19:00 Uhr MEZ erfolgt durch das US-Finanzministerium die Versteigerung zehnjähriger US-Treasuries in zwei Tranchen. Zuletzt war die Nachfrage nach langlaufenden US-Staatspapieren ungewöhnlich schwach, was zu signifikanten Rückgängen bei den Anleihekursen und vice versa dynamischen Zins- bzw. Renditeanstiegen am Kapitalmarkt führte.

Donnerstag, 11.03.

Nach der Tagung der EZB werden um 13:45 Uhr die Ergebnisse der Sitzung bekannt gegeben.

Um 14:30 folgt dann die Pressekonferenz, bei der die EZB-Chefin Christine Lagarde den akkreditierten Journalisten Frage und Antwort stehen wird.

Freitag, 12.03.

Um 8:00 Uhr erfahren auch die Deutschen, wie stark die Konsumententeuerung im Jahresvergleich ausgefallen ist. Analystenschätzungen gehen im Konsens von einem Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im Februar gegenüber Vorjahresmonat in Höhe von 1,6 Prozent aus.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"