Stand: 21.11.2017 0 Kommentare

Goldimporte finden aus verschiedenen Gründen statt. Dazu gehört die Nachfrage nach Goldmünzen, Goldbarren und Goldschmuck sowie, in weit geringerem Umfang, nach Gold für industrielle oder technologische Anwendungen. Darüber hinaus kann ein Land als internationaler Handelsplatz und Lagerstätte für Gold eine wichtige Rolle spielen oder ein Zentrum der Goldraffination sein. Um diese Funktionen erfüllen zu können sind ebenfalls bedeutende Einfuhren nötig. Die vier größten Goldimporteure sind China, Indien, Großbritannien und die Schweiz, während Länder wie die USA seit über zwei Jahrzehnten im internationalen Goldhandel die Rolle von Nettoexporteuren spielen.

Chinas Goldimporte

China ist neben Indien das Land mit der höchsten Nachfrage nach physischem Gold. Chinesische Bürger nutzen das Edelmetall bevorzugt für die Geldanlage. Neben der traditionell hohen Wertschätzung von Gold ist hierfür auch der eingeschränkte Zugang der Bevölkerung zu den internationalen Finanzmärkten verantwortlich.

Physisches Gold als Investment wird in dem asiatischen Land nicht nur in Form von Münzen und Barren, sondern traditionell auch von Schmuck gekauft, der deshalb überwiegend aus hochfeinem Gold oder "Chuk Kam" besteht. Privater Goldbesitz in China ist seitens der Regierung ausdrücklich erwünscht und wird ermutigt. Obwohl China mit einem Volumen von 453,5 Tonnen pro Jahr (Stand 2016) der mit Abstand größte Goldförderer ist, muss der Großteil der Nachfrage inzwischen über Importe gedeckt werden, denn Chinas Gesamtnachfrage nach Gold belief sich im Jahr 2016 auf insgesamt 968 Tonnen1, Käufe der Zentralbank nicht eingerechnet.

Seit 2011 übertrifft also das Importvolumen die Goldminenproduktion des Landes. Im Jahr 2013 erreichten die Importe mit 1.109 Tonnen ihren bisherigen Höchststand. Die relative Knappheit des Edelmetalls wird durch den Staat zusätzlich verstärkt. China erhöht kontinuierlich seine Goldreserven und damit auch die inländische Goldnachfrage.

Genaues Volumen chinesischer Goldimporte strittig

Die exakte Höhe der chinesischen Goldeinfuhren ist strittig. Da China selbst keine entsprechenden Importzahlen veröffentlicht, sind Analysten auf Schätzungen angewiesen, die auf den Exportdaten anderer Länder beruhen. Bis 2013 wurden die Goldimporte Chinas in den Medien grundsätzlich mit den Einfuhren über Hong Kong gleichgesetzt.

Die Stadt ist zwar Teil von China, hat aber der Status einer Sonderverwaltungszone und führt eigene Außenhandelsstatistiken. Seit 2014 ist prinzipiell ein etwas genaueres Bild der chinesischen Importe möglich. Die Schweiz schlüsselt seit Januar dieses Jahres Goldexporte nach Zielländern auf und Großbritannien hat ebenfalls 2014 mit direkten Exporten in die Volksrepublik China begonnen. Eine allgemein akzeptierte Grundlage für die Berechnung der chinesischen Goldimporte existiert allerdings bis heute nicht.

Die Einschätzungen verschiedener Experten weichen erheblich voneinander ab. Die folgende Übersicht legt deshalb nur die traditionelle Angabe der Goldeinfuhren über Hong Kong zugrunde. Die Importvolumen für die einzelnen Jahre sollten als Mindestwerte aufgefasst werden.

Jährliche Goldimporte China (über Hong Kong) 2010 bis 2014
Jahr Goldimporte China
2010 119 t
2011 431 t
2012 835 t
2013 1.109 t
2014 750 t

Indiens Goldimporte

Privater Goldbesitz als Wertspeicher hat in Indien ebenso wie in China eine lange Tradition. Experten schätzen den Gesamtbestand des im Lande befindlichen Goldes auf rund 20.000 Tonnen. Das entspricht mehr als der sechsfachen Menge der weltweiten Minenproduktion im Jahr 2014.Im Unterschied zu China verfügt Indien allerdings über keine nennenswerte eigene Goldminenindustrie, ist also in noch stärkerem Maße auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen.

Bis 2012 waren die indischen Goldeinfuhren grundsätzlich höher als die chinesischen. Das Verhältnis der indischen Regierung zu Goldimporten ist deutlich kritischer als in China. Die indische Leistungsbilanz weist hohe jährliche Defizite auf, die neben der Einfuhr von Öl vor allem auf Goldimporte zurückzuführen sind. In China sind Exportüberschüsse die Regel.

