Stand: 16.02.2018 0 Kommentare

Die Importe und Exporte von physischem Gold stellen den globalen Bedarf nach dem Edelmetall sicher. Wichtige Treiber des internationalen Goldhandels sind die Nachfrage nach Goldschmuck, die physische Investmentnachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen und die Nachfrage nach Gold für industrielle Anwendungen. Die Länder mit dem größten Anteil an den Importen und Exporten von Gold sind Großbritannien, die Schweiz, China, Indien und – mit einigem Abstand - die USA.

Das Wichtigste in Kürze

  • China, Indien, UK und die Schweiz importieren am meisten Gold
  • UK und Schweiz sind sind in der Spitzengruppe der Exporteuren
  • Goldexporte der USA übertreffen Importe regelmäßig

Goldimporte China

Im Zuge des ökonomischen Aufstieges Chinas hat sich das Land zum weltweit wichtigsten Nachfrager nach Gold entwickelt. Hochkarätiger Goldschmuck spielt eine traditionell wichtige Rolle in der Kultur des Landes.

Darüber hinaus ist das Edelmetall auch unter chinesischen Investoren beliebt, die oft nur einen eingeschränkten Zugang zu internationalen Kapitalmärkten haben und auf alternative Formen der Geldanlage angewiesen sind.

Die chinesische Zentralbank ist ebenfalls ein wichtiger Goldkäufer.

Die offiziellen chinesischen Goldreserven haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Mit Stand vom September 2017 beläuft sich der staatliche Goldschatz Chinas auf 1.842,6 Tonne. Damit belegt China im internationalen Vergleich den 6. Platz.

Einen Teil des steigenden Goldbedarfs deckt das Land durch eine massive Ausweitung der heimischen Goldförderung. Im Jahr 2016 war China mit einem Fördervolumen von 455 Tonnen Gold die klare Nummer 1 vor Australien (270 Tonnen) und Russland (250 Tonnen). Allerdings reichen die Goldminen Chinas bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen, sodass ein Großteil des Edelmetalls aus dem Ausland eingeführt werden muss.

Der wichtigste Herkunftsmarkt für chinesische Goldimporte ist Hong Kong. Die chinesische Sonderverwaltungszone ist zwar Teil der Volksrepublik, führt aber eigene Außenhandelsstatistiken und betreibt selbst einen intensiven Goldhandel mit europäischen Ländern wie der Schweiz und Großbritannien.

Volumen der chinesischen Goldimporte 2016

China veröffentlicht keine eigenen Außenhandelsstatistiken für Gold. Deshalb sind eindeutige Aussagen über das Importvolumen kaum möglich. Zahlreiche Medien geben einfach den Umfang der Goldexporte Hong Kongs nach China an und setzen diese mit dem Importvolumen gleich.

Aufgrund der inzwischen vielfältigen Bezugsquellen Chinas für Gold ist diese Methode als veraltet anzusehen.

Ein umfassenderes Bild bieten unabhängige Goldexperten wie der Niederländer Koos Jansen, die Außenhandelsdaten mehrerer wichtiger Gold exportierender Nationen addieren und so zumindest eine deutlich genauere Vorstellung von den chinesischen Goldimporten ermöglichen.

Für das Jahr 2016 ergab sich nach dieser Methode ein chinesisches Nettoimportvolumen der vier Exporteure Hong Kong, Großbritannien, Schweiz und Australien von 1.286 Tonnen, dass sich wie folgt verteilte:

  • Hong Kong: 771 Tonnen
  • Schweiz: 442 Tonnen
  • Großbritannien 15 Tonnen
  • Australien: 58 Tonnen

Nettoimportvolumen-2016-4-größten Exporteure


Goldimporte Indien

Während die chinesische Goldnachfrage sich aus einem Mix aus staatlicher Nachfrage, Schmucknachfrage und physischer Investmentnachfrage zusammensetzt, wird die indische Nachfrage ganz überwiegend von Juwelieren und ihren Kunden bestimmt. Auch das politische Umfeld, in dem indische Goldimporte stattfinden ist ein völlig anderes als in China.

