Stand: 08.05.2019 0 Kommentare

Goldraub und der Diebstahl des Edelmetalls kommen in vielen verschiedenen Spielarten vor. Das Spektrum reicht vom Taschendiebstahl über das Ausrauben von Zügen bis hin zu staatlich organisierten Verbrechen unter dem Einsatz militärischer Gewalt. Im Folgenden finden Sie fünf sehr unterschiedliche Beispiele aus den letzten 150 Jahren dafür, wie man vom Goldbesitzer ganz schnell zum ehemaligen Goldbesitzer werden kann.

1855: Bleikugeln für Gold - der große Austausch

Edward Agar, William Pierce, James Burgess und William Tester führten 1855 einen besonders cleveren Goldraub in einem Zug durch, der das Edelmetall von England nach Frankreich transportieren sollte. Raubüberfälle auf Züge waren im 19. Jahrhundert häufig und die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend hoch.

Das Gold war in drei separaten Kisten hinter Eisengittern untergebracht und wurde bewacht. Zum Öffnen der Kisten waren jeweils zwei verschiedene Schlüssel nötig, die zwei verschiedene Angestellten der Bahngesellschaft verwahrten. Als die Schatzkisten jedoch in Paris ordnungsgemäß geöffnet wurden, war der Schock groß: Statt Gold enthielten sie nämlich nur Blei.

Den Goldräubern war es gelungen, Duplikate der Schlüssel aus Wachsabdrücken herzustellen und das Gold durch Blei zu ersetzen, um den Gewichtsverlust auszugleichen, sodass bei Kontrollen nichts auffallen würde. Agar und Pierce waren als Reisende 1. Klasse in dem Zug. Burgess, ein Angestellter der Bahn und für die Bewachung des Goldes zuständig, konnte seine Komplizen in den Waggon lotsen, während Tester, der als Stationsmeister am Zwischenstopp Redhill tätig war, das Gold in Empfang nahm.

1933: Goldraub ganz offiziell - Executive Order 6102

Es war zwar kein Raub im formaljuristischen Sinne, doch für die Goldbesitzer in den Vereinigten Staaten war der Effekt der berühmte Executive Order 6102 aus dem Jahr 2013 ganz derselbe. Das präsidiale Dekret, das Franklin D. Roosevelt am 5. April 1933 unterzeichnete, verpflichtete alle US-Bürger, ihre Goldbarren, Goldmünzen und Goldzertifikate zu einem Umtauschkurs von 20,67 Dollar an die Federal Reserve abzuliefern.

Nachdem die Bürger sich gehorsam von ihrem Edelmetall getrennt hatten, wurde der Preis um 64,49 Prozent auf 34 Dollar angehoben. Das eingebrachte Gold floss dem Finanzministerium der USA zu. Zyniker könnten ergänzen, dass es immerhin ein Raub mit Freibetrag war, denn Gold mit einem inflationsbereinigten Wert von 6.339 Dollar (Stand 2014) hatte man den Geschröpften dann doch gelassen. Im Jahr 1934 wurde die Executive Order 6102 dann durch den US-Kongress in ein formales Gesetz, den Gold Reserve Act überführt.

1937: Goldraub und Massenmord in Nanking

Selbst der größte und ausgeklügelte Goldraub nimmt sich wie eine Kleinigkeit aus, wenn man ihn mit dem staatlich organisierten Raub vergleicht. Einen solchen beging die Kaiserliche Japanische Armee nach der Invasion Chinas im Jahr 1937. Die Beute belief sich auf die unvorstellbare Menge von 6.600 Tonnen Gold. Zum Vergleich: Die USA halten Stand Oktober 2015 mit 8.133,5 Tonnen die größten Goldreserven der Welt. Deutschland besitzt als weltweite Nummer 2 rund 3.381 Tonnen.

Tatort des Goldraubs war Nanking, damals die Hauptstadt Chinas und heute vor allem ein Symbol japanischer Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg. Die Armee beließ es nicht beim Rauben: Von Dezember 1937 bis Januar 1938 ermordeten die japanischen Truppen im Massaker von Nanking hunderttausende chinesischer Zivilisten und vergewaltigten Zehntausende Frauen und Mädchen. Diese Verbrechen belastet die japanisch-chinesischen Beziehungen bis heute.

