Gold: 1.593,09 € +0,05 %
Silber: 20,13 € +0,05 %
Stand: 06.12.2021 von Hannes Zipfel
Werden in dieser Woche erneut sinkende Konjunkturindikatoren auf steigende Inflationsraten treffen? Der bereits heute veröffentlichte Auftragseingang der deutschen Industrie sowie die Prognosen zum ZEW-Index und der US-Konsumentenpreisinflation lassen genau darauf schließen.
ZEW-Index und frische Inflationsdaten

Wichtig für die Finanzmärkte werden in dieser Woche besonders folgende Daten und Entwicklungen

  • Parallele Ausbreitung der Delta- und Omikron-Wellen

  • Dienstag: ZEW-Konjunkturindex Deutschland

  • Mittwoch: Japanischer Tankan-Bericht für Dezember (wichtigstes Konjunkturbarometer)

  • Donnerstag: Verbraucher- und Erzeugerpreise in China für November

  • Freitag: Verbraucherpreise in den USA für November

Fragile Lage an den Märkten

Silber, Palladium und Platin wurden im Zuge neuerlicher Restriktionen für die Weltwirtschaft bereits abverkauft. Der Goldpreis ist ebenfalls im Rückwärtsgang, wenn auch nicht so dynamisch wie die Weißmetalle.

Gleichzeitig zeigt sich der Aktienmarkt angeschlagen, die Kryptowährungen stürzen ab und die Renditen am Kapitalmarkt sinken. Es herrscht derzeit große Unsicherheit bei den Anlegern, wie es mit der Pandemie, der Konjunktur und der Reaktion einiger Zentralbanken auf die beschleunigte Preisinflation weitergeht.

Gleichzeitig steht mit der Türkei ein ökonomisches Schwergewicht vor dem Abgrund. Das Land verfügt derzeit über 391,1 Tonnen Goldreserven in den Tresoren der türkischen Zentralbank (TCMB). Bereits im Oktober wurden 2,3 Tonnen Gold verkauft. Die jüngsten Währungsturbulenzen der türkischen Lira setzen die TCMB unter Zugzwang, Gold zu veräußern, um mit den dadurch generierten US-Dollar-Einnahmen die heimische Währung zu stützen.

Da es im gleichen Zeitraum erneut zu netto Goldkäufen anderer Zentralbanken kam, bedrohen die Währungsturbulenzen der türkischen Lira den Goldpreis aktuell noch nicht akut.

Zuletzt litten die Notierungen des gelben Edelmetalls in erster Linie unter der Erwartung, dass die US-Notenbank Fed ernst macht im Kampf gegen die Inflation. Diese Annahme könnte von der Realität jedoch nicht weiter entfernt sein, wie die untere Vergleichsgrafik zwischen historischer Leitzins- und Inflationsentwicklung zeigt.

Dargestellt ist der effektive US-Leitzins (blaue Linie / linke Skala) im Vergleich zur jährlichen Verbraucherpreisinflation (rote Linie / rechte Skala). Für den kommenden Freitag wird eine jährliche Preissteigerungsrate für den November von 6,7 Prozent nach 6,2 Prozent im Oktober erwartet.

So hoch war die US-Inflationsrate zuletzt im April 1982. Der effektive Leitzins lag damals bei 14,94 Prozent. Heute liegt er bei effektiv 0,08 Prozent.

US-Konsumentenpreisinflation vs. Leitzins

Bei den jüngsten Kampfansagen des US-Notenbankchefs Jerome Powell gegen die hohen Inflationsraten handelt es sich um reine Verbalakrobatik. Wollte die Fed die Inflation bekämpfen, dann stünden die Leitzinsen nicht nahe null. Es war lediglich der politische Druck aus dem Weißen Haus und die Angst Powells, als Notenbankchef abgesetzt zu werden, die zu der Ankündigung einer geldpolitischen Wende führten.

Da bereits die letzten beiden Versuche, die US-Geldpolitik zu straffen, in Beinahe-Katastrophen für den Immobilienmarkt und das Weltfinanzsystem endeten, wird jeder Vorwand genutzt, um die Zinsen unten zu halten und auch weiterhin Geld zu drucken.

Neben Staatsanleihen kauft die Fed auch massiv Hypothekenanleihen auf, um die Hypothekenzinsen zu drücken.