Während die Volksrepublik den Goldbesitz Ihrer Bürger fördert, haben die letzten indischen Regierungen alles darangesetzt, die Importe des Edelmetalls so gering wie möglich zu halten.

Der Grund:

Gold ist nach Öl der zweitwichtigste Importartikel Indiens. Durch geringere Einfuhren hofft die Regierung das chronische Leistungsbilanzdefizit unter Kontrolle zu bringen und die Landeswährung Rupie zu stabilisieren.

Die staatlichen Maßnahmen die vergangenen Jahre reichen von Importzöllen über verbindliche Quoten für den Reexport bis zur Abschaffung großer Banknoten, die Barkäufe erleichtern, der Ausgabe neuer staatlicher Goldmünzen und der Förderung von Edelmetallkonten.

Mithilfe dieser Konten soll der auf 22.000 bis 23.000 Tonnen geschätzte private indische Goldschatz der Bevölkerung dem Finanzkreislauf Indiens zugeführt werden.

Zumindest was die Drosselung der legalen Goldimporte angeht, war die indische Regierung durchaus erfolgreich, wie ein Blick auf die Importzahlen seit 2011 – dem Jahr mit dem bisher höchsten Einfuhren – zeigt.

Allerdings sagt der Rückgang der offiziellen Importe nicht notwendigerweise etwas über die tatsächliche Goldnachfrage der indischen Bevölkerung aus. Im selben Maße wie die Einfuhr und der Kauf des Edelmetalls erschwert wurde, hat auch der Goldschmuggel in Indien zugelegt.

Goldimporte Indien 2011 bis 2016

Jahr Goldimporte Veränderung zum Vorjahr
2011 1079 t 9,9 %
2012 979 t -9,3 %
2013 824 t -15,8 %
2014 776 t -5,8 %
2015 949 t 22,29 %
2016 582 t -38,7 %

Goldimporte und Goldexporte der Schweiz

Die Schweiz spielt im internationalen Goldhandel die klassische Rolle eines Drehkreuzes. Sowohl die Importe als auch die Exporte des Landes liegen seit 2007 konstant über 1.000 Tonnen und erreichen nicht selten 2.000 Tonnen.

Legt man den Außenhandel von Einzelstaaten als Maßstab an, ist die Schweiz die weltweit führende Goldhandelsnation.

Dafür sind im Wesentlichen drei Faktoren verantwortlich:

  1. Das Land befindet sich in einer günstigen geografischen Lage. In globaler Perspektive betrachtet liegt die Schweiz in der Nähe des wichtigen Londoner Goldmarkts, wo institutionelle Anleger ihr Gold lagern und von wo sie es gegebenenfalls auch wieder abziehen. Darüber hinaus grenzen mehrere Länder mit einer mittleren Goldnachfrage wie Italien, Deutschland und Frankreich unmittelbar an die Schweiz.

  2. Die Schweiz ist selbst ein bedeutender Lagerort für Goldbarren institutioneller und privater Anleger. Das gilt insbesondere für die Landeshauptstadt Zürich. Dabei kommt der Alpenrepublik ihr traditionell sehr guter Ruf bei der Achtung on Privateigentum zugute.

  3. Die Schweiz verfügt über die mit Abstand bedeutendsten Kapazitäten für die Goldraffination aller Länder. Die in der Schweiz ansässigen Scheideanstalten Valcambi, Metalor, Argor Heraeus und PAMP Suisse verfügen zusammen über eine Kapazität von 3.250 Tonnen Gold pro Jahr.

Die Leistungskraft der Scheideanstalten weist die Schweiz beim Goldhandel zwischen Europa und Asien eine Schlüsselrolle zu. Während am Londoner Goldmarkt 400-oz-Barren gehandelt werden, sind in China und anderen asiatischen Ländern 1-kg-Goldbarren die Regel.

Die Umschmelzung der Barren vom einen in das andere Format findet überwiegend in der Schweiz statt. Seit 2013 ist die Schweiz ein Nettoexporteur von Gold. Es besteht allerdings keine Gewissheit, dass dieser Zustand von Dauer ist.

