Stand: 23.06.2016 0 Kommentare

Als Griechenland-Krise bezeichnet man eine im Jahr 2010 offen zutage getretene Krise der griechischen Staatsfinanzen. Das südeuropäische Land ist seither auf Geld aus den Hilfsprogrammen der EU, der EZB und des IWF angewiesen, um seinen internationalen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Eine nachhaltige Lösung der Krise ist mit Stand vom Juni 2016 nicht in Sicht.

Ursachen und Vorgeschichte der Griechenland-Krise

Griechenland wurde am 1. Januar 2001 in die Eurozone aufgenommen, ohne real die EU-Konvergenzkriterien zu erfüllen, die eigentlich eine Bedingung für die Einführung der Gemeinschaftswährung waren. Die wichtigsten dieser Kriterien sind eine maximale Staatsverschuldung von 60 Prozent sowie ein maximales jährliches Defizit des Staatshaushalts von 3 Prozent.

Die griechische Staatsverschuldung des Jahres 2000 lag bei über 100 Prozent, das Haushaltsdefizit wurde zwar offiziell mit unter 2 Prozent angegeben. Im Nachhinein stellten sich allerdings heraus, dass das Griechische Statistische Amt ELSTAT die Zahlen geschönt hatte. Eine entsprechende Feststellung durch EUROSTAT, das Statistische Amt der Europäischen Union, wurde im November 2004 veröffentlicht.

Der Vorwurf der Manipulation der Wirtschaftdaten ist allerdings nicht nur den griechischen Statistikern zu machen, sondern auch amerikanischen Investmentbanken. Goldman Sachs, ein langjähriger Berater der griechischen Regierung, leistete vermutlich aktiv Hilfe bei der Verschleierung.

Mit der Aufnahme in die Eurozone hatte Griechenland ab 2001 zunächst die Möglichkeit, zu günstigeren Zinssätzen Schulden aufzunehmen, als es für die von Korruption, massiven Steuerhinterziehungen und geringer Wettbewerbsfähigkeit gekennzeichnete Volkswirtschaft des Landes eigentlich angemessen gewesen wäre.

Offener Ausbruch der Krise

Als gewissermaßen offizieller Beginn der Griechenland-Krise gilt der 23. April 2010, als der damalige griechische Premierminister Georgos Papandreou die bevorstehende Zahlungsunfähigkeit seines Landes bekanntgab. Der Schritt überraschte allerdings in Europa kaum jemanden: Bereits im Jahr 2009 hatte sich ein griechisches Haushaltsdefizit von über 10 Prozent angedeutet.

Im Dezember 2009 stufte die Rating-Agentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit des Landes herab. Griechenland war nicht mehr in der Lage die gestiegenen Risikoaufschläge für ausgegebene Schuldpapiere zu bezahlen.

Hilfspakete für Griechenland

Bis zum 2. Mai 2010 bewilligte die EU, EZB und IWF bestehende "Troika" Kreditbürgschaften für Griechenland in Höhe von 107,3 Milliarden Euro. Davon wurden bisher 73 Milliarden Euro ausgezahlt. Bei einem Treffen der europäischen Finanzminister am 9. und 10 Mai 2010 wurde die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, kurz: ESFS, ins Leben gerufen, mit der in Zahlungsschwierigkeit geraten Mitgliedsstaaten der EU wie Griechenland oder Portugal künftig unterstützt werden konnten.

Nach heftigem innenpolitischem Widerstand in Griechenland wurde schließlich im Frühjahr 2012 das zweite Rettungspaket mit einem bewilligten Volumen von 163,3 Milliarden Euro ratifiziert. Davon wurden bisher 142,7 Milliarden Euro ausgezahlt. Das Paket enthielt neben Geldern aus der EFSF auch einen teilweisen Schuldenerlass sowie reduzierte Zinssätze für ausstehende Schulden aus dem ersten Rettungspaket von 2010.

Das dritte und bisher letzte Rettungspaket für Griechenland datiert vom August 2015 und ist Teil des im September 2012 geschaffenen ESM oder Europäischen Stabilitätsmechanismus. Das Volumen beläuft sich auf 86 Milliarden Euro, wovon bisher 25 Milliarden ausgezahlt wurden.

Griechenlands Zahlungsfähigkeit in der Zukunft

Ob Griechenland seine Schulden jemals zurückzahlen kann, ist fraglich. Die Ausrichtung der bisherigen Finanzhilfen hat es dem Land ermöglicht, seine laufenden Verbindlichkeiten zu begleichen, allerdings fehlt das Geld für staatliche Investitionen, die der griechischen Volkswirtschaft zugutekämen. Seit Beginn der Rettungsprogramme ist das Bruttoinlandsprodukt mit Ausnahme von 2014 in jedem Jahr teils sehr deutlich zurückgegangen.

Der einzige deutliche Rückgang der Schuldenquote seit 2010 im Jahr 2012 ist auf partiellen Schuldenerlass und reduzierte Zinszahlungen zurückzuführen, nicht auf positives Wirtschaftswachstum. Als Mitglied der Eurozone fehlt Griechenland außerdem die Möglichkeit, über die Abwertungen seiner Währung Kostenvorteile für seine Produkte und damit Wettbewerbsvorteile beim Export zu generieren.

Griechische Staatsverschuldung 2009 bis 2015

Jahr Staatsverschuldung 2009 bis 2015 in Relation zum BIP BIP-Wachstum
2009 126,22 % -4,30 %
2010 145,67 % -5,48 %
2011 170,96 % -9,13 %
2012 156,94 % -7,30 %
2013 174,95 % -3,20 %
2014 177,19 % 0,65 %
2015 172,73 % -0,23 %
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