Alle Märkte, an denen Handel mit Kapital stattfindet, werden zusammenfassend als Finanzmarkt bezeichnet. Die drei Teilmärkte des Finanzmarkts sind der Geldmarkt für kurzfristige Geldgeschäfte, der Kapitalmarkt für mittel- und langfristige Geschäfte sowie der Devisenmarkt, an dem verschiedene Währungen gegeneinander getauscht werden.

Geldmarkt

Der Geldmarkt ist der Teilbereich des Finanzmarkts, an dem kurzfriste Forderungen und Verbindlichkeiten mit einer Frist bis zu einem Jahr gehandelt werden. Er gliedert sich in den organisierten Geldmarkt und den nicht organisierten Geldmarkt. Am organisierten Geldmarkt nehmen Zentralbanken, Geschäftsbanken und im geringeren Umfang andere Finanzdienstleister wie Versicherungs- und Investmentgesellschaften teil. Der nicht organisierte Teil des Geldmarkts findet zwischen Banken und Nichtbanken, also privaten Anlegern und Kreditnehmern statt.

Dass wichtigste Handelsinstrument am organisierten Geldmarkt des Euroraums ist das Hauptrefinanzierungsinstrument, mit dem kurzfristige notenbankfähige Wertpapiere gegen Zentralbankgeld getauscht werden. Die Europäische Zentralbank bietet den Geschäftsbanken das Geld einmal wöchentlich und mit Laufzeit von einer Woche an.

Die konkrete Geschäftsabwicklung findet zwischen den Geschäftsbanken und nationalen Zentralbanken wie der Deutschen Bundesbank statt, die als Stellvertreter der EZB agieren. Weitere wichtige Handelsinstrumente neben dem Hauptrefinanzierungsinstrument, sind Tages- und Termingelder sowie Rückkaufvereinbarungen und Wechsel.

Die Europäische Zentralbank bilden das Zentrum des organisierten Geldmarktes im Euroraum. Sie tritt als der Anbieter von Zentralbankgeld auf und steuert Angebot und Nachfrage nach diesem Geld vor allem über Zinssätze. Der wichtigste dieser Zinssätze ist der Hauptrefinanzierungssatz, der für das Hauptrefinanzierungsinstrument gilt. Ist in den Medien vom Leitzins der EZB die Rede, ist meist dieser Zinssatz gemeint. Das Pendant zum Hauptrefinanzierungssatz in den Vereinigten Staaten ist die Federal Funds Rate.

Expansive und restriktive Geldpolitik

Durch Zinssenkungen der Zentralbank sollen die Liquidität erhöht und die Geschäftsbanken zu verstärkter Kreditvergabe an Unternehmen und Verbraucher motiviert werden. Die mittelbare Folge sind steigende Inflationszahlen, da sich mehr Geld im Wirtschaftskreislauf befindet. Zinserhöhungen bewirken das Gegenteil:

Sie entziehen dem Markt Liquidität, reduzieren das Kreditvolumen der Banken und wirken in der Folge inflationssenkend. Wegen ihres Einflusses auf das Kreditvolumen der Banken bezeichnet man Zinssenkungen auch als expansive und Zinserhöhungen als restriktive Geldpolitik der Zentralbank.

Unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen nach 2007

Die EZB hat die Möglichkeiten der traditionellen expansiven Geldpolitik im März 2016 ausgeschöpft, indem Sie den Hauptfinanzierungssatz erstmals auf null Prozent senkte. Parallel zu den konventionellen Zinssenkungen haben Zentralbanken der Eurozone, der USA, Japans und Großbritanniens nach der Finanzkrise ab 2007 eine Reihe von unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen ergriffen. Die wichtigste dieser Maßnahmen besteht in milliardenschweren Ankäufen von Anleihen und anderen Wertpapieren mit elektronisch neu geschöpftem Geld.

Während die USA und Großbritannien diese quantitativen Lockerungen inzwischen wieder eingestellt haben, bestehen sie in der Eurozone fort, wo sie allerdings auch erst seit März 2015 durchgeführt werden. Hinzu kommen inzwischen Negativzinsen für kurzfristige Einlagen der Geschäftsbanken im Euroraum, die zumindest teilweise an die Bankkunden weitergegeben werden. Betroffen sind bisher nur hohe Guthaben auf Geschäftskonten. Auf längere Sicht besteht die Gefahr, dass diese Negativ- oder Strafzinsen auch für Privatkonten Anwendung finden.