In Europa hält die EZB ebenfalls trotz historisch hohem Preisauftrieb ungeniert an ihrer ultralaxen Geldpolitik fest. In den USA, wo die Verschuldungssituation und die Vermögenspreisblasen völlig außer Kontrolle geraten sind, wird es ebenfalls keine Normalisierung im Sinne wieder positiver Realzinsen und einer schrumpfenden Notenbankbilanz geben.

Beides wäre verheerend für die Finanzmärkte und die Realwirtschaft.

Es ist davon auszugehen, dass sich auch in den USA mit zeitlicher Verzögerung die Konjunktur bedingt durch neuerliche Pandemie-Restriktionen und auslaufende Konjunkturstimuli abkühlt und die US-Notenbank von ihrer „Tapering“-Agenda wieder abrückt – wie so oft zuvor.

Ob dies bereits auf der nächsten Sitzung am 15. Dezember oder erst Anfang 2022 geschieht, ist dabei unerheblich. Wichtig für den Goldpreis ist vielmehr, dass die Weltwirtschaft aus dem Kreislauf aus Lieferkettenunterbrechungen, explodierender Staatsverschuldung, einhergehend mit Inflationsschüben absehbar nicht herauskommt. Dies wiederum wird auch die US-Fed dazu zwingen, voll auf dem Gaspedal zu bleiben, um eine Rezession zu vermeiden.

Dieses Szenario ist weder an den Aktienmärkten noch bei den Edelmetallen aktuell eingepreist. Doch das kann sich im Zuge der Pandemiedynamik schnell ändern. Diese Dynamik wird in den USA wieder einmal völlig unterschätzt und könnte in Verbindung mit den angedrohten Zinserhöhungen nebst beschleunigtem „Tapering“-Tempo zu einem abrupten Abrutschen der US-Aktienkurse führen.

Spätestens dann muss die Fed erneut stützend eingreifen, um den Wohlstand, die Altersvorsorge und vor allem den für die US-Wirtschaft essenziellen Konsum nicht zu gefährden.

In China hat die Zentralbank (PBoC) ihren Mindestreservesatz heute Morgen bereits zum zweiten Mal in Folge um 50 Basispunkte auf aktuell 11,5 Prozent gesenkt. Weitere Senkungen werden erwartet. Das ist das genaue Gegenteil einer Wende hin zu geldpolitischer Straffung. Parallel dazu steigen auch in China die Preise. Am Donnerstag werden neue Daten dazu aus dem Reich der Mitte erwartet.

Überblick zu den wichtigsten Terminen in der KW 49

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die in der aktuellen Handelswoche kursrelevant werden können.

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 8:00 Uhr DE: Auftragseingang Industrie (Okt. / Jahr) -6,9 % (aktuell) 1,8 %
Montag 10:30 Uhr EU: Sentix-Konjunkturindex Euro-Zone (Dez.) 13,5 (aktuell) 18,3
Dienstag 11:00 Uhr DE: ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschland (Dez.) 25,3 31,7
Dienstag DE: ZEW-Index aktuelle Konjunkturlage Deutschland (Dez.) 5,0 12,5
Mittwoch 0:00 Uhr JP: Reuters Tankan Report Japan (Dez.) - 13
Mittwoch 9:15 Uhr EUR: EZB-Präsidentin Lagarde äußert sich zur Inflationsentwicklung und zur Geldpolitik - -
Mittwoch 16:00 Uhr USA: JOLTS Stellenangebote (Okt.) in Mio. 10,438 10,438
Mittwoch 16:30 Uhr USA: Öllagerbestände in Mio. Barrel - -0,91
Donnerstag 2:30 Uhr CNY: Verbraucherpreise China (Nov. / Jahr) 2,5 % 1,5 %
Donnerstag CNY: Erzeugerpreise China (Nov. / Jahr) 12,6 % 13,5 %
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (KW 48) 213k 222k
Freitag 14:30 Uhr USA: Verbraucherpreisindex (Nov. / Jahr) 6,7 % 6,2 %
Freitag USA: Verbraucherpreisindex (Nov. / Monat) 0,7 % 0,9 %
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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von Knecht "Ro" | 06.12.2021, 23:02 Antworten

Mit Alterssicherung meinen Sie in diesem Zusammenhang wahrscheinlich das US-Brauchtum dafür in Aktien investiert zu sein?

2 Antworten an Knecht "Ro" anzeigen

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