Gold: 1.734,53 € +0,24 %
Silber: 19,88 € +0,39 %
Stand: 20.06.2022 von Hannes Zipfel
Man hätte denken können, dass die Preissteigerungen bei den Erzeugern von Gütern und Dienstleistungen in Deutschland nicht mehr zu toppen sind. Die aktuellen Zahlen belehren jedoch eines Besseren. Für eine Entwarnung in Sachen Inflation ist es daher noch zu früh. Zu diesem Thema werden sich auch die wichtigsten Geldpolitiker der Welt in dieser Woche mehrfach äußern.
Schwindelerregende Erzeugerpreise und Notenbanker unter Druck

Für Edelmetalle kursrelevante Datentermine in der Börsenwoche 25:

  • Montag: Erzeugerpreise Deutschland für Mai auf Jahresbasis (akt.: 33,6 % | Apr.: 33,5 %)
  • Dienstag: Verkäufe bestehender Häuser USA für Mai in Mio. (e: 5,39 | Apr. 5,61)
  • Mittwoch: US-Index für den Hypothekenmarkt, US-Notenbankchef Jerome Powell nimmt Stellung vor dem US-Senat (Financial Services Committee) mit anschließender Fragerunde
  • Donnerstag: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Deutschland für Juni (e: 54,0 | Mai: 54,8), US-Notenbankchef Jerome Powell nimmt Stellung vor dem Repräsentantenhaus mit anschließender Fragerunde, US-Rohöllagerbestände
  • Freitag: ifo-Geschäftsklima-Index für Juni (e: 92,9 | Mai: 93,0)

Erzeugerpreisanstieg nochmals getoppt

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte waren im Mai 2022 um 33,6 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Das ist eine nochmalige Steigerung gegenüber April mit ebenfalls schwindelerregenden 33,5 Prozent.

Im März 2022 waren es 30,9 Prozent.

Der Mai-Wert markiert den höchsten Anstieg gegenüber einem Vorjahresmonat seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1949.

Allein im Vergleich zum Vormonat stiegen die Kosten für die Erzeuger im Mai um 1,6 Prozent an, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilt.

Diese monatliche Teuerungsrate entsprach noch vor dem Ausbruch der Corona-Krise und dem Einsatz der geldpolitischen Super-Bazooka (extrem laxe Geldpolitik) der gesamten Jahres-Inflation im März 2018 von damals 1,8 Prozent. Bereits vor der Corona-Krise begann die US-Notenbank Anfang 2019 ihre Geldpolitik extrem zu lockern.

Ab März 2020 folgte dann zur Stabilisierung der Konjunktur eine seit dem Zweiten Weltkrieg beispiellose Gelddruckorgie weltweit, mit deren Folgen die globale Wirtschaft nun konfrontiert ist. Die Krisen-Medizin zeigt jetzt ihre unangenehmen Nebenwirkungen und wird durch den Krieg in der Ukraine und die nach wie vor gestörten Lieferketten zusätzlich verstärkt.

Und so verzeichnen seit Dezember 2021 die gewerblichen Erzeugerpreise jeden Monat neue Rekordanstiege im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat.

Erzeugerpreisanstieg in BRD im Mai 2022

Vorleistungsgüter, also z. B. Metalle, Holz, Papier sowie elektronische Bauelemente kosteten 25,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Hauptreiber der Kostenexplosion waren aber erneut die Energiepreise mit einem Anstieg um 87,1 Prozent. Den größten Einfluss hatten dabei die Preise für Erdgas mit einem Plus gegenüber Mai 2021 von 148,1 Prozent. Kraftwerke zahlten 241,2 Prozent mehr und Abnehmer aus der Industrie 210,7 Prozent. Für Gas-Versorger (Wiederverkäufer) stiegen die Kosten im Mai um 168,3 Prozent.

Aber auch die Preise für elektrischen Strom explodierten: im Mai 2022 um 90,4 Prozent gegenüber Mai 2021 und um 4 Prozent gegenüber dem Monat April 2022.

Für Weiterverteiler (Stromversorger) stiegen die Kosten sogar um 165,2 Prozent auf Jahresbasis an.

Mineralölerzeugnisse wie Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin stiegen im Jahresvergleich um 55,8 Prozent und waren damit nochmals 2,5 Prozent teurer als im April. Die Benzinpreise erhöhten sich im Vergleich zum April 2022 sogar um 6,5 Prozent.

Ohne Berücksichtigung von Energie stiegen die Erzeugerpreise um 16,5 Prozent an (siehe Grafik oben). Im Monatsvergleich zum April sind das 1,2 Prozent. Damit sind auch hier die monatlichen Teuerungsraten auf Niveaus angelangt, die lange Zeit als Gesamtjahresinflation von den Statistikern gemessen wurden.

Infobox Erzeugerpreisindex

Der Erzeugerpreisindex (EPI) misst Preisveränderungen der in Deutschland erzeugten und im Inland verkauften Produkte und Dienstleistungen. Der EPI ist ein Output-Index - er misst also die Preisänderungen aus der Sicht des Verkäufers. Die Preise, die in einer Periode erhoben werden, sollten die Bestellungen während dieser Periode widerspiegeln und nicht die Preise zu dem Zeitpunkt, zu dem die Ware die Fabrik verlässt. Man spricht deshalb auch von den Preisen „ab Werktor“.

