Stand: 21.10.2020
Welches Land importiert am meisten Gold - und warum? Was heißt überhaupt Goldimport, und warum sind Zahlen nur bedingt vergleichbar? Aktuelle Zahlen, Fakten und Hintergründe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Goldnachfrage und Goldhandel bestimmen maßgeblich Importmenge
  • Schweiz als Goldhandel Drehkreuz importiert besonders viel Gold
  • China, Indien und Großbritannien 2018 ebenfalls mit hohen Goldimporten
  • Zu unterscheiden ist auch zwischen Import absolut und Netto-Import
  • Deutschland und USA haben 2018 mehr Gold exportiert als importiert
Lies hier:

Was genau bedeutet Goldimport?

Treiber für den Goldimport ist die Nachfrage eines Landes. Bei der Goldnachfrage unterscheidet man die vier Bereiche Investment, Schmuck, Industrie sowie die Zentralbanken. Als Nachfrage im weiteren Sinne gilt auch der Goldhandel. Die Nachfrage durch Endkunden, wie auch der Goldhandel, können je nach Land sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.

So gibt es Länder, wo die Nachfrage der Schmuckindustrie besonders ausgeprägt ist. Dazu zählen etwa Indien, Türkei, oder generell viele Staaten aus dem asiatischen und arabischen Raum.

In anderen Ländern spielen dagegen Goldinvestments eine größere Rolle. Hierunter versteht man Münzen oder Barren. Dies ist zum Beispiel in Deutschland der Fall. Als Goldinvestment gelten auch börsengehandelte Goldprodukte wie mit physischem Gold hinterlegte ETFs.

Die Goldnachfrage der Zentralbanken ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. In den letzten Jahren haben etwa die chinesische, die türkische und die russische Zentralbank hohe Goldkäufe getätigt.

In manchen Ländern ist dagegen weniger die Nachfrage im engeren Sinne maßgebend, sondern der Goldhandel. Dies erklärt, warum so ein kleines Land wie die Schweiz regelmäßig Spitzenplätze einnimmt im Vergleich der absoluten Goldimport-Zahlen. Auch in Großbritannien spielt der Goldhandel eine wichtige Rolle.

Indirekt spielt auch die Goldförderung eine Rolle, also inwieweit ein Land über eigene Goldminen verfügt. Allerdings nicht zwangsläufig, denn auch Länder ohne eigene Goldförderung können sehr wohl bedeutende Goldexporteure sein, wie die Beispiele Schweiz oder Vereinigtes Königreich zeigen. Das Gold, welches sie exportieren, muss ja zuvor ins Land gekommen sein.

Übersicht Goldimporte

2019

Goldimporte 2019 einiger ausgewählter Länder, soweit Angaben bereits verfügbar. Aktuelle Zahlen auf Jahresbasis werden teils mit erheblicher Verzögerung publiziert, oft erst Ende des Folgejahres.

Land Importe 2019 Anmerkung Art des Goldes
China 682 Tonnen* (1)   keine Angaben
Indien 383,2 Tonnen (1) Netto Importe keine Angaben
(*): Zahlen nur bis einschl. November 2019
(1): GFMS/REFINITV: "GFMS Gold Survey 2019 H2 Update & Outlook"

2018

Goldimporte 2018 einiger ausgewählter Länder:

Land Importe 2018 Anmerkung Art des Goldes
Schweiz 2241 Tonnen (1)   Bullionbarren
China 1259 Tonnen (2)   Bullionware
Indien 757 Tonnen (2)   Bullionware
United Kingdom 467 Tonnen (3) Gleichzeitig 702 Tonnen exportiert.
Netto-Import (Saldo) somit negativ
keine Angaben
USA 220 Tonnen (4) Gleichzeitig 480 Tonnen exportiert.
Netto-Import (Saldo) somit negativ
keine Angaben
Deutschland 72 Tonnen (2) Gleichzeitig 119 Tonnen exportiert.
Netto-Import (Saldo) somit negativ
Bullionware
(2): GFMS Gold Survey 2019 / REFINITV Mit Zahlen für 2018
(3): goldchartrus.com / bullionstar.com (Angaben nur bis einschl. September 2018)
(4): U.S. Geological Survey - www.usgs.gov Summaries Feb. 2019

Wie aussagekräftig sind Zahlen?

