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Stand: 09.11.2021 von Jörg Bernhard
Ende Oktober veröffentlichte der World Gold Council (WGC) aktuelle Daten zur Entwicklung des Goldmarktes im dritten Quartal 2021. In den verschiedenen Marktsegmenten gab es allerdings keine einheitliche Tendenz zu vermelden.
World Gold Council - Goldmarktdaten des Q3 2021

Plus bei Schmuck, Notenbanken sowie Barren & Münzen

Die internationale Lobbyorganisation konstatierte dem Goldpreis mit 1.789,50 Dollar pro Unze einen gegenüber dem Vorquartal marginal niedrigeren Durchschnittspreis, der den vergleichbaren Vorjahreswert allerdings um sieben Prozent unterschritten hat.

Als Gründe für diese Negativtendenz nannte der WGC höhere Zinsen sowie einen gestiegenen Risikoappetit bzw. eine nachlassende Risikoaversion.

Bei der globalen Goldnachfrage stellte sich im dritten Quartal 2021 ein Rückgang um sieben Prozent p.a. auf 831 Tonnen ein (siehe Tabelle). Für die ersten neun Monate beläuft sich das jährliche Minus auf neun Prozent.

Auf der Angebotsseite war in Q3 eine weniger dynamische Reduktion um 3,2 Prozent p.a. auf 1.238,9 Tonnen registriert worden. Während im Recyclingsektor ein massiver Einbruch um 22 Prozent 298,0 Tonnen zu Buche schlug, stellte sich bei der Minenproduktion ein signifikantes Plus in Höhe von 4,4 Prozent p.a. auf 959,5 Tonnen ein.

Gold: Angebot und Nachfrage im dritten Quartal 2021


Q3 2020 (Tonnen) Q3 2021 (Tonnen)
globale Nachfrage:


Schmuckbranche 332,9 442,6 33,0 %
Technologie 77,2 83,8 8,5 %
Notenbanken minus 10,6 plus 69,3 -
Investment 495,0 235,0 -52,5 %
davon:


Barren & Münzen 221,0 261,7 18,4 %
ETFs und ähnliche Produkte plus 273,9 minus 26,7 -
insgesamt: 892,00 831,00 -6,8 %
globales Angebot:


Minenangebot 919,0 959,9 4,5 %
Hedging (Preissicherung) minus 21,3 minus 18,6 -
Recycling 381,8 298,0 -21,9 %
insgesamt: 1.279,40 1.238,90 -3,2 %
Quelle: World Gold Council; Stand: 30.09.2020

Bei der Analyse der Nachfrage gab es in den verschiedenen Marktsegmenten Licht und Schatten zu beobachten. Ausgesprochen positiv entwickelten sich die folgenden Marktsegmente:

  • Schmuck,

  • Notenbankenkäufe

  • sowie Barren & Münzen.

Kräftig bergauf ging es zum Beispiel mit der Schmucknachfrage. Dank Zuwächsen von 32 bzw. 58 Prozent p.a. in China und Indien kletterte die weltweite Goldnachfrage der Schmuckbranche gegenüber dem Vorjahresquartal von 332,9 auf 442,6 Tonnen (+33 Prozent).

Kräftig gedreht hat aber auch die Stimmung unter den Notenbanken. Meldeten diese für Q3 2020 per Saldo noch Abflüsse von 10,6 Tonnen, gab es ein Jahr später Zuflüsse in Höhe von 69,3 Tonnen zu vermelden. Auch auf Neunmonatssicht werden mit 393 Tonnen die Nettokäufe des vergleichbaren Vorjahreszeitraums (255 Tonnen) deutlich übertroffen.

Massive ETF-Abflüsse belasten

Als hauptverantwortlich für die rückläufige Gesamtnachfrage erwiesen sich Gold-ETFs, wo sich in den Monaten Juli, August und September die Goldbestände dieser Finanzprodukte um 26,7 Tonnen (Q3 2020: plus 273,9 Tonnen) reduziert haben.

Damit summieren sich die ETF-Abflüsse seit dem Jahreswechsel auf 156 Tonnen, den höchsten Wert seit 2013.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass im Industriesektor, dem kleinsten Marktsegment, gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode ein leichter Zuwachs von 77,2 auf 83,8 Tonnen (+9 Prozent) registriert worden war.

Fazit: Da in diesem Update die Terminmärkte, wo in diesem Jahr ebenfalls ein massiver Verkaufsdruck zu beobachten war, gar nicht erfasst wurden, kann man die relativ geringen Verluste des Goldpreises fast schon als relative Stärke interpretieren.

Sollte es bei ETFs und Gold-Futures zu einem Comeback kommen, stünden die Chancen auf ein neues Allzeithoch recht gut.

Ausblick für die laufende Woche

Obwohl die Fed in diesem Monat mit dem Zurückfahren der Anleihekäufe um monatlich 15 Milliarden Dollar beginnen möchte, gelang dem Goldpreis vor dem Wochenende der Sprung über die Marke von 1.800 Dollar.

Selbst die positive Überraschung vom US-Arbeitsmarkt, wo die Zahl neu geschaffener Stellen mit 531.000 deutlich höher als erwartet ausgefallen war, vermochte den Goldpreis nicht belasten. In den nächsten Tagen dürften sich die Investoren verstärkt auf aktuelle Inflationsdaten aus China, Europa und den USA stark interessieren.

Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten droht in den USA ein erneuter Anstieg der Teuerung. So wird für den Monat Oktober eine von 5,4 auf 5,8 Prozent p.a. beschleunigte Geldentwertung prognostiziert. Da die Wahrscheinlichkeit für ein baldiges Anheben der Leitzinsen dies- wie jenseits des Atlantiks als vernachlässigbar anzusehen ist, dürfte bei Gold das Kaufargument „Inflationsschutz“ weiterhin greifen.

Auf kurze Sicht hat dem gelben Edelmetall vor allem der Renditerutsch in den USA zum jüngsten Höhenflug verholfen. Innerhalb von lediglich zwei Handelstagen brach diese von 1,60 auf 1,45 Prozent p.a. regelrecht ein und generierte an den Goldmärkten durch gesunkene Opportunitätskosten gute Laune.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"