Gold: 1.724,19 € -0,67 %
Silber: 20,45 € -0,69 %
Stand: 17.01.2022 von Hannes Zipfel
Widersprüchliche Signale von den großen Notenbanken und die nach wie vor anhaltendenden wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Pandemie halten das Anlagerisiko an den Finanzmärkten hoch. Dazu kommen unkalkulierbare geopolitische Entwicklungen, die wiederum die Energiepreise als wesentlicher Impulsgeber für die Inflationsrate beeinflussen.
Wochenausblick: Unsicherheit bleibt hoch

Vor allem das gespannte Verhältnis zwischen Russland und der NATO wird durch den Besuch der deutschen Außenministerin in Kiew und Moskau zu Beginn dieser Woche kursrelevant für die Rohstoffmärkte.

Gold als Absicherung auch vor geopolitischen Risiken könnte von der unsicheren Gemengelage profitieren. Folgende Termine sind darüber hinaus besonders beachtenswert:

  • Montag: Zinssenkung der Zentralbank Chinas (PBoC) nach schwachen Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)
  • Dienstag: ZEW-Index Konjunkturerwartungen Deutschland für Januar (e: 32,0 | Dez.: 29,9)
  • Mittwoch: Verbraucherpreisinflation Deutschland (HVPI) für Dezember gegenüber Vorjahresmonat (vorl.: 5,7 % | endg.: 5,7 %)
  • Donnerstag: Erzeugerpreisinflation Deutschland (EPI) für Dezember gegenüber Vorjahresmonat (e: 19,4 % | Nov.: 19,2 %)
  • Freitag: Terminmarktdaten (CoT-Daten) der Comex für Gold und Silber (21:30 Uhr MEZ)

(Weitere wichtige Termine siehe Tabelle unten)

Paradigmenwechsel im Reich der Mitte

Wegen der in den USA verkürzten Handelswoche stehen nur relativ wenige US-Konjunkturdaten auf der Agenda. Am heutigen Montag bleiben alle US-Börsen am Martin Luther King Day geschlossen. Daher lenken die Märkte ihren Fokus auf wichtige Daten aus Ostasien.

Heute Morgen hat das nationale Statistikbüro Chinas schwache Daten zum Bruttoinlandprodukt (BIP) veröffentlicht: Im Abschluss-Quartal 2021 erreichte das Wachstum auf das Gesamtjahr hochgerechnete nur noch 4,0 Prozent. Die ebenfalls veröffentlichten Einzelhandelsumsätze für Dezember zeigten einen sehr niedrigen Wert von lediglich 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Normalerweise ist dieser Wert im Jahresvergleich zweistellig.

Damit befindet sich die Wachstumsdynamik Chinas insgesamt bereits wieder unter dem Niveau von vor dem Ausbruch der Corona-Krise. Abgesehen von der Pandemie war die ökonomische Expansion des Riesenreiches gemäß den Daten der Weltbank zuletzt vor 30 Jahren so schwach wie heute.

Für die wirtschaftliche Abkühlung gibt es sechs wesentliche Gründe, die einen ökonomischen Paradigmenwechsel mit krisenhaften Begleiterscheinungen einleiten könnten:

  1. Abkühlung des seit über einem Jahrzehnt überhitzten Immobilienmarktes
  2. De-Globalisierung wegen steigender Produktionskosten und anfälliger Lieferketten
  3. Verlust ökonomischer Freiheiten durch zunehmenden politischen Dirigismus
  4. Extrem hohe Gesamtverschuldung (privat plus öffentlich)
  5. Alterung der Bevölkerung (Demografie)
  6. Pandemiebedingte Einschränkungen

In Reaktion auf die schwachen Wirtschaftsdaten und zur Stabilisierung des Immobilienmarktes senkte die Zentralbank Chinas auf Anweisung der Regierung in Peking heute Morgen den Hauptrefinanzierungssatz (Zinssatz für einjährige Refinanzierungsgeschäfte für Banken) um 10 Basispunkte auf 2,85 Prozent. Darüber hinaus gab die Zentralbank zusätzliche Liquidität in das chinesische Banken- und Finanzsystem und ließ sich weitere Maßnahmen, auch Zinssenkungen, offen.

