Stand: 04.05.2021 von Jörg Bernhard
Am vergangenen Donnerstag war es wieder einmal so weit: Der World Gold Council (WGC) veröffentlichte den Quartalsbericht „Gold Demand Trends“ für die ersten drei Monate 2021. Dieser beinhaltete sowohl Licht als auch Schatten.
World Gold Council meldet rückläufige Goldnachfrage

Dickes Nachfrageminus in Q1 wegen ETF-Abflüssen

In den ersten drei Monaten des Jahres 2021 war eine globale Goldnachfrage in Höhe von 815,7 Tonnen registriert worden (siehe Tabelle), womit der Wert des Vorjahreszeitraums um 23 Prozent unterschritten wurde.

Für diese Negativtendenz waren vor allem Investoren verantwortlich. So verzeichnete zum Beispiel der globale ETF-Sektor einen Rückgang der Goldbestände um 177,9 Tonnen, während im Jahr zuvor corona-bedingt Zuflüsse in Höhe von 299,1 Tonnen registriert wurden.

Die Hoffnung auf einen Sieg über die Pandemie dürfte hier der Hauptgrund für das nachlassende Interesse gewesen sein.

World Gold Council: Gold Demand Trends Q1 2021

Q1 2020 Q1 2021 Diff. (% p.a.)
Gesamtnachfrage (in Tonnen) 1059,4 815,7 -23 %
Schmucksektor 313,2 477,4 52 %
Technologie 72,9 81,2 11 %
Investment 549,6 161,6 -71 %
Barren & Münzen 250,5 339,5 36 %
ETFs und ähnliche Produkte 299,1 -177,9
Notenbanken 124,1 95,5 -23 %
Gesamtangebot 1146,5 1096,2 -4 %
Minenproduktion 816,7 851,0 4 %
Hedging (Preisabsicherung) 34,7 -25,0 -
Recycling 295,0 270,2 -8 %
Quelle: World Gold Council

Interessant dabei: Bei Goldbarren und Goldmünzen hat sich die globale Nachfrage von 250,1 auf 339,5 Tonnen (+36 Prozent) kräftig erhöht. Eine besonders starke Wachstumsrate verzeichnete mit plus 133 Prozent auf 86,4 Tonnen vor allem die Volksrepublik China, wo Corona zuerst aufgetreten war und danach den Rest der Welt infiziert hat.

Ausgesprochen positive Vorzeichen gab es bei der Schmucknachfrage zu vermelden.

Hier stellte sich ein Zuwachs von 313,2 auf 477,4 Tonnen ein, was einer Steigerung in Höhe von 52 Prozent entsprach. Auch in diesem Marktsegment erwiesen sich die Chinesen als treibende Kraft, schließlich war dort eine regelrechte Nachfrageexplosion von 61,3 auf 191,1 Tonnen (+212 Prozent) registriert worden.

Einen Dämpfer verzeichneten allerdings die Goldkäufe der Notenbanken, wo ein markanter Rückgang von 124,1 auf 95,5 Tonnen (-23 Prozent) zu Buche schlug. Dabei erwies sich die ungarische Notenbank (plus 63 Tonnen) als größter Käufer und die türkische Zentralbank (minus 31,5 Tonnen) als größter Verkäufer.

Hinsichtlich der industriellen Nachfrage, die an den internationalen Goldmärkten eher eine untergeordnete Rolle spielt, war im ersten Quartal eine von 72,9 auf 81,2 Tonnen (+11 Prozent) gestiegene Nachfrage zu beobachten.

Während in der Dentalbranche ein Rückgang von 3,2 auf 2,9 Tonnen (-9 Prozent) zu Buche schlug, verzeichnete der Elektroniksektor ein überdurchschnittliches Nachfrageplus von 58,7 auf 66,4 Tonnen (+13 Prozent).

Beim globalen Gesamtangebot an Gold war summa summarum ein Minus von 1.146,5 auf 1.096,2 Tonnen (-4 Prozent) registriert worden.

Bei der Primärproduktion (Goldminen) gab es zwar einen signifikanten Anstieg von 816,7 auf 851,0 Tonnen (+4 Prozent) zu vermelden, dieser wurde allerdings durch die von 295,0 auf 270,2 Tonnen (-8 Prozent) rückläufige Sekundärproduktion (Recycling) mehr als kompensiert. Diese Negativtendenz war in erster Linie auf den markant gesunkenen Goldpreis zurückzuführen.

Die auf der Website des World Gold Council (WGC) bereitgestellte Marktanalyse kann nach vorheriger Registrierung kostenlos abgerufen werden.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Woche meinte Notenbank-Chef Jerome Powell, dass man die ultralockere Geldpolitik fortsetzen werde.

Das heißt: Beim Kaufprogramm der Fed im Volumen von 120 Milliarden Dollar pro Monat gibt es keine Änderungen. In Gold aufgewogen entspräche dies einem Gewicht von 210 Tonnen und damit mehr als der jährlichen US-Goldförderung durch Minen.

Fed-Chef Powell begründete seine abwartende Haltung unter anderem mit der aktuellen Lage am US-Arbeitsmarkt. In den kommenden Tagen steht diesbezüglich wieder einmal eine regelrechte Flut an US-Arbeitsmarktdaten zur Bekanntgabe an.

Für ein hohes Maß an Spannung dürfte vor allem der für den Freitag angekündigte Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums sorgen. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich im April die Arbeitslosenrate von 6,0 auf 5,8 Prozent reduziert haben und die Zahl neu geschaffener Stellen von 916.000 auf 925.000 leicht gestiegen sein.

Sollte sich der US-Arbeitsmarkt robuster als erwartet entwickeln, dürfte dies das Interesse an einem Goldinvestment eher belasten. Anleger mit langfristigem Anlagehorizont dürfte dies relativ kalt lassen, schließlich sprechen fundamentale Aspekte wie Geldmengenentwicklung, Schulden und Inflation unverändert für den altbewährten Vermögensschutz.

Autor: Jörg Bernhard
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von Wanderer | 05.05.2021, 09:08 Antworten

Die Menschen flüchten in physisches
Metall und stoßen Papier ( ETF, s und Comex
Schrott ab ) .So sieht es aus.
Der Edelmetallmarkt wird schon ewig.
Manipuliert.
Sonst wären die Bewertungen ganz
Woanders.
China. Russland Ungarn .Indien Polen us.w
Alle kaufen Tonnen das ( Barbarische Relikt ). Die wissen schon warum.
Den Papiermüll der Comex wollen immer
weniger Menschen die Denken können.
Nur Physisch zählt alles andere ist
Betrug. Und das wissen die Menschen,
Deswegen die ETF Abflüsse.

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