Mit Stand vom Mai 2016 liegt das monatliche Ankaufvolumen für Wertpapiere der EZB bei 80 Milliarden Euro und der "Strafzins" für Geldeinlagen bei -0,4 Prozent. Die Ankäufe der Wertpapiere sollen noch bis März 2017 laufen.

Kapitalmarkt

Der Kapitalmarkt ist der Teilbereich des Finanzmarkts, an dem Geld mittel- bis langfristig angeboten und nachgefragt wird. Die zeitliche Abgrenzung zum Geldmarkt liegt bei einem Jahr. Zu den wichtigsten Handelsinstrumenten am Kapitalmarkt gehören Staats- oder Unternehmensanleihen, Aktien und andere Wertpapiere wie Terminkontrakte (Futures). Man unterscheidet den Primär- oder Emissionsmarkt, in dem Wertpapiere erstmalig ausgegeben werden und den Sekundärmarkt, in dem der tagtägliche Kauf und Verkauf dieser im Primärmarkt emittierten Papiere stattfindet.

Aktien und Anleihen

Aktien und Anleihen sind grundsätzlich verschiedene Instrumente der Kapitalbeschaffung beziehungsweise der Geldanlage am Kapitalmarkt. Mit dem Kauf einer Aktie wird der Aktionär Miteigentümer an einem Unternehmen und partizipiert in Form von Dividenden am Unternehmensgewinn. Darüber hinaus sind Verluste und Gewinne aufgrund der negativen oder positiven Kursentwicklung der Aktie möglich.

Bei einer Anleihe handelt es sich hingegen um eine reine Schuldverschreibung, also um eine Forderung mit einem festen Zinssatz und fester Laufzeit beziehungsweise Fälligkeit, die von Unternehmen und von Staaten und anderen Gebietskörperschaften wie deutschen Bundesländern emittiert werden.

Primärmarkt

Am Primärmarkt findet die Emission, also der erstmalige Verkauf von Wertpapieren statt. Der Kreis der potentiellen Käufer ist dabei oft stark eingegrenzt. Deutsche Bundesanleihen werden zum Beispiel in einer Auktion emittiert, an der direkt nur Kreditinstitute teilnehmen können, die der Bietergruppe Bundesemissionen angehören.

Die Emission von Aktien eines Unternehmens geschieht mit Hilfe eines Konsortiums einer oder mehrerer Investmentbanken, die als Underwriter bezeichnet werden. Die Aufgabe der Underwriter besteht unter anderem darin, Investoren für die neu auszugebenden Aktien zu gewinnen. Dabei ist es üblich zunächst eine Preisspanne anstelle eines exakten Preises anzugeben.

Interessierte Anleger können während der öffentlichen Zeichnungsfrist verbindlich die Abnahme der Wertpapiere zum individuell bestimmten Maximalpreis erklären. Nach der Zuteilung der Aktien und der endgültigen Festlegung des Emissionspreises erfolgt der Eintrag der Aktien ins Handelsregister.

Sekundärmarkt

Der Handel mit bereits emittierten Wertpapieren findet am Sekundärmarkt statt. Wichtige Handelsplätze für den Sekundärmarkt sind Wertpapierbörsen wie die New York Stock Exchange und die NASDAQ in den USA, die Frankfurter Wertpapierbörse in Deutschland, die London Stock Exchange in Großbritannien oder die Shanghai Stock Exchange in China.

Ein großer Teil des Handelsvolumens, insbesondere von Anleihen, wird allerdings nicht an den Börsen, sondern direkt zwischen institutionellen Investoren umgesetzt, die ein informelles Netzwerk von Händlern nutzen. Diese Art des Handels bezeichnet man als außerbörslichen Handel oder OTC-Handel (von englisch: over the counter). Ein Grund für den überwiegend außerbörslichen Handel mit Anleihen ist die große Vielfalt der verzinslichen Wertpapiere. Der börsliche Handel verlangt hingegen ein hohes Maß an Standardisierung der Wertpapiere.