Die indische Bevölkerung wird deshalb seit 2015 ermutigt, dem Finanzkreislauf Gold in Form von Edelmetallkonten zuzuführen oder zumindest Goldanleihen zu kaufen, für die kein physischer Goldbesitz nötig ist. In früheren Jahren hatte die indische Regierung bereits zu drastischeren Mitteln wie der Erhöhung der Importsteuer oder verbindlichen Quoten für den Reexport gegriffen, um die Goldimporte zumindest zu reduzieren. Charts zu indischen Importen finden Sie unter: https://smaulgld.com/indian-gold-and-silver-import-charts/

Jährliche Goldimporte Indien 2010 bis 2014
Jahr Goldimporte Indien
2010 941 t
2011 1079 t
2012 980 t
2013 828 t
2014 779 t

Großbritanniens Goldimporte

Großbritannien verfügt mit dem London Bullion Market über den weltweit wichtigsten Handelsplatz für Gold. An einem typischen Handelstag werden hier Goldgeschäfte mit einem Volumen zwischen 150 Millionen bis 20 Millionen Feinunzen (etwa 466 bis 622 Tonnen) abgewickelt. Um das Edelmetall für den Handel vor Ort zu haben, lagern Hersteller von Goldbarren, Anbieter von Goldfonds, Banken und weitere institutionelle Marktteilnehmer ihr Gold in großem Umfang in der britischen Hauptstadt.

Dies drückt sich auch durch hohe Goldimporte des Vereinigten Königreichs aus. In den 15 Jahren von 1999 bis 2014 beliefen sich die Einfuhren auf 9908 Tonnen Gold. Die höchsten Importe innerhalb dieses Zeitraums wurden im Jahr 2009 mit 1.166 Tonnen erreicht. Das niedrigste Importvolumen verzeichnete Großbritannien mit 302 Tonnen im Jahr 2004. Wichtige Herkunftsländer für die britischen Goldimporte sind Goldförderländer wie die USA, Kanada und Australien, aber auch regional bedeutende Goldhandelsnationen wie die Vereinigten Arabischen Emirate. Mehr dazu unter: http://news.sharpspixley.com/

Jährliche Goldimporte Großbritannien 2010 bis 2014
Jahr Goldimporte Großbritannien
2010 766 t
2011 796 t
2012 1034 t
2013 326 t
2014 499 t

Goldimporte der Schweiz

Der mit Abstand größte Goldimporteur ist die Schweiz. Als einziges Land der Welt führt die Schweiz konstant mehr als 1.000 Tonnen und teilweise über 2.000 Tonnen Gold pro Jahr ein. Das Land profitiert von seiner relativen Nähe zum wichtigen Handelsplatz London. Als langfristige Lagerstätte für Gold ist die Schweiz auch aufgrund ihrer historisch gewachsenen Rolle als Zufluchtsort von Kapital in Krisenzeiten beliebt.

Unmittelbar nach der Finanzkrise 2007 und 2008 importierte die Schweiz mehr Gold als in jedem anderen Jahr seit der Wirtschaftskrise in der 1970er Jahren. Ein weiterer Grund für die hohen Goldimporte der Schweiz ist ihre Bedeutung für die Goldraffination. Alleine die vier größten Scheideanstalten des Landes (Argor-Heraeus, Valcambi, PAMP und Metalor) verfügen gemeinsam über hinreichende Kapazitäten, um 70 Prozent des jährlich geförderten Goldes zu verarbeiten.

Bedeutung der Goldraffination für den Schweizer Goldhandel

Hinzu kommen unterschiedliche Präferenzen für die Gewichte von Goldbarren in Europa und Asien. In London werden Gold-Delivery-Barren mit 400 oz beziehungsweise ca. 12,4 kg Gewicht gehandelt. In Indien und China stellt der 1-kg-Goldbarren den Standard im Goldhandel dar. Gold aus den Londoner Tresoren, das für asiatische Abnehmer bestimmt ist, wird deshalb zunächst in die Schweiz exportiert, umgeschmolzen und dann nach Asien verschickt. Großbritannien ist aus diesem Grund das mit Abstand wichtigste Herkunftsland für Schweizer Goldimporte, gefolgt von den USA: https://www.bullionstar.com/

Jährliche Goldimporte der Schweiz 2010 bis 2014
Jahr Goldimporte Schweiz
2010 1.748 t
2011 2.177 t
2012 1.786 t
2013 2.627 t
2014 1.755 t

Großbritannien und die Schweiz als Exporteure von Gold

Während Indien und in noch stärkerem Maß China echte Zielländer im internationalen Goldhandel sind, trifft dies für Großbritannien und die Schweiz mittlerweile nur noch teilweise zu. Beide Länder exportieren bedeutende Mengen des eingeführten Goldes nach Asien, wobei der Schweiz wie oben beschrieben häufig die Rolle einer kurzfristigen Zwischenstation zukommt. Die Nettoimporte (Importe minus Exporte) können zwar in einzelnen Jahren ein hohes Volumen erreichen. In anderen Jahren sind die Außenhandelsbilanzen für Gold allerdings negativ, wie die folgende Übersicht zeigt.

