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Stand: 01.03.2021 von Hannes Zipfel
Von den Konjunkturdaten in dieser Woche erwarten sich die Anleger weitere Indizien für einen Anstieg der Inflation. Am Donnerstag wird sich der US-Notenbankchef Jerome Powell dazu äußern. Zuletzt hatte er sowohl die Aussicht auf deutlich steigende Preise als auch den für die Finanzmärkte schmerzhaften Zinsanstieg kleingeredet.
Wochenausblick: Warten auf den Verzweiflungsakt
Überzeugen konnte er damit aber nicht, zumal andere Notenbanken bereits verbal und sogar operativ intervenieren.

Die USA stehen im Zentrum der Zinsproblematik

Der Goldpreis kam zuletzt deutlich unter die Räder. Neben dem Verfall am Terminmarkt sorgte vor allem der dynamische Renditeanstieg am Anleihemarkt für Turbulenzen.

Zum Wochenauftakt konnten sich die Notierungen des gelben Edelmetalls kurzfristig erholen, nachdem die Zentralbank Australiens (RBA) am Markt für Staatsanleihen intervenierte und die Rendite für länger laufende Staatsanleihen drückte.

Dazu hatte die Reserve Bank of Australia ihr Wertpapier -Kaufprogramm massiv ausgeweitet (verdoppelt).

Vertreter der EZB hatten ebenfalls angedeutet, kurz vor aktiven Interventionen am Offenmarkt zu stehen. Diese könnten bereits auf der nächsten Zinssitzung am 11. März beschlossen werden.

Die amerikanische Notenbank Fed zögert hingegen noch, auf die steigenden Zinsen am Kapitalmarkt verbal oder aktiv zu reagieren. Obwohl die Renditen für US-Anleihen im internationalen Vergleich auf ein relativ hohes Niveau angestiegen sind.

Gleichzeitig ist die Explosion der Verschuldung nirgends so dynamisch wie in den Vereinigten Staaten. Dadurch werden die steigenden Zinsen zum Konjunkturkiller und drohen zudem die Vermögenspreisblase zum Platzen zu bringen.

Das Zögern der Fed ist dennoch verständlich: Geldpolitisch kommt der Kampf gegen steigende Zinsen durch eine Ausweitung der Gelddruckprogramme bei gleichzeitig drohender Inflation dem Löschen eines Feuers mit Benzin gleich.

Allerdings hat die Fed kaum andere Optionen und die Märkte werden verbale und aktive Interventionen in den kommenden Wochen erzwingen. Auch wenn dies einer Kapitulation bzw. einem Akt der Verzweiflung der Fed gleichkommt.

Staatsanleihen im Vergleich (in Prozent | Laufzeit: 10 Jahre)

Bereits in dieser Woche hat Fed-Chef Jerome Powell die Gelegenheit, diesbezüglich verbale Signale in Richtung der Märkte zu senden. Am Donnerstag wird Powell anlässlich einer virtuellen Konferenz des The Wall Street Journal zur aktuellen Geldpolitik Stellung nehmen.

Wichtige Konjunkturdaten in dieser Woche

Montag 01.03.2021

Heute kamen aus Deutschland neue Indizien für einen Anstieg der Teuerungsrate (Inflation). Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden vermeldete für Februar einen Preisschub von 0,6 Prozent auf Monatsbasis.

Noch im November und Dezember letzten Jahres fielen die Preise gegenüber dem Vormonat um jeweils ein Prozent. Gegenüber Februar 2020 stieg der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) um 1,6 Prozent an.

Für die kommenden Wochen wird mit noch deutlicheren Preisanstiegen gerechnet. Zum einen wegen der im letzten Jahr im Frühling rückläufigen Preise und zum anderen wegen der nach wie vor gestörter Liefer- und Versorgungsketten.

Vorlaufindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex (EMI) für Deutschland, nehmen diesen Trend bereits vorweg.

Der Datenanbieter Markit Economics veröffentlichte am Montag den EMI für das Verarbeitende Gewerbe mit 60,7 Punkten. Stände über 50 deuten auf Expansion hin. Das jetzt erreichte Niveau ist das höchste seit Januar 2018. Ein wesentlicher Grund für den starken Anstieg war die Unterkomponente „Bezahlte Preise“.

Es ist davon auszugehen, dass die Unternehmen die höheren Input-Kosten in den kommenden Monaten zumindest teilweise an die Verbraucher weitergeben werden. Um 16:00 Uhr MEZ folgen am Montag die Einkaufsmanagerindizes von Markit für die US-Industrie.

Auch hier wird mit einer anhaltend hohen Expansionsdynamik bei den Einkaufspreisen gerechnet.

Dienstag 02.03.2021

Um 8:00 Uhr publiziert Destatis die deutschen Einzelhandelsumsätze für den Januar. Gegenüber dem Vorjahresmonat wird mit einem Wachstum von 1,3 Prozent gerechnet.