Goldimporte Schweiz 2011 bis 2016

Jahr Goldimporte Veränderung Goldexporte Veränderung Goldimporte netto*
2011 2.177 t 24,5 % 1.714 t 11,1 % 463 t
2012 1.786 t -18,0 % 1.583 t -7,7 % 203 t
2013 2.627 t 47,1 % 2.803 t 77,7 % -176 t
2014 1.706 t -35,06 % 1.756 t -37,3 % -50 t
2015 1.853 t 8,6 % 1.861 t 6,0 % -8 t
2016 2087 t 12,6 % 2.152 t 15,6 % -65 t

*Importe - Exporte

Goldimporte und Goldexporte Vereinigtes Königreich

Neben China, Indien und der Schweiz ist das Vereinigte Königreich das vierte Land, das beim Außenhandel mit Gold eine entscheidende Rolle spielt.

Die Hauptstadt London ist Sitz des London Bullion Market für Gold und Silber. In den Tresoren der Bank of England lagern viele Staaten einen Teil ihres Goldes, darunter auch Deutschland.

Zusätzlich beherbergen die von Bullionbanken wie HSBC oder JP Morgan Chase verwalteten Tresore die hinterlegten Goldbarren der großen Gold-ETFs allen voran des SPDR Gold Trust sowie einer Vielzahl anderer institutioneller Anleger.

Zu- und Abflüsse der Gold-ETFs entscheiden wesentlich über das Volumen der Goldimporte und Goldexporte des Vereinigten Königreichs. In noch stärkerem Maße als zum Beispiel in der Schweiz ist der Außenhandel mit Gold im Vereinigte Königreich deshalb hohen, teils extremen Schwankungen unterworfen.

Rückgänge um mehr als die Hälfte oder Zuwächse um mehrere hundert Prozent innerhalb Jahres sind nicht ungewöhnlich, wie die folgende Übersicht zeigt.

Goldimporte und Goldexporte UK 2011 bis 2016

Jahr Goldimporte Veränderung Goldexporte Veränderung Goldimporte netto*
2011 796 t 3,9 % 687 t 162,2 % 109 t
2012 1034 t 29,9 % 159 t -76,9 % 875 t
2013 326 t -68,47 % 1.731 t 993,7 % -1.405 t
2014 499 t 53,1 % 930 -46,5 % -431
2015 499 t 0 % 1.048 t 12,69 % -549
2016 1423 t 185,2 % 399 -61,93 % 1.023 t

*Importe - Exporte

Weitere wichtige Importeure und Exporteure von Gold

USA: Die USA gehören seit Jahren zu den Nettoexporteuren von Gold. Ursache dafür ist vor allem die starke physische Goldnachfrage in Asien sowie London als Lagerort für wichtige – auch US-amerikanische Gold-ETFs. Im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2016 belief sich das Exportvolumen auf 568,5 Tonnen und das Importvolumen auf 312,8 Tonnen.

In diesem Zeitraum lagen die Importe nur 2016 über den Exporten. Die USA verfügen zwar mit der COMEX über die weltweit umsatzstärkste Futures-Börse für Gold. Der Handel findet jedoch ganz überwiegend ohne physische Lieferungen statt, was Gold-Futures den unrühmlichen Spitznamen „Papiergold“ eingebracht hat.

Europäische Union: Die Staaten der EU sind insgesamt ein weiterer wichtiger Player im internationalen Goldhandel. Der Löwenanteil der Importe und Exporte entfällt auf den Einzelstaat Großbritannien.

Das Außenahndelsvolumen gibt die Realität nur unzureichend wieder. Warenströme zum Beispiel zwischen Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien, die (im Fall von Großbritannien noch) alle zur EU gehören, tauchen in den Statistiken naturgemäß nicht auf.

Die an den Außengrenzen der EU erfassten Importe und Exporte reflektieren vor allem den Handel europäischer Mitgliedsstaaten mit Asien, den USA und dem arabischen Raum. Ähnlich wie im Fall von Großbritannien als Einzelstaat wechseln auch in der EU insgesamt Jahre mit Import- und Exportüberschüssen häufig. Von 2011 bis 2016 importierte die EU im Durchschnitt 1237 Tonnen. Dem standen Exporte von durchschnittlich 1.277 Tonne gegenüber.


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