Jährliche Goldexporte (netto) der Schweiz und Großbritanniens 2010 bis 2014
Jahr Goldimporte Großbritannien (netto) Goldimporte Schweiz (netto)
2010 504 t 204 t
2011 109 t 463 t
2012 875 t 203 t
2013 -1.405 t -176 t
2014 -431 t 2 t

Goldimporte der USA, der EU und der Türkei

Goldimporte USA: Die USA sind zwar ein relativ bedeutender Goldimporteur, allerdings liegen die jährlichen Ausfuhren bereits seit den 90er Jahren ohne Ausnahme über den Einfuhren. Von 2010 bis 2014 beliefen sich die Importe im Durchschnitt auf 336 Tonnen und die Exporte auf 616 Tonnen.

Die Nachfrage nach physischem Gold in den Vereinigten Staaten (vor allem Barren, Münzen und Schmuck) wird durch die Importe nur teilweise abgebildet. Das Land ist mit einem Volumen von 211 Tonnen (Stand 2014) nach China, Australien und Russland der viertgrößte Goldförderer, kann also Juweliere, Münzprägeanstalten und Barrenherstellern teilweise auch selbst mit Gold versorgen. Mehr unter: http://www.acting-man.com/

Goldimporte der EU: Großbritannien stellt mit typischerweise deutlich über 50 Prozent den größten Anteil der Goldeinfuhren in die Europäische Union. Deutschland ist der zweitgrößte Abnehmer, was vor allem auf die zunehmende Beliebtheit von Goldbarren und Goldmünzen für die Geldanlage zurückzuführen ist. Italien und Österreich gehören ebenfalls zu den wichtigen Gold importierenden Ländern in Europa.

Im Zeitraum von 2010 bis 2014 importierte die EU durchschnittlich 1.052 Tonnen Gold pro Jahr. Die Exporte beliefen sich im selben Zeitraum auf 1.432 Tonnen. Für die EU gilt insgesamt, was auch für Großbritannien als Einzelland zutrifft: Historisch wurden eher Nettozuflusse verzeichnet. Die starke asiatische Nachfrage und insbesondere der Zuwachs der chinesischen Goldimporte sorgen seit 2013 allerdings für Nettoabflüsse: http://www.acting-man.com/?p=40928

Goldimporte der Türkei: Die Türkei gehört zu den Ländern mit stark schwankenden und teilweise recht bedeutenden Goldimporten. Im bisherigen Rekordjahr 2013 führte das Land 302 Tonnen Gold ein. Dem stehen allerdings einzelne Jahre mit eher geringem Importvolumen gegenüber wie 2009 (38 Tonnen) und 2010 (42 Tonnen). Auf Seite der Exporte ergibt sich mit Schwankungen zwischen weniger als 50 Tonnen (2011) und mehr als 250 Tonnen (2012) ein ähnliches Bild. Die Schwankungen des türkischen Außenhandels mit Gold machen es schwierig, das Land eindeutig den Nettoimporteure oder den Nettoexporteuren zuzuordnen. Statistiken zu den türkischen Goldimporten von 1995 bis 2014 siehe unter:

Beeinflussen Goldimporte den Goldpreis?

Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen insgesamt hohen Goldimporten und einer steigenden Goldpreisentwicklung ist nicht nachweisbar. Auch die starke physische Nachfrage nach Gold, die im Wesentlichen hinter den Importen Chinas und Indiens steht, führt nicht notwendigerweise zu einem höheren Goldpreis.

Die Goldimporte beider Länder erreichten 2013 zusammengenommen ein Rekordniveau von fast 2.000 Tonnen. Im selben Jahr war die Goldpreisentwicklung um 15,35 Prozent rückläufig. Der große Einfluss der Terminbörse COMEX stellt eine wichtige Ursache für ausbleibende Anstiege des Goldpreises trotz hoher physischer Nachfrage dar. An der COMEX werden Futures (Warenterminkontrakte) auf Gold und andere Rohstoffe gehandelt.

Im Futures-Handel können Kauf- und Verkaufspositionen eröffnet und wieder geschlossen werden, ohne dass es zu einer physischen Auslieferung kommt. Die große Bedeutung des Futures-Handels wird deshalb von Besitzern physischen Goldes oft sehr kritisch gesehen. Der Preis für die Kontrakte, so der Vorwurf, entspreche nicht dem realen Verhältnis von Goldangebot und Goldnachfrage.


Quellen

(1) GFMS-Reuters: GFMS Gold Survey 2017

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