Stand: 12.02.2019 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Weil wegen des Shutdown in den USA nach wie vor keine aktuellen Daten zur Stimmung an den Terminmärkten erhältlich sind, hat die Transparenz der Goldmärkte empfindlich gelitten. Als fleißiger Datenlieferant ist zuletzt aber ein anderer in die Bresche gesprungen: der World Gold Council.

Nordamerikaner werden nervöser

Allein in den vergangenen beiden Wochen meldete sich der World Gold Council insgesamt viermal, um die Öffentlichkeit über aktuelle Publikationen bzw. Daten zu informieren. So lieferten die Goldexperten zum Beispiel am vergangenen Mittwoch ein Update zur Entwicklung des globalen ETF-Markts – mit ausgesprochen interessanten Erkenntnissen.

Im Januar gab es nämlich den zweiten Monat in Folge massive Kapitalzuflüsse bei physisch hinterlegten Gold-ETFs zu vermelden. Nachdem sich deren gehaltene Goldmengen im Dezember um insgesamt 76,7 Tonnen erhöht hatten, gab es im Januar einen Zuwachs um immerhin 71,9 Tonnen zu vermelden (siehe Tabelle).

Globaler ETF-Markt im Januar 2019

Region Marktwert Goldmenge Zu-/Abflüsse
(in Mrd. USD) (in Tonnen) (in Tonnen)
Nordamerika 54,6 1.284,50 53
Europa 47,5 1.117,20 20,2
Asien 3,40 79,7 0
Rest der Welt 1,30 31,4 -1,3
Insgesamt 106,9 2512,8 71,9
Quelle: World Gold Council

Besonders interessant: Mit plus 53 Tonnen war in Nordamerika der Goldhunger besonders groß, gefolgt von Europa (plus 20,2 Tonnen). Dies lässt den Schluss zu, dass die Investoren jenseits des Atlantiks mittlerweile verunsicherter sind als europäische Anleger.

In den vergangenen Monaten sind sie eher durch ein hohes Maß an Sorglosigkeit aufgefallen, schließlich trieben sie ihre wichtigsten Aktienindizes im Spätsommer vergangenen Jahres auf neue Rekordhochs.

Im globalen ETF-Markt spielen nach wie vor Nordamerikaner und Europäer eine besonders wichtige Rolle. Weltweit repräsentierte der Gesamtmarkt 2.512,8 Tonnen Gold im Marktwert von 106,9 Milliarden Dollar. Davon waren 1.284,5 Tonnen in nordamerikanischen und 1.117,2 Tonnen in europäischen Finanzprodukten „gebunkert“.

Das heißt: Mehr als 95 Prozent des globalen ETF-Goldes befindet sich in diesen beiden Regionen. Asien und der Rest der Welt hat diese „goldenen Vehikel“ offensichtlich noch nicht für sich entdeckt. Dort pflegt man ein anderes Verhältnis zu Gold und bevorzugt eher Goldbarren, Goldmünzen und Schmuck aus physischem Gold.

Auch Xetra-Gold wird gewichtiger

Den Löwenanteil der im Januar zu verzeichnenden Kapitalzuflüsse verzeichneten diese vier ETFs:

  • SPDR Gold Shares (USA)
  • iShares Gold Trust (USA)
  • ETFS Physical Gold (GB)
  • Xetra-Gold (D)

Die beiden „Goldsammler“ aus den USA verzeichneten eine Gewichtszunahme um 36,2 Tonnen (SPDR Gold Shares) bzw. 12,3 Tonnen (iShares Gold Trust). Beim britischen ETFS Physical Gold gab es Zuwächse um 9,7 Tonnen und bei Xetra-Gold schlug ein Plus von 8,2 Tonnen zu Buche. 

Abflüsse von jeweils mehr als einer Tonne sind beim Sprott Physical Gold & Silver Trust (-2,2 Tonnen), beim Xtrackers Physical Gold ETC EUR (-1,9 Tonnen), Xtrackers Physical Gold Euro Hedged ETC (-1,8 Tonnen) und beim südafrikanischen NewGold Issuer (-1,4 Tonnen) registriert worden.

Ausblick für die laufende Woche

Die international zu beobachtende Erholungstendenz an den Aktienmärkten hat den Aufwärtsdrang des Goldpreises in den vergangenen Handelstagen leicht ausgebremst. Die Marke von 1.300 Dollar wurde bislang aber erfolgreich verteidigt.

Voll zugeschlagen hat jedoch wieder einmal die negative Korrelation zwischen dem Dollar und dem gelben Edelmetall. Während nämlich der Dollarindex in der vergangenen Woche um 0,6 Prozent zugelegt hat, ging es mit dem Goldpreis um 0,4 Prozent bergab.

Die aktuelle Dollarstärke mag viele Anleger verwundern, schließlich droht den USA in der kommenden Woche bereits der nächste „Shutdown“. Am Freitag wird sich zeigen, ob US-Präsident Trump seine Drohung wahrmachen und es zu einem erneuten Stillstand der US-Regierungsgeschäfte kommen wird. Falls ja, dürfte dies dem Goldpreis in höhere Regionen verhelfen.

Zur Erinnerung: Während des jüngsten Shutdown (22.12.2018 bis 25.01.2019) war der Krisenschutz stark gefragt und verteuerte sich um 4, 6 Prozent. Doch die US-Wirtschaft bereitet neben dem „Shutdown“ auch der ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China Kopfzerbrechen.

Am Donnerstag steht die chinesische Handelsbilanz für Januar zur Bekanntgabe an. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten sollen die Exporte um 2,2 Prozent und die Importe sogar um 9,0 Prozent gesunken sein – kein sonderlich geglückter Start ins chinesische Jahr des Schweins.
World Gold Council: ETF-Daten für Januar 2019
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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