Stand: 05.05.2020 von Jörg Bernhard
Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte der World Gold Council (WGC) seinen Quartalsbericht „Gold Demand Trends“ für die ersten drei Monate des Jahres 2020. Trotz Corona-Krise wies dieser lediglich einen marginalen Anstieg der globalen Goldnachfrage aus.
World Gold Council meldet für Q1 Licht und Schatten

Rekordstimmung im ETF-Sektor

Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert hat sich die physische Goldnachfrage in den ersten drei Monaten von 1.070,8 auf 1.083,8 Tonnen (+1,2 Prozent) erhöht. Das verstärkte Goldinteresse (siehe Tabelle) war ausschließlich dem Marktsegment „Investment“ zu verdanken. 

World Gold Council: Gold Demand Trends Q1 2020

Q1 2019 Q1 2020 Diff. (% p.a.)
Gesamtnachfrage (in Tonnen) 1.070,8 t 1.083,8 t 1,2 %
Schmucksektor 533,4 t 325,8 t -38,9 %
Technologie 79,9 t 73,4 t -8,2 %
Investment 300,5 t 539,6 t 79,6 %
Barren & Münzen 257,6 t 241,6 t -6,2 %
ETFs und ähnliche Produkte 42,9 t 298,0 t 594,5 %
Notenbanken 157,0 t 145,0 t -7,7 %
Gesamtangebot 1.108,4 t 1.066,2 t -3,8 %
Minenproduktion 816,9 t 795,8 -2,6 %
Hedging (Preisabsicherung) -1,5 t -9,7 t -
Recycling 293,0 t 280,2 t -4,4 %
Quelle: World Gold Council

Hier war nämlich auf Jahressicht ein massiver Zuwachs von 300,5 auf 539,6 Tonnen (+79,6 Prozent) registriert worden. Damit ging fast die Hälfte der globalen Goldnachfrage auf das Konto der Investoren. Normalerweise hat die Schmuckbranche den mit Abstand größten Appetit. 

Aber auch unter den Investoren herrschte kein einheitlicher Trend. Eingeteilt in die Teilsegmente ETF (physisch hinterlegtes Papiergold), Goldbarren & Goldmünzen sowie Notenbanken, machte sich die Kapitalflucht vor allem bei ETFs bemerkbar.

Hier haben sich die Zuflüsse gegenüber dem Vorjahresquartal von 42,9 auf 298,0 Tonnen fast versiebenfacht. 

Besonders bemerkenswert: Noch stärkere Kapitalzuflüsse in ETFs waren letztmals vor vier Jahren gemeldet worden. Außerdem wiesen ETFs Ende März mit 3.185 Tonnen rekordhohe Goldbestände aus. 

Weniger gesund entwickelte sich überraschenderweise die Nachfrage bei Goldbarren und Goldmünzen (-6,2 Prozent. Abgeflaut sind auch die Goldkäufe diverser Notenbanken. Nachdem sich in Q1 2019 die Nettokäufe auf 157,0 Tonnen belaufen haben, meldete der WGC nun einen Wert von 145,0 Tonnen, was einem Rückgang um 7,6 Prozent entspricht. 

Miese Laune im Marktsegment „Schmuck“

Regelrecht kollabiert ist im ersten Quartal allerdings das Nachfrageinteresse im Bereich Schmuck, wo gegenüber der Vorjahresperiode ein Einbruch von 533,4 auf 325,8 Tonnen (-38,9 Prozent) gemeldet wurde. 

Die beiden wichtigsten Nachfragenationen China und Indien haben nicht nur unter dem corona-bedingten Lockdown, sondern auch unter dem hohen Goldpreis besonders stark gelitten. 

So brach die indische Schmucknachfrage um 41 Prozent p.a. und die chinesische sogar um 65 Prozent p.a. ein.

Das Gesamtangebot an Gold war ebenfalls durch den Corona-Virus negativ beeinträchtigt worden. Weltweit ging es hier von 1.108,4 auf 1.066,2 Tonnen (-3,8 Prozent) bergab. Bei der Primärproduktion (Goldminen) gab es zum Beispiel ein Minus von 816,9 auf 795,8 Tonnen (-2,6 Prozent) zu beobachten, während bei der Sekundärproduktion (Recycling) ein Rückgang von 293,0 auf 280,2 (-4,4 Prozent) zu Buche schlug. 

Auf der Website des World Gold Council (WGC) können Sie die durch zahlreiche Tabellen und Grafiken angereicherte Studie – nach vorheriger Registrierung – kostenlos abrufen.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen dürften sich die Investoren vor allem für die aktuellen Nachrichten von der „Konjunkturfront“ besonders stark interessieren. 

Neben diversen Einkaufsmanagerindizes, die als zuverlässige Frühindikatoren angesehen werden, dürfte aber auch die anstehende Datenflut zur Entwicklung am US-Arbeitsmarkt für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen, schließlich haben in den USA in den vergangenen sechs Wochen mehr als 30 Millionen US-Amerikaner ihren Job verloren. 

Für ein hohes Maß an Spannung sorgt vor allem der für Freitag angekündigte Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums zur Lage im April. 

Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Arbeitslosenrate von 4,4 Prozent auf 14,5 Prozent erhöht haben und die Zahl gestrichener Jobs von 713.000 auf 20,4 Millionen regelrecht explodiert sein. 

Diese Dimension der Krise – und vor allem Ihre Dynamik – dürfte vor wenigen Monaten kaum ein Analyst auf dem Radar gehabt haben, schließlich markierten noch im Februar Blue-Chip-Indizes wie DAX und Dow-Jones neue Rekordhochs. 

In Reichweite ihrer Rekordhochs bewegen sich hierzulande derzeit vor allem Bundesanleihen und in Euro notiertes Gold. 

 Notenbanken wie die EZB und die Fed besitzen zwar beides in Massen, Anleger sollten sich in Zeiten wie diesen aber eher für etwas Handfestes und Substanzhaltiges entscheiden. 

Worum es sich dabei handelt, dürfte wohl jedem klar sein.
Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"