Um 9:55 Uhr liefert Destatis die Februar-Zahlen für den deutschen Arbeitsmarkt. Ökonomen erwarten einen leichten Rückgang um 13.000 Arbeitslose. Auch die Zahl der Kurzarbeiter solle weiter sinken.

Wie sich der Einzelhandel in den USA kurzfristig entwickelt, werden die Daten der Redbook Research Inc. um 14:55 Uhr MEZ für die letzte Februarwoche zeigen.

Mittwoch 03.03.2021

Am Mittwoch wird es in Sachen Einkaufsmanagerindizes (EMI) ein klares Kontrastprogramm geben. Für die um 9:55 Uhr anstehende Veröffentlichung des EMI für den Dienstleistungssektor in Deutschland rechnen die Experten mit einem weiteren Rückgang auf 45,9 Indexpunkte.

Damit bleibt der Sektor in der Depression gefangen.

Mit Spannung erwartet werden am Mittag um 13:00 Uhr die zur Veröffentlichung anstehenden wöchentlichen Daten zum US-Hypothekenmarkt. Sowohl die Anträge für neue Hypotheken als auch die für Refinanzierungen werden wegen der zuletzt deutlich gestiegenen Hypothekenzinsen stark rückläufig vermutet. In der vorigen Woche sank der Hypothekenindex um 11,4 Prozent.

Um 20:00 MEZ veröffentlicht die US-Notenbank Fed ihr aktuelle Konjunktureinschätzung. Marktakteure erwarten sich von dem sogenannten Beige-Book Hinweise auf zukünftige geldpolitische Schritte. Das Beige Book ist ein Konjunkturbericht, der aktuelle Informationen über die Wirtschaftslage in den USA liefert.

Das Beige Book ist eine Zusammenstellung von Konjunktureinschätzung aus jedem der 12 Fed-Verwaltungsbezirke und basiert auf Befragungen von Unternehmenslenkern, Bankmanagern, Marktexperten und Ökonomen.

Donnerstag 04.03.2021

Um 9:30 Uhr wird der IHS Markit Einkaufsmanagerindex für das Baugewerbe wohl erneut das Märchen vom Bauboom in Deutschland widerlegen. Seit März letzten Jahres befindet sich der Sektor im Kontraktionsmodus. Für den Januar 2020 wurde ein Indexwert von 46,6 Indexpunkten gemeldet, nach 47,1 im Dezember 2020.

Um 14:30 Uhr MEZ folgen aus den USA die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Nach 730k in der Vorwoche wird mit einem leichten Anstieg auf im längerfristigen Vergleich immer noch sehr hohe 750k gerechnet.

Freitag 05.03.2021

Zum Wochenabschluss gibt das Bundesministerium für Wirtschaft um 8:00 Uhr Daten zum Auftragseingang der deutschen Industrie bekannt. Nach einem Rückgang um 1,9 Prozent im Dezember wird zum Jahresauftakt mit einem Plus von 0,7 Prozent für den Januar gerechnet.

Um 14:30 Uhr MEZ folgen die wichtigen US-Arbeitsmarktdaten für den Monat Februar. Im Konsens erwarten Ökonomen einen Stellenzuwachs von 180k, nach enttäuschenden +49k im Januar. Für einen nachhaltigen Aufschwung benötigen die USA unter Berücksichtigung der Demografie und der Immigration ca. 250k neue Stellen pro Monat.

Um 20:00 Uhr MEZ gibt die US-Regierung Zahlen zum aktuellen Budgetdefizit bekannt. Im Januar 2020 waren es -490 Mrd. US-Dollar.

Für den Februar wird kalenderbedingt ein Rückgang erwartet.

Um 20:30 Uhr MEZ werden von der Terminmarktaufsichtsbehörde CFTC die CoT-Daten u. a. für die Edelmetalle veröffentlicht. In Anbetracht des jüngsten Kursrückgangs sind die Daten in dieser Woche besonders interessant. Für Gold sollten die CoT-Daten eine starke Bereinigung des spekulativen Exposures zeigen, was perspektivisch positiv zu werten ist.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Klaus | 02.03.2021, 12:53 Antworten

Im Gegensatz zu ihrer Meinung finde ich das Jerome Powell sehr Wohl verantwortungsbewusst und weitsichtig agiert. Denn es macht einfach keinen Sinn die überhitzten Märkte mit noch mehr Geld zu fluten und somit die überzogenen Assetpreise (Aktien, Anleihen, Immobilien) in weitere Höhen zu treiben. Das platzen von Assetblasen kann eine Notenbank ohnehin nicht verhindern.

Statt dessen sollte weiteres Geld nur dann in den Markt fließen, wenn es nachweislich für Investitionen genutzt wird. Also für den Klima- und Umweltschutz, Infrastruktur, Bildung, Nachhaltigkeit, Recycling, neue (Produkt-)Ideen.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"