Am Beispiel der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, die zuletzt 18,2 Prozent zur globalen Wirtschaftsleistung beisteuerte, wird eine für die Edelmetalle wesentliche Entwicklung, die mit hoher Verschuldung und außer Kontrolle geratenen Spekulationsblasen einhergeht, sichtbar: Es gibt keine Alternative zu niedrigen Zinsen und einer permanenten Ausweitung der Geldmenge.

Dieses Phänomen ist auch in Europa sichtbar, wo die Europäische Zentralbank (EZB) aufgrund der Schuldensituation v. a. der Südländer inkl. Frankreichs ebenfalls tief in der Zins- und Liquiditätsfalle sitzt und trotz hoher Inflationsraten bereits nahezu handlungsunfähig geworden ist.

Das Gleiche gilt für Japan, wo sich der Leitzins der Bank of Japan seit Januar 2016 wegen der Überschuldung des Staates konstant im negativen Bereich befindet (-0,1 Prozent p. a.).

In den USA versucht sich die Notenbank (Fed) hingegen auf politischen Druck aus dem Weißen Haus an der Bekämpfung der hohen Inflation von aktuell 7,0 Prozent p. a. durch Liquiditätsverknappung und der Ankündigung von Zinserhöhungen.

Das Risiko, dass dieser Versuch mit dem Platzen der Aktien- und Immobilienblase sowie in einer Rezession endet, ist sehr hoch. Diesem Dilemma ist sich die Fed aus der Erfahrung der letzten beiden Zinszyklen durchaus bewusst, steuert aber dennoch unbeirrt auf diesen Eisberg zu.

Historisch endeten Phasen mit gesamtwirtschaftlicher Überschuldung und den dadurch erzwungenen geldpolitischen Entwicklungen ausnahmslos mit der Zerrüttung der jeweiligen Währung, sofern diese nicht mit Gold gedeckt war.

Weitere wichtige für Gold und Silber kursrelevante Termine können Sie der folgenden Übersichtstabelle für die KW 3 entnehmen.

Wochentag Zeit (MEZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 12:00 Uhr DE: Monatsbericht der Deutschen Bundesbank zur Konjunktur und Inflation inkl. Ausblick - -
Dienstag 5:30 Uhr JP: Zinsentscheidung der Bank of Japan (BoJ) -0,1 % -0,1 %
Dienstag 8:00 Uhr DE: Autozulassungen für Deutschland (Dez. | Jahr) - -31,7 %
Dienstag 11:00 Uhr DE: ZEW-Index Konjunkturerwartungen Deutschland (Jan.) 32,0 29,9
Dienstag 14:30 Uhr USA: New York Empire State Herstellungsindex (Jan.) 25,7 31,9
Mittwoch 13:00 Uhr USA: Index für den US-Hypothekenmarkt (Jan.) - 580,6
Mittwoch 14:30 Uhr USA: Baugenehmigungen (Dez.) annualisiert in Millionen 1,70 1,72
Mittwoch 16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel - -2,144
Donnerstag 8:00 Uhr DE: Erzeugerpreisindex Deutschland (Dez. | Jahr) 19,4 % 19,2 %
Donnerstag 13:30 Uhr EU: Protokoll der Zinssitzung der EZB vom 16.12.2021 - -
Donnerstag 17:00 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel - -4,553
Freitag 13:30 Uhr EU: EZB-Präsidentin Christine Lagarde äußert sich zur Inflationsentwicklung - -

Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Preisschild | 19.01.2022, 23:45 Antworten

Was steht denn nun auf dem Preisschild, das Annalena und Joe aushängen?
Das der Metalle wurde jedenfalls gerade gegen ein Neues ersetzt.

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