Stand: 08.02.2019 von Egmond Haidt 1 Kommentare

Die EZB hat im Dezember ihr Billionenschweres Gelddruckprogramm eingestellt. Inzwischen räumt allerdings selbst EZB-Chef Mario Draghi ein, dass sich die Wirtschaft der Euro-Zone deutlich abgekühlt hat. Das Risiko wächst von Tag zu Tag, dass es zu einer Rezession kommt und der Euro nach unten rauscht.

Trotz der Rally beim S&P500 hält sich der Goldpreis in der Nähe des Neun-Monats-Hochs. Das ist mehr als bemerkenswert, ist doch der Börsenwert des S&P500 seit Jahresanfang um herbe 1,9 Billionen Dollar nach oben geschossen. Dass viele Investoren dennoch weiterhin auf Gold setzen, zeigt, dass der sichere Hafen weiterhin gefragt ist.

Schließlich ist der Anstieg des US-Aktienmarkts hauptsächlich auf die Kehrtwende der Fed hin zu möglichen Leitzinssenkungen zurückzuführen, während sich das Konjunkturumfeld in den USA zusehends verschlechtert, was die sinkenden Zinsen für zehnjährige US-Anleihen klar widerspiegeln.

Krise in der deutschen Industrie verschärft sich

Allerdings trüben sich die Perspektiven für die Wirtschaft der Euro-Zone noch schneller ein als jene für die USA, wie eine Reihe von Konjunkturdaten aus verschiedenen Ländern zeigen. Das belastet den Euro gegenüber dem Dollar. Besonders bedenklich sind die Zahlen aus Deutschland, leidet doch die hiesige stark exportabhängige Industrie unter dem Handelskrieg zwischen den USA und China, der die Weltwirtschaft belastet, der Abkühlung der Konjunktur in China und den USA, sowie dem Brexit, also dem Austritt Großbritanniens aus der EU, enorm.

So ist die Industrieproduktion Deutschlands im Dezember um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken, Volkswirte hatten hingegen einen Anstieg um 0,7 Prozent vorhergesagt. Damit liegt die Produktion um 3,9 Prozent unter dem Vorjahr. Die Krise in dem Sektor dürfte sich verschärfen, waren doch die Industrieaufträge im gleichen Monat um 7,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Das war der größte Rückgang seit 2012.

Schrammt Deutschland knapp an einer Rezession vorbei?

Wenn es der Industrie allerdings nicht gut geht, dann hat die gesamte deutsche Wirtschaft erheblichen Gegenwind. Umso gespannter warten Investoren auf die Zahlen zum Wirtschaftswachstum im vierten Quartal, die am 14. Februar veröffentlicht werden.

Viele Volkswirte gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen ist. Sollte sie überraschend geschrumpft sein, nachdem sie bereits im dritten Quartal um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurückgegangen war, wäre das das zweite Minus in Folge, womit Deutschland in eine Rezession abgerutscht wäre.

Allerdings wächst das Risiko, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft weiter abschwächt und die deutsche Wirtschaft in den nächsten Quartalen in einen Abschwung abgleitet. Zuletzt ist der Einkaufsmanagerindex für die weltweite Industrie, den die englische Researchfirma IHS Markit veröffentlicht, von 51,4 Punkte auf 50,7 Punkte gesunken und nähert sich damit zügig der Marke von 50 Punkten, die die Grenze zwischen einem Wachstum und einem Schrumpfen des Sektors ist. Dass es der deutschen Industrie nicht gut gehen wird, wenn die weltweite Industrie schrumpfen sollte, dürfte jedermann klar sein.

Italien ist in eine Rezession abgerutscht

Neben der Konjunkturschwäche in Deutschland sorgt die italienische Wirtschaft für zusätzlichen Druck auf den Euro. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ist bereits in eine Rezession abgerutscht. Dabei war die Wirtschaft im vierten Quartal um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft, nach einem Minus von 0,1 Prozent für das dritte. Damit zahlt das Land den Preis für die Politik, die die populistische Regierung macht.

Sie wird zwar die Konjunktur im laufenden Jahr mit einem Grundeinkommen für Einkommensschwache, deutlichen Steuersenkungen und der Senkung des Eintrittsalters stützen. Dennoch dürfte die Wirtschaft erst einmal in der Rezession bleiben, weil in dem unsicheren Umfeld viele Unternehmen die Investitionen kürzen dürften.

Investoren reißen sich um italienische Anleihen

Und was machen Investoren in dem Umfeld? Sie reißen sich um italienische Anleihen – unglaublich! Zuletzt hat das Land 30-jährige Anleihen im Volumen von acht Mrd. Euro emittiert, wobei die Nachfrage bei mehr als 41 Mrd. Euro gelegen war. Die Papiere waren also mehr als fünffach überzeichnet.

Dabei steigt der Schuldenberg Italiens von einem Rekord zum nächsten, wobei die Neuverschuldung in diesem Jahr wegen der schwachen Konjunktur viel höher sein dürfte als jene 2,04 Prozent der Wirtschaftsleistung, die die Regierung in Aussicht gestellt hat.

Warum greifen Investoren dennoch kräftig bei italienischen Anleihen zu? Weil die Zinsen in den USA, in Deutschland und vielen anderen Ländern auf dem Weg nach unten sind – die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen sind auf mickrige 0,15 Prozent kollabiert.

Da greifen Anleger umso stärker bei italienischen Papieren zu, die beispielsweise bei zehnjährigen Papieren Zinsen von 2,9 Prozent bringen. Investoren tun das alles nur, weil sie wissen, dass sie im Notfall von der EZB rausgehauen werden, die EZB also jederzeit wieder anfangen könnte, massiv Staatsanleihen der Euro-Länder zu kaufen.

Positiv ist der sinkende Euro für Gold-Besitzer. Während der Goldpreis auf Dollar-Basis knapp unter dem Neun-Monats-Hoch notiert, und der Euro gegenüber dem Dollar in die Nähe des Zwölf-Monats-Tiefs gesunken ist, ist der Goldpreis auf Euro-Basis auf das höchste Niveau seit Mai 2017 geklettert.

Viele Investoren werden die Konjunkturdaten aus der Euro-Zone, gerade aus den drei größten Volkswirtschaften, Deutschland, Frankreich und Italien weiter genau beobachten. Wenn die Zahlen noch schlechter werden sollten, und damit die Rezessionssorgen der Investoren zunehmen, dürfte der Euro gegenüber dem Dollar nach unten ausbrechen. Das würde den Goldpreis auf Euro-Basis stützen.

Zunehmende Rezessionssorgen drücken den Euro
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [1]
  • von cuno99 | 08.02.2019, 18:55 Antworten

    Naja, zum Gold- oder Silberkauf wird immer geraten. Der das hier liest, ist eh schon infiziert......also

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