Grundsätzlich sind Zahlen zu Goldimporten nur bedingt vergleichbar, da die Quellenlage dürftig ist und zudem nicht immer explizit unterschieden wird zwischen Importen absolut, Netto-Importen oder Art des importierten Goldes. Auch muss man bei der Analyse von Goldimporten unterscheiden, für welche Zwecke und in welcher Form ein Land Gold importiert.

So kann man davon ausgehen, dass die Schweiz als das Land mit der weltweit höchsten Dichte an Barrenherstellern und Goldraffinerien viel Gold auch als sogenanntes Doré Gold importiert. Unter Doré Gold oder auch Dore Bars versteht man, salopp formuliert, hochwertiges Roh-Erz. Es ist das, was die Minengesellschaften für Weiterverarbeitung und Transport grob vorbereiten. Der Anteil an Gold ist zwar schon sehr hoch, gleichwohl gibt es noch Beimischungen und Verunreinigungen. Solche Doré Barren sind nur Rohware für die Raffinerie zu Feingold oder Goldbarren.

Umgekehrt wird ein Land, in dem die Schmuckherstellung eine große Rolle spielt, vergleichsweise weniger Gold importieren in Form von aufwändig geprägten Goldmünzen, sondern einen höheren Importbedarf haben an speziellen Gußlegierungen oder Goldgranulat.

In Deutschland spielt Anlagegold, also Münzen und Barren eine traditionell große Rolle. Kann der Binnenmarkt diese Nachfrage nicht decken, wird entsprechend importiert.

Netto-Goldimporte: Entscheidend ist unterm Strich

Bei der Frage nach Goldimporten interessiert nicht nur die reine Zahl in Tonnen, also der absolute Import. Auch was in der Summe als Ergebnis steht ist von Interesse. Man rechnet also die Goldimporte gegen Goldexporte auf. In der Summe spricht man von Netto-Importen. Nur wenn dieser Wert positiv ist, hat das Land auch tatsächlich in der Gesamtsumme Gold importiert. Ist der Wert negativ, hat dieser Staat in der Summe mehr exportiert.

So tauchen die USA überhaupt nicht auf im Ranking der Netto-Goldimporteure. Zwar importiert das Land durchaus Gold in nennenswerten Umfang, die Exporte liegen aber deutlich höher. Mit ein Grund ist sicher die große Fördermenge der heimischen Goldminen.

Zu berücksichtigen sind auch Zeitäume. Der Wechsel eines Landes vom Netto-Goldimporteur zum Goldexporteur und umgekehrt ist nicht selten. Ein Land kann vorübergehend durchaus unterm Strich Goldimporteur werden, obwohl Eigenproduktion oder Binnenhandel die inländische Nachfrage theoretisch decken könnten, und umgekehrt. Politische und wirtschaftliche Überlegungen spielen immer eine Rolle bei der Frage, ob lieber importiert wird oder exportiert.

Wer importiert was und wie viel?

Schweiz

Die Schweiz spielt im internationalen Goldhandel die klassische Rolle eines Drehkreuzes. Legt man den Außenhandel von Einzelstaaten als Maßstab an, ist die Schweiz die weltweit führende Goldhandelsnation. Sowohl die Importe als auch die Exporte des Landes betrugen aufs Jahr gesehen oft über 1.000 Tonnen, nicht selten über 2.000 Tonnen. Erst 2019 lag die Menge des importierten Goldes deutlich darunter.

Gründe: Die Schweiz gilt seit langem als bedeutender und diskreter Lagerort für Goldbarren institutioneller und privater Anleger aus dem In- und Ausland. Das gilt insbesondere für die Landeshauptstadt Zürich. Zudem verfügen die in dem Land ansässigen Scheideanstalten Metalor, PAMP Suisse, Valcambi oder Argor Heraeus über die weltweit bedeutendsten Kapazitäten zur Goldraffination.

China

Im Zuge des ökonomischen Aufstieges hat sich das Land zum weltweit wichtigsten Nachfrager nach Gold entwickelt. Die Nachfrage setzt sich zusammen aus einem Mix von staatlicher Nachfrage, Schmucknachfrage und physischer Investmentnachfrage. Hochkarätiger Goldschmuck spielt eine traditionell wichtige Rolle. Aber das Edelmetall ist auch unter chinesischen Investoren beliebt, die oft nur einen eingeschränkten Zugang zu internationalen Kapitalmärkten haben und auf alternative Formen der Geldanlage angewiesen sind. Die Volksrepublik fördert den Goldbesitz Ihrer Bürger.

