Stand: 09.08.2019 von Egmond Haidt 2 Kommentare

Der Aufwärtstrend beim Goldpreis hat sich beschleunigt. Dafür sind vor allem US-Präsident Donald Trump und die Fed verantwortlich. In einem Umfeld, in dem das weltweite Volumen von Anleihen mit Strafzinsen auf immer neue Rekordwerte steigt, sollte physisches Gold als Schutz gegen Strafzinsen weiterhin gefragt sein. 

Die lange Jahre Leidgeplagten Gold-Fans haben immer mehr Grund zur Freude. Der Goldpreis ist mit rund 1.500 Dollar je Unze auf das höchste Niveau seit Mitte April 2013 gestiegen.

Auf Basis etlicher anderer Währungen hat er sogar Rekordwerte erreicht, wie dem britischen Pfund, dem australischen und dem kanadischen Dollar und dem Yen. Auf Euro-Basis ist das Edelmetall mit 1.340 Euro je Unze bis auf drei Prozent an das Rekordhoch vom September 2012 herangeklettert. Beflügelt wird der Goldpreis vor allem vom Zinseinbruch in den USA und im Rest der Welt.

Nachdem US-Präsident Donald Trump am 1. August neue Strafzölle von 10 Prozent auf chinesische Güter im Wert von mehr als 300 Mrd. Dollar angekündigt hatte, ist der Handelskrieg weiter eskaliert. Die Zölle treten am 1. September in Kraft. Damit trüben sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft drastisch ein, zumal China schnell Gegenmaßnahmen ergriffen hat. 

Trump will Fed zu aggressivem Zinssenkungszyklus zwingen

So hatte China den Renminbi kurz auf mehr als sieben Renminbi je Dollar abgewertet, und damit den Währungskrieg unmissverständlich eröffnet. Durch den Rückgang des Renminbis werden chinesische Produkte in den USA billiger, womit China die Folgen der US-Strafzölle ein wenig abfedern kann.

Das hat Trump einmal mehr auf die Palme gebracht, weshalb das US-Finanzministerium daraufhin China als Währungsmanipulator bezeichnet hat. 

Inzwischen dämmert immer mehr Investoren, dass Trump keinerlei Interesse an einer Einigung mit China haben dürfte, sondern vielmehr mit allen Mitteln versuchen dürfte, den Aufstieg Chinas zur führenden Wirtschafts- und Technologienation zu verhindern.

Im Gegenzug nehmen bei Investoren die Sorgen rapide zu, dass die Wirtschaft der Euro-Zone, der USA und die Weltwirtschaft zügig in eine Rezession abrutschen dürften. 

Mit der jüngsten Eskalation des Handelskriegs will Trump meiner Meinung nach die Fed dazu zwingen, zügig einen massiven Zinssenkungszyklus einzuleiten und dabei gleichzeitig den Dollar zu schwächen, um die Exportchancen der US-Unternehmen zu verbessern.

Powell hatte auf der Pressekonferenz nach der Fed-Sitzung vom 31. Juli, als die Zinsen um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) gesenkt worden waren, noch von einer 

„Anpassung in der Mitte des Zyklus“ gesprochen. 

Mit der Meinung stand er allerdings ganz allein da, denn nach der Fed-Sitzung waren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf Berg- und Talfahrt. Viele Investoren sind der Überzeugung, dass eine derart mickrige Zinssenkung keineswegs ausreicht, um eine Rezession zu verhindern.

Inzwischen ist es für viele Investoren ausgemachte Sache, dass die Fed zumindest sowohl im September als auch im Dezember die Zinsen senken wird.  

US-Zinsen senden starkes Rezessionssignal

Weil mit der Ausweitung des Handelskriegs zum Währungskrieg die Rezessionssorgen stark zunehmen, sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen bis auf knapp über 1,6 Prozent eingebrochen, ehe sie sich ein wenig erholt haben. Damit lagen sie um lediglich 20 Basispunkte über dem Rekordtief vom Juli 2016 – ein sehr bedenkliches Signal!

Gleichzeitig liegen die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen um 31 Basispunkte unter den Zinsen für dreimonatige Anleihen, diese Zinsstrukturkurve ist also invers. Das ist der niedrigste Wert seit April 2007. Der US-Anleihenmarkt schätzt damit die Perspektiven der US-Wirtschaft als so schlecht ein, wie seit mehr als 12 Jahren nicht mehr! 

Die Notenbank von New York hat diese Kurve wiederholt als hervorragendes Rezessionssignal bezeichnet. Indem man von den Zinsen für zehnjährige Anleihen jene für dreimonatige abzieht, entfernt man die Inflationskomponente und es bleibt nur noch die Wachstumskomponente übrig. 

Der Zinseinbruch in den USA drückt die Zinsen im Rest der Welt nach unten und damit auf neue Rekordtiefs, zumal zuletzt die Notenbanken Neuseelands, Thailands, Indiens und der Philippinen in den vergangenen Tagen ebenfalls die Zinsen gesenkt haben. Damit nimmt der weltweite Zinssenkungswettlauf auf Rekordtiefs Fahrt auf. 

Daher ist das Volumen weltweiter Anleihen mit Strafzinsen auf den Rekord von umgerechnet 15 Billionen Dollar gestiegen. 

Damit steht der Anleihenmarkt völlig Kopf. Die Investoren leihen den jeweiligen, teilweise hochverschuldeten Ländern Geld, und zahlen dafür auch noch Strafzinsen – welcher Irrwitz!

Dreht der US-Aktienmarkt nachhaltig nach unten?

Für zusätzlichen Rückenwind beim Goldpreis hat der Kursrückgang beim S&P500 gesorgt. Zwar liegt er um lediglich rund fünf Prozent unter dem Rekordhoch vom Juli. Allerdings befürchten manche Investoren, dass im Umfeld einer US-Rezession selbst massive Zinssenkungen der US-Notenbank und ein neues QE-Gelddruckprogramm nicht ausreichen könnten, um den Aktienmarkt oben zu halten. 

Umso genauer beobachten Investoren die Nachrichten vom Handelskrieg. China hat zuletzt signalisiert, dass das Land darauf vorbereitet ist, dass die US-Strafzölle von 10 Prozent auf 25 Prozent steigen dürften. Zudem hat China angekündigt, dass es seinen Bestand an US-Staatsanleihen weiter graduell abbauen und das Geld stattdessen in andere Vermögenswerte investieren werde, wie Gold, oder Staatsanleihen anderer Länder. Damit würde die ohnehin rekordhohe Nachfrage der weltweiten Notenbanken nach Gold weiter anhalten. 

Da der Handels- beziehungsweise Währungskrieg weiter eskalieren dürfte, dürfte sich der weltweite Zinssenkungswettlauf auf Rekordtiefs beschleunigen. Zuletzt hat die Allianz-Tochter Pimco gewarnt, dass auch bei US-Anleihen Strafzinsen drohen. In dem Umfeld könnte sich der Kursrückgang bei DAX und S&P500 deutlich ausweiten - umso gefragter könnte hingegen der sichere Hafen Gold sein. 

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Zinseinbruch treibt Goldpreis auf Sechs-Jahres-Hoch
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [2]
  • von Goldhamster | 12.08.2019, 10:03 Antworten

    Nur steigende Preise oder auch steigende Kaufkraft der Aurumanlagen dürfte die eigentliche Frage sein. Ersteres dürfte nur Augenwischerei sein. Kleiner Trost. Auch Veränderungen des Preises lassen das physische Gewicht des Depots unverändert.

  • von bling bling | 09.08.2019, 17:10 Antworten

    q.e.d.

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