Aktien verfügen über vergleichsweise wenige Merkmale wie Stimmrecht und Übertragbarkeit. Bei Anleihen ergeben sich aus der Rendite, der Fälligkeit und gegebenenfalls der Währung, in der sie ausgegeben wird, unzählige Kombinationsmöglichkeiten. Der US-amerikanische Mischkonzern General Electric zum Beispiel hat mehr als 1.000 verschiedenen Unternehmensanleihen emittiert, aber nur eine einzige Art von Aktien herausgegeben.

Darüber hinaus zeichnet sich der Handel mit Anleihen durch eine sehr niedrige Handelsfrequenz aus. Es kann vorkommen, das eine Anleihe für Monate oder sogar Jahre überhaupt nicht erhältlich ist oder verkauft werden kann. Bei den Anlegern handelt es sich ganz überwiegend um institutionelle Investoren. Ein Pensionsfonds etwa, der in ein großes Paket einer bestimmten Anleihe mit 10-jähriger Laufzeit investiert, wird dieses Paket bis zu Fälligkeit oft gar nicht mehr zum Verkauf anbieten.

Devisenmarkt

Der Devisenmarkt ist mit einem täglichen Umsatz zwischen fünf und sechs Billionen US-Dollar der mit Abstand größte und liquideste Finanzmarkt der Welt. Um dieses Volumen ins Verhältnis zu setzen: In weniger als zwei Wochen wechselt am Devisenmarkt der Gegenwert des Bruttoinlandsprodukts aller Staaten der Welt den Besitzer.

Der Handel mit Devisen findet global, rund um die Uhr an Wochentagen und außerbörslich über elektronische Handelsplattformen sowie in geringerem Umfang noch telefonisch statt. Wichtige Marktteilnehmer sind neben Geschäftsbanken, Unternehmen, Brokern, die im Auftrag von Privatinvestoren handeln und spezialisierten Handelshäusern auch die Zentralbanken. Diese greifen nicht selten aus wirtschaftspolitischen Gründen in den Handel ein, um die eigene Währung zu stabilisieren oder einer als zu stark betrachteten Verteuerung entgegenzuwirken.

Die wichtigsten Devisen

Die mit Abstand wichtigste Währung am Devisenmarkt ist der US-Dollar auf den rund 85 Prozent des Handelsvolumens entfallen. Es folgen in dieser Reihenfolge der Euro, der Japanische Yen, das Britische Pfund und der Australische Dollar. Der Handel dieser und anderer Währungen findet in Form von Währungspaaren statt. Der größte Umsatz entfällt auf das Währungspaar Euro/US-Dollar, meist abgekürzt als EUR/USD. Das Wertverhältnis der beiden Währungen beschreibt den fortlaufend veränderlichen Wechselkurs.

Basiswährung und Kurswährung

Die erstnotierte Währung im Währungspaar bezeichnet man als Basiswährung und die zweitnotierte als Kurswährung. Die Reihenfolge ist für jedes Währungspaar festgelegt, stellt aber keinerlei Rangfolge dar. Der Euro wird zum Beispiel grundsätzlich als Basiswährung zuerst notiert, auch gegenüber dem deutlich umsatzstärkeren US-Dollar.

Pip und Lot

Änderungen des Wechselkurses werden als Preisveränderungen der Kurswährung in der Basiswährung angegeben. Die Einheit für die kleinste mögliche Preisänderung ist das Pip (von englisch: Percentage in point). Ein Pip entspricht bei den meisten Währungen der vierten Nachkommastelle, bei Euro und Dollar also dem hundertsten Teil eines Cents. Die Notierung "EUR/USD = 1,2000" bedeutet also:

Der Wert eines Euro entspricht dem Wert von 1,2000 Dollar. Lautete die nächste Notierung etwa EUR/USD = 1,2010, hat sich der Dollar um zehn Pips gegenüber dem Euro verteuert. Die übliche Handelseinheit im Devisenhandel ist das Lot oder Standardlot. Ein Standardlot entspricht 100.000 Einheiten der Basiswährung, im Fall von EUR/USD also 100.000 Euro. Ebenfalls handelbar sind Mini-Lots, die je 10.000 und Micro-Lots, die je 1.000 Einheiten der Basiswährung entsprechen.

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