Einen Teil des steigenden Goldbedarfs deckt das Land durch eine massive Ausweitung der heimischen Goldförderung. China ist hier inzwischen weltweit Nummer 1. Allerdings reichen die Goldminen Chinas bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen, sodass ein Großteil des Edelmetalls aus dem Ausland eingeführt werden muss.

Der wichtigste Herkunftsmarkt für chinesische Goldimporte ist Hong Kong. Die chinesische Sonderverwaltungszone ist zwar Teil der Volksrepublik, führt aber eigene Außenhandelsstatistiken und betreibt selbst einen intensiven Goldhandel mit europäischen Ländern wie der Schweiz und Großbritannien.

China veröffentlicht keine eigenen Außenhandelsstatistiken für Gold. Deshalb sind eindeutige Aussagen über das Importvolumen schwierig.

Indien

Die indische Nachfrage wird ganz überwiegend von Juwelieren und ihren Kunden bestimmt. Erwähnenswert das politische Umfeld: Bisher haben die indischen Regierungen alles darangesetzt, die Importe des Edelmetalls so gering wie möglich zu halten. Durch geringere Einfuhren hofft die Regierung das chronische Leistungsbilanzdefizit unter Kontrolle zu bringen und die Landeswährung Rupie zu stabilisieren.

Die staatlichen Maßnahmen reichen von Importzöllen über verbindliche Quoten für den Reexport bis zur Abschaffung großer Banknoten, welche bekanntlich Barkäufe erleichtern. Auch die Ausgabe neuer staatlicher Goldmünzen und der Förderung von Edelmetallkonten gehört zu dieser Politik. Mithilfe dieser Konten soll der private indische Goldschatz der Bevölkerung dem Finanzkreislauf Indiens zugeführt werden. Zumindest was die Drosselung der legalen Goldimporte angeht, war die indische Regierung durchaus erfolgreich, wie ein Blick auf die Importzahlen zeigt.

Allerdings sagt der Rückgang der offiziellen Importe nicht notwendigerweise etwas über die tatsächliche Goldnachfrage der indischen Bevölkerung aus. Im selben Maße wie die Einfuhr und der Kauf des Edelmetalls erschwert wurde, hat auch der Goldschmuggel in Indien zugelegt.

Großbritannien

Das Vereinigte Königreich spielt beim beim Außenhandel mit Gold eine entscheidende Rolle. Grund: London ist Sitz des London Bullion Markets, der noch immer als weltweit wichtigster außerbörslicher Handelsplatz gilt für Gold und Silber. In den Tresoren der Bank of England lagern viele Staaten einen Teil ihres Goldes, darunter auch Deutschland.

Zusätzlich beherbergen die von Bullionbanken wie HSBC oder JP Morgan Chase verwalteten Tresore die hinterlegten Goldbarren der großen Gold-ETFs, allen voran des SPDR Gold Trust sowie einer Vielzahl anderer institutioneller Anleger.

Zu- und Abflüsse der Gold-ETFs entscheiden wesentlich über das Volumen der Goldimporte und Goldexporte des Vereinigten Königreichs. In noch stärkerem Maße als zum Beispiel in der Schweiz ist der Außenhandel mit Gold im Vereinigte Königreich teils sehr hohen Schwankungen unterworfen.

USA

Die USA gehören seit Jahren zu den Nettoexporteuren von Gold. Gründe: Hohe Förderleistung der heimischen Goldminenindustrie, die starke physische Goldnachfrage aus Asien sowie London als Lagerort für wichtige US-amerikanische Gold-ETFs.

Auch wenn die USA mit der COMEX über die weltweit umsatzstärkste Futures-Börse für Gold verfügen, so muss man, was Goldimporte angeht, hier festhalten, dass der Handel ganz überwiegend ohne physische Lieferungen stattfindet, was Gold-Futures den unrühmlichen Spitznamen „Papiergold“ eingebracht hat.

Deutschland

Nach Angaben des aktuellen Gold Survey 2019 Reports von GFMS / REFINITIV hat Deutschland in 2018 insgesamt 72 Tonnen Gold importiert und 119 Tonnen exportiert. Der Netto-Import Saldo ist also negativ.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"