Äußerst schwierige Gemengelage für Notenbanker

Aus Sicht der Goldanleger werden in dieser Woche erneut Äußerungen von Zentral- und Notenbankern sehr interessant. Man darf gespannt sein, wie diese versuchen werden, die Stimmung trotz extrem vertrackter ökonomischer, pandemischer und geopolitischer Gemengelage verbal aufzuhellen.

Die Kombination aus dynamisch steigenden Preisen und drohender Rezession sind das Schlimmste, was einer Notenbank passieren kann. Soll sie Geld drucken für Stimulusprogramme gegen den Konjunkturabschwung und die Pleite von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten oder Geld aus dem System absaugen und Kredite verteuern?

Aber ohne billige Kredite kann die hoch verschuldete Weltwirtschaft nicht mehr wachsen.

In Europa hat man den Ernst der Lage bereits erkannt, auch weil der Krieg in der Ukraine und dessen Auswirkungen geografisch und ökonomisch sehr nahe sind.

Sichtbar wird dies nicht nur an dem hohen Aufkommen an Gold-Münz- und Barrenkäufen als „Sicherer Hafen“-Investment, sondern auch an dem Zufluss von Gold in die ETFs (Börsengehandelte Edelmetallfonds). Diese Zuflüsse in Tonnen zeigen klare Unterschiede zwischen der Lageeinschätzung diesseits und jenseits des Atlantiks:

Gold-Etfs: Nachfrage Nordamerika vs. Europa

Das Vertrauen der Europäer in die EZB und ihre Führung ist bereits stark angeschlagen und die Nachfrage nach dem „Sicheren Hafen“ Gold dementsprechend hoch.

Aber auch aus Renditesicht macht Gold für Bürger der Eurozone Sinn, da die Gemeinschaftswährung seit dem Beginn der Schuldenkrise und der darauffolgenden extrem expansiven Geldpolitik der EZB seit 2012 chronisch zur Schwäche neigt.

Wertentwicklung in Euro seit Jahresbeginn 2022

Allein in dieser Woche sind 12 öffentliche Auftritte von EZB-Ratsmitgliedern und Bundesbankern angekündigt, darunter drei öffentliche Reden der EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Ob es jedoch gelingt, nach dem Notfall-Meeting der Europäischen Zentralbank in der letzten Woche zur Rettung des italienischen Anleihemarktes verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen, bleibt fraglich.

Denn eine Lösung des Schuldendilemmas gibt es aktuell nicht. Und so wird die Goldnachfrage in Europa weiter anwachsen, ebenso wie die Skepsis gegenüber den Geldpolitikern, deren Prognosequalität in Sachen Inflation, Konjunktur, Stabilität der Eurozone und Schuldenkrise bislang suboptimal war.

Weitere wichtige Daten in dieser Woche

Neben Frau Lagarde wird sich auch der wohl wichtigste Notenbankpräsident der Welt, der Chef der US-Fed Jerome Powell, am Mittwoch und Donnerstag vor dem Kongress der USA für die aktuelle Geldpolitik rechtfertigen.

In den USA glaubt man noch, dass es den verantwortlichen Fiskal- und Geldpolitikern gelingt, den Spagat zwischen Inflation und Rezession zu schaffen.

Sollte dieser Glaube in den nächsten Monaten abnehmen, dürften spiegelbildlich dazu, wie bereits in Europa, die Anlagen in Goldmünzen, Goldbarren und Gold-ETFs stark zunehmen.

Deutschen Anlegern werden am Donnerstag noch anhand der Einkaufsmanager-Indizes die Stimmungsindikatoren für das Verarbeitende Gewerbe sowie den Dienstleistungssektor Hinweise zur konjunkturellen Entwicklung liefern. Das bedeutendste Stimmungsbarometer für die Wirtschaft hierzulande wird mit dem ifo-Geschäftsklima-Index am Freitag um 10:00 Uhr veröffentlicht.

Es wird mit einer leichten Eintrübung von 93 auf 92,9 Punkte gerechnet.

Am Montag findet in den USA feiertagsbedingt kein Handel statt. Die Amerikaner feiern den „Juneteenth“-Day erst seit letztem Jahr.

Weitere wichtige Termine und Prognosen finden Sie hier.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Erb und Schenk | 27.06.2022, 12:23 Antworten

Prüfen Sie Ihren Besitz. Die Bewertungen von Gutachtern und Ämtern liegen meilenweit auseinander. Haben Sie etwas zu verschenken oder zu vererben? Stolpern Sie nicht über die Steuer. Dann noch ein unerwarteter Strassenbaubeitrag und weitere Grundsteuer-/ Versicherungs-/ Heizkostenerhöhung und der Ofen ist schnell aus.

von Strela | 21.06.2022, 10:36 Antworten

Berlin, ick hör' Dir die Miete erhöhn... Wenigstens könnten die Steuern etwas gesenkt werden, bei so hohen Preisständen. Ob das mit den hochdotierten Geschenken an alle Welt vereinbar ist bleibt auszurechnen.

Copyright © 2009-2022 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inkl. MwSt. (mit Ausnahme von Anlagegold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.