Stand: 06.06.2020 von Hannes Zipfel
Wie der World Gold Council berichtet, kauften die Notenbanken weltweit im April gemäß den Daten des Internationalen Währungsfonds weitere 31,6 Tonnen Gold. Damit lag die Aufstockung der Goldreserven leicht unter dem Durchschnitt der letzten sechs Monate in Höhe von 34,7 Tonnen pro Monat. Die mit physischem Metall gedeckten Gold-ETF verzeichneten hingegen im März, April und Mai rekordhohe Zuflüsse von Privatinvestoren.
Zentralbanken kaufen im April weniger Gold – Gold-ETF boomen

Bei Staaten liegt Türkei im April an erster Stelle

Am aktivsten war die Türkei im April 2020 auf der Käuferseite aktiv. Die türkischen Goldreserven stiegen auf nun insgesamt 601 Tonnen bzw. 41,3 Prozent der gesamten Währungsreserven an. Seit Jahresbeginn hat die Türkei ihre Goldreserven damit um 33,9 Prozent aufgestockt. Mehr als jedes andere Land der Welt in diesem kurzen Zeitraum.

Verkäufe gab es im April u. a. durch die Zentralbank Kasachstans, die ihre Bestände um 4,1 Tonnen reduzierte, sowie die Notenbank Usbekistans, die ihre Goldreserven um 2,2 Tonnen abbaute. Nach den starken Goldkäufen, speziell in den Jahren 2018 und 2019 und hier vor allem durch Russland und China, war mit einem Abflauen der Kaufaktivitäten durch die Zentralbanken gerechnet worden.

Russland war in den letzten zwei Jahren, also seit April 2018, der größte staatliche Käufer weltweit.

Die russischen Goldreserven wuchsen in den letzten acht Quartalen von 1.891 Tonnen um 21,6 Prozent bzw. 408 Tonnen auf insgesamt 2.299,15 Tonnen an. Die Volksrepublik China erweiterte ihre offiziellen Goldreserven in der gleichen Zeit um 5,7 Prozent auf 1.948,31 Tonnen.

Russland und China rangieren damit nun in der Weltrangliste der Goldreservehalter hinter den USA, Deutschland, Italien und Frankreich auf Platz fünf und sechs.

Datenquellen: World Gold Council, Internationaler Währungsfonds, Zentralbanken, ICE Benchmark Administration | Stand: 5. Juni 2020

Gold-ETF mit Rekordzuflüssen

Die abnehmende Kaufaktivität der Zentralbanken wird aktuell von den rekordhohen Investitionen privater Anleger in goldgedeckte Exchange Traded Funds kompensiert (Gold-ETFs). Die Gold-ETFs verzeichneten im April und im Mai 2020 an 41 von 43 Handelstagen Mittelzuflüsse. Allein im Mai dieses Jahres erhielten die Gold-Fonds Gelder in Höhe von 8,5 Mrd. US-Dollar. Dies entspricht einer Goldmenge von 154 Tonnen. 

Insgesamt verwalten die börsengehandelten, physisch gedeckten Fonds aktuell 3.510 Tonnen Gold und damit so viel des gelben Edelmetalls wie nie zuvor. Im Vergleich dazu betragen die offiziellen Goldreserven Deutschlands 3.400 Tonnen. Nur die USA besitzen offiziell mit 8.133,5 Tonnen noch mehr Gold als die Gold-ETFs und die Deutsche Bundesbank.

Der Zustrom in die Gold-Fonds hat seit Jahresbeginn bereits historische Dimensionen erreicht: Mit 623 Tonnen im Gegenwert von 33,7 Mrd. US-Dollar wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2009 mitten in der Finanzkrise weit in den Schatten gestellt. Damals sammelten die Fonds weltweit im gesamten Jahr 591 Tonnen Gold ein.

Die größte Nachfrage erlebten die Gold-ETF im Monat Mai in Nordamerika mit 102,2 Tonnen und erreichten damit ein neues Rekordvolumen von 1.815 Tonnen. Die zweitgrößten Gold-ETF-Käufer waren die Europäer mit plus 44,7 Tonnen, weit abgeschlagen gefolgt von der Region Asien mit lediglich 4,4 Tonnen und anderen Regionen mit 2,6 Tonnen.

Vor allem im Westen wird Investmentgold prozyklisch, also bei steigenden Notierungen gekauft. In den ärmeren Regionen der Welt agieren die Käufer hingegen preissensitiv und kaufen eher bei günstigeren Preisen. Dieses unterschiedliche Kaufverhalten spiegelt sich auch in den aktuellen ETF-Statistiken wider.

Datenquellen: World Gold Council, Fondsgesellschaften | Stand: 4. Juni 2020
Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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