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Stand: 03.08.2021 von Jörg Bernhard
Am vergangenen Donnerstag lieferte der World Gold Council (WGC) aktuelle Zahlen zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage bei Gold für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres – mit Licht, aber auch mit Schatten.
World Gold Council: Goldnachfrage Halbjahreszahlen 2021

Gold: Nachfrageminus im zweistelligen Prozentbereich

Im ersten Halbjahr 2021 (siehe Tabelle) verzeichnete die globale Goldnachfrage einen signifikanten Einbruch von 2.044,0 auf 1.833,1 Tonnen (-10,3 Prozent).

Während im Jahr 2020 – bedingt durch die Corona-Krise – viel Kapital in den sicheren Hafen Gold geflossen ist – hat in diesem Jahr die Risikoaversion spürbar nachgelassen. Hauptverantwortlich für diese Nachfrageschwäche war vor allem der Gold-ETF-Sektor (Exchange Traded Funds).

Dieser verbuchte im zweiten Quartal zwar Zuflüsse in Höhe von 40,7 Tonnen, summa summarum gab es jedoch im ersten Halbjahr – erstmals seit 2014 – Abflüsse in Höhe von 129,3 Tonnen zu vermelden.

World Gold Council: Gold Demand Trends H1 2021


H1 2020 H1 2021 Diff. (% p.a.)
Gesamtnachfrage (in Tonnen) 2.044,0 1.833,1 -10,3 %
Schmucksektor 558,0 873,7 56,6 %
Technologie 141,0 161,0 14,2 %
Investment 1.140,5 465,2 -59,2 %
Barren & Münzen 409,3 594,5 45,2 %
ETFs und ähnliche Produkte 731,2 -129,3 -
Notenbanken 204,5 333,2 62,9 %




Gesamtangebot (in Tonnen) 2.213,3 2.307,9 4,3 %
Minenproduktion 1.638,7 1.782,6 8,8 %
Hedging (Preisabsicherung) -2,5 -20,2 -
Recycling 577,1 545,5 -5,5 %
Quelle: World Gold Council

Positiv entwickelt hat sich indes die globale Barren- und Münznachfrage, wo für H1 ein kräftiger Zuwachs von 409,3 auf 594,5 Tonnen (+45,2 Prozent) registriert worden war. Per Saldo ging es mit der gesamten Investorennachfrage im Berichtszeitraum von 1.140,5 auf 465,2 Tonnen (-59,2 Prozent) aber steil bergab.

Heftige Verwerfungen gab es im ersten Halbjahr auch im Schmucksektor zu beobachten.

Mit 873,7 Tonnen wurde zwar über 56 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (558,0 Tonnen) nachgefragt, der Fünfjahresdurchschnitt wurde dennoch um 17 Prozent unterschritten. Maßgeblich verantwortlich für das markante Plus war China, wo mit 338 Tonnen das Halbjahr 2020 um 122 Prozent übertroffen wurde.

Im Marktsegment Technologie, dessen Bedeutung als relativ gering anzusehen ist, fiel das Nachfrageplus relativ moderat aus. Dank des globalen Konjunkturbooms stellte sich hier ein Anstieg von 141,0 auf 161,0 Tonnen (+14,2 Prozent) ein.

Drei Zentralbanken mit starkem Goldappetit

Ein dickes Plus gab es im Berichtszeitraum indes im Notenbankensektor zu beobachten. Deren Nettokäufe haben sich nämlich von 204,5 Tonnen (H1 2000) auf 333,2 Tonnen verstärkt (+62,9 Prozent).

Den stärksten Goldhunger verspürten die Zentralbanken von

  • Thailand (plus 90,2 Tonnen)
  • Ungarn (plus 63,2 Tonnen)
  • Brasilien (plus 53,7 Tonnen)

deren Käufe sich auf insgesamt 207,1 Tonnen belaufen haben.

Während die Goldnachfrage im ersten Halbjahr per Saldo im zweistelligen Prozentbereich eingebrochen ist, gab es auf der Angebotsseite Licht und Schatten zu vermelden. So meldete das WGC zum Beispiel beim Minenangebot (Primärproduktion) einen Anstieg von 1.638,7 auf 1.728,6 Tonnen (+8,8 Prozent p.a.), was in erster Linie auf die gelockerten Lockdowns und dadurch verbesserte Auslastung der Produktionsstätten zurückzuführen war.

Im Goldrecycling-Sektor (Sekundärproduktion) drückte hingegen der rückläufige Goldpreis auf das Angebot. Dadurch reduzierte sich die recycelte Goldmenge gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert von 577,1 auf 545,5 Tonnen (-5,5 Prozent p.a.).

Insgesamt hat sich dadurch – bereinigt um Hedgingtransaktionen zur Preisabsicherung – das Gesamtangebot an Gold von 2.213,3 auf 2.307,9 Tonnen (+4,3 Prozent p.a.) spürbar erhöht.

Goldnachfrage weltweit 2020

Ausblick für die laufende Woche

Gegenwärtig scheint beim Goldpreis die Marke von 1.800 Dollar über magnetische Kräfte zu verfügen.

In der vergangenen Handelswoche hievten die „taubenhaften Töne“ von der Fed-Sitzung das gelbe Edelmetall darüber, in den kommenden Handelstagen könnten aktuelle Daten vom US-Arbeitsmarkt dem Krisenschutz neue Impulse verleihen – nach oben, aber auch nach unten.

Am Mittwoch startet die Datenflut mit dem ADP-Monatsbericht über die Zahl neu geschaffener Stellen. Am Donnerstag stehen dann der Challenger-Bericht über Stellenstreichungen sowie die wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe zur Bekanntgabe an.

Richtig spannend wird es dann am Freitag, wenn das US-Arbeitsministerium über die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt informiert. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Arbeitslosenrate von 5,9 auf 5,7 Prozent reduziert haben und die Zahl neuer Stellen von 850.000 auf 900.000 gestiegen sein.

Sollte sich die US-Wirtschaft im Juli robuster als erwartet entwickelt haben, könnten aufkommende Zinssorgen den Goldpreis wieder unter die Marke von 1.800 Dollar zurückfallen lassen.

Sorgen um den Goldpreis muss man sich deshalb aber noch lange nicht machen.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"