2013: Für eine Handvoll Dollar verraten

Katrina Fincham, eine australische Krankenschwester und leidenschaftliche Gamerin hatte eine Möglichkeit gefunden, ihr Gehalt mehr als nur ein wenig aufzustocken. Sie bot in der Online-Welt des Spiels World of Warcraft ihre Dienste an und erspielte für andere virtuelles Gold (WOW Gold) gegen Bezahlung in echtem Geld. Diese auch als Gold Farming bekannte Tätigkeit brachte Fincham stattliche 700 Dollar am Tag ein. Als sie sich auf diese Weise 75.000 Dollar zusammengespart hatte kaufte sie damit reale Goldbarren.

Kurze Zeit später ging Katrina Fincham für kurze Zeit auf Reisen. Als sie wieder in ihre Wohnung kam, war das Gold verschwunden. Die Versicherung weigerte sich zu zahlen und behauptete Versicherungsbetrug. Es folgten Klagen und Gegenklagen vor Gericht. Wie sich später herausstellte, hatte ein "Freund" von Fincham, den sie online kennengelernt hatte, das Versteck an Einbrecher verraten und zwar für einen vergleichsweise geringen Betrag von 500 Dollar.

2015: Safe samt Inhalt mitgenommen

Nicht jeder Raub oder Diebstahl von Gold ist ein großes Medienereignis oder geht sogar in die Geschichtsbücher ein. Meist sind es Wohnungseinbrüche, mit denen die Behörden hierzulande zu tun haben. Wie kann der Bürger sein goldenes Eigentum im eigenen Heim angesichts zunehmender Einbruchsmeldungen am besten schützen?

Ein Tresor ein hohes Maß an Sicherheit, allerdings auch nicht in jedem Fall hundertprozentigen Schutz. So gelang es im Dezember 2015 Einbrechern im baden-württembergischen Esslingen zwar nicht, einen Tresor zu öffnen, den sie beim Durchsuchen des Hauses entdeckten. Stattdessen rissen die erfolglosen Panzerknacker aber den kompletten Safe unter Einsatz von Brachialgewalt aus der Wandverankerung und schafften ihn in fort.

Bei dem Modell handelte es sich allerdings um einen sehr kleinen Tresor mit nur 50 kg Gewicht. Ein großer und schwerer Tresor kann eine ganze Tonne oder sogar mehrere Tonnen wiegen und lässt sich nicht so einfach per Hand wegschaffen. Allerdings sind diese Goliaths unter den Wertschutzschränken auch nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Die Anschaffung lohnt sich nur bei der Verwahrung größerer Goldmengen. Eine sinnvolle und vergleichsweise kostengünstige Alternative zum Tresor bietet die versicherte Verwahrung von Gold sind anderen Wertgegenständen in einem Bankschließfach.

2016: Leichtsinn wird bestraft

Wer so unvorsichtig ist, seltene Goldmünzen im Wert von 30.000 Euro mit sich herumzutragen, sollte seinen Schatz zumindest unterwegs nicht unbeaufsichtigt lassen. Genau dieser leichtsinnige Fehler unterlief im Januar 2016 einem Reisenden während einer Zugfahrt von München nach Nürnberg. Der 61-jährige Mann hatte im Speisewagen Platz genommen und sich während des Halts in Ingolstadt nur ganz kurz von seinem Platz entfernt.

Als er wiederkam, war die Tasche mit den Goldmünzen verschwunden. Der Täter hatte vermutlich im Augenblick der Tat keine Ahnung welchen Glückstreffer er gerade landet und wird sich im Nachhinein herzlich für den Leichtsinn bedankt haben. Dem Opfer blieb derweil nichts Anderes übrig, als ein wenig erfolgversprechendes Ermittlungsverfahren wegen Diebstahl gegen Unbekannt einzuleiten.

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    Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"